In einem meiner letzten Beiträge habe ich darüber berichtet, wie Chilis uns schützen können – diesmal wird der Spieß einmal umgedreht und wir schauen, was ihr tun könnt, um eure Chilis zu schützen.

Die erste Frage, die sich uns stellt: Wer sind überhaupt die Fressfeinde?

Zugegebenermaßen sind nicht alle die Fressfeinde der Pflanzen, sondern teilweise auch einfach nur unsere Konkurrenz. Die Pflanzen wollen ja, dass ihre Früchte gegessen werden. Damit wir aber selbst auch reichlich davon abbekommen, müssen wir diese Tiere also auf Abstand halten. Die Tiere, die wir dabei im Blick haben müssen, sind die Schnecken, die Raupen und die Vögel. Bei den Schnecken und Raupen sind uns die Pflanzen aber für jeden Schutz dankbar, da sich diese sowohl die Früchte, als auch die Blätter gerne schmecken lassen.

Eine spanische Wegschnecke auf dem Weg zur nächsten Chilipflanze. Quelle: Wikipedia

Schnecken können Chilis auf über bis zu 50 Meter Entfernung weit riechen und machen sich zielgerichtet auf den Weg. In einer Nacht können sie 25 Meter zurücklegen, was zwar einem Schneckentempo entspricht, dieses aber weitere vorbeugende Maßnahmen erforderlich macht. Ein reines Absuchen des umliegenden Bereichs verbunden mit einer Umsiedlung der gefundenen Schnecken dürfte also viel zu mühselig sein, zumal das regelmäßig durchgeführt werden müsste und der Bereich viel zu groß ist. Bei den meisten deutschen Gärten müssten auch die Nachbargrundstücke überwacht werden…

Es gibt zum Glück auch andere Maßnahmen, die den Pflanzen die Schnecken vom Leib halten können. Dazu ist auch gut zu wissen, dass 90% aller Fressschäden an Pflanzen auf die spanische Wegschnecke zurückzuführen sind, wodurch manche Maßnahmen sich weniger eignen, auch wenn sie gegen alle anderen Schneckenarten helfen. Die spanische Wegschnecke ist nämlich eine sehr schleimige Nackschneckenart, die selbst den Hauptfressfeinden der Schnecken – den Laufenten und Igeln zu schleimig sind.[1] Daher führt die Suche nach Unterstützung durch eben diese Tiere nur bedingt zum Erfolg.

Blumentöpfe und Beetumrandungen können mit einem Schutzanstrich angestrichen werden, welcher die Oberfläche für die Schnecken zu glatt macht. Sie finden dann deutlich schlechteren Halt. Selbstklebende Kupferfolie bringt den gleichen Effekt.

Um die Chilis herum wächst am besten kein hohes Gras, sodass die Schnecken sich nicht darin verstecken können. Gleichzeitig empfiehlt sich der Einsatz von Hemmschwellen wie Sägespäne, Wolle, Kalk oder andere Barrieren, die von Schnecken nur schwer überwunden werden können.[2]

Ein möglichst sonniger Platz ist sowieso für die meisten Chilis wünschenswert. Wenn das gegeben ist, ist dieser Bereich für Schnecken umso weniger behaglich, da sie sich lieber in einem kühlen, dunklen und feuchten Umfeld aufhalten. Es ist also gut, wenn ihr statt abends morgens gießt, damit die Erde gerade dann, wenn es dunkel ist, auch am trockensten ist.[3]

Nicht zu verwechseln mit einer Eule – die Gemüseeule… Quelle: Wikipedia

Ein Kind der Gemüseeule – die Erdraupe der Gemüseeule. Quelle: Wikipedia

Raupen sind ebenfalls bekannt dafür, dass sie sich gerne durch Früchte durchfressen. Insbesondere die Raupen der Gemüseeule – einer in Europa weit verbreiteten Falterart – erfreuen sich ebenso wie wir besonders am Geschmack von Chilis. Damit die Raupen nicht auf unseren Pflanzen schlüpfen, kann es bereits helfen, mit Insektennetzen zu arbeiten. Denn diese Netze sind kein Ort für die Falter, auf denen sie ihre Eier ablegen würden. Auf diese Weise können sie zumindest für den Anfang erst einmal fern gehalten werden.

Eine weitere ökologische Möglichkeit, die Raupen von Chilis fernzuhalten, ist das gezielte Umsetzen der Raupen von den Chilipflanzen auf andere Futterpflanzen wie z.B. Brennnesseln. Auch der Boden um die Chilipflanzen herum sollte dabei gründlich abgesucht werden.

Am Ende müsst ihr alle selbst wissen, inwieweit der Aufwand der Maßnahmen tatsächlich im Verhältnis zum Grad des Schädlingsbefalls steht. Wenn ihr eine Raupe gefunden habt, müsst ihr noch nicht direkt alles umgraben. Wenn allerdings gar nichts mehr hilft und die Invasion ein Maß angenommen hat, das ihr nicht mehr kontrollieren könnt, so führt kein Weg an Pheromonfallen zur Verhinderung einer Paarung durch die Nachteulen oder dem Aufspritzen von Bacillus-thuringiensis-Präparaten gegen den massiven Raupenbefall als allerletztes Mittel vorbei. Ein Ökosiegel würdet ihr in diesem Fall aber nicht mehr für eure Chilis erhalten.[4][5]

Sieht einer Eule schon ähnlicher als die Gemüseeule, aber ist in diesem Fall ein Spatz. Er hat wie die anderen heimischen Vögel kein nennenswertes Interesse an unseren Chilis mit einigen Ausnahmen. Quelle: Wikipedia

Jeder, der sich bereits etwas näher mit dem Thema Chilis auseinandergesetzt hat, weiß bereits, dass die Natur vorsieht, dass die Vögel die Chilis essen sollen, um sie dann zu verbreiten. Tatsächlich ist dieser Effekt in Deutschland allerdings bei unseren heimischen Vogelarten kaum zu beobachten. Ich für meinen Teil hatte noch nie den Fall, dass ein Vogel sich an meinen Chilis zu schaffen gemacht hat und auch wenn ich die deutschen Foren nach diesem Thema durchforste, ergibt sich die Erkenntnis, dass eher die Zuchtvögel wie Hühner oder Papageien als unsere Wildvögel interessiert an diesen Beeren sind. Das kann daher kommen, dass Chilis in Deutschland selbst nur Zuchtpflanzen sind und daher unseren wildlebenden Vögeln fremd sind. Einzig die ganz kleinen Chilisorten und die nach oben wachsenden Chilis scheinen für unsere Vögel interessant zu sein.

In diesem Fall helfen natürlich auch wieder Netze bestens, aber auch die Aufzucht der Chilipflanzen in einem Gewächshaus hält die Vögel reichlich auf Abstand. In den meisten Fällen braucht ihr euch aber keine Sorgen wegen der Vögel zu machen. Die haben andere Vorlieben wie Insekten, Würmer und Körner. Bleibt nur zu hoffen, dass sie uns noch genügend Bienen übrig lassen.

Quellen