Am Wochenende kam ein Paket mit 30 Chilisorten an. Die meisten davon habe ich getestet und möchte meine Eindrücke mit euch teilen. Im Hintergrund arbeite ich bereits an einem Tool, das euch später ermöglichen soll, schnell und einfach den richtigen Chili für eure Zwecke zu finden. Je mehr Chilis ich dafür testen kann, desto größer ist das Spektrum, das ich damit abdecken kann. Schreibt mir gerne, wenn ihr etwas habt, das ihr loswerden wollt 🙂 Aktuell befindet sich noch alles in den Anfängen, da dies die erste Erntesaison meines Blogs ist. Das heißt, ich fülle erst einmal die Datenbank so gut es geht.

Bis es soweit ist, werde ich euch gerne meine aktuellsten Kurzbeschreibungen zu den jeweiligen Geschmäckern bereitstellen. So bekommt ihr schon mal einen ersten Eindruck von den Sorten und könnt evtl. besser ableiten, welche Chilis ihr für eure Zwecke im nächsten Jahr gerne anbauen wollt.

Geschmäcker sind bekanntlich verschieden und jede Frucht an jeder Pflanze schmeckt bekanntlich auch unterschiedlich. Ich habe zum Testen auch nur 1 bis 3 Früchte probiert bis ich den Geschmack einmal für mich richtig einordnen konnte. Viel mehr geht auch nicht, wenn man vorhat, über 20 Sorten möglichst frisch zu testen und dabei nicht zu sterben.

Trotzdem bin ich überzeugt, dass auch eine einzelne Beere eine gesamte Sorte repräsentieren kann. Sie werden alle zumindest vom Aroma her ähnlich schmecken und sehr große Abweichungen halte ich für eher unwahrscheinlich. Ansonsten wäre es auch nicht möglich, Die Trauben bei Weinverkostungen zu erkennen.

Ich erspare euch noch eine Aufzählung der 24 Chilisorten, um welche es geht, da ihr sie im Folgenden eh finden könnt:

C. annuum

Black Scorpion Tongue

Ein recht saurer, aber auch süßlicher Chili mit Zitronenaroma bei dunkelroter Färbung, was eher ungewöhnlich ist – sind es doch sonst eher die hell gefärbten Früchte mit so einem Geschmacksbild. Ich würde ihn zum Würzen saurer Speisen, die nicht superscharf werden sollen, empfehlen.

Bolivian Rainbow

Die Bolivian Rainbow haben mich überrascht mit einem für C. annuum unerwartet intensiven Aroma, das an Johannisbeeren erinnert. Sie sind entsprechend saftig mit deutlich süßer Note und merklichem Säureanteil.

Candy Cane Chocolate Cherry

Dieser Schärfelose Paprika überzeugt durch seine schöne Färbung mit braunen Streifen auf rotem Grundton. Geschmacklich schmeckt sie nicht sehr anders als ein gewöhnlicher roter Blockpaprika. Er ist jedoch etwas weniger süß und deutlich saurer.

Royal Black

Royal Black ist einer der unaromatischsten Chilisorten, die ich bisher getestet habe. Wer scharf essen will mit wenig Eigengeschmack aus dem Chili heraus ist hiermit gut beraten, allerdings würde ich ihn nicht zum roh verzehren empfehlen, da es da meines Erachtens deutlich leckerere Sorten gibt. Von Konsistenz und Geschmack ähnelt die dünne Fruchtwand der Schale von Äpfeln.

Snack Paprika orange

Der orange Snackpaprika ist in seinem Geschmack wie ein roter Paprika, aber mit einem Hauch von Orangen- oder Blutorangenaroma, das im Nachgeschmack durch ein in Vorschein tretendes Karottenaroma ersetzt wird.

Zimbabwe black

Sehr kleine dunkelrote Chilis, die nicht sehr intensiv und entsprechend ihrer Größe auch nicht sehr saftig sind. Sie bringen ein nussiges Aroma mit sich, sind aber dabei im Gegensatz zu Sugar Rush Peach überhaupt nicht süß.

C. baccatum

Aji Challuaruro Amarillo

Wer es gerne etwas saurer, aber dennoch fruchtig mag, kann diesen Chili probieren. Wie bei vielen anderen Chilis auch kommt ein Zitronenaroma zum Vorschein, das hier aber von einem nussigen Beigeschmack begleitet wird.

Aji Confusion

Doppelte und dreifache Fruchtwände hat nicht jeder Chili zu bieten. Das Ergebnis ist eine knackige Frucht, die trotzdem nicht ganz so saftig ist wie wenn das Fruchtfleisch wie üblich in nur einer einzigen Außenwand derselben Gesamtdicke gelagert wäre. Der untere Teil bringt das Aroma saurer Äpfel mit sich, während im oberen Bereich nahe dem Stielansatz bittere Geschmacksstoffe gelagert sind, der Chili relativ trocken schmeckt und das Aroma eher an Zitronengras erinnert.

Aji Pineapple

Wie der Name verrät, erinnert das Aroma an Ananas. Gleichzeitig ist sind aber auch andere Aromen deutlich vernehmbar. In der Kombination schmeckt mir dieser Chili persönlich gar nicht. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass er in zerkleinerter Form exotisch fruchtige Saucen gut
ergänzen kann.

Brazilian Starfish

Ein ungewöhnlich geformter Vertreter von C. baccatum, der für seine geringe Größe erstaunlich knackig und entsprechend saftig ist. Es ist so, als würde man in einen Paprika und einen Apfel zeitgleich reinbeißen. Unter den in dieser Testreihe getesteten Chilis mein Lieblingchili zum Snacken.

Peppadew

Peppadew schmeckt im Vergleich zu anderen Sorten nicht sonderlich süß, aber dafür umso saurer. Es gibt auch eine leichte fruchtige Note, die mit dem Geschmack von Physalis vergleichbar ist.

Sugar Rush Peach

Dieser Chili schmeckt sowohl stark nach Paprika als auch nach Walnüssen, also einem Gemisch aus beidem. Die namensgebende Süße ist deutlich vernehmbar. Sugar Rush Peach kann gut ergänzend bei Sahnesaucen hinzugegeben werden.

Sugar Rush Stripey

Gewundert habe ich mich, dass die Stripeys entgegen der allgemeinen Infos aus dem Internet nicht ähnlich wie die Sugar Rush Peach geschmeckt haben. Die Walnussnote konnte ich überhaupt nicht vernehmen und sie sind auch etwas weniger süß. Zugegebenermaßen wird die Walnuss auch sonst nicht im Internet erwähnt. Der Geschmack, dem die Stripeys am nächsten kommen ist Apfel, aber auch nicht so, dass das deutlich zum Vorschein käme. Sie können daher gut zusammen mit gelben Paprika oder anstelle dessen verwendet werden.

C. chinense

7 Pot Lobotomy red

 

Unten schmeckt die Frucht deutlich nach Paprika mit etwas Apfel, weiter oben macht sich ein nussiges Aroma bemerkbar, wodurch der Gesamteindruck weiterhin der Geschmack von Paprika ist mit Apfel- und Nussaromen im Hintergrund. Natürlich alles chinensetypisch tropisch-exotisch abgerundet.

Aji Charapita

Das teuerste Gewürz der Welt… Ich habe drei der erbsengroßen Stücke probiert bis ich sie geschmacklich irgendwie einordnen konnte. An Geschmacksintensität sind sie tatsächlich nicht zu überbieten. Von Saft fehlt allerdings jede Spur. Ähnlichkeiten zum Blockpaprikageschmack konnte ich gar nicht feststellen, dafür gibt es viele Parallelen zu Limetten.

Carolina Reaper white

Der schärfste Chili der Sendung musste natürlich auch irgendwann gegessen werden. Wie bei allen Scorpion-Kreuzungen ist der Stachel
auch hier überhaupt nicht scharf. Im Gegensatz zur roten Carolina Reaper schmeckt diese Sorte leicht fruchtig und dadurch etwas süßer. Die Fruchtnote kommt so schwach zum Vorschein, dass ich nicht ganz sicher bestimmen konnte, was das genau für ein Geschmack ist. Am Ende habe ich mich für weißen Pfirsich entschieden. Für gelben Pfirsich war sie mir nicht süß genug. 

CGN 21500

Diese Nummer musste ich auch erst einmal googlen und konnte feststellen, dass das tatsächlich der offizielle Name ist. Zudem werden deren Samen auch an einigen Ecken im Internet angeboten, also ist auch schon etwas etablierter. Geschmacklich ist der Chili nicht sehr intensiv. Er bringt jedoch ein leicht zitroniges Aroma mit sich, das sich langsam im Mund entfaltet, aber nie in den Vordergrund gerät. Auch optisch hat der Chili mit seinen lila Flecken auf orangen Grundton was zu bieten.

Habanada

Habanada war für mich eine Entdeckung. Ich befasse mich ja sonst nicht sonderlich mit schärfefreien Chilis, aber umso überraschter war ich von der Geschmacksintensität des Habanada. Zunächst schmeckt der Chili ziemlich süß mit dem klassischen Habaneroaroma. Dieses triggert bereits einen Warnhinweis ans Gehirn, dass es gleich sehr scharf werden wird. Der Hitzereiz bleibt allerdings aus und es machen sich langsam die anderen Aromen breit – etwas zwischen Birne und süßer Karotte. Im Nachgang dominiert immer mehr das Karottenaroma. Beim Kochen für schärfeempfindliche Mitmenschen könnte dieser Chili die Lösung für alle sein.

Habanero Hot Lemon

Anders als der Name erahnen lässt, sind diese Chilis nicht sonderlich aromatisch – insbesondere nicht im Vergleich zu anderen Habanerosorten. Trotz allem ist die Zitrone erkennbar. Ich würde ihn zum Würzen extrem scharfer säuerlicher Gerichte empfehlen.

Habanero Snow white

Die Habanero Snow White sind kleiner als ihre andersfarbigen
Artgenossen, scheinen aber ebenso viele Kerne zu enthalten. Zum Snacken sind sie daher nicht unbedingt gut geeignet. Sie sind besonders süß, aber nicht sehr saftig, wodurch die Süße nicht direkt so zum Vorschein kommt. Sie hat geschmackliche Ähnlichkeiten mit Pfirsichen. Snow White lässt sich in Gerichten gut durch die weiße Reaper ersetzen oder auch anders herum.

Limón

Limón schmeckt schon zitronig, aber nicht so stark, wie es dem Namen nach anzunehmen wäre. Fatalii ist für mich nach wie vor der Vorreiter in dieser Hinsicht. Der Chili enthält kaum Fruchtsaft und schmeckt auch nicht sehr intensiv, wodurch sich seine Aromen beim Rohverzehr auch nicht so gut entfalten können. Für mich ein klarer Kandidat für die Weiterverarbeitung zu Pulver oder Flocken.

Madame Jeanette

Ein sehr intensives Aroma hat auch die Madame Jeanette. Süße Orangen waren das, woran ich beim Verzehr als erstes denken musste. Sie dominieren die typischen Paprikaaromen deutlich. Für mich ein klarer Kandidat für fruchtige Saucen. Mein neuer Favorit zum Schärfen von fruchtig-süßen Speisen wie meiner neuesten Kreation, der Paprikacremesuppe.

C. frutescens

KS White Thai

Kein sonderlich saftiger Chili, dafür aber recht sauer mit deutlich bitterer Unternote. Das Aroma kann mit dem von Gurken verglichen werden. Ansonsten ist es ein klassischer Thai Chili und kann entsprechend am besten für Thai Rezepte verwendet werden.