Die Aussaat liegt bereits 31 Tage zurück, also einen guten Monat. Zeit also, ein erstes Fazit zu ziehen. Wie ich in einem anderen Beitrag schon erwähnt habe, kann immer noch eine Überraschung auch noch später folgen, aber der Großteil der keimfähigen Samen dürfte nun gekeimt haben.

Ich habe in unregelmäßigen Abständen ab und an die Bodentemperatur gemessen, die immer im Bereich von 25 bis 28,5°C lag. Die großen Anzuchtkästen auf den Heizmatten sind etwas kühler (24-26,5°C), die kleinen Anzuchtkästchen auf der Heizplatte wärmer (26-28,5°C). Die kühleren Temperaturen liegen am Rand, die wärmeren mittig. Festzuhalten ist, dass das gesamte Spektrum der bei mir vorherrschenden Temperaturen im Temperaturbereich liegt, in dem Chilisamen zu keimen beginnen.

Leider kam trotz allem nicht die erhoffte Keimrate zustande. Ich gehe davon aus, dass ich kein gutes Saatgut hatte für die Sorten Habanero yellow, 7 Pot Brain Strain red, Bhut Jolokia orange und Vicentes Sweet Habanero. Von all diesen Sorten kamen genau zwei Keimlinge der Habanero yellow raus, während ich bei den anderen drei Sorten wohl in der nächsten Saison wieder mein Glück von Neuem werde versuchen müssen. Leider ist auch die eine gelbe Habanero am vergangenen Wochenende ausgetrocknet, als vier Tage lang urlaubsbedingt niemand zu Hause war. Alle anderen haben es überlebt.

Der gelben Habanero geht es nicht mehr so gut

Am schnellsten kamen zu Beginn die roten Habaneros zum Vorschein. Sie haben sich allerdings seitdem zu sehr auf ihrem anfänglichen Vorsprung ausgeruht, sodass sie immer noch kein ausgebildetes erstes Blattpaar haben. Hier sind stattdessen mittlerweile die Cayenne long slim die Vorreiter. Auch ein Exemplar der Naga Viper hat bereits ein erstes Blattpaar entwickelt. Ich kann aber auch berichten, dass der Ansatz der ersten Blätter schon bei sehr vielen Chilis zu beobachten ist. Vom Cayenne sind 13 Samen gekeimt, vom roten Habenero 10 und 6 Pflanzen der Naga Viper haben es geschafft.

Mir fiel auf, dass die ersten Keimlinge in der Aussaaterde kamen, also in den kleinen Anzuchtkästchen mit der tendenziell höheren Temperatur. Die Sortenvielfalt  und die Keimrate ist aber letztendlich in den großen Anzuchtkästen mit den Kokosquelltabletten und etwas niedrigerer Temperatur größer. Aus der Erfahrung der letzten Jahre hatte ich sonst eigentlich immer eine sehr gute Erfolgsrate mit der Aussaaterde.

Ich werde demzufolge wohl nächstes Jahr bei der Aussaat wieder Löcher bohren, die Samen hineinlegen und die Erde darüber zusammenschieben. Dieses Jahr hatte ich ja eine komplette Erdschicht drübergestreut und angedrückt. Ich kann mir gut vorstellen, dass dadurch der Samen fester unter der Erde liegt und weniger Sauerstoff an ihn herankommt, was die Keimerfolgschance verringert. Im Laufe des Monats habe ich allerdings auch nachträglich den Boden zwischendurch nochmal etwas aufgelockert und da tut sich leider immer noch nichts. Die roten Habaneros haben allerdings eine 100%ige Keimrate in der Aussaaterde, was bedeutet, dass es bei gut erhaltenem Saatgut eigentlich egal sein sollte.

Überalterung, Feuchtigkeit oder andere äußere Beanspruchungen bei Lagerung oder Transport könnten die Ursache für nichtkeimfähiges Saatgut sein. Dass die Samen allesamt von reifen Früchten stammen, davon gehe ich aus bei dem Lieferanten. In der Vergangenheit habe ich auch immer alle meine Samen dort bestellt und hatte bisher nur einmal den Fall, dass eine Sorte nicht rausgekommen ist.

Wo wir gerade bei der Keimrate sind: Von den 12 roten Habaneros sind alle sechs in Der Aussaaterde und 4 von 6 im Kokossubstrat aufgegangen. Von der Naga Viper wächst nur eine in der Aussaaterde und 5 im Kokossubstrat. Die gelben Habaneros sind auch aus dem Kokossubstrat gekommen. Den Nachteil, dass das Kokossubstrat nicht so viel Wasser speichern kann wie die Aussaaterde, hat die eine von denen leider am eigenen Leib zu spüren bekommen 🙁

Zum Schluss will ich auch die 3 Chiltepinkeimlinge nicht unerwähnt lassen. Die sind ebenso alle im Kokossubstrat gewachsen. Hierbei will ich noch anmerken, dass nicht alle Keimlinge eine vielversprechende Figur abgeben, aber alles, was draußen ist, zählt erstmal.

Leicht unterentwickelt sieht dieses Exemplar aus. Allerdings kann man einen Ansatz von Blättern erkennen, weshalb ich positiver Dinge bin, dass das noch etwas wird mit diesem Chiltepin

Außerdem ist auffällig, dass die anderen beiden Keimlinge wohl eine emotionale Verbindung zu ihrer Samenschale aufgebaut haben, dass sie die immer noch mit sich herumtragen. Eine der Pflanzen bildet bereits ihr erstes Blattpaar aus, während die Samenschale die Keimblätter immer noch zusammenhält. Die Pflanze aus meinem Beitrag zum Thema Keimvoraussetzungen hält ihre Samenschale noch immer mit der letzten Ecke ihres einen Keimblatts weiter fest.

Meine Giant Rocotos haben es auch zu dritt ans Licht geschafft. Bei denen und bei den Cayenne-Pflanzen ist jedoch keine Tendenz zu erkennen, in welchem Substrat sie sich besser entwickeln konnten.

Die überwinterten Fataliis konnten leider auch nicht alle überleben. Es gab einen Pilzbefall und ich habe die Pflanzen auf unterschiedliche Weise behandelt. Zwei sind dadurch aus dem Rennen und drei hab ich noch. Genaueres dazu werde ich zu einem späterem Zeitpunkt schreiben, wenn ich die Entwicklung der noch lebenden Pflanzen noch länger beobachtet habe.

Unterm Strich habe ich 36 Keimlinge und 3 Pflanzen. Von den Keimlingen haben 14 bereits ein erkennbares erstes echtes Blattpaar. 10 davon sind Cayenne, 2 Naga Viper, eine ein Chiltepin und die letzte ein Giant Rocoto. Die meisten anderen lassen zumindest einen Ansatz eines ersten Blattes erkennen.

Das Team „Cayenne long slim“ zeigt, wie es geht. So weit entwickelt ist sonst keine andere Sorte bisher.

5 Keimlinge sehen in meinen Augen noch etwas verkümmert aus. 4 davon sind Cayenne – davon habe ich eh genug notfalls – und einer der bereits angedeutete Chiltepinkeimling. Auf der anderen Seite sind ein Naga-Viper-Keimling und alle roten Habaneros etwas vergeilt, was für zu viel Wärme bei wenig Licht spricht. Deswegen lasse ich die Deckel der Anzuchtkästen jetzt erstmal weg. Vergeilt sagt man, wenn Pflanzen sehr lang, aber wenig kräftig gewachsen sind und dadurch drohen umzuknicken. Beim Pikieren kann ich die Stängel aber dann tiefer im Boden einsetzen und dann ist das in dem frühen Stadium noch nicht ganz so kritisch. Wenn es soweit ist, dass die Jungpflanzen umgesetzt werden, gibt es sowieso wieder einen neuen Beitrag von mir dazu.

Lang und dünn: Ein Habanero muss bereits Hilfestellung geben, dass sein Artgenosse nicht umkippt.

Soweit der aktuelle Stand. Ich hoffe also, dass mir zumindest die Sorten, die hier jetzt bereits am Wachsen sind, auch alle über die Saison hinweg erhalten bleiben.