Kategorie: Tipps für den Anbau

Chilisalz – mit einfachen Mitteln aus 2 Gewürzen eins machen

Chilisalz hat nicht jeder im Haushalt, aber schaden kann es auf jeden Fall nicht. Es gibt verschiedene Arten von Chilisalz. Man kann das Pulver mit feinem Salz oder grob zerstoßene Chilis mit grobem Salz mischen. Viel mehr ist dazu nicht zu sagen, beides super einfach, aber m.E. auch super langweilig.

Netter sieht es aus, wenn das Salz in derselben Farbe wie der verwendete Chili erscheint. Wie das geht, will ich euch heute erklären. Anders als beim Chiliöl gibt es hierbei keine Gefahren. Von daher wird es diesmal auch ein etwas kürzerer Beitrag als sonst.

Zunächst solltet ihr euch natürlich wie immer im Klaren sein, welchen Chili ihr gerne versalzen wollt. Chilisalz kann überall zum Einsatz kommen, wo ihr es sowohl salzig, als auch scharf haben wollt. Überlegt euch, auf welche Gerichte das bei euch am ehesten zutrifft, bzw. welche davon ihr am häufigsten macht. Daraus könnt ihr dann ableiten, welchen Chili ihr am besten nehmt, weil das Salz verbraucht sich nicht so schnell. Da solltet ihr schon vorab möglichst mit dieser Entscheidung das Optimum rausholen.

Der nächste Schritt ist dann die Wahl des Salzes. Viele schwören auf Himalayasalz oder Salz aus Pakistan. Unterm Strich lässt sich aber sagen, dass alle Salze zu 97-99% aus NaCl bestehen und damit um den Wert des bei uns üblichen Kochsalzes (98%) schwanken. Neben der anderen Färbung sind die Geschmacksnuancen kaum unterscheidbar, sodass die Unterschiede nach unserer Behandlung mit einem schönen aromatischen Chili eigentlich gar nicht mehr vernehmbar sein dürften. Aus Nachhaltigkeitsgründen würde ich daher zu europäischen Salzen greifen und dabei nur nach der Optik gehen. Ich habe zum Beispiel gerne ein grobes, scharfkantiges Salz. Da es die Farbe des Chili annehmen soll, kann es gerne ein weißes sein. Mit diesen Suchkriterien bin ich auf das Saliamo mediterranes Meersalz aus Kroatien gestoßen, das ich auch selbst verwendet habe.

Kommen wir zum eigentlichen Thema. Vorausgesetzt, ihr habt bereits sowohl den Chili, als auch das Salz beisammen, könnt ihr endlich loslegen. Alles, was ihr dazu braucht ist ein Zerkleinerer, Smoothiemaker oder irgendein anderes Gerät, mit dem ihr Chilis pürieren könnt und ein Dörrgerät oder Backofen mit Dörrfunktion.

Auf 100 g Salz könnt ihr 30 bis 50 g frischen Chili rechnen. Für die eingangs genannten Varianten heißt das, auf 100 g Salz kommen 3 bis 5 g getrockneter Chili, da ungefähr 90% des Gewichts beim Trocknen verloren gehen. Ihr könnt die Werte natürlich alle frei nach Gusto nach oben oder nach unten korrigieren. Bei meiner Variante Würde ich aber nicht sehr weit über diesen Wert gehen, da sonst das Salz die Flüssigkeit nicht mehr komplett aufnimmt.

Ihr müsst den Chili nämlich erst pürieren und anschließend auf einer für den Dörrautomaten oder den Backofen vorgesehenen Unterlage die Chilimasse mit dem groben Salz vermengen. Nach Möglichkeit so, dass die komplette Flüssigkeit durch das Salz aufgenommen wurde, bevor ihr mit der Trocknung beginnt. Das entscheidet nämlich am Ende auch über die Farbintensität des Salzes.

Das Salz könnt ihr bei 70°C für 10 Stunden trocknen und dann am besten in durchsichtige Gewürzmühlen füllen.

Ich kann das SILBERTHAL Gewürzmühlenset mit Keramikmahlwerk empfehlen. Sie sind wertig verarbeitet und sind nicht allzu groß, sodass ihr regelmäßig auch anderes Salz nachfüllen könnt. Auch zum Verschenken eignen sie sich gut, da jeder noch einen Platz für diese Mühlen finden kann.

Verkostung von 24 unterschiedlichen Chilisorten

Am Wochenende kam ein Paket mit 30 Chilisorten an. Die meisten davon habe ich getestet und möchte meine Eindrücke mit euch teilen. Im Hintergrund arbeite ich bereits an einem Tool, das euch später ermöglichen soll, schnell und einfach den richtigen Chili für eure Zwecke zu finden. Je mehr Chilis ich dafür testen kann, desto größer ist das Spektrum, das ich damit abdecken kann. Schreibt mir gerne, wenn ihr etwas habt, das ihr loswerden wollt 🙂 Aktuell befindet sich noch alles in den Anfängen, da dies die erste Erntesaison meines Blogs ist. Das heißt, ich fülle erst einmal die Datenbank so gut es geht.

Bis es soweit ist, werde ich euch gerne meine aktuellsten Kurzbeschreibungen zu den jeweiligen Geschmäckern bereitstellen. So bekommt ihr schon mal einen ersten Eindruck von den Sorten und könnt evtl. besser ableiten, welche Chilis ihr für eure Zwecke im nächsten Jahr gerne anbauen wollt.

Geschmäcker sind bekanntlich verschieden und jede Frucht an jeder Pflanze schmeckt bekanntlich auch unterschiedlich. Ich habe zum Testen auch nur 1 bis 3 Früchte probiert bis ich den Geschmack einmal für mich richtig einordnen konnte. Viel mehr geht auch nicht, wenn man vorhat, über 20 Sorten möglichst frisch zu testen und dabei nicht zu sterben.

Trotzdem bin ich überzeugt, dass auch eine einzelne Beere eine gesamte Sorte repräsentieren kann. Sie werden alle zumindest vom Aroma her ähnlich schmecken und sehr große Abweichungen halte ich für eher unwahrscheinlich. Ansonsten wäre es auch nicht möglich, Die Trauben bei Weinverkostungen zu erkennen.

Ich erspare euch noch eine Aufzählung der 24 Chilisorten, um welche es geht, da ihr sie im Folgenden eh finden könnt:

C. annuum

Black Scorpion Tongue

Ein recht saurer, aber auch süßlicher Chili mit Zitronenaroma bei dunkelroter Färbung, was eher ungewöhnlich ist – sind es doch sonst eher die hell gefärbten Früchte mit so einem Geschmacksbild. Ich würde ihn zum Würzen saurer Speisen, die nicht superscharf werden sollen, empfehlen.

Bolivian Rainbow

Die Bolivian Rainbow haben mich überrascht mit einem für C. annuum unerwartet intensiven Aroma, das an Johannisbeeren erinnert. Sie sind entsprechend saftig mit deutlich süßer Note und merklichem Säureanteil.

Candy Cane Chocolate Cherry

Dieser Schärfelose Paprika überzeugt durch seine schöne Färbung mit braunen Streifen auf rotem Grundton. Geschmacklich schmeckt sie nicht sehr anders als ein gewöhnlicher roter Blockpaprika. Er ist jedoch etwas weniger süß und deutlich saurer.

Royal Black

Royal Black ist einer der unaromatischsten Chilisorten, die ich bisher getestet habe. Wer scharf essen will mit wenig Eigengeschmack aus dem Chili heraus ist hiermit gut beraten, allerdings würde ich ihn nicht zum roh verzehren empfehlen, da es da meines Erachtens deutlich leckerere Sorten gibt. Von Konsistenz und Geschmack ähnelt die dünne Fruchtwand der Schale von Äpfeln.

Snack Paprika orange

Der orange Snackpaprika ist in seinem Geschmack wie ein roter Paprika, aber mit einem Hauch von Orangen- oder Blutorangenaroma, das im Nachgeschmack durch ein in Vorschein tretendes Karottenaroma ersetzt wird.

Zimbabwe black

Sehr kleine dunkelrote Chilis, die nicht sehr intensiv und entsprechend ihrer Größe auch nicht sehr saftig sind. Sie bringen ein nussiges Aroma mit sich, sind aber dabei im Gegensatz zu Sugar Rush Peach überhaupt nicht süß.

C. baccatum

Aji Challuaruro Amarillo

Wer es gerne etwas saurer, aber dennoch fruchtig mag, kann diesen Chili probieren. Wie bei vielen anderen Chilis auch kommt ein Zitronenaroma zum Vorschein, das hier aber von einem nussigen Beigeschmack begleitet wird.

Aji Confusion

Doppelte und dreifache Fruchtwände hat nicht jeder Chili zu bieten. Das Ergebnis ist eine knackige Frucht, die trotzdem nicht ganz so saftig ist wie wenn das Fruchtfleisch wie üblich in nur einer einzigen Außenwand derselben Gesamtdicke gelagert wäre. Der untere Teil bringt das Aroma saurer Äpfel mit sich, während im oberen Bereich nahe dem Stielansatz bittere Geschmacksstoffe gelagert sind, der Chili relativ trocken schmeckt und das Aroma eher an Zitronengras erinnert.

Aji Pineapple

Wie der Name verrät, erinnert das Aroma an Ananas. Gleichzeitig ist sind aber auch andere Aromen deutlich vernehmbar. In der Kombination schmeckt mir dieser Chili persönlich gar nicht. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass er in zerkleinerter Form exotisch fruchtige Saucen gut
ergänzen kann.

Brazilian Starfish

Ein ungewöhnlich geformter Vertreter von C. baccatum, der für seine geringe Größe erstaunlich knackig und entsprechend saftig ist. Es ist so, als würde man in einen Paprika und einen Apfel zeitgleich reinbeißen. Unter den in dieser Testreihe getesteten Chilis mein Lieblingchili zum Snacken.

Peppadew

Peppadew schmeckt im Vergleich zu anderen Sorten nicht sonderlich süß, aber dafür umso saurer. Es gibt auch eine leichte fruchtige Note, die mit dem Geschmack von Physalis vergleichbar ist.

Sugar Rush Peach

Dieser Chili schmeckt sowohl stark nach Paprika als auch nach Walnüssen, also einem Gemisch aus beidem. Die namensgebende Süße ist deutlich vernehmbar. Sugar Rush Peach kann gut ergänzend bei Sahnesaucen hinzugegeben werden.

Sugar Rush Stripey

Gewundert habe ich mich, dass die Stripeys entgegen der allgemeinen Infos aus dem Internet nicht ähnlich wie die Sugar Rush Peach geschmeckt haben. Die Walnussnote konnte ich überhaupt nicht vernehmen und sie sind auch etwas weniger süß. Zugegebenermaßen wird die Walnuss auch sonst nicht im Internet erwähnt. Der Geschmack, dem die Stripeys am nächsten kommen ist Apfel, aber auch nicht so, dass das deutlich zum Vorschein käme. Sie können daher gut zusammen mit gelben Paprika oder anstelle dessen verwendet werden.

C. chinense

7 Pot Lobotomy red

 

Unten schmeckt die Frucht deutlich nach Paprika mit etwas Apfel, weiter oben macht sich ein nussiges Aroma bemerkbar, wodurch der Gesamteindruck weiterhin der Geschmack von Paprika ist mit Apfel- und Nussaromen im Hintergrund. Natürlich alles chinensetypisch tropisch-exotisch abgerundet.

Aji Charapita

Das teuerste Gewürz der Welt… Ich habe drei der erbsengroßen Stücke probiert bis ich sie geschmacklich irgendwie einordnen konnte. An Geschmacksintensität sind sie tatsächlich nicht zu überbieten. Von Saft fehlt allerdings jede Spur. Ähnlichkeiten zum Blockpaprikageschmack konnte ich gar nicht feststellen, dafür gibt es viele Parallelen zu Limetten.

Carolina Reaper white

Der schärfste Chili der Sendung musste natürlich auch irgendwann gegessen werden. Wie bei allen Scorpion-Kreuzungen ist der Stachel
auch hier überhaupt nicht scharf. Im Gegensatz zur roten Carolina Reaper schmeckt diese Sorte leicht fruchtig und dadurch etwas süßer. Die Fruchtnote kommt so schwach zum Vorschein, dass ich nicht ganz sicher bestimmen konnte, was das genau für ein Geschmack ist. Am Ende habe ich mich für weißen Pfirsich entschieden. Für gelben Pfirsich war sie mir nicht süß genug. 

CGN 21500

Diese Nummer musste ich auch erst einmal googlen und konnte feststellen, dass das tatsächlich der offizielle Name ist. Zudem werden deren Samen auch an einigen Ecken im Internet angeboten, also ist auch schon etwas etablierter. Geschmacklich ist der Chili nicht sehr intensiv. Er bringt jedoch ein leicht zitroniges Aroma mit sich, das sich langsam im Mund entfaltet, aber nie in den Vordergrund gerät. Auch optisch hat der Chili mit seinen lila Flecken auf orangen Grundton was zu bieten.

Habanada

Habanada war für mich eine Entdeckung. Ich befasse mich ja sonst nicht sonderlich mit schärfefreien Chilis, aber umso überraschter war ich von der Geschmacksintensität des Habanada. Zunächst schmeckt der Chili ziemlich süß mit dem klassischen Habaneroaroma. Dieses triggert bereits einen Warnhinweis ans Gehirn, dass es gleich sehr scharf werden wird. Der Hitzereiz bleibt allerdings aus und es machen sich langsam die anderen Aromen breit – etwas zwischen Birne und süßer Karotte. Im Nachgang dominiert immer mehr das Karottenaroma. Beim Kochen für schärfeempfindliche Mitmenschen könnte dieser Chili die Lösung für alle sein.

Habanero Hot Lemon

Anders als der Name erahnen lässt, sind diese Chilis nicht sonderlich aromatisch – insbesondere nicht im Vergleich zu anderen Habanerosorten. Trotz allem ist die Zitrone erkennbar. Ich würde ihn zum Würzen extrem scharfer säuerlicher Gerichte empfehlen.

Habanero Snow white

Die Habanero Snow White sind kleiner als ihre andersfarbigen
Artgenossen, scheinen aber ebenso viele Kerne zu enthalten. Zum Snacken sind sie daher nicht unbedingt gut geeignet. Sie sind besonders süß, aber nicht sehr saftig, wodurch die Süße nicht direkt so zum Vorschein kommt. Sie hat geschmackliche Ähnlichkeiten mit Pfirsichen. Snow White lässt sich in Gerichten gut durch die weiße Reaper ersetzen oder auch anders herum.

Limón

Limón schmeckt schon zitronig, aber nicht so stark, wie es dem Namen nach anzunehmen wäre. Fatalii ist für mich nach wie vor der Vorreiter in dieser Hinsicht. Der Chili enthält kaum Fruchtsaft und schmeckt auch nicht sehr intensiv, wodurch sich seine Aromen beim Rohverzehr auch nicht so gut entfalten können. Für mich ein klarer Kandidat für die Weiterverarbeitung zu Pulver oder Flocken.

Madame Jeanette

Ein sehr intensives Aroma hat auch die Madame Jeanette. Süße Orangen waren das, woran ich beim Verzehr als erstes denken musste. Sie dominieren die typischen Paprikaaromen deutlich. Für mich ein klarer Kandidat für fruchtige Saucen. Mein neuer Favorit zum Schärfen von fruchtig-süßen Speisen wie meiner neuesten Kreation, der Paprikacremesuppe.

C. frutescens

KS White Thai

Kein sonderlich saftiger Chili, dafür aber recht sauer mit deutlich bitterer Unternote. Das Aroma kann mit dem von Gurken verglichen werden. Ansonsten ist es ein klassischer Thai Chili und kann entsprechend am besten für Thai Rezepte verwendet werden.

 

Capsicum annuum bis pubescens – Alle Chiliarten im Überblick

Dank einer immer größeren Fangemeinde des Chilianbaus haben wir mittlerweile schätzungsweise 4000 verschiedene Chilisorten und die Anzahl wächst Jahr für Jahr weiter an. Die meisten dieser Sorten lassen sich einer dieser fünf Chiliarten zuordnen: Capsicum annuum, C. baccatum, C. chinense, C. frutescens und C. pubescens. Da teilweise auch artenübergreifende Kreuzungen möglich sind, kann die Art in wenigen Ausnahmen nicht eindeutig bestimmt werden. Außerdem gibt es darüber hinaus noch viele weitere Arten, deren Sorten aber nicht sehr vielfältig sind. Diese kommen vor allem in der Lateinamerikanischen Wildnis vor und werden nicht kultiviert. Da sie hierzulande (fast) niemand kennt, werde ich diese im Folgenden auch ausklammern.

Welche Eigenschaften charakteristisch für die jeweiligen Chiliarten sind, möchte ich im heutigen Beitrag herausarbeiten und am Ende die eindeutigen Merkmale zur Bestimmung für euch zusammenfassen.

Capsicum annuum

verschiedene Chilis von Capsicum annuum

Beginnen wir mit der verbreitetesten Chiliart Capsicum annuum. Unter C. annuum fallen unter anderem die Sorten Cayenne, Jalapeño und der Blockpaprika. Die größten Chilifrüchte wachsen alle an Pflanzen dieser Art, aber auch die kleinsten können durchaus noch C. annuum zugeordnet werden.

Die Pflanzen wachsen relativ schlank nach oben. Die Blätter werden dunkelgrün, sind langgezogen, glatt und haben einen relativ langen Stiel. In der Regel hängen die Früchte nach unten, bei kleinen Sorten wachsen sie allerdings durchaus auch nach oben. Die Früchte von C. annuum können sehr mild sein. Die schärfsten Chilis erreichen bis zu 125.000 Scoville.

Mit einer gewünschten Keimtemperatur von je nach Sorte mindestens 20-22°C sind sie weniger anspruchsvoll als die meisten anderen Arten. Sie halten Temperaturen von über 6°C stand, wodurch sie in der Regel ab den Eisheiligen bis in den Oktober hinein in unseren Breiten draußen stehen können.

Capsicum baccatum

verschiedene Chilis von Capsicum baccatum

Den Früchten von C. baccatum wird ein besonders süßes Aroma nachgesagt. Bekannte Vertreter sind unter anderem Lemon Drop, der neue Trendchili Sugar Rush Stripey und die meisten Sorten mit dem Namensbestandteil Aji. Sie brauchen etwas länger bis zur Blüte als bspw. C. annuum. Die Früchte wachsen zunächst aufrecht, die schwereren Vertreter biegen mit der Zeit aufgrund ihres Gewichts nach unten weg und wachsen dann nach unten weiter.

Die Chilis dieser Art können eine Schärfe von bis zu ca. 75.000 Scoville erreichen. Die Pflanzen wachsen sehr verzweigt und werden tendenziell größer als die Pflanzen der anderen Chiliarten (bis zu 2 Meter). Die Blätter sind ähnlich wie bei C. annuum dunkelgrün und glatt. Die Blüten der C. baccatum sind weiß mit großen Farbflecken auf den Blütenblattern.

Auch C. baccatum keimt ab 22°C aufwärts. Sie vertragen kalte Temperaturen solange alles frostfrei bleibt. Damit sind sie noch etwas hartnäckiger als C. annuum.

Capsicum chinense

verschiedene Chilis von Capsicum chinense

 

Capsicum chinense ist die Königsklasse unter den Chilis. Die meisten Vertreter bis auf wenige Ausnahmen sind schärfer als der schärfste Chilis aller anderer Arten. Habanero, Bhut Jolokia, Fatalii, 7-Pot, Trinidad Scorpion und Carolina Reaper gehören alle dieser Art an. Auch für die Züchtung immer neuer Superhot-Chilis wird daher ausschließlich C. chinense mit C. chinense gekreuzt.

Die Pflanzen der C. chinense wachsen buschig bis zu einer Höhe von in der Regel 80-120 cm. Die Blätter sind leicht gewellt und breiter als die von C. annuum oder C. baccatum. Auch die Stiele sind vergleichsweise kurz.

Typisch für diese Art ist, dass oft mehrere Blüten an einem Knoten entstehen, wodurch viele Sorten auch ertragreich sind – teilweise können sogar über 100 Chilis an einer Pflanze hängen. Die Früchte wachsen hängend, oft lampionförmig oder mit stark knittriger Oberfläche und werden je nach Sorte zwischen 2,5 und 7 cm lang. Wenn die Chilis einen Stachel ausbilden (typisch für Trindad Scorpion und daraus hervorgegangene Kreuzungen), dann können sie auch eine Länge von 8 cm erreichen. Der Stachel schmeckt übrigens überhaupt nicht scharf, der restliche Chili dafür umso mehr.

Was die Umweltbedingungen angeht, ist C. chinense am anspruchvollsten. Die Pflanzen müssen stets bei Temperaturen oberhalb von 12°C gehalten werden. Bei garantierter Windstille geht auch etwas weniger, da der Windchill-Effekt ausbleibt. Trotzdem können die Pflanzen dadurch meistens erst Ende Juni dauerhaft nach draußen und müssen bereits im September wieder reingeholt werden. Sie keimen erst bei Temperaturen oberhalb von 24 oder 25°C und können daher nur mithilfe von künstlicher Beheizung zum Keimen gebracht werden.

Capsicum frutescens

Die bekanntesten Sorten von C. frutescens sind Tabasco und Malagueta (Piri Piri). Die Sorte Bird’s Eye kommt als einziger Nicht-chinense-Chili auf über 200.000 Scoville und ist damit etwa doppelt so scharf wie die schärfsten Chilis von C. annuum.

Die Pflanzen wachsen strauchförmig und werden bis zu 2 Meter hoch. Bei C. frutescens wachsen die Früchte meistens aufrecht nach oben. Daher sind sie meistens auch entsprechend klein und dünnwandig. Die Form der Früchte kann kegelförmig, länglich zugespitzt oder klein und rund sein. Ungewöhnliche Formen sind eher bei den zuvor genannten Arten zu finden.

Die Blätter sind rau und am Rand leicht gewellt und sind ansonsten ähnlich wie die Blätter von C. annuum dunkelgrün, schmal und spitz zulaufend.

Damit die Pflanzen wirklich strauchig wachsen, muss die Spitze bei ca. 30 cm über dem Boden gekappt werden. Ansonsten wachsen sie geradlinig immer weiter in die Höhe. Die Umweltanforderungen der C. frutescens decken sich mit denen von C. annuum.

Capsicum pubescens

Die fünfte Chiliart ist die zugleich außergewöhnlichste. Kommen die anderen 4 Chiliarten mit hellgelben Chilisamen daher, sind die Samen von C. pubescens ausnahmslos schwarz. Auch die Zusammensetzung der Scharfstoffe ist eine komplett andere als üblich. Anstelle von Capsaicin dominiert hier Dihydrocapsaicin. Auch Nordihydrocapsaicin ist höher konzentriert als sonst. Diese Stoffe wirken zwar über dieselben Rezeptoren wie Capsaicin, aber senden andere Signale, sodass für die Chilis von C. pubescens eine separate Toleranz aufgebaut werden muss.

Chilis dieser Art heißen oft Rocoto oder Chile Manzano. Besonders gerne werden sie für Salsas verwendet, da sie wie C. baccatum besonders fruchtige Aromen aufweisen. Auch das Peruanische Nationalgericht Rocoto Relleno, zu dem ich euch nach wie vor noch ein Rezept schuldig bin, wird mit Früchten von C. pubescens zubereitet.

Die Pflanzen neigen dazu, schnell zu verholzen. Deshalb ist hierbei auch häufig von ‚Baumchilis‘ die Rede. Sie wachsen buschig und werden bis zu 4 Meter hoch. Die Blätter und Stängel sind behaart und die Blütenblätter sind lila. Die Früchte sind dickfleischig und je nach Sorte apfel-, mango- oder birnenförmig. mit einer Länge von 4 bis 10 cm.

Eindeutige Anzeichen

Unterm Strich gibt es für die meisten Sorten Anzeichen, die einen eindeutigen Hinweis zur Bestimmung geben.

Capsicum annuum hat dunkelgrüne schmale und glatte Blätter – genauso wie C. baccatum. C. baccatum kann jedoch an der Blüte anhand der Flecken auf den Blütenblättern eindeutig zugeordnet werden. So kann C. annuum durch Ausschlussverfahren bestimmt werden.

Die Früchte von C. chinense wachsen büschelweise an den Knoten. Außerdem sind die Blätter breiter als die der anderen Sorten und gewellt. Die extrem scharfen Früchte sind immer Chinensen.

Die Blätter der C. frutescens sind rau und am Rand leicht gewellt und sehen ansonsten aus wie die von C. annuum und C. baccatum. Die Früchte wachsen meistens nach oben, was ein erstes Indiz, aber kein eindeutiger Hinweis ist.

C. pubescens lässt sich an den behaarten Blättern und Stängeln sowie den schwarzen Samen erkennen. Die schwarzen Samen sind ein Alleinstellungsmerkmal unter diesen 5 vorgestellten Arten, aber können auch bei einigen Wildarten auftreten.

Wie Blattläuse Chilis schaden und was ihr dagegen tun könnt

Wenn unsere Chilipflanzen von Blattläusen befallen werden, fällt das meistens erst auf, wenn wir die Blätter von unten begutachten. Dort tummeln sich diese Insekten nämlich, während sich selten eine Laus auf die Oberseite verirrt. Auch wenn das passieren sollte, sind die Tiere so klein, dass wir sie nur bei genauerem Hinsehen registrieren würden. Wenn die Kolonisierung weiter fortgeschritten ist, tummeln sie sich aber auch zunehmend an den Stängeln und den Blattoberseiten. Spätestens dann werdet ihr sie auch ohne genauere Überprüfung der Pflanze sehen können.

Im Folgenden möchte ich euch erläutern, wie die Blattläuse leben und auf welche Weise Blattläuse Chilis Schaden zufügen und anschließend nenne ich einige Maßnahmen, wie ihr sie loswerden könnt, ohne dass ihr dafür gleich die Chemiekeule schwingen müsst.

Lebensweise der Blattläuse

Die Größe einer Blattlaus beträgt 1 bis 7 Millimeter, wobei sie selten größer als 3 Millimeter groß sind. Weltweit gibt es ca. 5000 verschiedene Arten, von denen ca. 800 in Mitteleuropa beheimatet sind.

Meistens ist es die grüne Pfirsichblattlaus, die sich an unseren Chilipflanzen zu schaffen macht. Diese werden zwischen 1,8 und 2,5 mm groß. Sie befallen Chilis in der Regel in der Zeit von Mitte Mai bis September. Im Winter besiedeln sie lieber Bocksdorn, Pfirsich-, Aprikosen-, Schlehen- oder auch Apfelbäume.

Wenn Blattläuse Chilis befallen: grüne Pfirsichblattläuse an den Blattunterseiten einer Cayenne-Pflanze

Wenn Blattläuse Chilis befallen: grüne Pfirsichblattläuse an den Blattunterseiten einer Cayenne-Pflanze

Das Umsiedeln erfolgt über das Konzept, dass Blattläuse in der Lage sind, sowohl unbeflügelte, als auch beflügelte Nachkommen zu zeugen. Die unbeflügelten verlassen die Pflanze nicht, während die beflügelten in der Lage sind, davonzufliegen und auf anderen Pflanzen wiederum unbeflügelte Nachkommen hervorzubringen.

Die natürlichen Feinde der Blattläuse sind in erster Linie Marienkäfer, Raubwanzen, Ohrwürmer, Blattlausschlupfwespen und die Larven von Flor- und Schwebfliegen.

Ameisen hingegen machen sich die Blattläuse selbst zunutze. Die Ausscheidungen der Blattläuse – der sogenannte Honigtau (auch Meltau, nicht zu verwechseln mit Mehltau) – ist sehr zuckerhaltig und dadurch bei den Ameisen sehr begehrt. Sie ernähren sich davon und verhindern dadurch gleichzeitig, dass sich die Blattläuse selbst den Hintern verkleben oder sogar gar nicht mehr vom Fleck kommen. Gleichzeitig gewähren sie den Blattläusen im Gegenzug Schutz vor Fressfeinden. Damit die Läuse schön die Wirtsplanze für die Ameisen weiter „beweiden“, sondern sie einen Botenstoff ab, der die Blattläuse verlangsamt und gelegentlich beißen sie den beflügelten Läusen auch mal die Flügel ab, damit sie bloß nicht abhauen.

Wie greifen die Blattläuse Chilis an?

Der Honigtau entsteht dadurch, dass die Blattläuse mit ihrem Saugrüssel die Siebröhren des Blattes anstechen. Siebröhren sind unvollständig ausgebildete Zellen, in denen der gespeicherte Saft unter hohem Druck steht. Deswegen pumpt die Pflanze den Blattläusen den Saft eher in den Saugrüssel rein anstatt dass die Laus wirklich saugen müsste. Darüber hinaus gibt die Blattlaus noch mit ihrem Speichel Proteine ab, die einen schnellen Wundverschluss der Pflanze verhindern. [1]

Dadurch dass der Saft nicht sehr proteinhaltig ist, aber die Blattläuse auf ihre Proteine kommen müssen, bleibt eine große Menge Honigtau zurück. Den Zucker können die Blattläuse nämlich nicht verwerten, obwohl sie ihn mit aufgenommen haben. Er fehlt also unserem Chiligewächs und die Ameisen freuen sich. [2]

Der Honigtau ist sehr klebrig und kann auch unsere Möbel verkleben, sollte er einmal anfangen, von den Pflanzen zu tropfen. Außerdem bildet er Nährboden für diverse Pilze, die die Chilis befallen könnten. [3] Darüber hinaus sind die Blattläuse selbst auch bekannt als Überträger von Pflanzenviren. Wenn die Blattläuse also einmal weg sind, kann es sein, dass es unseren Chilis dann immer noch nicht wieder gut geht und sie noch ein ganz anderes Problem haben.

Daher steht nun die Frage im Raum, wie ihr sie beseitigen könnt, wenn sie sich einmal niedergelassen und verbreitet haben.

Blattläuse ökologisch bekämpfen

Bevorzugen solltet ihr alle zunächst einmal die ökologischen Methoden, da ihr ja eure Chilis möglichst bedenkenlos essen können wollt.

Als eine der effektivsten Methoden hat sich eine Mischung aus Wasser, Milch und Öl herausgestellt.  Dabei sorgt das Lecithin aus der Milch abtötend, in dem es sich in einer Dünnen Schicht über die Blattläuse legt und sie dadurch nicht mehr atmen können.[4] Das Öl wirkt auf ähnliche Weise. Der Effekt wird durch die Zugabe von Öl einfach nochmal verstärkt. Für die Behandlung der befallenen Pflanze(n) braucht ihr eine Sprühflasche und mischt darin 2 Teile Wasser auf einen Teil Milch. Am Schluss gebt ihr noch einen Schwups Öl hinzu und schüttelt die Flasche vor der Anwendung.

Für die Behandlung müsst ihr die Blätter von oben und von unten besprühen. Am besten macht ihr das morgens, damit sie den Tag über trocknen können. Dabei müsst ihr natürlich auch sicherstellen, dass die Chilis während der Behandlung nicht im vollen Sonnenlicht stehen, da sie sonst an den nassen Stellen verbrennen können. Bei starkem Befall solltet ihr den Vorgang alle zwei Tage durchführen bis sie alle weg sind.[5]

Außer dieser Mischung gibt es auch vegane Varianten wie zum Beispiel den Einsatz von Brennessel- oder Ackerschachtelhalmsud. Diese Mittel werden im Internet gerne hoch gepriesen, aber unterm Strich können sie einen Blattlausbefall maximal eindämmen. [6] Die in diesen Kräutern enthaltene Kieselsäure sorgt für eine Stärkung der Zellwände an den Pflanzen. Es wird also schwieriger für die Läuse, die Siebröhren anzustechen. Wie bereits erwähnt kann die Pflanze ihre Wunden nicht mehr so gut heilen, wenn die Läuse gesaugt haben. Daher ist bei starkem Befall auch dieses Mittel nicht mehr so erfolgsversprechend.

Vorbeugend könnt ihr es aber super zweimal die Woche einsetzen. Darüber hinaus wirkt es auch als Dünger. Ihr müsst den Sud in einem Eimer in einem Mischverhältnis von 1:5 mit Wasser vermengen. Wichtig ist dabei, dass ihr diese Mischung nicht mehr als 2 Tage ziehen lasst, weil es einen Zeitpunkt gibt, ab dem die Konzentration an Kieselsäure so hoch ist, dass eure Pflanzen Schaden davon nehmen können, wenn ihr sie damit besprüht. Den Sud müsst ihr vor der Verwendung noch einmal durch ein Sieb geben, sodass ihr eure Sprühflasche problemlos mit der Brühe befüllen könnt.[7]

Die natürlichste Methode, wenn ihr die Zeit dazu habt, ist, dass ihr Fressfeinden Nistplätze gewährt. Zum Beispiel könnt ihr einen Blumentopf mit Holzwolle füllen und dann verkehrt herum in der Nähe der Blattläuse aufhängen. Hierin fühlen sich die Ohrwürmer besonders wohl. Wenn sie einmal eingezogen sind und nisten, haben die Blattläuse nachts keinen Spaß mehr. Werden euch die Ohrenkneifer irgendwann zu lästig nachdem sie ihren Job erledigt haben, könnt ihr sie mitsamt dem Topf einfach wieder umsiedeln. [8]

Florfliegen könnt ihr mit Katzenminze anlocken [9], Schwebfliegen und Marienkäfer mit Blütenpflanzen, da sie sich von den Blütenpollen ernähren. [10]

Zugegebenermaßen würde ich die Ohrwürmer und Florfliegen nur in einem Garten anlocken, weil auf einem Balkon der Weg in die Wohnung nicht weit ist. Da wollt ihr nämlich auch keine Ohrwürmer beherbergen.

Die Blütenpflanzen hingegen helfen ja auch, genau die richtigen Tiere für die Bestäubung der Chiliblüten anzulocken. Von daher solltet ihr diese sowieso in der Nähe stehen haben.

 

Quellen

Arbeiten am Chili-Gewächshaus

Wer sich gefragt hat, wieso hier länger kein Beitrag mehr von mir kam, der bekommt heute die Antwort. Meine freien Stunden, die ich sonst zum Schreiben hätte aufwenden können, habe ich intensiv in die Gartenarbeit gesteckt. Zudem sind die Wochenenden in den Sommermonaten auch fast nie komplett frei. Das kennt ihr wahrscheinlich auch von euch selbst.

Wie ich bereits früher schon angedeutet habe, hat mein Bruder ein Gewächshaus im Garten. Das Gewächshaus war allerdings voll mit Sand und hatte keine eigene Bewässerung. Bis auf das Gewächshaus selbst war also noch nichts da, was für den Chilianbau geeignet ist. Falls ihr also mit dem Gedanken spielt, euch selbst ein Chili-Gewächshaus im Garten anzulegen, könntet ihr euch vielleicht auch hier inspirieren lassen, wie ich das gemacht habe.

Der Anblick, wie das Gewächshaus vor den Arbeiten aussah, ist relativ ernüchternd. Motiviert habe ich mich, indem ich mir das Ziel vor Augen geführt habe: Ein Gewächshaus – 2 mal 3 Meter groß nur für meine kleine Chilifarm mit automatischer Bewässerung.

Zustand des Gewächshauses vor den Arbeiten. Der Rosmarin hat leider nicht überlebt †

Das Gewächshaus ist bis ca. 30 cm unterhalb des Sandbodens einbetoniert. Ungefähr bis auf diese Tiefe habe ich den Sand mit einer Breite von 55-60 cm mit einem Spaten zunächst L-förmig entlang den Begrenzungen aus dem Bestand ausgehoben. Die alte Begrenzung habe ich entfernt. In diesem Graben habe ich dann Unkrautvlies auf dem Boden und den Seiten ausgelegt, damit der Sand sich später nicht allzu sehr mit der Erde vermischen kann.

Überall zu erkennen die Beetabgrenzungssteine ‚Beetfix‘, rechts zu erkennen das Unkrautvlies, das die aufgeschüttete Erde vom Sand trennen soll

Dann konnte es endlich losgehen, worauf mein Bruder schon so lange gewartet hat: Die Säcke mit der Gemüseerde, die bereits längere Zeit auf einer Palette auf der Einfahrt gestapelt waren, konnten nach und nach in den hinteren Bereich des Gartens geschleppt und in die vorbereiteten Gräben ausgeschüttet werden.

der schiefe Turm von Schöneiche

Die neuen Beetbegrenzungssteine, die ich besorgt habe, habe ich nicht extra betoniert, sondern etwa 15 cm tief im Sand eingegraben und auf der Seite des Beets bis zur Höhe des Überstands des Unkrautvlieses. Die Beetbegrenzung steht also ein bisschen im Abstand zur Abrisskante, damit die Steine auch genügend Halt finden. An der Oberfläche ist das Beet somit etwa 5 cm breiter als in der Tiefe. Die Steine sind die aus Beton gegossenen „Beetfix“-Steine von Hornbach. Insgesamt sind sie 25 cm hoch; bei mir ragen sie also nur noch ca. 10 cm auf beiden Seiten heraus.

Genauso habe ich es dann auf der letzten Seite gemacht. Erst aufgebuddelt, dann Unkrautvlies verlegt und wieder mit Erde aufgeschüttet, Steine positioniert und dann alles bis oben hin mit Erde aufgefüllt.

Gewächshaus bevor die Chilis eingepflanzt und die Bewässerung innen verlegt wurde

Die kleine Eingangstreppe hat eine Breite von 78 cm. Die Steine sind 6 cm breit und setzen an den äußeren Rändern der Treppe an. Unterm Strich ist somit der zu betretende Bereich etwa 65 cm breit, was aber völlig ausreichend ist. Außerdem ist die Beetseite ja auch betretbar, aber sollte natürlich nicht als Hauptverkehrsfläche dienen 🙂

Die Gesamttiefe des Beets beträgt nun in etwa 45 cm. Bedenkt man dabei, dass ich auf eine Gesamtlänge von 4,20 m bei einer Breite von ca. 55 cm das Beet mit 50 Säcken à 40 l Erde befüllt habe, kann ich feststellen, dass die Erde auf ca. die Hälfte des Volumens zusammenfällt. Diese Erkenntnis werde ich mir wohl nun für künftige Projekte merken.

Zum Glück hatte ich aus Kostenersparnisgründen eh direkt eine ganze Palette mit 2,4 m³ Erde gekauft. Es war nicht nur preis-/leistungsmäßig, sondern auch absolut günstiger als 1,4 m³, die ich ursprünglich eigentlich nur bestellen wollte, weil ich dachte, dass das reichen würde. Falls sich hier jemand wundert: 10 Säcke wurden anderweitig verwendet, somit hatte ich für dieses Projekt nicht alles selbst verbraucht.

Bewässerung

Mein erster Spatenstich fand nicht IM Gewächshaus statt, sondern DAVOR. Wie vorhin bereits erwähnt, ist das Gewächshaus bis zu einer bestimmten Tiefe einbetoniert. Da eine Treppe im Gewächshaus nach unten führt, entsprechen die 30 cm Tiefe unter dem Sandboden innen etwa einer Tiefe von 80 cm unter dem Boden von außen. Ich habe also im Bereich zwischen 80 und 100 cm tief etwa 4 m weit gegraben, um den Außenwasserhahn mit dem Gewächshaus zu verbinden. So konnte ich einen Schlauch (Gardena Pipeline) von unten ins Gewächshaus führen, ohne eine Kernbohrung o.ä. zu benötigen und außerdem ist dieser Tiefenbereich mindestens erforderlich, um das System frostfrei halten zu können, was der Langlebigkeit zugute kommen wird.

Bei der Pipeline handelt es sich um ein Kunststoffrohr (PE-Rohr), das an einem Stück verlegt werden kann, wenn keine übermäßig hohe Krümmung erforderlich ist. In der Tiefe habe ich also nicht ein weiteres Element neben dem Schlauch selbst installieren müssen, was die Fehlersuche bei eventuellen Störungen auf den oberflächennahen Teil beschränkt. Ich muss also nicht noch ein weiteres Mal alles wieder aufbuddeln.

Von hier aus wird das Gewächshaus mit Wasser versorgt. Der Schlauch liegt auf dem Bild bereits im Graben auf dem Boden.

der Abschnitt, der von außen zum Gewächshaus führt

Vorne rechts ist zu erkennen, wie der Schlauch von außen ins Gewächshaus geführt wurde.

Innerhalb des Gewächshauses habe ich das Microdrip-System von Gardena installiert. Der Schlauch hat einen Innendurchmesser von 3/16 Zoll und kann entsprechend den Abständen der Chilis in beliebig viele Teilstücke zerschnitten werden. Zwischen den Schlauchabschnitten habe ich Wasserauslässe, die die Stelle mit 2 Liter pro Stunde tröpfchenweise gießen. Da sie nur tropfen, ist es wichtig, diese Komponenten möglichst dicht an den Stämmen der Chilipflanzen zu platzieren, damit das Wasser auch richtig ankommt. Am Ende kommt ein Stopfen in den Schlauch, damit das Wasser ausschließlich kontrolliert an den Pflanzen ankommt und nicht mehr Wasser als nötig am Ende des Schlauchs austritt.

 Einige Pflanzen lassen zunächst noch ihre Blätter hängen, aber das ist die endgültige Besetzung für dieses Jahr – links die Naga Vipers, hinten die Fataliis, rechts hinten Cayenne und rechts vorne die roten Habaneros. Der Bewässerungsschlauch, der entlang der Pflanzen verlegt ist, ist ebenfalls zu sehen.

Keine Sorge, den Habaneros geht es mittlerweile auch schon wieder besser

Die Cayennes blühen fröhlich vor sich hin, aber tragen auch schon fleißig richtige Früchte.

Die 5 Naga Vipers sind nach wie vor blütenlos

Am Außenwasserhahn habe ich einen displaylosen, aber bluetooth- und WLAN-fähigen Bewässerungscomputer montiert. Von der displaylosen Ausführungsvariante erwarte ich eine höhere Robustheit des Geräts.

Displayloser Bewässerungscomputer von Comistack

Der Dünger wird bei diesem System noch nicht automatisiert hinzugegeben, da muss ich mir noch etwas überlegen. Auch dafür gibt es theoretisch Komponenten, aber zunächst reicht gegebenenfalls noch der Nährstoffgehalt aus der frischen Tomaten- und Gemüseerde aus.

Ein Update nach längerer Zeit zu den Pflanzen

Der ganze Beitrag ist rückblickend zu betrachten. Leider war ich noch nicht wieder vor Ort, aber habe noch die Bilder von Anfang August. Genauer gesagt von dem Tag, an dem ich die Bewässerungsanlage fertiggestellt habe. Wenn ich wieder etwas Aktuelleres habe, werde ich es direkt mit euch teilen. Von meinen ursprünglich ausgesäten Chilis sind nur noch 6 Naga Viper, 6 rote Habaneros, 10 Cayenne und eine Giant Rocoto im Rennen. Darüber hinaus haben wir noch unsere Fatalii-Pflanzen aus dem letzten Jahr, die uns auch bereits Früchte gebracht haben. Unter anderem kam sie bei uns im Linsen-Dal zum Einsatz.

Reife Fatalii an einer meiner Pflanzen

Im Gewächshaus wachsen 3 Fataliis, 5 Naga Viper, 4 Cayennes und 3 rote Habaneros. Auf meinem Balkon wächst der einzige übergebliebene Giant Rocoto zusammen mit 3 weiteren Cayennes, einer Fatalii und 2 roten Habaneros. Die restlichen Chilis sind bei meinen Eltern untergebracht.

Die Überführung erfolgte übrigens klassisch für Berliner ohne Auto mithilfe eines Bollerwagens, was in der S-Bahn für viel Gesprächsstoff gesorgt hat. Einige weniger botanisch bewanderte hielten die Chilis für Hanfpflanzen, während eine fachkundige Mutter ihrem Kind erklärt hat, woran man erkennt, dass das Paprikagewächse sind.

Bollerwagen voller Chilis in der S-Bahn. Auch ein paar weiße Gurken sind dabei, aber für diesen Blog irrelevant, da sowieso ebenfalls schon tot (wie der Rosmarin) †

Früchte tragen bisher nur die Fataliis und die Cayennes. Das ist meines Erachtens nach wie vor auf den zweimonatigen Verzug zurückzuführen, in der die Chilis im Frühling aufgrund von Nährstoffmangel in der Aussaaterde nicht weiter gewachsen sind. Die Pflanzen haben alle nicht ihre eigentlich mögliche Größe erreicht, was auch bei den Cayennes zu einer geringeren Ernte führen wird. Viele Blüten werden auch nicht mehr bestäubt, weil die Bienen sich irgendwie mehr für andere Pflanzen bei anderen Menschen interessieren. Hier werde ich nächstes Jahr auf jeden Fall dafür sorgen, Lavendel auf meinen Balkon zu holen, um sie besser anzulocken.

Im Gewächshaus fielen auch schon die ersten Schädlinge über die Pflanzen her, wobei sich die Schäden bisher in Grenzen halten. Ich werde das aber weiter beobachten. Erwischt hat es die Naga Vipers.

Blattfraß an zwei Naga Vipers

Dampfdruckdefizit

In einem meiner vergangenen Beiträge habe ich bereits angekündigt, dass ich mich mit dem Dampfdruckdefizit noch einmal intensiver beschäftigen werde. Bei meiner Recherche ist mir aufgefallen, dass dieses Thema insbesondere in Hanfanbaukreisen viel diskutiert wird. Das ist verständlich, da hier ja auch sehr anspruchsvolle Pflanzen von der Polizei versteckt in Innenräumen aufgezogen werden. Um den Hanfpflanzen die optimalen Bedingungen bieten zu können, greift man auf die Daten zum Dampfdruckdefizit zurück.

In komplett nach außen abgedunkelten Räumen mit künstlicher Beleuchtung ist es auch am einfachsten umzusetzen, da die Luftfeuchtigkeit ohne schwankende Lichtverhältnisse gut konstant gehalten werden kann. Im Chilianbau müssen wir uns nicht vor der Polizei verstecken, weswegen wir lieber kostengünstig auf Fensterbänken und im Garten anbauen wollen – mit weit weniger oder, wenn es geht, ganz ohne künstlichem Licht.

Was ist mit dem Dampfdruckdefizit gemeint?

Das Dampfdruckdefizit, auch VPD (vapor pressure deficit) bezeichnet die Druckdifferenz zwischen dem vorherrschenden Dampfdruck und dem Dampfdruck, der bei 100% Luftfeuchtigkeit bei gleicher Temperatur erreicht wird. Die Werte werden meistens in Hekto- oder Kilopascal angegeben. Die Temperatur, die entscheidend ist, ist die des Blattes. Man kann sie mit einer Infrarotmessung ermitteln. Das Blatt sollte eins aus der obersten Blattreihe sein.

Was hat das Dampdruckdefizit nun in der Praxis mit Pflanzen zu tun?

Jede Pflanze, die Photosynthese betreibt, braucht dazu ihre Blätter. In den Blättern befinden sich Spaltöffnungen, auch Stomata genannt. Darüber nehmen sie das nötige CO2 auf. Ist jedoch der VPD-Wert zu hoch, heißt das, dass mehr Wasser aus den Blättern verdunsten würde als die Luft im Gegenzug an die Blätter zurückgibt. Um dem vorzubeugen schließen die Blätter ihre Stomata, um das Wasser nicht zu verlieren. Im Umkehrschluss bedeutet das jedoch, dass die Photosyntheseleistung zurückgeht und das Pflanzenwachstum dadurch gebremst wird.

Wenn der Wert über 3,5 kPa liegt, schließen die Stomata komplett ab und die Pflanze kann kein Wasser mehr verdunsten und keine Photosynthese mehr betreiben. Bei Werten unter 0,5 kPa ist die Luftfeuchtigkeit der Umgebung so hoch, dass das Blatt dadurch auch kein Wasser mehr durch Verdunstung abgeben kann, was unterm Strich auf dasselbe Ergebnis wie bei einem zu hohen VPD-Wert hinausläuft. Pilzbefall ist eine der daraus resultierenden Folgen.

Ideal für das Pflanzenwachstum sind Werte zwischen 0,8 und 1,2 kPa. Ein immer noch passabler Bereich ist zwischen 0,7 und 2,5 kPa. Im Wachstumsstadium sollte der Wert eher unter 1, in der vegetativen Phase um 1 herum und ab der Blütezeit über 1 liegen. [1] Bei kleineren Werten ist die Luftfeuchtigkeit geringer, was zwar gut für Keimbildung ist, jedoch keimen auch Sporen und andere Schädlinge besser, was unsere Pflanzen krankheitsanfälliger macht. Daher ist es besser, wenn die Umgebungsluft, wenn die Pflanze kräftiger wird eher Feuchtigkeit entzieht als abgibt, da unsere Pflanzen dann immer noch sehr gut zurecht kommen, aber ein heranwachsen für Schädlinge auf diese Weise erschwert wird. [2] [3]

Wie ich eingangs beschrieben habe, stammen die meisten VPD-Tabellen, die ihr im Internet finden könnt, aus dem Cannabisanbau, jedoch ist die Physik hinter der Berechnung unabhängig von der Pflanze. Daher könnt ihr davon ausgehen, dass ihr die in den Tabellen markierten Idealwerte nicht nur auf Hanfpflanzen, sondern genauso gut auf Chilis und jede andere Pflanze anwenden könnt.

VPD-Chart – der rote Bereich ist ist zu vermeiden, optimal ist der blaue Bereich. Quelle: DimLuxLighting.com

Obwohl die Zusammenhänge von Vegetation und dem VPD bereits lange bekannt sind, wird erst jetzt begonnen, verstärkt Technik und computergesteuerte VPD-Überwachung von Gewächshäusern einzusetzen. Euch kann ich das eher nicht empfehlen, da die notwendige Technik sehr teuer ist und es auch dann noch schwierig ist, die optimalen Werte zu erreichen. Allein in dunklen Indoor-Plantagen können die Werte gut relativ konstant gehalten werden, da äußere Einflüsse wie die Sonneneinstrahlung nur sehr verzögert Einfluss auf die Temperatur in diesen Bereichen hat und die Technik dadurch schnell genug reagieren kann.

Gerade die teure Technik sollte sich am Ende gegenüber dem Ernteertrag auch einigermaßen rechnen. Da für Cannabis auf der Straße vergleichsweise sehr hohe Preise gezahlt werden, wissen wir, warum das Dampfdruckdefizit ausgerechnet in der Cannabiswelt so bekannt ist. In der Botanik ist es eher ein Thema für wissenschaftliche Arbeiten, wobei sich auch die Verfasser von Klimastudien zur globalen Vegetationsentwicklung bereits auf die Aussagekraft des VPD stützen. [4]

Quellen

Schutz der Chilis vor Fressfeinden

In einem meiner letzten Beiträge habe ich darüber berichtet, wie Chilis uns schützen können – diesmal wird der Spieß einmal umgedreht und wir schauen, was ihr tun könnt, um eure Chilis zu schützen.

Die erste Frage, die sich uns stellt: Wer sind überhaupt die Fressfeinde?

Zugegebenermaßen sind nicht alle die Fressfeinde der Pflanzen, sondern teilweise auch einfach nur unsere Konkurrenz. Die Pflanzen wollen ja, dass ihre Früchte gegessen werden. Damit wir aber selbst auch reichlich davon abbekommen, müssen wir diese Tiere also auf Abstand halten. Die Tiere, die wir dabei im Blick haben müssen, sind die Schnecken, die Raupen und die Vögel. Bei den Schnecken und Raupen sind uns die Pflanzen aber für jeden Schutz dankbar, da sich diese sowohl die Früchte, als auch die Blätter gerne schmecken lassen.

Eine spanische Wegschnecke auf dem Weg zur nächsten Chilipflanze. Quelle: Wikipedia

Schnecken können Chilis auf über bis zu 50 Meter Entfernung weit riechen und machen sich zielgerichtet auf den Weg. In einer Nacht können sie 25 Meter zurücklegen, was zwar einem Schneckentempo entspricht, dieses aber weitere vorbeugende Maßnahmen erforderlich macht. Ein reines Absuchen des umliegenden Bereichs verbunden mit einer Umsiedlung der gefundenen Schnecken dürfte also viel zu mühselig sein, zumal das regelmäßig durchgeführt werden müsste und der Bereich viel zu groß ist. Bei den meisten deutschen Gärten müssten auch die Nachbargrundstücke überwacht werden…

Es gibt zum Glück auch andere Maßnahmen, die den Pflanzen die Schnecken vom Leib halten können. Dazu ist auch gut zu wissen, dass 90% aller Fressschäden an Pflanzen auf die spanische Wegschnecke zurückzuführen sind, wodurch manche Maßnahmen sich weniger eignen, auch wenn sie gegen alle anderen Schneckenarten helfen. Die spanische Wegschnecke ist nämlich eine sehr schleimige Nackschneckenart, die selbst den Hauptfressfeinden der Schnecken – den Laufenten und Igeln zu schleimig sind.[1] Daher führt die Suche nach Unterstützung durch eben diese Tiere nur bedingt zum Erfolg.

Blumentöpfe und Beetumrandungen können mit einem Schutzanstrich angestrichen werden, welcher die Oberfläche für die Schnecken zu glatt macht. Sie finden dann deutlich schlechteren Halt. Selbstklebende Kupferfolie bringt den gleichen Effekt.

Um die Chilis herum wächst am besten kein hohes Gras, sodass die Schnecken sich nicht darin verstecken können. Gleichzeitig empfiehlt sich der Einsatz von Hemmschwellen wie Sägespäne, Wolle, Kalk oder andere Barrieren, die von Schnecken nur schwer überwunden werden können.[2]

Ein möglichst sonniger Platz ist sowieso für die meisten Chilis wünschenswert. Wenn das gegeben ist, ist dieser Bereich für Schnecken umso weniger behaglich, da sie sich lieber in einem kühlen, dunklen und feuchten Umfeld aufhalten. Es ist also gut, wenn ihr statt abends morgens gießt, damit die Erde gerade dann, wenn es dunkel ist, auch am trockensten ist.[3]

Nicht zu verwechseln mit einer Eule – die Gemüseeule… Quelle: Wikipedia

Ein Kind der Gemüseeule – die Erdraupe der Gemüseeule. Quelle: Wikipedia

Raupen sind ebenfalls bekannt dafür, dass sie sich gerne durch Früchte durchfressen. Insbesondere die Raupen der Gemüseeule – einer in Europa weit verbreiteten Falterart – erfreuen sich ebenso wie wir besonders am Geschmack von Chilis. Damit die Raupen nicht auf unseren Pflanzen schlüpfen, kann es bereits helfen, mit Insektennetzen zu arbeiten. Denn diese Netze sind kein Ort für die Falter, auf denen sie ihre Eier ablegen würden. Auf diese Weise können sie zumindest für den Anfang erst einmal fern gehalten werden.

Eine weitere ökologische Möglichkeit, die Raupen von Chilis fernzuhalten, ist das gezielte Umsetzen der Raupen von den Chilipflanzen auf andere Futterpflanzen wie z.B. Brennnesseln. Auch der Boden um die Chilipflanzen herum sollte dabei gründlich abgesucht werden.

Am Ende müsst ihr alle selbst wissen, inwieweit der Aufwand der Maßnahmen tatsächlich im Verhältnis zum Grad des Schädlingsbefalls steht. Wenn ihr eine Raupe gefunden habt, müsst ihr noch nicht direkt alles umgraben. Wenn allerdings gar nichts mehr hilft und die Invasion ein Maß angenommen hat, das ihr nicht mehr kontrollieren könnt, so führt kein Weg an Pheromonfallen zur Verhinderung einer Paarung durch die Nachteulen oder dem Aufspritzen von Bacillus-thuringiensis-Präparaten gegen den massiven Raupenbefall als allerletztes Mittel vorbei. Ein Ökosiegel würdet ihr in diesem Fall aber nicht mehr für eure Chilis erhalten.[4][5]

Sieht einer Eule schon ähnlicher als die Gemüseeule, aber ist in diesem Fall ein Spatz. Er hat wie die anderen heimischen Vögel kein nennenswertes Interesse an unseren Chilis mit einigen Ausnahmen. Quelle: Wikipedia

Jeder, der sich bereits etwas näher mit dem Thema Chilis auseinandergesetzt hat, weiß bereits, dass die Natur vorsieht, dass die Vögel die Chilis essen sollen, um sie dann zu verbreiten. Tatsächlich ist dieser Effekt in Deutschland allerdings bei unseren heimischen Vogelarten kaum zu beobachten. Ich für meinen Teil hatte noch nie den Fall, dass ein Vogel sich an meinen Chilis zu schaffen gemacht hat und auch wenn ich die deutschen Foren nach diesem Thema durchforste, ergibt sich die Erkenntnis, dass eher die Zuchtvögel wie Hühner oder Papageien als unsere Wildvögel interessiert an diesen Beeren sind. Das kann daher kommen, dass Chilis in Deutschland selbst nur Zuchtpflanzen sind und daher unseren wildlebenden Vögeln fremd sind. Einzig die ganz kleinen Chilisorten und die nach oben wachsenden Chilis scheinen für unsere Vögel interessant zu sein.

In diesem Fall helfen natürlich auch wieder Netze bestens, aber auch die Aufzucht der Chilipflanzen in einem Gewächshaus hält die Vögel reichlich auf Abstand. In den meisten Fällen braucht ihr euch aber keine Sorgen wegen der Vögel zu machen. Die haben andere Vorlieben wie Insekten, Würmer und Körner. Bleibt nur zu hoffen, dass sie uns noch genügend Bienen übrig lassen.

Quellen

Chilis keimen nicht

Wir alle denken schon bei der Beschaffung der Samen an die leckeren reifen scharfen Früchte, die die Chilipflanzen später mal hervorbringen werden. Auf dem Weg dahin ist aber Geduld gefragt und meistens läuft am Ende nicht alles so, wie wir es uns zu Beginn vorgestellt haben.

Die erste Hürde, die zu überwinden ist, ist die Keimung der Samen. In diesem Zusammenhang fällt häufiger der Begriff der Keimrate, der den prozentualen Anteil der gekeimten Chilis im Verhältnis zu den ausgesäten meint. Nicht aus jedem Samen entsteht eine Pflanze, aber was könnt ihr machen, um die Keimungen zu begünstigen?

Bei mir sind bisher 6 von 9 Sorten aufgegangen. Auf die Bhut Jolokia orange, die 7 Pot Brainstrain red und die Vicentes Sweet Habanero warte ich noch immer. Die Aussaat ist jetzt zweieinhalb Wochen her, also habe ich auch noch ein Zeitfenster, in dem noch was passieren kann. Erst nach einem Monat fange ich langsam an, die Sache aufzugeben.

Was sind die Gründe? Welche Bedingungen könnten angepasst werden, um das bestmögliche Ergebnis der Keimung zu erzielen? Dazu werfen wir zunächst einmal einen Blick auf die Theorie.

Chilis sind Dunkelkeimer. Das heißt, sie keimen nur, wenn es dunkel ist. kurzwelliges Licht wirkt keimhemmend, weswegen die Samen nicht zu dünn mit Erde bedeckt sein sollten.[1] Dunkelrotes, langwelliges Licht kann die Erde durchdringen und wird auch für die Keimung benötigt.[2]

Darüber hinaus sind Wasser, Wärme und Sauerstoff wichtig, um die Keimung zu bewirken.

Mit zu wenig Wasser quellen die Samen nicht ausreichend auf. Deswegen bietet sich hier an, die Samen 24-48 Stunden vor der Aussaat in warmem Wasser oder besser Kamillentee einzulegen. Aber auch nach der Aussaat solltet ihr den Boden ausreichend feucht halten, denn wenn die Samen zu trocken sind, ist eine Keimung gar nicht möglich. Genauso sollte es nicht zu nass werden – insbesondere muss Staunässe vermieden werden, damit sich kein Schimmel bildet.

Ein über längere Zeit andauernder Temperaturbereich von ca 22-30°C gibt dem Chilisamen die Sicherheit, dass die Rahmenbedingungen für die Keimung und auch das anschließende Wachstum passend sind. Ist das nicht gegeben, bleibt der Samen verschlossen.

Zu guter Letzt muss Sauerstoff an den Samen gelangen. Sind die Samen zu fest angedrückt oder befinden sich in zu dichter Erde, haben Samen keine Chance, den nötigen Sauerstoff für den Abbau der Reservestoffe nutzbar zu machen. Nur so kann der Stoffwechsel eingeleitet werden.

Wenn die Samen schließlich keimen, bilden sich erst die Wurzeln und dann der Spross. Teilweise trägt der Spross die Samenschale mit seinen Keimblättern nach oben. Das sieht dann nicht ganz normal aus, ist aber auch nicht weiter schlimm.

Mein Chiltepinkeimling mit Samenschale an den Keimblättern. Die Schale wird bald auch noch abfallen.

Die Keimblätter betreiben so lange Photosynthese für die Chilipflanzen bis die ersten echten Blattpaare gewachsen sind. Dann bilden sich die Keimblätter langsam zurück und überlassen den anderen Blättern die komplette Aufgabe des Stoffwechsels.[3]

Wir können daraus den Schluss fassen, dass wir die Samen am besten ein oder zwei Tage einweichen, nach der Aussaat feucht halten, aber nicht zu stark wässern. Sind die Samen bereits ausgesät, würde ich sie nicht nochmal ausbuddeln und einlegen, weil die ja jederzeit trotzdem mit der Keimung beginnen können. In der Regel dauert es nur ein paar Tage länger, solange sie ausreichend viel Wasser haben.

Bei der Aussaat dürfen die Samen weder mit zu viel, noch mit zu wenig Erde bedeckt werden. Optimal sind ca. 0,5 cm unter der Erde. Außerdem dürft ihr die Erde nicht zu fest andrücken, damit die Samen Sauerstoff bekommen. Ein bisschen angedrückt sollte die Erde trotzdem werden, damit die Wurzeln auch einen festen Halt finden können.

Dann könnt ihr prüfen, ob die Bodentemperatur für die Samen im angemessenen Temperaturbereich liegt. Ist es zu warm, könnt ihr etwas zwischen die Heizmatte und den Anzuchtkasten legen, wodurch der Abstand zwischen Wärmequelle und Samen vergrößert bzw. die Wärmeübertragung leicht abgeschirmt wird. Wenn die Temperatur zu niedrig ist, reicht die Wärmeleistung der Heizmatte möglicherweise nicht aus. Dann sucht ihr euch, wenn es geht, einen Fensterplatz über einer Heizung oder investiert in eine neue Heizmatte, die leistungsfähiger ist. Manche Heizmatten können auch reguliert werden. Da könnt ihr das dann auch einfach so einstellen, wie ihr es braucht.

Wenn ihr die Samen in Blumenerde ausgesät habt, wird das der Grund sein, warum die Chilis nicht keimen. Ihr habt dann nämlich das falsche Kultursubstrat verwendet. Wenn ihr mehr über die richtige Erde für die Aussaat erfahren wollt, schaut euch gerne noch mal meinen Beitrag dazu an. Dort habe ich euch alles wichtige zusammengetragen.

Alles richtig gemacht und trotzdem noch nichts passiert? Das gibt es immer. Es ist sehr ärgerlich, wenn es gleich alle Samen einer Sorte betrifft, aber nicht jeder Samen ist keimfähig. Vielleicht wurden die Früchte, aus denen die Samen stammen, zu früh geerntet oder sie sind zu feucht oder zu hell gelagert worden. Wenn Samen bereits mehrere Jahre alt sind, sinkt auch die Wahrscheinlichkeit für eine erfolgreiche Keimung. Ich hatte in all den Jahren, solange ich schon Chilis anbaue, noch nie eine hundertprozentige Keimrate bei irgendeiner Sorte erlebt. Sie bewegt sich, wenn es gut läuft, meistens eher im Bereich von 70-80%. Von daher ist das ganz normal, dass nicht aus allen Samen etwas wird.

Am Ende kann ich euch nur noch nahelegen, euch in Geduld zu üben. Wie ich eingangs erwähnt habe, gebe ich Chilis ab einem Monat langsam auf. Aus Erfahrung kann ich aber sagen, dass es immer noch ein Exemplar geben kann, was erst nach anderthalb oder zwei Monaten als Nachzügler zum Vorschein kommt. Von daher empfehle ich euch, solange ihr die Anzuchtkästen oder die Fensterbank nicht für andere Dinge braucht, einfach regelmäßig weiterzugießen, wenn ihr die Hoffnung noch nicht aufgeben wollt. Vielleicht ist ja auch das Wurzelwachstum bereits im vollen Gange, nur der Spross kommt noch nicht ans Licht…

Quellen

Den Anzuchtkasten richtig lüften

Die meisten Anzuchtkästen haben Lüftungsöffnungen im Deckel, die geöffnet, geschlossen oder irgendwie dazwischen eingestellt sein können. Wie stellt ihr das also am besten ein und braucht ihr einen neuen Anzuchtkasten, wenn der, den ihr habt, keine Möglichkeit der Öffnung bietet?

Grundlegend kann man erstmal sagen, dass Schimmelbildung unterbunden wird, wenn regelmäßiger Luftaustausch stattfindet. Genauso können die Temperaturschwankungen, die durch starken Lichteinfall im Wechsel mit Dunkelheit für die Pflanzen schädlich sein können, abgedämpft werden.[1] Am besten hierfür würde sich daher anbieten, den Deckel einfach komplett wegzulassen. Dann hättet ihr die maximal mögliche Belüftung. Das Problem hierbei ist naheliegend. Ihr braucht den Deckel, um das nötige Mikroklima für die Chilis zu halten, was aus einer hohen Luftfeuchtigkeit (60-70%) und warmer Umgebungsluft (24-28°C) besteht.[2]

Wer ein helles Badezimmer hat, kann auch den Deckel weglassen, wenn er dort die Fensterbank für die Aufzucht verwenden kann, da Badezimmer in der Regel die wärmsten Räume des Hauses sind und mit ihrer Luftfeuchtigkeit auch den Ansprüchen der Chilis gerecht werden. Jeder, der die notwendigen Kriterien auch in anderen Räumen erfüllt, sollte sich ggf. Gedanken über sein Lüftungsverhalten oder die Anschaffung eines Raumluftentfeuchters machen, jedoch könnte derjenige dann natürlich auch auf die Abdeckung bei der Chilianzucht verzichten.

Ich habe in meiner Wohnung keinen geeigneten Raum, also bin ich weiter auf die beheizten abgedeckten Anzuchtkästen angewiesen wie vermutlich viele andere von euch auch. Durchgängiges Geschlossenhalten der Anzuchtkästen ist schlecht wegen der Schimmelbildung und der Temperaturextreme; durchgängiges Weglassen des Deckels verhindert unser gewünschtes Mikroklima für die Pflanze. An dieser Stelle kommen unsere Lüftungsöffnungen in den Deckeln zum Einsatz. Diese sorgen dafür, dass eine Luftzirkulation stattfinden kann, ohne dass sich die Luftfeuchtigkeit sofort an die Raumfeuchtigkeit anpasst. Es entsteht also eine Zirkulation, die je nach Öffnungsgröße unterschiedlich stark ausfällt. Trotzdem bleibt dabei die meiste Luft im Behälter.

Empfohlen wird, die Schlitze entweder mindestens zwei Stunden täglich voll zu öffnen und dann wieder zu schließen [3] oder durchgängig zu lüften mit teilweiser Öffnung der Lüftungsöffnungen. Von der Größenordnung hieße das am Beispiel eines Anzuchtkastens wie ich ihn auch zweimal habe, dass die Schlitze mit den Schiebern jeweils 5 bis 10 Millimeter weit geöffnet werden sollten. [4]

Vergleich: ganz links 0,5 cm geöffnet, daneben 1 cm geöffnet, der rechte Anzuchtkasten ist voll geöffnet. Am besten nicht zu lange voll öffnen, damit die Luftfeuchtigkeit für die Chilis nicht dauerhaft zu gering ist und wieder ansteigen kann

Die zwischenzeitige starke Belüftung hat den Vorteil, dass die meiste Zeit eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit im Anzuchtkasten aufrecht erhalten werden kann, die zu den Lüftungszeiten deutlich abfällt. Dafür fordert dies mehr Disziplin, regelmäßig zu öffnen und zu schließen.

Die andere Variante ist mit deutlich weniger Aufwand verbunden, aber hat durch die durchgängige Öffnung eine niedrigere Luftfeuchtigkeit im Anzuchthaus zur Folge, was ggf. ein langsameres Wachstum zur Folge haben kann. Teilweise haben die Anzuchtkästen zusätzliche Löcher, die auch bei geschlossener Schieberstellung für eine sehr geringe Mindestbelüftung sorgen.

Wenn ihr diese bei euch nicht gegeben habt, solltet ihr – egal für welche Variante ihr euch entscheiden solltet – die Lüftungsschieber niemals komplett schließen, da ihr sonst die besten Bedingungen für Schimmelbildung schaffen würdet. Ab dem Zeitpunkt, wo die ersten Keimlinge ans Licht kommen, brauchen Pflanzen zudem wie wir Menschen regelmäßig Frischluft, um Photosynthese betreiben zu können. Wenn der Raum komplett abgeschlossen ist, sinkt die CO2-Konzentration kontinuierlich ab, wodurch die Pflanzen langsamer wachsen. Generell sollte daher jedes Gewächshaus durchgängig belüftet werden. [5]

Seitliche unverschließbare Belüftungslöcher

Für einen richtigen Luftwechsel sollte der Deckel zudem einmal täglich für 10-30 min komplett abgenommen werden. Im Gartenjournal werden sogar 1-2 Stunden täglich empfohlen. [6] Die Werte fallen sehr unterschiedlich aus. Das liegt vor allem daran, dass es sich bei allem hier um Faustregeln handelt. Spätestens wenn die Keimlinge aus dem Boden sprießen und die Pflanzen größer werden, muss immer mehr gelüftet werden. Die nötige Lüftungsdauer ist von sämtlichen Faktoren abhängig, die die Luftfeuchtigkeit im Kasten beeinflussen – von der Oberfläche des Kultursubstrats und der Pflanzen über das Luftvolumen, die Größe der Öffnungsschlitze, die Temperatur, die Wassermenge im Anzuchtkasten, die klimatischen Bedingungen im Zimmer und vieles andere mehr.

Daher empfehle ich euch, euch einfach an die von mir beschriebenen Faustregeln zu halten. Zu Beginn nach der Aussaat täglich ca. 30 Minuten die Haube abnehmen und sobald die Keimlinge sprießen von einer Stunde täglich auf zwei Stunden langsam steigern. Das sind natürlich auch keine fixen Werte, also braucht ihr euch da nicht jedes Mal extra die Uhr nach zu stellen. Am Ende ist alles eine Sache der Erfahrung und mit den Jahren findet jeder seinen eigenen Weg, der am besten funktioniert.

Wenn ihr es ganz genau nehmen wollt, dann bringt ihr einen Temperatur- und Luftfeuchtigkeitssensor in eurem Anzuchtkasten an. Ihr könnt dann die Lüftungsschlitze genau so einstellen, dass ihr am Ende die Luftfeuchtigkeit bekommt, die ihr haben wollt. Jedoch dürfte die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit trotzdem immer schwanken, je nachdem wie die Zimmertemperatur und die Luftfeuchtigkeit im Zimmer schwankt, ob gerade das Licht an oder aus ist, bzw. die Sonne scheint oder nicht und wann ihr das letzte Mal wie viel Wasser nachgegossen habt.

Ich gehe davon aus, dass es mal ganz interessant sein kann, aber die Extraarbeit, die ihr euch dabei macht, wird sich wahrscheinlich nicht wesentlich positiv oder negativ auf das Endergebnis auswirken. In der Natur, wo die Chilis wild wachsen oder auf Plantagen angebaut werden, gibt es nämlich auch durchgehend Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen.

Für die optimalen Werte der Luftfeuchtigkeitswerte in Abhängigkeit von der Temperatur gibt es trotzdem jede Menge VPD-Tabellen im Internet. Die Werte, die ihr in den unterschiedlichen Tabellen ablesen könnt, variieren jedoch teilweise sehr, weswegen ich noch nicht hundertprozentig davon überzeugt bin. VPD steht für „vapor pressure deficit“. Betrachtet wird dabei entsprechend das Dampfdruckdefizit in den Blättern im Vergleich zur Umgebung.[7] Was das genau ist, wie es bestimmt wird und was das insbesondere für unsere Chilizucht bedeutet, werde ich in einem anderen Beitrag näher erläutern.

Und was ist nun mit dem unbelüfteten Anzuchtkasten?

Wer keine Lüftungsöffnungen an seinem Anzuchtkasten hat, braucht natürlich keinen neuen. Es geht einzig und allein darum, Möglichkeiten der Belüftung zu schaffen und diese sind bei den einen Kästen integriert und bei den anderen nicht. Da, wo diese nicht integriert sind, könnt ihr z.B. Streichhölzer oder Zahnstocher auf die Auflagefläche der Schale legen, damit zwischen Deckel und Schale Luft hindurchströmen kann.[8] Wenn ihr das nicht wollt, solltet ihr mehrmals täglich den Deckel für jeweils 10 Minuten abnehmen, um den fehlenden Luftaustausch ausgleichen zu können. Die Bastler unter euch finden sicher auch noch andere kreative Wege, wie das Problem mit dem fehlenden Lüftungsschlitz beseitigt werden kann.

Einige von euch werden sogar gar keinen Anzuchtkasten verwenden, sondern die Chilipflanzen in einem Blumentopf ausgesät und dann mit Frischhaltefolie abgedeckt haben. Das ist die absolute Low-Budget-Variante, die aber deswegen nicht weniger effektiv sein muss. Wichtig ist hierbei nur, dass ihr ein paar kleine Löcher in die Folie piekst, aber dann auch hier täglich einmal die Folie abmacht, um alles einmal komplett zu belüften.

Zu guter Letzt heißt es, wenn ihr euch immer noch unsicher seid, dass ihr lieber etwas mehr lüftet als zu wenig. Dass die Bedingungen für den Chili nicht perfekt, sondern nur nahezu perfekt sind, ist das weitaus kleinere Übel als wenn die Pflanze am Ende gegen Schimmel ankämpfen muss.

Quellen

Die richtige Erde zum Aussäen

Die richtige Zeit, Chilis auszusäen ist noch nicht verstrichen. Zur Überbrückung der Zeit beschäftigen wir uns heute mit dem Thema Aussaat. Die erfahrenen Züchter unter euch werden es vermutlich schon lange so gemacht haben, aber es ist wichtig für all jene, die frisch anfangen und bereits in der ersten Saison einen Erfolg erzielen wollen. Wie ich in meinem letzten Beitrag geschrieben habe, habe ich für die Aussaat Kokosquelltabletten und Aussaaterde verwendet. Im Folgenden möchte ich mit euch ein bisschen tiefer in diese Materie einsteigen.

Zunächst will ich erstmal erläutern, wieso die Aussaat von Chilisamen in Blumenerde keine so gute Idee ist. Blumenerde wird verwendet, um Pflanzen einen dichten, nahrhaften Boden zu bieten. Allerdings erst dann, wenn die Pflanzen schon etwas größer sind. Für Keimlinge wird diese Erde jedoch zum Problem. Die Keimlinge in der Blumenerde können kaum Wurzeln ausbilden, da ihre Wurzeln noch zu zart sind und in dem vorgedüngten Boden direkt verbrennen.[1]

Auch sonst haben die jungen Pflänzchen wenig Anreiz dazu, ein großes Wurzelsystem aufzubauen, wenn ausreichend Nährstoffe in direkter Umgebung vorhanden sind. Statt Wurzeln auszubilden nutzen sie ihre Energie also, um in die Höhe zu wachsen. Generell sollte jedoch immer eine Balance gewahrt werden zwischen oberirdischem und unterirdischem Wachstum, damit die Pflanze auch in jeder Wachstumsphase ausreichend sowohl mit Licht, als auch mit Nährstoffen versorgt wird.

Durch den nährstoffreichen Boden findet außerdem auch immer Leben in den Blumentopf. Ich rede hier nicht unbedingt von Regenwürmern oder Insekten, auch wenn das auch nicht ganz ausgeschlossen wäre, so etwas zu finden, sondern von anderen Pflanzensamen und Keimlingen, die selbst auch ein Interesse am eigenen Wachstum haben. Diese sind in der gekauften Erde oft bereits vorhanden und können schnell zur Konkurrenz für unsere Chilipflanzen werden, weswegen wir die lieber erst dann mit dabei haben, wenn unsere Pflanzen schon größer und stärker sind.

Die Dichte der Blumenerde ist problematisch, da Wasser schlechter abläuft und die höhere Bodendichte auch eine höhere Nährstoffdichte zur Folge hat und somit dieses Problem sozusagen damit verschärft wird.

Mit diesem Wissen beschäftigen wir uns also nun mit der Aussaaterde. Anzuchterde ist übrigens genau dasselbe, also lasst euch hier nicht durch die verschiedenen Begrifflichkeiten verwirren. Anders als die Blumenerde zeichnet sich die Aussaaterde mit einem deutlich geringeren Nährstoffgehalt und einer wesentlich geringeren Dichte aus. Das hat den Vorteil, dass nun im Gegensatz zur Blumenerde die Keimlinge gezwungen sind, ihre Wurzelsysteme weiter auszubauen, um überhaupt an die nötigen Nährstoffe zu gelangen. Dadurch, dass der Boden so locker und auch arm an Nährstoffen ist, treffen die Pflanzen dabei auch kaum auf Widerstand. Im Vergleich zu einer Jungpflanze, die in Blumenerde gezüchtet wurde, hat diese Pflanze nun mit dem ausgeprägteren Wurzelsystem einen großen Vorteil, wenn beide umgetopft dieselben Bodenbedingungen vorfinden.

Was solltet ihr beachten?

Zu Beginn reicht es, die Samen auf engem Raum mit Abständen von 2 cm auszusäen. Für alle Chilis gilt, dass die Samen etwa einen halben bis einen Zentimeter unter der Oberfläche liegen sollten. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten:

Eine Möglichkeit ist, dass man hierfür z.B. mit einem Bleistift oder einem Pikierstab kleine Löcher in die Aussaaterde bohrt, die Samen in den einzelnen Löchern platziert und die Löcher wieder schließt. Eine andere Möglichkeit ist, den Blumentopf nur bis fast oben hin mit Aussaaterde zu füllen, dann die Chilisamen so zu verteilen wie man es am liebsten will und anschließend den letzten halben Zentimeter Erdschicht darüber zu verteilen. Diese Variante habe ich dieses Jahr gewählt, die letzten Jahre habe ich die Löcher gebohrt. Beide Varianten werden funktionieren. In beiden Varianten solltet ihr daran denken, den Boden etwas anzudrücken und natürlich alles mit warmem Wasser zu gießen.

Und was hat es nun mit diesen Kokosquelltabletten auf sich?

Mit Kokosquelltabletten könnt ihr den Samen einen anderen Boden mit geringer Nährstoffdichte bieten. Sie bestehen aus gepressten Kokosfasern, sind in etwa 5mm dick und haben einen Durchmesser von etwa 3,5cm. Entsprechend könnt ihr passend dazu auch Anzuchtkästen finden, die viele kreisförmige Kulen mit einem minimal größeren Durchmesser haben. Diese sind wiederum alle über Minikanäle miteinander verbunden. Die Kästen haben selbst keinen eigenen Abfluss, wie man es von Blumentöpfen kennt, jedoch ist das auch nicht notwendig, da die Tabletten in Verbindung mit Wasser aufquellen und dann auf etwa 3cm Dicke anwachsen. Zur Seite hin sorgen Zellulosefasern dafür, die runde Form beizubehalten.

Mit etwa 5 mm unterhalb der Oberfläche liegen die eingesetzten Chilisamen weit genug über dem Boden. Staunässe kann dadurch eigentlich nicht zum Problem werden, solange ihr es mit dem Wasserpegel nicht übertreibt.

meine Kokosquelltabletten zwei Tage nach der Aussaat – in jeder von ihnen sitzt ein Chilisamen

Ein Nachteil im Vergleich zur Aussaaterde besteht darin, dass die Fasern zwar eine noch geringere Dichte aufweisen, aber aufgrund der Faserstruktur für den Keimling schwerer durchwurzelbar sind. Genauso ist es aus demselben Grund auch später nicht mehr möglich, die Pflanze verletzungsfrei aus dem Fasernetz zu pikieren. Außerdem trocknen die Fasern schneller aus als die Aussaaterde und jede Tablette kann nur einen Samen aufnehmen, was am Ende einen größeren Platzaufwand während der Anzucht zur Folge hat.[2]

Die Vorteile hingegen liegen in der einfacheren Lagerung und Logistik, da die Tabletten in der Packung tatsächlich nur sehr wenig Platz wegnehmen. Auch die zugehörigen Anzuchtkästen lassen sich gut ineinander stapeln.

Was es noch zu beachten gibt

Die Quelltabletten müssen zunächst mit viel warmem Wasser übergossen werden bis sie auch zur vollen Größe angewachsen sind. Dann können die Chilisamen einzeln in die vorgegebenen Löcher gegeben werden. Dabei sollten die Samen nicht zu nah unter der Oberfläche liegen. Mit einem Zahnstocher oder einem Pikierstab sollte hier noch einmal nachgeholfen werden, dass das Samenkorn auch etwas weiter nach unten und auch fester angedrückt wird. Danach schiebt man mit zwei Fingern die Erde über den Löchern zusammen, sodass die Samen abgedunkelt sind.

Beim Umtopfen der Pflanzen im Kokossubstrat sollte die Zelluloseschicht am Rand mit einem Messer aufgeschnitten werden, um der Pflanze mehr Entfaltungsspielraum zu bieten. Die Kokosfasern selbst werden zwar mit umgetopft, aber bauen sich nach einiger Zeit vollständig biologisch ab, sodass man sich hier keine Sorgen zu machen braucht, ob evtl. zu viele Wurzeln im Kokosnetz gefangen sein könnten und das Wachstum dadurch eingeschränkt ist.

Da wir Chilis nach Bildung des zweiten Blattpaares ohnehin umtopfen wollen, brauchen wir keinen Dünger einzusetzen. Ansonsten wäre dies nach dieser Zeit nötig, da Mikroorganismen irgendwann beginnen, die Kokosfasern zu zersetzen und dem Substrat somit Stickstoff entziehen. Der Boden, in den die Pflanzen dann jedoch umgetopft werden, wird die eingangs beschriebene Blumenerde sein, die dann die nötigen Nährstoffe zu bieten hat. Der Einsatz von Dünger muss gerade zum Anfang unbedingt nur vorsichtig erfolgen, da er den Pflanzen schnell mehr schaden als helfen kann. 

Sowohl auf die richtige Auswahl der Blumenerde für Chilis, als auch auf die richtige Anwendung von Dünger werde ich bei Gelegenheit in zwei anderen Beiträgen nochmal genauer eingehen.

Ob also nun Aussaaterde oder Kokosquelltabletten – Am Schluss ist es eine persönliche Entscheidung. Die Pflanzen werden in beiden Fällen genug Wurzeln bilden und gedeihen, um ausreichend auf den Ernst des Chililebens, der mit dem ersten Umtopfen beginnt – vorbereitet zu sein. Ob und wie groß die Unterschiede sein werden, wie sich die Pflanzen im Laufe der Zeit je nach Aussaatmedium bei gleicher Behandlung entwickeln, werde ich anhand meiner eigenen Zucht in ein paar Wochen für euch auswerten können.

 

Quellen