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Eigenes Chiliöl herstellen

Chiliöl ist das i-Tüpfelchen auf jeder Pizza, eignet sich aber auch immer gut für Salate oder gemeinsam mit Salz und Pfeffer zum Aufsaugen mit Ciabattascheiben. Auch zum Anbraten könnt ihr es verwenden und es gibt noch zahlreiche weitere Einsatzmöglichkeiten.

drei Chiliölflaschen mit Cayenne, Carolina Reaper und Fatalii

Umso wichtiger ist es, dass ihr beim Ansetzen dieser edlen Tropfen keine Fehler macht. Im Internet wimmelt es von Rezepten, aber nicht alle solltet ihr so nachmachen. Wenn ihr Chiliöl herstellen wollt, solltet ihr euch vorher mit „Botulismus“ auseinander gesetzt haben.

Wissenswertes über Botulismus

Botulismus ist eine tödliche Krankheit, die vorwiegend dadurch ausgelöst wird, dass Fehler beim Selbsteinlegen von Lebensmittelkonserven gemacht werden. Sie ist zwar extrem selten (0-24 gemeldete Fälle pro Jahr von 2001 bis 2018 [1], von 2008-2013 insgesamt 36 Fälle), trotzdem handelt es sich hierbei um eine potentiell tödliche Krankheit, die ihr ernstnehmen und vorbeugen solltet.

Zunächst zeigt die Statistik, dass vorrangig Öle, die auf Basis von Knoblauch angesetzt werden, problematisch sind. Das liegt auch daran, dass die verantwortlichen Bakterien vorwiegend unter der Erde angesiedelt sind, wo auch die Knoblauchknollen ausgebildet werden, wohingegen Chilis an einer Pflanze hängend in der Luft wachsen.

Aber auch bei Chilis seid ihr nie 100%ig sicher. Um aber möglichst nahe an die 100% Sicherheit zu kommen, solltet ihr euer Öl niemals mit unbehandelten, frischen Chilis ansetzen. Für sich genommen sind diese Bakterien unbedenklich und fast überall – auch in unserem Magen-Darm-Trakt – zu finden. Das Gift entsteht im sauerstoffarmen Milieu. Da bildet es nämlich anstatt der Sporen hochgiftige Toxine, die diese Krankheit auslösen können.

Botulinumneurotoxine (BoNT) gehören zu den stärksten natürlichen Giften der Welt. Sie können bei Temperaturen oberhalb von 80°C abgetötet werden.[2] Die Sporen der Bakterien sterben allerdings erst bei Temperaturen über 100 Grad ab. In der Lebensmittelindustrie hat sich die Richtgröße durchgesetzt, dass eingekochte oder eingelegte Speisen drei Minuten lang bei 121,1°C abgetötet werden sollen. Die Zahl 121,1 kommt dadurch zustande, dass das umgerechnet 250 Grad Fahrenheit sind. Bei 250 Grad Fahrenheit bzw. 121,1°C zehntelt sich die Sporenpopulation alle 6 bis 12 Sekunden. Konservativ gerechnet (mit dem Wert von 12 Sekunden) auf drei Minuten bedeutet das eine Verringerung der Population auf einen Millionstel von einem Milliardstel, was im privaten Anwendungsfall weit über die nötige Sicherheit hinaus geht.

Wenn ihr diese Temperaturen erreichen wollt, müsst ihr entweder unter erhöhtem Druck arbeiten, z. B. die Chilis in einem Druckkochtopf abkochen oder ihr erhitzt das Öl gemeinsam mit den Chilis in einem Topf und messt mit einem Thermometer parallel die Temperatur. Dabei dürfen keine 140°C erreicht werden, weil da die Maillard-Reaktion einsetzt, die im Ofen und in der Pfanne für die braune oder schwarze Farbe und die damit verbundenen Röstaromen verantwortlich ist.[3]

Mit dem Druckkochtopf werdet ihr die 121°C auch nicht erreichen können, aber selbst bei 111°C könnt ihr denselben Effekt erzielen wie bei 121°C. Es dauert bei dieser Temperatur dann nur ca. 10x länger. Auch 30 Minuten sind eine überschaubare Zeit. Mit 10 K Temperaturabweichung nach unten zehntelt sich der Effekt, was eine Verzehnfachung der nötigen Zeit für dasselbe Ergebnis verlangt. Nach oben verhält es sich entsprechend umgekehrt.[4]

Bei Temperaturen um 100°C herum lassen sich die Sporen nicht mehr sicher abtöten. Aus dem Selbsterhaltungstrieb der Bakterien heraus kann es dann sogar in diesem Temperaturbereich zu einer verstärkten Sporenbildung kommen.[5]

Chiliöl herstellen

Die Keime können sich besser verbreiten, wenn Feuchtigkeit vorhanden ist. Deshalb raten viele Leute dazu, die Chilis vorher zu trocknen. Allerdings basieren viele Anleitungen im Internet auf der Annahme, dass bereits mit dem Trocknen von Chilis alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen sind und die Erhitzung überfällig ist. Belege dafür konnte ich allerdings nirgendwo im Netz finden. Die C.-botulinum-Bakterien können bereits vor der Trocknung existieren und sterben bei den üblichen Temperaturen im Trocknungsprozess nicht ab. Das Neurotoxin kann sich nach meinem Verständnis nach dem Einlegen in Öl trotzdem bilden. Korrigiert mich bitte, wenn ich hier falsch liege.

Wenn ihr wirklich komplett sicher sein wollt, empfehle ich euch eine Kombination aus Trocknen der Chilis und anschließender Erhitzung gemeinsam mit dem Öl auf 121 Grad für 3 Minuten. Dabei ist der Vorteil, dass durch das Erhitzen des Chilis im Öl auch die Aromen und das Capsaicin schnell durch das Öl aufgenommen werden können. Mindestens einmal solltet ihr jede Frucht längs aufgeschnitten haben, damit auch ein Austausch mit dem aromatischen Inneren der Chilis erfolgen kann. Nach der Abkühlung ist es praktisch schon für den Verzehr geeignet. Ihr könnt es aber natürlich auch noch länger stehen lassen. Chiliöl wird in den ersten Wochen und Monaten mit der Zeit nur besser.

Ausreichend und meines Erachtens der beste Kompromiss zwischen Sicherheit und Geschmack wäre die längere Erhitzung eines frischen Chilis im Druckkochtopf mit Temperaturen von über 110°C und anschließendem Einlegen in Öl. So verändert oder verliert der Chili zwar trotzdem Teile seiner Geschmacksaromen, aber das Öl muss nicht mit erhitzt werden. Hier macht es nämlich auch einen geschmacklichen Unterschied, ob ihr kaltgepresstes Olivenöl erstmal erhitzt und wieder abkühlen lasst oder ob es bei Zimmertemperatur belassen wird. Ihr müsst es einige Wochen bis Monate ziehen lassen bis ihr das Ergebnis erzielt, das ihr euch vorgestellt habt, da die Aromen deutlich langsamer in das Öl übergehen als bei der vorherigen Variante.

In der letzten Variante, die ich euch vorstellen möchte, nehmt ihr Chiliflocken oder Chilipulver, erhitzt diese mit dem Öl auf die besagten 121 bis maximal 140 °C und siebt anschließend das Öl durch ein Sieb, falls ihr Chiliflocken benutzt habt. So habt ihr als Ergebnis nach wenigen Minuten ein fertiges scharfes Chiliöl, da Pulver und Flocken eine vielfach größere Oberfläche haben als halbe oder viertel Chilis und dadurch umso schneller Aromastoffe ausgetauscht werden können. Optisch macht die Flasche dann natürlich deutlich weniger her, auf der anderen Seite könnt ihr so dem ein oder anderen Gast einen Streich spielen, wenn er sich nichtsahnend daran bedient.

Ihr könnt Chilis in jedem Öl ansetzen, das ihr wollt. Olivenöl oder Kürbiskernöl bietet sich an bei Salaten. Rapsöl hat einen weniger dominanten Eigengeschmack, wodurch hier der Eigengeschmack der Chilis besser zur Geltung kommt. Wenn ihr mit eurem Öl am Ende eh nur Sachen anbraten wollt, könnt ihr sogar alle Sicherheitsbedenken ignorieren und das Öl so herstellen, wie ihr wollt, da die Neurotoxine eh bei Temperaturen ab 80°C innerhalb von 5 Minuten unschädlich gemacht werden.

Auch bei der Chiliauswahl könnt ihr nehmen, was euch gefällt. Hier gibt es keine Vorgaben, was besser funktioniert und was schlechter. Weniger intensive Chilis müsst ihr verstärkt an das Öl geben, bei intensiveren reicht evtl. weniger. Vielleicht wollt ihr auch das schärfste Öl aller Zeiten herstellen. Dann führt natürlich kein Weg an den Superhot Chilis wie Carolina Reaper oder Big Black Mama vorbei. Empfohlen wird durchschnittlich ein Richtwert von 35g frische Chilis auf 250 ml Öl. Für getrocknete Chilis ergibt das ein Gewicht von 3 bis 4 g. Ihr könnt aber wie gesagt frei nach oben oder nach unten variieren wie es euch gefällt.

Auch wenn dieser Beitrag von viel negativem Inhalt beeinflusst ist, möchte ich euch nicht entmutigen, am Chiliöl zu experimentieren. Ich will bloß über die Gefahren aufklären und ihr könnt natürlich euer Chiliöl herstellen, wie es für euch passt. Nur solltet ihr gerade beim Verschenken von Chiliöl darauf achten, dass ihr hier die Sicherheitsvorkehrungen irgendwie versucht, einzuhalten, um euch da keine Vorwürfe machen zu müssen, wenn doch mal was passieren sollte. Die Fallzahlen sind gering, aber solange sie größer als 0 sind, muss man leider mit allem rechnen. Wenn ihr das Wichtigste beachtet, kann nichts schiefgehen.

Wenn ihr noch praktische Ölflaschen zum selbst Befüllen sucht, die sich gut verschließen lassen und mit denen ihr gut dosieren könnt, kann ich euch das Essig- und Öl Spender-Set Madeira ans Herz legen.

geeignete Flasche zum Chiliöl herstellen: aus dem Essig- und Öl Spender-Set Madeira

Noch eine kleine Ergänzung zum Schluss: Saucen auf Chilibasis enthalten im Gegensatz zu Chiliöl einen vergleichbar hohen Anteil an Essig. Dadurch werden die potentiellen C.-botulinum-Bakterien dort in saurerem Milieu gelagert. Bei pH-Werten unterhalb von 4,5 wird kein BoNT produziert, wodurch ihr hier keine Gefahr zu erwarten habt. [6]

Quellen

Wie Blattläuse Chilis schaden und was ihr dagegen tun könnt

Wenn unsere Chilipflanzen von Blattläusen befallen werden, fällt das meistens erst auf, wenn wir die Blätter von unten begutachten. Dort tummeln sich diese Insekten nämlich, während sich selten eine Laus auf die Oberseite verirrt. Auch wenn das passieren sollte, sind die Tiere so klein, dass wir sie nur bei genauerem Hinsehen registrieren würden. Wenn die Kolonisierung weiter fortgeschritten ist, tummeln sie sich aber auch zunehmend an den Stängeln und den Blattoberseiten. Spätestens dann werdet ihr sie auch ohne genauere Überprüfung der Pflanze sehen können.

Im Folgenden möchte ich euch erläutern, wie die Blattläuse leben und auf welche Weise Blattläuse Chilis Schaden zufügen und anschließend nenne ich einige Maßnahmen, wie ihr sie loswerden könnt, ohne dass ihr dafür gleich die Chemiekeule schwingen müsst.

Lebensweise der Blattläuse

Die Größe einer Blattlaus beträgt 1 bis 7 Millimeter, wobei sie selten größer als 3 Millimeter groß sind. Weltweit gibt es ca. 5000 verschiedene Arten, von denen ca. 800 in Mitteleuropa beheimatet sind.

Meistens ist es die grüne Pfirsichblattlaus, die sich an unseren Chilipflanzen zu schaffen macht. Diese werden zwischen 1,8 und 2,5 mm groß. Sie befallen Chilis in der Regel in der Zeit von Mitte Mai bis September. Im Winter besiedeln sie lieber Bocksdorn, Pfirsich-, Aprikosen-, Schlehen- oder auch Apfelbäume.

Wenn Blattläuse Chilis befallen: grüne Pfirsichblattläuse an den Blattunterseiten einer Cayenne-Pflanze

Wenn Blattläuse Chilis befallen: grüne Pfirsichblattläuse an den Blattunterseiten einer Cayenne-Pflanze

Das Umsiedeln erfolgt über das Konzept, dass Blattläuse in der Lage sind, sowohl unbeflügelte, als auch beflügelte Nachkommen zu zeugen. Die unbeflügelten verlassen die Pflanze nicht, während die beflügelten in der Lage sind, davonzufliegen und auf anderen Pflanzen wiederum unbeflügelte Nachkommen hervorzubringen.

Die natürlichen Feinde der Blattläuse sind in erster Linie Marienkäfer, Raubwanzen, Ohrwürmer, Blattlausschlupfwespen und die Larven von Flor- und Schwebfliegen.

Ameisen hingegen machen sich die Blattläuse selbst zunutze. Die Ausscheidungen der Blattläuse – der sogenannte Honigtau (auch Meltau, nicht zu verwechseln mit Mehltau) – ist sehr zuckerhaltig und dadurch bei den Ameisen sehr begehrt. Sie ernähren sich davon und verhindern dadurch gleichzeitig, dass sich die Blattläuse selbst den Hintern verkleben oder sogar gar nicht mehr vom Fleck kommen. Gleichzeitig gewähren sie den Blattläusen im Gegenzug Schutz vor Fressfeinden. Damit die Läuse schön die Wirtsplanze für die Ameisen weiter „beweiden“, sondern sie einen Botenstoff ab, der die Blattläuse verlangsamt und gelegentlich beißen sie den beflügelten Läusen auch mal die Flügel ab, damit sie bloß nicht abhauen.

Wie greifen die Blattläuse Chilis an?

Der Honigtau entsteht dadurch, dass die Blattläuse mit ihrem Saugrüssel die Siebröhren des Blattes anstechen. Siebröhren sind unvollständig ausgebildete Zellen, in denen der gespeicherte Saft unter hohem Druck steht. Deswegen pumpt die Pflanze den Blattläusen den Saft eher in den Saugrüssel rein anstatt dass die Laus wirklich saugen müsste. Darüber hinaus gibt die Blattlaus noch mit ihrem Speichel Proteine ab, die einen schnellen Wundverschluss der Pflanze verhindern. [1]

Dadurch dass der Saft nicht sehr proteinhaltig ist, aber die Blattläuse auf ihre Proteine kommen müssen, bleibt eine große Menge Honigtau zurück. Den Zucker können die Blattläuse nämlich nicht verwerten, obwohl sie ihn mit aufgenommen haben. Er fehlt also unserem Chiligewächs und die Ameisen freuen sich. [2]

Der Honigtau ist sehr klebrig und kann auch unsere Möbel verkleben, sollte er einmal anfangen, von den Pflanzen zu tropfen. Außerdem bildet er Nährboden für diverse Pilze, die die Chilis befallen könnten. [3] Darüber hinaus sind die Blattläuse selbst auch bekannt als Überträger von Pflanzenviren. Wenn die Blattläuse also einmal weg sind, kann es sein, dass es unseren Chilis dann immer noch nicht wieder gut geht und sie noch ein ganz anderes Problem haben.

Daher steht nun die Frage im Raum, wie ihr sie beseitigen könnt, wenn sie sich einmal niedergelassen und verbreitet haben.

Blattläuse ökologisch bekämpfen

Bevorzugen solltet ihr alle zunächst einmal die ökologischen Methoden, da ihr ja eure Chilis möglichst bedenkenlos essen können wollt.

Als eine der effektivsten Methoden hat sich eine Mischung aus Wasser, Milch und Öl herausgestellt.  Dabei sorgt das Lecithin aus der Milch abtötend, in dem es sich in einer Dünnen Schicht über die Blattläuse legt und sie dadurch nicht mehr atmen können.[4] Das Öl wirkt auf ähnliche Weise. Der Effekt wird durch die Zugabe von Öl einfach nochmal verstärkt. Für die Behandlung der befallenen Pflanze(n) braucht ihr eine Sprühflasche und mischt darin 2 Teile Wasser auf einen Teil Milch. Am Schluss gebt ihr noch einen Schwups Öl hinzu und schüttelt die Flasche vor der Anwendung.

Für die Behandlung müsst ihr die Blätter von oben und von unten besprühen. Am besten macht ihr das morgens, damit sie den Tag über trocknen können. Dabei müsst ihr natürlich auch sicherstellen, dass die Chilis während der Behandlung nicht im vollen Sonnenlicht stehen, da sie sonst an den nassen Stellen verbrennen können. Bei starkem Befall solltet ihr den Vorgang alle zwei Tage durchführen bis sie alle weg sind.[5]

Außer dieser Mischung gibt es auch vegane Varianten wie zum Beispiel den Einsatz von Brennessel- oder Ackerschachtelhalmsud. Diese Mittel werden im Internet gerne hoch gepriesen, aber unterm Strich können sie einen Blattlausbefall maximal eindämmen. [6] Die in diesen Kräutern enthaltene Kieselsäure sorgt für eine Stärkung der Zellwände an den Pflanzen. Es wird also schwieriger für die Läuse, die Siebröhren anzustechen. Wie bereits erwähnt kann die Pflanze ihre Wunden nicht mehr so gut heilen, wenn die Läuse gesaugt haben. Daher ist bei starkem Befall auch dieses Mittel nicht mehr so erfolgsversprechend.

Vorbeugend könnt ihr es aber super zweimal die Woche einsetzen. Darüber hinaus wirkt es auch als Dünger. Ihr müsst den Sud in einem Eimer in einem Mischverhältnis von 1:5 mit Wasser vermengen. Wichtig ist dabei, dass ihr diese Mischung nicht mehr als 2 Tage ziehen lasst, weil es einen Zeitpunkt gibt, ab dem die Konzentration an Kieselsäure so hoch ist, dass eure Pflanzen Schaden davon nehmen können, wenn ihr sie damit besprüht. Den Sud müsst ihr vor der Verwendung noch einmal durch ein Sieb geben, sodass ihr eure Sprühflasche problemlos mit der Brühe befüllen könnt.[7]

Die natürlichste Methode, wenn ihr die Zeit dazu habt, ist, dass ihr Fressfeinden Nistplätze gewährt. Zum Beispiel könnt ihr einen Blumentopf mit Holzwolle füllen und dann verkehrt herum in der Nähe der Blattläuse aufhängen. Hierin fühlen sich die Ohrwürmer besonders wohl. Wenn sie einmal eingezogen sind und nisten, haben die Blattläuse nachts keinen Spaß mehr. Werden euch die Ohrenkneifer irgendwann zu lästig nachdem sie ihren Job erledigt haben, könnt ihr sie mitsamt dem Topf einfach wieder umsiedeln. [8]

Florfliegen könnt ihr mit Katzenminze anlocken [9], Schwebfliegen und Marienkäfer mit Blütenpflanzen, da sie sich von den Blütenpollen ernähren. [10]

Zugegebenermaßen würde ich die Ohrwürmer und Florfliegen nur in einem Garten anlocken, weil auf einem Balkon der Weg in die Wohnung nicht weit ist. Da wollt ihr nämlich auch keine Ohrwürmer beherbergen.

Die Blütenpflanzen hingegen helfen ja auch, genau die richtigen Tiere für die Bestäubung der Chiliblüten anzulocken. Von daher solltet ihr diese sowieso in der Nähe stehen haben.

 

Quellen

Chiliboom im neuen Gewächshaus

Als ich am vergangenen Wochenende nach längerer Zeit mal wieder an mein Gewächshaus kam, wollte ich meinen Augen kaum trauen. Die Pflanzen sind seit dem letzten Mal, als ich die Bewässerung programmiert habe, regelrecht explodiert. Die Fataliis haben eine Höhe von 120 cm erreicht. In meinem Chiliprofil zur Fatalii habe ich die Beschreibung bzgl. der Wuchshöhe direkt von 80 cm auf 120 cm nach oben korrigiert. Auf die Daten aus dem Internet ist, wie ich immer wieder feststellen muss, einfach kein vollständiger Verlass.

 
Links das Gewächshaus am 29.08.2022, rechts der Stand vom 04.08.2022. In dreieinhalb Wochen kann sehr viel passieren.

Die Naga Vipers bilden mittlerweile so etwas wie eine Hecke.


Hinten rechts steht die neu zugeordnete Carolina Reaper – im letzten Beitrag habe ich sie noch fälschlicherweise als Fatalii bezeichnet.


Diese Seite verspricht den Großteil der diesjährigen Erträge.

Das betrifft, wie ich leider zugeben muss, auch meine eigenen Angaben. Bin ich von Anfang an davon ausgegangen, dass ich 3 Fataliis überwintern konnte und die Carolina Reapers aus dem letzten Jahr eingegangen sind, konnte ich zu meiner vollsten Zufriedenheit feststellen, dass es doch nur 2 Fataliis und eine Reaper waren, die den Winter überstanden haben. Es war einfach nicht mehr ganz eindeutig, da der Ertrag im letzten Jahr ausschließlich aus Fataliis bestand und die Reapers nichts getragen hatten. Nun konnte ich aber an der einen vermeintlichen Fataliipflanze zwei schrumpelig aussehende orangene Früchte sehen – die charakteristische Form der Carolina Reaper. Leider hat die Pflanze schon seit einiger Zeit dunkelgrüne Blätter, die sie nicht mehr sehr gesund aussehen lassen.


Carolina Reaper in Action. Sie muss jetzt nur noch rot werden.

Auch meine Cayenne-long-slim-Pflanzen haben aufgeholt und sind dieses Jahr sehr ertragreich. Nur sind die Cayennes unter ihrem Gewicht zur Seite auf die Habaneros gefallen. Ich habe sie wieder aufgerichtet und unter den drei großen Cayennepflanzen eine kleine gefunden, die in ihrer Größe und dem Ertrag unserer Balkonpflanze entspricht. Dadurch, dass sie weniger Licht bekam als die anderen Pflanzen quer über ihr drüber hingen, hat sie auch nicht ganz so große Früchte wie die anderen ausgebildet. Dafür waren hier bereits zwei Stück reif und alle anderen sind noch hellgrün. Einen weiteren roten Cayenne haben wir von zu Hause mitgebracht und ihn zusammen mit den anderen beiden zu Chilifäden verarbeitet. Wie das geht, werde ich euch demnächst in einem weiteren Beitrag näher erläutern.


Von den Cayennes dürfen sich die anderen Pflanzen gerne mal eine Scheibe abschneiden und ähnliche Erträge liefern.

Außer den Cayennes konnte ich auch wieder fünf Fataliis ernten. Den Pflanzen geht es gut, aber sehr ertragreich sind sie nicht. Das könnte natürlich ebenso wie beim Carolina Reaper daran liegen, dass sie bereits in das zweite Jahr bestreiten und Chilis in der Regel im ersten Jahr am ergiebigsten sind. Dafür haben sie dieses Jahr aber im Gewächshaus auch deutlich bessere Wachstumsbedingungen als letztes Jahr bei uns in der Wohnung/auf dem Balkon, wo sie ja zugegebenermaßen auch noch weniger getragen haben.

Die Habaneros bekommen nun auch endlich jede Menge Früchte. Eine davon ist riesig, die anderen wachsen noch. Alle haben gemeinsam, dass sie noch hellgrün sind und noch eine Weile brauchen bis sie erntereif sind. Noch ist aber Sommer und ich bin guter Dinge, dass das noch was werden wird dieses Jahr mit einer guten Habaneroernte.


Die wohl dickste Frucht in diesem Jahr: Habanero red

Etwas skeptischer sehe ich das bei den Naga Vipers. Bei denen bilden sich jetzt erst die ersten Blüten aus. Die Größe der Pflanzen ist mittlerweile genau wie im gesamten Gewächshaus mehr als ausreichend für eine gute Ausgangsbasis zum Früchtetragen. Leider hängt nach wie vor nicht eine Frucht an einer der Naga Vipers.


Die ersten Naga-Viper-Blüten sind da.

Dasselbe Problem habe ich mit meinem Giant Rocoto. Dabei hatte ich mich schon auf Rocoto Rellono dieses Jahr gefreut. Mit einem Rezept hierzu auf meiner Seite müsst ihr euch dann leider noch gedulden. Der Giant Rocoto auf unserem Balkon hat es noch nicht einmal zur ersten Blüte geschafft. Dadurch, dass Rocoto-Chilis als sehr rubust und langlebig zählen, wird er aber auf jeden Fall bei uns überwintern und die Ernte werden wir uns schon früher oder später noch abgreifen.

Arbeiten am Chili-Gewächshaus

Wer sich gefragt hat, wieso hier länger kein Beitrag mehr von mir kam, der bekommt heute die Antwort. Meine freien Stunden, die ich sonst zum Schreiben hätte aufwenden können, habe ich intensiv in die Gartenarbeit gesteckt. Zudem sind die Wochenenden in den Sommermonaten auch fast nie komplett frei. Das kennt ihr wahrscheinlich auch von euch selbst.

Wie ich bereits früher schon angedeutet habe, hat mein Bruder ein Gewächshaus im Garten. Das Gewächshaus war allerdings voll mit Sand und hatte keine eigene Bewässerung. Bis auf das Gewächshaus selbst war also noch nichts da, was für den Chilianbau geeignet ist. Falls ihr also mit dem Gedanken spielt, euch selbst ein Chili-Gewächshaus im Garten anzulegen, könntet ihr euch vielleicht auch hier inspirieren lassen, wie ich das gemacht habe.

Der Anblick, wie das Gewächshaus vor den Arbeiten aussah, ist relativ ernüchternd. Motiviert habe ich mich, indem ich mir das Ziel vor Augen geführt habe: Ein Gewächshaus – 2 mal 3 Meter groß nur für meine kleine Chilifarm mit automatischer Bewässerung.

Zustand des Gewächshauses vor den Arbeiten. Der Rosmarin hat leider nicht überlebt †

Das Gewächshaus ist bis ca. 30 cm unterhalb des Sandbodens einbetoniert. Ungefähr bis auf diese Tiefe habe ich den Sand mit einer Breite von 55-60 cm mit einem Spaten zunächst L-förmig entlang den Begrenzungen aus dem Bestand ausgehoben. Die alte Begrenzung habe ich entfernt. In diesem Graben habe ich dann Unkrautvlies auf dem Boden und den Seiten ausgelegt, damit der Sand sich später nicht allzu sehr mit der Erde vermischen kann.

Überall zu erkennen die Beetabgrenzungssteine ‚Beetfix‘, rechts zu erkennen das Unkrautvlies, das die aufgeschüttete Erde vom Sand trennen soll

Dann konnte es endlich losgehen, worauf mein Bruder schon so lange gewartet hat: Die Säcke mit der Gemüseerde, die bereits längere Zeit auf einer Palette auf der Einfahrt gestapelt waren, konnten nach und nach in den hinteren Bereich des Gartens geschleppt und in die vorbereiteten Gräben ausgeschüttet werden.

der schiefe Turm von Schöneiche

Die neuen Beetbegrenzungssteine, die ich besorgt habe, habe ich nicht extra betoniert, sondern etwa 15 cm tief im Sand eingegraben und auf der Seite des Beets bis zur Höhe des Überstands des Unkrautvlieses. Die Beetbegrenzung steht also ein bisschen im Abstand zur Abrisskante, damit die Steine auch genügend Halt finden. An der Oberfläche ist das Beet somit etwa 5 cm breiter als in der Tiefe. Die Steine sind die aus Beton gegossenen „Beetfix“-Steine von Hornbach. Insgesamt sind sie 25 cm hoch; bei mir ragen sie also nur noch ca. 10 cm auf beiden Seiten heraus.

Genauso habe ich es dann auf der letzten Seite gemacht. Erst aufgebuddelt, dann Unkrautvlies verlegt und wieder mit Erde aufgeschüttet, Steine positioniert und dann alles bis oben hin mit Erde aufgefüllt.

Gewächshaus bevor die Chilis eingepflanzt und die Bewässerung innen verlegt wurde

Die kleine Eingangstreppe hat eine Breite von 78 cm. Die Steine sind 6 cm breit und setzen an den äußeren Rändern der Treppe an. Unterm Strich ist somit der zu betretende Bereich etwa 65 cm breit, was aber völlig ausreichend ist. Außerdem ist die Beetseite ja auch betretbar, aber sollte natürlich nicht als Hauptverkehrsfläche dienen 🙂

Die Gesamttiefe des Beets beträgt nun in etwa 45 cm. Bedenkt man dabei, dass ich auf eine Gesamtlänge von 4,20 m bei einer Breite von ca. 55 cm das Beet mit 50 Säcken à 40 l Erde befüllt habe, kann ich feststellen, dass die Erde auf ca. die Hälfte des Volumens zusammenfällt. Diese Erkenntnis werde ich mir wohl nun für künftige Projekte merken.

Zum Glück hatte ich aus Kostenersparnisgründen eh direkt eine ganze Palette mit 2,4 m³ Erde gekauft. Es war nicht nur preis-/leistungsmäßig, sondern auch absolut günstiger als 1,4 m³, die ich ursprünglich eigentlich nur bestellen wollte, weil ich dachte, dass das reichen würde. Falls sich hier jemand wundert: 10 Säcke wurden anderweitig verwendet, somit hatte ich für dieses Projekt nicht alles selbst verbraucht.

Bewässerung

Mein erster Spatenstich fand nicht IM Gewächshaus statt, sondern DAVOR. Wie vorhin bereits erwähnt, ist das Gewächshaus bis zu einer bestimmten Tiefe einbetoniert. Da eine Treppe im Gewächshaus nach unten führt, entsprechen die 30 cm Tiefe unter dem Sandboden innen etwa einer Tiefe von 80 cm unter dem Boden von außen. Ich habe also im Bereich zwischen 80 und 100 cm tief etwa 4 m weit gegraben, um den Außenwasserhahn mit dem Gewächshaus zu verbinden. So konnte ich einen Schlauch (Gardena Pipeline) von unten ins Gewächshaus führen, ohne eine Kernbohrung o.ä. zu benötigen und außerdem ist dieser Tiefenbereich mindestens erforderlich, um das System frostfrei halten zu können, was der Langlebigkeit zugute kommen wird.

Bei der Pipeline handelt es sich um ein Kunststoffrohr (PE-Rohr), das an einem Stück verlegt werden kann, wenn keine übermäßig hohe Krümmung erforderlich ist. In der Tiefe habe ich also nicht ein weiteres Element neben dem Schlauch selbst installieren müssen, was die Fehlersuche bei eventuellen Störungen auf den oberflächennahen Teil beschränkt. Ich muss also nicht noch ein weiteres Mal alles wieder aufbuddeln.

Von hier aus wird das Gewächshaus mit Wasser versorgt. Der Schlauch liegt auf dem Bild bereits im Graben auf dem Boden.

der Abschnitt, der von außen zum Gewächshaus führt

Vorne rechts ist zu erkennen, wie der Schlauch von außen ins Gewächshaus geführt wurde.

Innerhalb des Gewächshauses habe ich das Microdrip-System von Gardena installiert. Der Schlauch hat einen Innendurchmesser von 3/16 Zoll und kann entsprechend den Abständen der Chilis in beliebig viele Teilstücke zerschnitten werden. Zwischen den Schlauchabschnitten habe ich Wasserauslässe, die die Stelle mit 2 Liter pro Stunde tröpfchenweise gießen. Da sie nur tropfen, ist es wichtig, diese Komponenten möglichst dicht an den Stämmen der Chilipflanzen zu platzieren, damit das Wasser auch richtig ankommt. Am Ende kommt ein Stopfen in den Schlauch, damit das Wasser ausschließlich kontrolliert an den Pflanzen ankommt und nicht mehr Wasser als nötig am Ende des Schlauchs austritt.

 Einige Pflanzen lassen zunächst noch ihre Blätter hängen, aber das ist die endgültige Besetzung für dieses Jahr – links die Naga Vipers, hinten die Fataliis, rechts hinten Cayenne und rechts vorne die roten Habaneros. Der Bewässerungsschlauch, der entlang der Pflanzen verlegt ist, ist ebenfalls zu sehen.

Keine Sorge, den Habaneros geht es mittlerweile auch schon wieder besser

Die Cayennes blühen fröhlich vor sich hin, aber tragen auch schon fleißig richtige Früchte.

Die 5 Naga Vipers sind nach wie vor blütenlos

Am Außenwasserhahn habe ich einen displaylosen, aber bluetooth- und WLAN-fähigen Bewässerungscomputer montiert. Von der displaylosen Ausführungsvariante erwarte ich eine höhere Robustheit des Geräts.

Displayloser Bewässerungscomputer von Comistack

Der Dünger wird bei diesem System noch nicht automatisiert hinzugegeben, da muss ich mir noch etwas überlegen. Auch dafür gibt es theoretisch Komponenten, aber zunächst reicht gegebenenfalls noch der Nährstoffgehalt aus der frischen Tomaten- und Gemüseerde aus.

Ein Update nach längerer Zeit zu den Pflanzen

Der ganze Beitrag ist rückblickend zu betrachten. Leider war ich noch nicht wieder vor Ort, aber habe noch die Bilder von Anfang August. Genauer gesagt von dem Tag, an dem ich die Bewässerungsanlage fertiggestellt habe. Wenn ich wieder etwas Aktuelleres habe, werde ich es direkt mit euch teilen. Von meinen ursprünglich ausgesäten Chilis sind nur noch 6 Naga Viper, 6 rote Habaneros, 10 Cayenne und eine Giant Rocoto im Rennen. Darüber hinaus haben wir noch unsere Fatalii-Pflanzen aus dem letzten Jahr, die uns auch bereits Früchte gebracht haben. Unter anderem kam sie bei uns im Linsen-Dal zum Einsatz.

Reife Fatalii an einer meiner Pflanzen

Im Gewächshaus wachsen 3 Fataliis, 5 Naga Viper, 4 Cayennes und 3 rote Habaneros. Auf meinem Balkon wächst der einzige übergebliebene Giant Rocoto zusammen mit 3 weiteren Cayennes, einer Fatalii und 2 roten Habaneros. Die restlichen Chilis sind bei meinen Eltern untergebracht.

Die Überführung erfolgte übrigens klassisch für Berliner ohne Auto mithilfe eines Bollerwagens, was in der S-Bahn für viel Gesprächsstoff gesorgt hat. Einige weniger botanisch bewanderte hielten die Chilis für Hanfpflanzen, während eine fachkundige Mutter ihrem Kind erklärt hat, woran man erkennt, dass das Paprikagewächse sind.

Bollerwagen voller Chilis in der S-Bahn. Auch ein paar weiße Gurken sind dabei, aber für diesen Blog irrelevant, da sowieso ebenfalls schon tot (wie der Rosmarin) †

Früchte tragen bisher nur die Fataliis und die Cayennes. Das ist meines Erachtens nach wie vor auf den zweimonatigen Verzug zurückzuführen, in der die Chilis im Frühling aufgrund von Nährstoffmangel in der Aussaaterde nicht weiter gewachsen sind. Die Pflanzen haben alle nicht ihre eigentlich mögliche Größe erreicht, was auch bei den Cayennes zu einer geringeren Ernte führen wird. Viele Blüten werden auch nicht mehr bestäubt, weil die Bienen sich irgendwie mehr für andere Pflanzen bei anderen Menschen interessieren. Hier werde ich nächstes Jahr auf jeden Fall dafür sorgen, Lavendel auf meinen Balkon zu holen, um sie besser anzulocken.

Im Gewächshaus fielen auch schon die ersten Schädlinge über die Pflanzen her, wobei sich die Schäden bisher in Grenzen halten. Ich werde das aber weiter beobachten. Erwischt hat es die Naga Vipers.

Blattfraß an zwei Naga Vipers