Die richtige Zeit, Chilis auszusäen ist noch nicht verstrichen. Zur Überbrückung der Zeit beschäftigen wir uns heute mit dem Thema Aussaat. Die erfahrenen Züchter unter euch werden es vermutlich schon lange so gemacht haben, aber es ist wichtig für all jene, die frisch anfangen und bereits in der ersten Saison einen Erfolg erzielen wollen. Wie ich in meinem letzten Beitrag geschrieben habe, habe ich für die Aussaat Kokosquelltabletten und Aussaaterde verwendet. Im Folgenden möchte ich mit euch ein bisschen tiefer in diese Materie einsteigen.

Zunächst will ich erstmal erläutern, wieso die Aussaat von Chilisamen in Blumenerde keine so gute Idee ist. Blumenerde wird verwendet, um Pflanzen einen dichten, nahrhaften Boden zu bieten. Allerdings erst dann, wenn die Pflanzen schon etwas größer sind. Für Keimlinge wird diese Erde jedoch zum Problem. Die Keimlinge in der Blumenerde können kaum Wurzeln ausbilden, da ihre Wurzeln noch zu zart sind und in dem vorgedüngten Boden direkt verbrennen.[1]

Auch sonst haben die jungen Pflänzchen wenig Anreiz dazu, ein großes Wurzelsystem aufzubauen, wenn ausreichend Nährstoffe in direkter Umgebung vorhanden sind. Statt Wurzeln auszubilden nutzen sie ihre Energie also, um in die Höhe zu wachsen. Generell sollte jedoch immer eine Balance gewahrt werden zwischen oberirdischem und unterirdischem Wachstum, damit die Pflanze auch in jeder Wachstumsphase ausreichend sowohl mit Licht, als auch mit Nährstoffen versorgt wird.

Durch den nährstoffreichen Boden findet außerdem auch immer Leben in den Blumentopf. Ich rede hier nicht unbedingt von Regenwürmern oder Insekten, auch wenn das auch nicht ganz ausgeschlossen wäre, so etwas zu finden, sondern von anderen Pflanzensamen und Keimlingen, die selbst auch ein Interesse am eigenen Wachstum haben. Diese sind in der gekauften Erde oft bereits vorhanden und können schnell zur Konkurrenz für unsere Chilipflanzen werden, weswegen wir die lieber erst dann mit dabei haben, wenn unsere Pflanzen schon größer und stärker sind.

Die Dichte der Blumenerde ist problematisch, da Wasser schlechter abläuft und die höhere Bodendichte auch eine höhere Nährstoffdichte zur Folge hat und somit dieses Problem sozusagen damit verschärft wird.

Mit diesem Wissen beschäftigen wir uns also nun mit der Aussaaterde. Anzuchterde ist übrigens genau dasselbe, also lasst euch hier nicht durch die verschiedenen Begrifflichkeiten verwirren. Anders als die Blumenerde zeichnet sich die Aussaaterde mit einem deutlich geringeren Nährstoffgehalt und einer wesentlich geringeren Dichte aus. Das hat den Vorteil, dass nun im Gegensatz zur Blumenerde die Keimlinge gezwungen sind, ihre Wurzelsysteme weiter auszubauen, um überhaupt an die nötigen Nährstoffe zu gelangen. Dadurch, dass der Boden so locker und auch arm an Nährstoffen ist, treffen die Pflanzen dabei auch kaum auf Widerstand. Im Vergleich zu einer Jungpflanze, die in Blumenerde gezüchtet wurde, hat diese Pflanze nun mit dem ausgeprägteren Wurzelsystem einen großen Vorteil, wenn beide umgetopft dieselben Bodenbedingungen vorfinden.

Was solltet ihr beachten?

Zu Beginn reicht es, die Samen auf engem Raum mit Abständen von 2 cm auszusäen. Für alle Chilis gilt, dass die Samen etwa einen halben bis einen Zentimeter unter der Oberfläche liegen sollten. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten:

Eine Möglichkeit ist, dass man hierfür z.B. mit einem Bleistift oder einem Pikierstab kleine Löcher in die Aussaaterde bohrt, die Samen in den einzelnen Löchern platziert und die Löcher wieder schließt. Eine andere Möglichkeit ist, den Blumentopf nur bis fast oben hin mit Aussaaterde zu füllen, dann die Chilisamen so zu verteilen wie man es am liebsten will und anschließend den letzten halben Zentimeter Erdschicht darüber zu verteilen. Diese Variante habe ich dieses Jahr gewählt, die letzten Jahre habe ich die Löcher gebohrt. Beide Varianten werden funktionieren. In beiden Varianten solltet ihr daran denken, den Boden etwas anzudrücken und natürlich alles mit warmem Wasser zu gießen.

Und was hat es nun mit diesen Kokosquelltabletten auf sich?

Mit Kokosquelltabletten könnt ihr den Samen einen anderen Boden mit geringer Nährstoffdichte bieten. Sie bestehen aus gepressten Kokosfasern, sind in etwa 5mm dick und haben einen Durchmesser von etwa 3,5cm. Entsprechend könnt ihr passend dazu auch Anzuchtkästen finden, die viele kreisförmige Kulen mit einem minimal größeren Durchmesser haben. Diese sind wiederum alle über Minikanäle miteinander verbunden. Die Kästen haben selbst keinen eigenen Abfluss, wie man es von Blumentöpfen kennt, jedoch ist das auch nicht notwendig, da die Tabletten in Verbindung mit Wasser aufquellen und dann auf etwa 3cm Dicke anwachsen. Zur Seite hin sorgen Zellulosefasern dafür, die runde Form beizubehalten.

Mit etwa 5 mm unterhalb der Oberfläche liegen die eingesetzten Chilisamen weit genug über dem Boden. Staunässe kann dadurch eigentlich nicht zum Problem werden, solange ihr es mit dem Wasserpegel nicht übertreibt.

meine Kokosquelltabletten zwei Tage nach der Aussaat – in jeder von ihnen sitzt ein Chilisamen

Ein Nachteil im Vergleich zur Aussaaterde besteht darin, dass die Fasern zwar eine noch geringere Dichte aufweisen, aber aufgrund der Faserstruktur für den Keimling schwerer durchwurzelbar sind. Genauso ist es aus demselben Grund auch später nicht mehr möglich, die Pflanze verletzungsfrei aus dem Fasernetz zu pikieren. Außerdem trocknen die Fasern schneller aus als die Aussaaterde und jede Tablette kann nur einen Samen aufnehmen, was am Ende einen größeren Platzaufwand während der Anzucht zur Folge hat.[2]

Die Vorteile hingegen liegen in der einfacheren Lagerung und Logistik, da die Tabletten in der Packung tatsächlich nur sehr wenig Platz wegnehmen. Auch die zugehörigen Anzuchtkästen lassen sich gut ineinander stapeln.

Was es noch zu beachten gibt

Die Quelltabletten müssen zunächst mit viel warmem Wasser übergossen werden bis sie auch zur vollen Größe angewachsen sind. Dann können die Chilisamen einzeln in die vorgegebenen Löcher gegeben werden. Dabei sollten die Samen nicht zu nah unter der Oberfläche liegen. Mit einem Zahnstocher oder einem Pikierstab sollte hier noch einmal nachgeholfen werden, dass das Samenkorn auch etwas weiter nach unten und auch fester angedrückt wird. Danach schiebt man mit zwei Fingern die Erde über den Löchern zusammen, sodass die Samen abgedunkelt sind.

Beim Umtopfen der Pflanzen im Kokossubstrat sollte die Zelluloseschicht am Rand mit einem Messer aufgeschnitten werden, um der Pflanze mehr Entfaltungsspielraum zu bieten. Die Kokosfasern selbst werden zwar mit umgetopft, aber bauen sich nach einiger Zeit vollständig biologisch ab, sodass man sich hier keine Sorgen zu machen braucht, ob evtl. zu viele Wurzeln im Kokosnetz gefangen sein könnten und das Wachstum dadurch eingeschränkt ist.

Da wir Chilis nach Bildung des zweiten Blattpaares ohnehin umtopfen wollen, brauchen wir keinen Dünger einzusetzen. Ansonsten wäre dies nach dieser Zeit nötig, da Mikroorganismen irgendwann beginnen, die Kokosfasern zu zersetzen und dem Substrat somit Stickstoff entziehen. Der Boden, in den die Pflanzen dann jedoch umgetopft werden, wird die eingangs beschriebene Blumenerde sein, die dann die nötigen Nährstoffe zu bieten hat. Der Einsatz von Dünger muss gerade zum Anfang unbedingt nur vorsichtig erfolgen, da er den Pflanzen schnell mehr schaden als helfen kann. 

Sowohl auf die richtige Auswahl der Blumenerde für Chilis, als auch auf die richtige Anwendung von Dünger werde ich bei Gelegenheit in zwei anderen Beiträgen nochmal genauer eingehen.

Ob also nun Aussaaterde oder Kokosquelltabletten – Am Schluss ist es eine persönliche Entscheidung. Die Pflanzen werden in beiden Fällen genug Wurzeln bilden und gedeihen, um ausreichend auf den Ernst des Chililebens, der mit dem ersten Umtopfen beginnt – vorbereitet zu sein. Ob und wie groß die Unterschiede sein werden, wie sich die Pflanzen im Laufe der Zeit je nach Aussaatmedium bei gleicher Behandlung entwickeln, werde ich anhand meiner eigenen Zucht in ein paar Wochen für euch auswerten können.

 

Quellen