Wir alle denken schon bei der Beschaffung der Samen an die leckeren reifen scharfen Früchte, die die Chilipflanzen später mal hervorbringen werden. Auf dem Weg dahin ist aber Geduld gefragt und meistens läuft am Ende nicht alles so, wie wir es uns zu Beginn vorgestellt haben.

Die erste Hürde, die zu überwinden ist, ist die Keimung der Samen. In diesem Zusammenhang fällt häufiger der Begriff der Keimrate, der den prozentualen Anteil der gekeimten Chilis im Verhältnis zu den ausgesäten meint. Nicht aus jedem Samen entsteht eine Pflanze, aber was könnt ihr machen, um die Keimungen zu begünstigen?

Bei mir sind bisher 6 von 9 Sorten aufgegangen. Auf die Bhut Jolokia orange, die 7 Pot Brainstrain red und die Vicentes Sweet Habanero warte ich noch immer. Die Aussaat ist jetzt zweieinhalb Wochen her, also habe ich auch noch ein Zeitfenster, in dem noch was passieren kann. Erst nach einem Monat fange ich langsam an, die Sache aufzugeben.

Was sind die Gründe? Welche Bedingungen könnten angepasst werden, um das bestmögliche Ergebnis der Keimung zu erzielen? Dazu werfen wir zunächst einmal einen Blick auf die Theorie.

Chilis sind Dunkelkeimer. Das heißt, sie keimen nur, wenn es dunkel ist. kurzwelliges Licht wirkt keimhemmend, weswegen die Samen nicht zu dünn mit Erde bedeckt sein sollten.[1] Dunkelrotes, langwelliges Licht kann die Erde durchdringen und wird auch für die Keimung benötigt.[2]

Darüber hinaus sind Wasser, Wärme und Sauerstoff wichtig, um die Keimung zu bewirken.

Mit zu wenig Wasser quellen die Samen nicht ausreichend auf. Deswegen bietet sich hier an, die Samen 24-48 Stunden vor der Aussaat in warmem Wasser oder besser Kamillentee einzulegen. Aber auch nach der Aussaat solltet ihr den Boden ausreichend feucht halten, denn wenn die Samen zu trocken sind, ist eine Keimung gar nicht möglich. Genauso sollte es nicht zu nass werden – insbesondere muss Staunässe vermieden werden, damit sich kein Schimmel bildet.

Ein über längere Zeit andauernder Temperaturbereich von ca 22-30°C gibt dem Chilisamen die Sicherheit, dass die Rahmenbedingungen für die Keimung und auch das anschließende Wachstum passend sind. Ist das nicht gegeben, bleibt der Samen verschlossen.

Zu guter Letzt muss Sauerstoff an den Samen gelangen. Sind die Samen zu fest angedrückt oder befinden sich in zu dichter Erde, haben Samen keine Chance, den nötigen Sauerstoff für den Abbau der Reservestoffe nutzbar zu machen. Nur so kann der Stoffwechsel eingeleitet werden.

Wenn die Samen schließlich keimen, bilden sich erst die Wurzeln und dann der Spross. Teilweise trägt der Spross die Samenschale mit seinen Keimblättern nach oben. Das sieht dann nicht ganz normal aus, ist aber auch nicht weiter schlimm.

Mein Chiltepinkeimling mit Samenschale an den Keimblättern. Die Schale wird bald auch noch abfallen.

Die Keimblätter betreiben so lange Photosynthese für die Chilipflanzen bis die ersten echten Blattpaare gewachsen sind. Dann bilden sich die Keimblätter langsam zurück und überlassen den anderen Blättern die komplette Aufgabe des Stoffwechsels.[3]

Wir können daraus den Schluss fassen, dass wir die Samen am besten ein oder zwei Tage einweichen, nach der Aussaat feucht halten, aber nicht zu stark wässern. Sind die Samen bereits ausgesät, würde ich sie nicht nochmal ausbuddeln und einlegen, weil die ja jederzeit trotzdem mit der Keimung beginnen können. In der Regel dauert es nur ein paar Tage länger, solange sie ausreichend viel Wasser haben.

Bei der Aussaat dürfen die Samen weder mit zu viel, noch mit zu wenig Erde bedeckt werden. Optimal sind ca. 0,5 cm unter der Erde. Außerdem dürft ihr die Erde nicht zu fest andrücken, damit die Samen Sauerstoff bekommen. Ein bisschen angedrückt sollte die Erde trotzdem werden, damit die Wurzeln auch einen festen Halt finden können.

Dann könnt ihr prüfen, ob die Bodentemperatur für die Samen im angemessenen Temperaturbereich liegt. Ist es zu warm, könnt ihr etwas zwischen die Heizmatte und den Anzuchtkasten legen, wodurch der Abstand zwischen Wärmequelle und Samen vergrößert bzw. die Wärmeübertragung leicht abgeschirmt wird. Wenn die Temperatur zu niedrig ist, reicht die Wärmeleistung der Heizmatte möglicherweise nicht aus. Dann sucht ihr euch, wenn es geht, einen Fensterplatz über einer Heizung oder investiert in eine neue Heizmatte, die leistungsfähiger ist. Manche Heizmatten können auch reguliert werden. Da könnt ihr das dann auch einfach so einstellen, wie ihr es braucht.

Wenn ihr die Samen in Blumenerde ausgesät habt, wird das der Grund sein, warum die Chilis nicht keimen. Ihr habt dann nämlich das falsche Kultursubstrat verwendet. Wenn ihr mehr über die richtige Erde für die Aussaat erfahren wollt, schaut euch gerne noch mal meinen Beitrag dazu an. Dort habe ich euch alles wichtige zusammengetragen.

Alles richtig gemacht und trotzdem noch nichts passiert? Das gibt es immer. Es ist sehr ärgerlich, wenn es gleich alle Samen einer Sorte betrifft, aber nicht jeder Samen ist keimfähig. Vielleicht wurden die Früchte, aus denen die Samen stammen, zu früh geerntet oder sie sind zu feucht oder zu hell gelagert worden. Wenn Samen bereits mehrere Jahre alt sind, sinkt auch die Wahrscheinlichkeit für eine erfolgreiche Keimung. Ich hatte in all den Jahren, solange ich schon Chilis anbaue, noch nie eine hundertprozentige Keimrate bei irgendeiner Sorte erlebt. Sie bewegt sich, wenn es gut läuft, meistens eher im Bereich von 70-80%. Von daher ist das ganz normal, dass nicht aus allen Samen etwas wird.

Am Ende kann ich euch nur noch nahelegen, euch in Geduld zu üben. Wie ich eingangs erwähnt habe, gebe ich Chilis ab einem Monat langsam auf. Aus Erfahrung kann ich aber sagen, dass es immer noch ein Exemplar geben kann, was erst nach anderthalb oder zwei Monaten als Nachzügler zum Vorschein kommt. Von daher empfehle ich euch, solange ihr die Anzuchtkästen oder die Fensterbank nicht für andere Dinge braucht, einfach regelmäßig weiterzugießen, wenn ihr die Hoffnung noch nicht aufgeben wollt. Vielleicht ist ja auch das Wurzelwachstum bereits im vollen Gange, nur der Spross kommt noch nicht ans Licht…

Quellen