Anfang Februar im vergangenen Jahr habe ich diesen Blog gestartet mit der Absicht, Wissen über Chilis zu verbreiten. Wie es zum Beginn eines neuen Projekts üblich ist, war ich so motiviert, dass ich zu Beginn jede freie Sekunde diesem Blog gewidmet habe. Dadurch konnte ich zwei Artikel pro Woche veröffentlichen. Diese Quote war war für mich jedoch unmöglich über einen längeren Zeitraum beizubehalten. Seitdem erstelle ich in unregelmäßigen Abständen weiterhin Inhalte und werde das auch weiterhin so handhaben, damit mein Spaß am Projekt nicht aufgrund von irgendwelchen Zeitplänen verloren geht.

Meine Zucht hat leider nicht das gehalten, was ich von ihr erwartet habe. Ich hatte aus der Saison 2021 noch zwei Fatalii-Pflanzen und eine Carolina Reaper, die im vergangenen Jahr reife Früchte gebracht haben. Ansonsten habe ich von meinen frisch gesäten Chilis nur die Cayenne long slim ernten können. Diese waren jedoch auch die einzigen der Art C. annuum, welche auch tendenziell als besonders pflegeleicht gilt.

Außerdem haben es nur noch die roten Habaneros und die Naga Viper geschafft, Früchte zu bilden. Die Habaneros waren teilweise sehr groß (bis zu ca. 10 cm) und bereits leicht rot angefärbt als ich sie eines Herbsttages plötzlich allesamt zerfressen aufgefunden habe. Welcher Schädling da wohl aktiv war, habe ich bislang noch nicht ergründet.

Obwohl die Naga Vipers mit den Habaneros in ein und demselben Gewächshaus standen, wurden den Naga Vipers jede Menge Löcher in die Blätter gefressen, während die Blätter der Habaneros verschont blieben. Auf der anderen Seite blieben im Gegensatz zu den Habaneros die Früchte der Naga Viper unversehrt. Diese waren allerdings auch noch deutlich jünger und weiter vom Reifestadium entfernt als die der Habaneros. Die Früchte der Fataliis und der Carolina Reaper blieben allerdings ebenfalls verschont.

Im November sind die Pflanzen im Gewächshaus am Ende alle aufgrund der sehr kalten Temperaturen erfroren. Auch unser verbliebener Giant Rocoto ist erfroren. Heißt es offiziell, dass Chilis der Art C. pubescens noch bei einer Kälte von bis zu minus 5°C überleben, musste ich feststellen, dass auch Rocotos nicht jeden Frost überstehen. Künftig würde ich diese Pflanzen vorsichtshalber immer reinholen, wenn sich Minusgrade ankündigen. Vom Rocoto hatten wir am Schluss nur ein Exemplar, dass wir auf unserem Balkon in einem Kübel gehalten haben. Es war nicht Teil der Gewächshausdelegation.

Unterm Strich haben unser Wochenendausflug in der Anzuchtzeit und der zweimonatige Wachstumsstillstand die größten Schäden an der Zucht verursacht. Beim Wochenendausflug habe ich die Speicherkapazität der Kokosquelltabletten unterschätzt, wodurch etwa die Hälfte meiner Keimlinge vertrocknet ist. Damit waren auch die zwei Sorten Chiltepin und Habanero yellow komplett eleminiert. 

Bis zum Start dieser Chilizucht hatte ich in den vorigen Jahren immer eine andere Anzuchterde verwendet. Mit der lief es immer reibungslos und alle Pflanzen kamen ohne nachzudüngen bis zu ihrem zweiten Blattpaar. Bei der Aussaaterde von Compo war das leider nicht der Fall, weswegen zwei Monate lang nichts passiert ist. Ich hatte mich bereits gewundert, aber erst nachdem ich irgendwann die Keimlinge mit dem Ansatz eines ersten Blattpaares gedüngt habe, ging es weiter. Über die lange nährstoffversorgungsfreie Zeit haben ebenso einige Pflänzchen den Geist aufgegeben und natürlich hat es keine der Pflanzen mehr geschafft, vor der ersten Blüte eine vernünftige Größe mit festem Stamm zu erreichen. Dadurch war bereits klar, dass  die Ernte dieses Jahr insgesamt etwas weniger üppig ausfallen würde.

Von den neun anfangs angebauten Sorten haben es somit am Ende nur die bereits genannten vier bis zum Stadium einer wirklichen Pflanze gebracht. Der Rocoto hat bis zum Schluss nicht eine einzige Frucht hervorgebracht. Somit steht er jedoch immer noch auf einem ehrenwerten vierten Platz. Dahinter reihen sich die Sorten Habanero yellow, 7 Pot Brainstrain, Chiltepin, Bhut Jolokia orange und Vicentes Sweet Habanero ein, von denen wir allesamt leider so gut wie gar nichts bis überhaupt nichts zu sehen bekommen konnten.

Um zu sehen, ob ich aus den Fehlern des vergangenen Jahres lernen konnte, habe ich mich getraut, die gleiche Aussaaterde wie letztes Jahr noch einmal zu verwenden im Wissen, dass ich nach einiger Zeit etwas nachdüngen muss. Die Kokosquelltabletten lasse ich dieses Jahr komplett außen vor und verwende stattdessen Einweg-Papp-Blumentöpfe, die ich ebenso mit der Anzuchterde befüllt habe. Diese habe ich so in den Anzuchtkästen platziert, dass sie Topf an Topf stehen. Der Deckel des Anzuchtkastens steht am Rand auf den Papptöpfen auf, sodass als netter Nebeneffekt ein seitlicher Belüftungsspalt entsteht. Die Aussaat dieses Jahr habe ich zudem einen Monat früher angesetzt. Seit vorgestern sind alle Samen eingesät bis auf die von Sugar Rush Peach. Da warte ich noch auf die Lieferung.

Dieses Jahr werde ich anstelle von 9 gleich 15 Chilisorten anbauen. Von jeder Sorte habe ich nun 5 bis 6 Samen ausgesät. Angebaut werden dieses Jahr die Sorten Lemon Drop, Anaheim, Big Black Mamba, Big Mustard Mamba, Carolina Reaper Caramel, Sugar Rush Peach, Sepia Serpent, Aji Charapita, Criolla Sella, Feuerküsschen, Gorria, Madame Jeanette, Lila Luzi und zwei Sorten aus dem Vorjahr, die nichts geworden sind, nämlich 7 Pot Brain Strain und Bhut Jolokia orange. Überwintern können wir zwei Cayennes und eine Naga Viper. Diese hatte ich zu meinen Eltern ausgelagert, wo sie zwar nicht zu sonderlich stattlicher Größe herangediehen sind, dafür aber im Haus überleben konnten und somit im neuen Jahr eine neue Chance zu wachsen haben.

Nun bin ich gespannt, wie sich das Jahr entwickeln wird. Ich werde im Laufe des Jahres auch wieder neben meiner eigenen Zucht zu den anderen Dingen rund um unsere Lieblingsbeeren berichten, was ich berichten kann. Seien es neue Rezepte, Anleitungen zum Anbau oder auch wissenswerte Fakten drum herum.

Darüber hinaus will ich diese Website noch einmal umgestalten, sodass sie für alle etwas übersichtlicher wird. Wenn es klappt, schaffe ich es dann auch in diesem Jahr, mein Chilivergleichstool zu etablieren, welches ich bei meinem letzten Verkostungsbeitrag bereits angedeutet habe.

In diesem Sinne freue ich mich auf die kommenden Monate und wünsche auch euch ein frohes, gesundes und ertragreiches neues Jahr.