Die meisten Anzuchtkästen haben Lüftungsöffnungen im Deckel, die geöffnet, geschlossen oder irgendwie dazwischen eingestellt sein können. Wie stellt ihr das also am besten ein und braucht ihr einen neuen Anzuchtkasten, wenn der, den ihr habt, keine Möglichkeit der Öffnung bietet?

Grundlegend kann man erstmal sagen, dass Schimmelbildung unterbunden wird, wenn regelmäßiger Luftaustausch stattfindet. Genauso können die Temperaturschwankungen, die durch starken Lichteinfall im Wechsel mit Dunkelheit für die Pflanzen schädlich sein können, abgedämpft werden.[1] Am besten hierfür würde sich daher anbieten, den Deckel einfach komplett wegzulassen. Dann hättet ihr die maximal mögliche Belüftung. Das Problem hierbei ist naheliegend. Ihr braucht den Deckel, um das nötige Mikroklima für die Chilis zu halten, was aus einer hohen Luftfeuchtigkeit (60-70%) und warmer Umgebungsluft (24-28°C) besteht.[2]

Wer ein helles Badezimmer hat, kann auch den Deckel weglassen, wenn er dort die Fensterbank für die Aufzucht verwenden kann, da Badezimmer in der Regel die wärmsten Räume des Hauses sind und mit ihrer Luftfeuchtigkeit auch den Ansprüchen der Chilis gerecht werden. Jeder, der die notwendigen Kriterien auch in anderen Räumen erfüllt, sollte sich ggf. Gedanken über sein Lüftungsverhalten oder die Anschaffung eines Raumluftentfeuchters machen, jedoch könnte derjenige dann natürlich auch auf die Abdeckung bei der Chilianzucht verzichten.

Ich habe in meiner Wohnung keinen geeigneten Raum, also bin ich weiter auf die beheizten abgedeckten Anzuchtkästen angewiesen wie vermutlich viele andere von euch auch. Durchgängiges Geschlossenhalten der Anzuchtkästen ist schlecht wegen der Schimmelbildung und der Temperaturextreme; durchgängiges Weglassen des Deckels verhindert unser gewünschtes Mikroklima für die Pflanze. An dieser Stelle kommen unsere Lüftungsöffnungen in den Deckeln zum Einsatz. Diese sorgen dafür, dass eine Luftzirkulation stattfinden kann, ohne dass sich die Luftfeuchtigkeit sofort an die Raumfeuchtigkeit anpasst. Es entsteht also eine Zirkulation, die je nach Öffnungsgröße unterschiedlich stark ausfällt. Trotzdem bleibt dabei die meiste Luft im Behälter.

Empfohlen wird, die Schlitze entweder mindestens zwei Stunden täglich voll zu öffnen und dann wieder zu schließen [3] oder durchgängig zu lüften mit teilweiser Öffnung der Lüftungsöffnungen. Von der Größenordnung hieße das am Beispiel eines Anzuchtkastens wie ich ihn auch zweimal habe, dass die Schlitze mit den Schiebern jeweils 5 bis 10 Millimeter weit geöffnet werden sollten. [4]

Vergleich: ganz links 0,5 cm geöffnet, daneben 1 cm geöffnet, der rechte Anzuchtkasten ist voll geöffnet. Am besten nicht zu lange voll öffnen, damit die Luftfeuchtigkeit für die Chilis nicht dauerhaft zu gering ist und wieder ansteigen kann

Die zwischenzeitige starke Belüftung hat den Vorteil, dass die meiste Zeit eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit im Anzuchtkasten aufrecht erhalten werden kann, die zu den Lüftungszeiten deutlich abfällt. Dafür fordert dies mehr Disziplin, regelmäßig zu öffnen und zu schließen.

Die andere Variante ist mit deutlich weniger Aufwand verbunden, aber hat durch die durchgängige Öffnung eine niedrigere Luftfeuchtigkeit im Anzuchthaus zur Folge, was ggf. ein langsameres Wachstum zur Folge haben kann. Teilweise haben die Anzuchtkästen zusätzliche Löcher, die auch bei geschlossener Schieberstellung für eine sehr geringe Mindestbelüftung sorgen.

Wenn ihr diese bei euch nicht gegeben habt, solltet ihr – egal für welche Variante ihr euch entscheiden solltet – die Lüftungsschieber niemals komplett schließen, da ihr sonst die besten Bedingungen für Schimmelbildung schaffen würdet. Ab dem Zeitpunkt, wo die ersten Keimlinge ans Licht kommen, brauchen Pflanzen zudem wie wir Menschen regelmäßig Frischluft, um Photosynthese betreiben zu können. Wenn der Raum komplett abgeschlossen ist, sinkt die CO2-Konzentration kontinuierlich ab, wodurch die Pflanzen langsamer wachsen. Generell sollte daher jedes Gewächshaus durchgängig belüftet werden. [5]

Seitliche unverschließbare Belüftungslöcher

Für einen richtigen Luftwechsel sollte der Deckel zudem einmal täglich für 10-30 min komplett abgenommen werden. Im Gartenjournal werden sogar 1-2 Stunden täglich empfohlen. [6] Die Werte fallen sehr unterschiedlich aus. Das liegt vor allem daran, dass es sich bei allem hier um Faustregeln handelt. Spätestens wenn die Keimlinge aus dem Boden sprießen und die Pflanzen größer werden, muss immer mehr gelüftet werden. Die nötige Lüftungsdauer ist von sämtlichen Faktoren abhängig, die die Luftfeuchtigkeit im Kasten beeinflussen – von der Oberfläche des Kultursubstrats und der Pflanzen über das Luftvolumen, die Größe der Öffnungsschlitze, die Temperatur, die Wassermenge im Anzuchtkasten, die klimatischen Bedingungen im Zimmer und vieles andere mehr.

Daher empfehle ich euch, euch einfach an die von mir beschriebenen Faustregeln zu halten. Zu Beginn nach der Aussaat täglich ca. 30 Minuten die Haube abnehmen und sobald die Keimlinge sprießen von einer Stunde täglich auf zwei Stunden langsam steigern. Das sind natürlich auch keine fixen Werte, also braucht ihr euch da nicht jedes Mal extra die Uhr nach zu stellen. Am Ende ist alles eine Sache der Erfahrung und mit den Jahren findet jeder seinen eigenen Weg, der am besten funktioniert.

Wenn ihr es ganz genau nehmen wollt, dann bringt ihr einen Temperatur- und Luftfeuchtigkeitssensor in eurem Anzuchtkasten an. Ihr könnt dann die Lüftungsschlitze genau so einstellen, dass ihr am Ende die Luftfeuchtigkeit bekommt, die ihr haben wollt. Jedoch dürfte die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit trotzdem immer schwanken, je nachdem wie die Zimmertemperatur und die Luftfeuchtigkeit im Zimmer schwankt, ob gerade das Licht an oder aus ist, bzw. die Sonne scheint oder nicht und wann ihr das letzte Mal wie viel Wasser nachgegossen habt.

Ich gehe davon aus, dass es mal ganz interessant sein kann, aber die Extraarbeit, die ihr euch dabei macht, wird sich wahrscheinlich nicht wesentlich positiv oder negativ auf das Endergebnis auswirken. In der Natur, wo die Chilis wild wachsen oder auf Plantagen angebaut werden, gibt es nämlich auch durchgehend Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen.

Für die optimalen Werte der Luftfeuchtigkeitswerte in Abhängigkeit von der Temperatur gibt es trotzdem jede Menge VPD-Tabellen im Internet. Die Werte, die ihr in den unterschiedlichen Tabellen ablesen könnt, variieren jedoch teilweise sehr, weswegen ich noch nicht hundertprozentig davon überzeugt bin. VPD steht für „vapor pressure deficit“. Betrachtet wird dabei entsprechend das Dampfdruckdefizit in den Blättern im Vergleich zur Umgebung.[7] Was das genau ist, wie es bestimmt wird und was das insbesondere für unsere Chilizucht bedeutet, werde ich in einem anderen Beitrag näher erläutern.

Und was ist nun mit dem unbelüfteten Anzuchtkasten?

Wer keine Lüftungsöffnungen an seinem Anzuchtkasten hat, braucht natürlich keinen neuen. Es geht einzig und allein darum, Möglichkeiten der Belüftung zu schaffen und diese sind bei den einen Kästen integriert und bei den anderen nicht. Da, wo diese nicht integriert sind, könnt ihr z.B. Streichhölzer oder Zahnstocher auf die Auflagefläche der Schale legen, damit zwischen Deckel und Schale Luft hindurchströmen kann.[8] Wenn ihr das nicht wollt, solltet ihr mehrmals täglich den Deckel für jeweils 10 Minuten abnehmen, um den fehlenden Luftaustausch ausgleichen zu können. Die Bastler unter euch finden sicher auch noch andere kreative Wege, wie das Problem mit dem fehlenden Lüftungsschlitz beseitigt werden kann.

Einige von euch werden sogar gar keinen Anzuchtkasten verwenden, sondern die Chilipflanzen in einem Blumentopf ausgesät und dann mit Frischhaltefolie abgedeckt haben. Das ist die absolute Low-Budget-Variante, die aber deswegen nicht weniger effektiv sein muss. Wichtig ist hierbei nur, dass ihr ein paar kleine Löcher in die Folie piekst, aber dann auch hier täglich einmal die Folie abmacht, um alles einmal komplett zu belüften.

Zu guter Letzt heißt es, wenn ihr euch immer noch unsicher seid, dass ihr lieber etwas mehr lüftet als zu wenig. Dass die Bedingungen für den Chili nicht perfekt, sondern nur nahezu perfekt sind, ist das weitaus kleinere Übel als wenn die Pflanze am Ende gegen Schimmel ankämpfen muss.

Quellen