Kategorie: Meine Chilizucht

Chiliboom im neuen Gewächshaus

Als ich am vergangenen Wochenende nach längerer Zeit mal wieder an mein Gewächshaus kam, wollte ich meinen Augen kaum trauen. Die Pflanzen sind seit dem letzten Mal, als ich die Bewässerung programmiert habe, regelrecht explodiert. Die Fataliis haben eine Höhe von 120 cm erreicht. In meinem Chiliprofil zur Fatalii habe ich die Beschreibung bzgl. der Wuchshöhe direkt von 80 cm auf 120 cm nach oben korrigiert. Auf die Daten aus dem Internet ist, wie ich immer wieder feststellen muss, einfach kein vollständiger Verlass.

 
Links das Gewächshaus am 29.08.2022, rechts der Stand vom 04.08.2022. In dreieinhalb Wochen kann sehr viel passieren.

Die Naga Vipers bilden mittlerweile so etwas wie eine Hecke.


Hinten rechts steht die neu zugeordnete Carolina Reaper – im letzten Beitrag habe ich sie noch fälschlicherweise als Fatalii bezeichnet.


Diese Seite verspricht den Großteil der diesjährigen Erträge.

Das betrifft, wie ich leider zugeben muss, auch meine eigenen Angaben. Bin ich von Anfang an davon ausgegangen, dass ich 3 Fataliis überwintern konnte und die Carolina Reapers aus dem letzten Jahr eingegangen sind, konnte ich zu meiner vollsten Zufriedenheit feststellen, dass es doch nur 2 Fataliis und eine Reaper waren, die den Winter überstanden haben. Es war einfach nicht mehr ganz eindeutig, da der Ertrag im letzten Jahr ausschließlich aus Fataliis bestand und die Reapers nichts getragen hatten. Nun konnte ich aber an der einen vermeintlichen Fataliipflanze zwei schrumpelig aussehende orangene Früchte sehen – die charakteristische Form der Carolina Reaper. Leider hat die Pflanze schon seit einiger Zeit dunkelgrüne Blätter, die sie nicht mehr sehr gesund aussehen lassen.


Carolina Reaper in Action. Sie muss jetzt nur noch rot werden.

Auch meine Cayenne-long-slim-Pflanzen haben aufgeholt und sind dieses Jahr sehr ertragreich. Nur sind die Cayennes unter ihrem Gewicht zur Seite auf die Habaneros gefallen. Ich habe sie wieder aufgerichtet und unter den drei großen Cayennepflanzen eine kleine gefunden, die in ihrer Größe und dem Ertrag unserer Balkonpflanze entspricht. Dadurch, dass sie weniger Licht bekam als die anderen Pflanzen quer über ihr drüber hingen, hat sie auch nicht ganz so große Früchte wie die anderen ausgebildet. Dafür waren hier bereits zwei Stück reif und alle anderen sind noch hellgrün. Einen weiteren roten Cayenne haben wir von zu Hause mitgebracht und ihn zusammen mit den anderen beiden zu Chilifäden verarbeitet. Wie das geht, werde ich euch demnächst in einem weiteren Beitrag näher erläutern.


Von den Cayennes dürfen sich die anderen Pflanzen gerne mal eine Scheibe abschneiden und ähnliche Erträge liefern.

Außer den Cayennes konnte ich auch wieder fünf Fataliis ernten. Den Pflanzen geht es gut, aber sehr ertragreich sind sie nicht. Das könnte natürlich ebenso wie beim Carolina Reaper daran liegen, dass sie bereits in das zweite Jahr bestreiten und Chilis in der Regel im ersten Jahr am ergiebigsten sind. Dafür haben sie dieses Jahr aber im Gewächshaus auch deutlich bessere Wachstumsbedingungen als letztes Jahr bei uns in der Wohnung/auf dem Balkon, wo sie ja zugegebenermaßen auch noch weniger getragen haben.

Die Habaneros bekommen nun auch endlich jede Menge Früchte. Eine davon ist riesig, die anderen wachsen noch. Alle haben gemeinsam, dass sie noch hellgrün sind und noch eine Weile brauchen bis sie erntereif sind. Noch ist aber Sommer und ich bin guter Dinge, dass das noch was werden wird dieses Jahr mit einer guten Habaneroernte.


Die wohl dickste Frucht in diesem Jahr: Habanero red

Etwas skeptischer sehe ich das bei den Naga Vipers. Bei denen bilden sich jetzt erst die ersten Blüten aus. Die Größe der Pflanzen ist mittlerweile genau wie im gesamten Gewächshaus mehr als ausreichend für eine gute Ausgangsbasis zum Früchtetragen. Leider hängt nach wie vor nicht eine Frucht an einer der Naga Vipers.


Die ersten Naga-Viper-Blüten sind da.

Dasselbe Problem habe ich mit meinem Giant Rocoto. Dabei hatte ich mich schon auf Rocoto Rellono dieses Jahr gefreut. Mit einem Rezept hierzu auf meiner Seite müsst ihr euch dann leider noch gedulden. Der Giant Rocoto auf unserem Balkon hat es noch nicht einmal zur ersten Blüte geschafft. Dadurch, dass Rocoto-Chilis als sehr rubust und langlebig zählen, wird er aber auf jeden Fall bei uns überwintern und die Ernte werden wir uns schon früher oder später noch abgreifen.

Arbeiten am Chili-Gewächshaus

Wer sich gefragt hat, wieso hier länger kein Beitrag mehr von mir kam, der bekommt heute die Antwort. Meine freien Stunden, die ich sonst zum Schreiben hätte aufwenden können, habe ich intensiv in die Gartenarbeit gesteckt. Zudem sind die Wochenenden in den Sommermonaten auch fast nie komplett frei. Das kennt ihr wahrscheinlich auch von euch selbst.

Wie ich bereits früher schon angedeutet habe, hat mein Bruder ein Gewächshaus im Garten. Das Gewächshaus war allerdings voll mit Sand und hatte keine eigene Bewässerung. Bis auf das Gewächshaus selbst war also noch nichts da, was für den Chilianbau geeignet ist. Falls ihr also mit dem Gedanken spielt, euch selbst ein Chili-Gewächshaus im Garten anzulegen, könntet ihr euch vielleicht auch hier inspirieren lassen, wie ich das gemacht habe.

Der Anblick, wie das Gewächshaus vor den Arbeiten aussah, ist relativ ernüchternd. Motiviert habe ich mich, indem ich mir das Ziel vor Augen geführt habe: Ein Gewächshaus – 2 mal 3 Meter groß nur für meine kleine Chilifarm mit automatischer Bewässerung.

Zustand des Gewächshauses vor den Arbeiten. Der Rosmarin hat leider nicht überlebt †

Das Gewächshaus ist bis ca. 30 cm unterhalb des Sandbodens einbetoniert. Ungefähr bis auf diese Tiefe habe ich den Sand mit einer Breite von 55-60 cm mit einem Spaten zunächst L-förmig entlang den Begrenzungen aus dem Bestand ausgehoben. Die alte Begrenzung habe ich entfernt. In diesem Graben habe ich dann Unkrautvlies auf dem Boden und den Seiten ausgelegt, damit der Sand sich später nicht allzu sehr mit der Erde vermischen kann.

Überall zu erkennen die Beetabgrenzungssteine ‚Beetfix‘, rechts zu erkennen das Unkrautvlies, das die aufgeschüttete Erde vom Sand trennen soll

Dann konnte es endlich losgehen, worauf mein Bruder schon so lange gewartet hat: Die Säcke mit der Gemüseerde, die bereits längere Zeit auf einer Palette auf der Einfahrt gestapelt waren, konnten nach und nach in den hinteren Bereich des Gartens geschleppt und in die vorbereiteten Gräben ausgeschüttet werden.

der schiefe Turm von Schöneiche

Die neuen Beetbegrenzungssteine, die ich besorgt habe, habe ich nicht extra betoniert, sondern etwa 15 cm tief im Sand eingegraben und auf der Seite des Beets bis zur Höhe des Überstands des Unkrautvlieses. Die Beetbegrenzung steht also ein bisschen im Abstand zur Abrisskante, damit die Steine auch genügend Halt finden. An der Oberfläche ist das Beet somit etwa 5 cm breiter als in der Tiefe. Die Steine sind die aus Beton gegossenen „Beetfix“-Steine von Hornbach. Insgesamt sind sie 25 cm hoch; bei mir ragen sie also nur noch ca. 10 cm auf beiden Seiten heraus.

Genauso habe ich es dann auf der letzten Seite gemacht. Erst aufgebuddelt, dann Unkrautvlies verlegt und wieder mit Erde aufgeschüttet, Steine positioniert und dann alles bis oben hin mit Erde aufgefüllt.

Gewächshaus bevor die Chilis eingepflanzt und die Bewässerung innen verlegt wurde

Die kleine Eingangstreppe hat eine Breite von 78 cm. Die Steine sind 6 cm breit und setzen an den äußeren Rändern der Treppe an. Unterm Strich ist somit der zu betretende Bereich etwa 65 cm breit, was aber völlig ausreichend ist. Außerdem ist die Beetseite ja auch betretbar, aber sollte natürlich nicht als Hauptverkehrsfläche dienen 🙂

Die Gesamttiefe des Beets beträgt nun in etwa 45 cm. Bedenkt man dabei, dass ich auf eine Gesamtlänge von 4,20 m bei einer Breite von ca. 55 cm das Beet mit 50 Säcken à 40 l Erde befüllt habe, kann ich feststellen, dass die Erde auf ca. die Hälfte des Volumens zusammenfällt. Diese Erkenntnis werde ich mir wohl nun für künftige Projekte merken.

Zum Glück hatte ich aus Kostenersparnisgründen eh direkt eine ganze Palette mit 2,4 m³ Erde gekauft. Es war nicht nur preis-/leistungsmäßig, sondern auch absolut günstiger als 1,4 m³, die ich ursprünglich eigentlich nur bestellen wollte, weil ich dachte, dass das reichen würde. Falls sich hier jemand wundert: 10 Säcke wurden anderweitig verwendet, somit hatte ich für dieses Projekt nicht alles selbst verbraucht.

Bewässerung

Mein erster Spatenstich fand nicht IM Gewächshaus statt, sondern DAVOR. Wie vorhin bereits erwähnt, ist das Gewächshaus bis zu einer bestimmten Tiefe einbetoniert. Da eine Treppe im Gewächshaus nach unten führt, entsprechen die 30 cm Tiefe unter dem Sandboden innen etwa einer Tiefe von 80 cm unter dem Boden von außen. Ich habe also im Bereich zwischen 80 und 100 cm tief etwa 4 m weit gegraben, um den Außenwasserhahn mit dem Gewächshaus zu verbinden. So konnte ich einen Schlauch (Gardena Pipeline) von unten ins Gewächshaus führen, ohne eine Kernbohrung o.ä. zu benötigen und außerdem ist dieser Tiefenbereich mindestens erforderlich, um das System frostfrei halten zu können, was der Langlebigkeit zugute kommen wird.

Bei der Pipeline handelt es sich um ein Kunststoffrohr (PE-Rohr), das an einem Stück verlegt werden kann, wenn keine übermäßig hohe Krümmung erforderlich ist. In der Tiefe habe ich also nicht ein weiteres Element neben dem Schlauch selbst installieren müssen, was die Fehlersuche bei eventuellen Störungen auf den oberflächennahen Teil beschränkt. Ich muss also nicht noch ein weiteres Mal alles wieder aufbuddeln.

Von hier aus wird das Gewächshaus mit Wasser versorgt. Der Schlauch liegt auf dem Bild bereits im Graben auf dem Boden.

der Abschnitt, der von außen zum Gewächshaus führt

Vorne rechts ist zu erkennen, wie der Schlauch von außen ins Gewächshaus geführt wurde.

Innerhalb des Gewächshauses habe ich das Microdrip-System von Gardena installiert. Der Schlauch hat einen Innendurchmesser von 3/16 Zoll und kann entsprechend den Abständen der Chilis in beliebig viele Teilstücke zerschnitten werden. Zwischen den Schlauchabschnitten habe ich Wasserauslässe, die die Stelle mit 2 Liter pro Stunde tröpfchenweise gießen. Da sie nur tropfen, ist es wichtig, diese Komponenten möglichst dicht an den Stämmen der Chilipflanzen zu platzieren, damit das Wasser auch richtig ankommt. Am Ende kommt ein Stopfen in den Schlauch, damit das Wasser ausschließlich kontrolliert an den Pflanzen ankommt und nicht mehr Wasser als nötig am Ende des Schlauchs austritt.

 Einige Pflanzen lassen zunächst noch ihre Blätter hängen, aber das ist die endgültige Besetzung für dieses Jahr – links die Naga Vipers, hinten die Fataliis, rechts hinten Cayenne und rechts vorne die roten Habaneros. Der Bewässerungsschlauch, der entlang der Pflanzen verlegt ist, ist ebenfalls zu sehen.

Keine Sorge, den Habaneros geht es mittlerweile auch schon wieder besser

Die Cayennes blühen fröhlich vor sich hin, aber tragen auch schon fleißig richtige Früchte.

Die 5 Naga Vipers sind nach wie vor blütenlos

Am Außenwasserhahn habe ich einen displaylosen, aber bluetooth- und WLAN-fähigen Bewässerungscomputer montiert. Von der displaylosen Ausführungsvariante erwarte ich eine höhere Robustheit des Geräts.

Displayloser Bewässerungscomputer von Comistack

Der Dünger wird bei diesem System noch nicht automatisiert hinzugegeben, da muss ich mir noch etwas überlegen. Auch dafür gibt es theoretisch Komponenten, aber zunächst reicht gegebenenfalls noch der Nährstoffgehalt aus der frischen Tomaten- und Gemüseerde aus.

Ein Update nach längerer Zeit zu den Pflanzen

Der ganze Beitrag ist rückblickend zu betrachten. Leider war ich noch nicht wieder vor Ort, aber habe noch die Bilder von Anfang August. Genauer gesagt von dem Tag, an dem ich die Bewässerungsanlage fertiggestellt habe. Wenn ich wieder etwas Aktuelleres habe, werde ich es direkt mit euch teilen. Von meinen ursprünglich ausgesäten Chilis sind nur noch 6 Naga Viper, 6 rote Habaneros, 10 Cayenne und eine Giant Rocoto im Rennen. Darüber hinaus haben wir noch unsere Fatalii-Pflanzen aus dem letzten Jahr, die uns auch bereits Früchte gebracht haben. Unter anderem kam sie bei uns im Linsen-Dal zum Einsatz.

Reife Fatalii an einer meiner Pflanzen

Im Gewächshaus wachsen 3 Fataliis, 5 Naga Viper, 4 Cayennes und 3 rote Habaneros. Auf meinem Balkon wächst der einzige übergebliebene Giant Rocoto zusammen mit 3 weiteren Cayennes, einer Fatalii und 2 roten Habaneros. Die restlichen Chilis sind bei meinen Eltern untergebracht.

Die Überführung erfolgte übrigens klassisch für Berliner ohne Auto mithilfe eines Bollerwagens, was in der S-Bahn für viel Gesprächsstoff gesorgt hat. Einige weniger botanisch bewanderte hielten die Chilis für Hanfpflanzen, während eine fachkundige Mutter ihrem Kind erklärt hat, woran man erkennt, dass das Paprikagewächse sind.

Bollerwagen voller Chilis in der S-Bahn. Auch ein paar weiße Gurken sind dabei, aber für diesen Blog irrelevant, da sowieso ebenfalls schon tot (wie der Rosmarin) †

Früchte tragen bisher nur die Fataliis und die Cayennes. Das ist meines Erachtens nach wie vor auf den zweimonatigen Verzug zurückzuführen, in der die Chilis im Frühling aufgrund von Nährstoffmangel in der Aussaaterde nicht weiter gewachsen sind. Die Pflanzen haben alle nicht ihre eigentlich mögliche Größe erreicht, was auch bei den Cayennes zu einer geringeren Ernte führen wird. Viele Blüten werden auch nicht mehr bestäubt, weil die Bienen sich irgendwie mehr für andere Pflanzen bei anderen Menschen interessieren. Hier werde ich nächstes Jahr auf jeden Fall dafür sorgen, Lavendel auf meinen Balkon zu holen, um sie besser anzulocken.

Im Gewächshaus fielen auch schon die ersten Schädlinge über die Pflanzen her, wobei sich die Schäden bisher in Grenzen halten. Ich werde das aber weiter beobachten. Erwischt hat es die Naga Vipers.

Blattfraß an zwei Naga Vipers

Osterupdate

Frohe Ostern euch allen!

Bei Instagram konnte ich bereits viele beeindruckende Bilder von Chilipflanzen sehen, die bereits eine stattliche Größe erreicht haben. Glückwunsch an alle, die im Zeitplan liegen oder ihm sogar voraus sind mit der Zucht!

Bei mir lief es dieses Jahr allerdings leider alles andere als gut. Ich bin daher aktuell dabei, meine Fehler zu analysieren, um es nächstes Jahr besser zu machen. Daran möchte ich euch gerne teilhaben lassen, denn aus Fehlern kann man ja bekannterweise lernen.

Was ist überhaupt passiert?

Seit dem letzten Update leider tatsächlich nicht viel, was das weitere Wachstum betrifft. Dafür sind mir allerdings jede Menge Chilipflanzen aus meinem Kokossubstrat vertrocknet als wir ein Wochenende lang unterwegs waren. Ich habe bis dahin fast täglich gegossen, aber dafür immer nicht so viel. Vor dem Wochenende habe ich den Pflanzen extra etwas mehr Wasser verabreicht, aber vermutlich habe ich dabei die Speicherkapazität des Kokossubstrats überschätzt.

Als wir Anfang März über vier Tage weg waren, habe ich überall extraviel gegossen, wodurch es allen Pflanzen gutging als wir zurückkamen. Damals war auch die Abdeckhaube oben drauf. Diesmal war es so, dass wir einen Tag weniger unterwegs waren und ich zum einen nicht ganz so viel gegossen habe, aber auch die Abdeckung fehlte. Ich denke also, ich hätte dieses Massensterben verhindern können, wäre ich mit dem Kokossubstrat bereits vertrauter gewesen. Ich habe diesen Nachteil des Kokossubstrats, dass es sehr wenig Wasser speichern kann, auch in meinem Beitrag zur Aussaaterde beschrieben und obwohl ich diese Info vorab kannte, ist es mir trotzdem ausgetrocknet. 

Tatsächlich ist dieses Jahr das erste Mal, dass ich alle Chilis in anderer Aussaaterde als bisher angezogen habe. Was am Anfang wie gewohnt lief mit relativ schneller Keimung, auch wenn mit niedrigerer Keimrate als die Jahre zuvor, entwickelte sich nach etwa vier Wochen abweichend zu dem, was ich bisher kannte. Das Wachstum kam bei den meisten Pflanzen nach Bildung des ersten Blattpaares zum Stillstand.

Zuerst dachte ich, dass die Pflanzen ihr Wurzelsystem in der Zeit weiter ausbauen würden. Ende April habe ich dann mithilfe von Internetrecherche festgestellt, dass die Aussaaterde und das Kokossubstrat, das ich verwendet habe, deutlich weniger vorgedüngt waren als die Aussaaterde, die ich über die letzten 5 Jahre immer verwendet habe. Diesen Aspekt hätte ich also im Voraus abchecken müssen, was ich nicht getan habe. Daher hinke ich nun ziemlich hinterher mit meinen Chilis.

Meine erste Maßnahme, dort gegenanzusteuern, war der Einsatz von Chilidünger. Möglicherweise hätte ich etwas intensiver düngen können, aber ich wollte auch nicht zu viel düngen, weil ich nicht wusste, ob ich am Ende den Wurzeln schaden würde. Leider hat das Düngen nicht den gewünschten Effekt gehabt, sodass ich mich nun dazu entschieden habe, einfach sämtliche Sprösslinge in richtige Blumenerde – genauer gesagt Tomaten- und Gemüseerde – umzutopfen. Auch wenn die Pflanzen noch weit vor der Bildung des zweiten Blattpaares stehen, sehe ich doch noch eine Chance für viele dieser Pflanzen, endlich wieder einen Wachstumsschub hinzulegen.

das ist die Erde, in der von nun an alle meine Chilis gedeihen bzw. gedeihen SOLLEN

Beim Umtopfen konnte ich feststellen, dass viele dieser Chilis, die nur ein bis zwei ganz kleine Blätter haben, zumindest einigermaßen gut Wurzeln ausbilden konnten. So hoffe ich jetzt einfach, dass die neue Erde nun zu einem ordentlichen Wachstumsschub beitragen kann. Die roten Habaneros, die schon zu Beginn extrem in die Länge gewachsen sind, habe ich nun alle tiefer gesetzt.

die kleinsten Exemplare haben gerademal damit begonnen, das erste echte Blattpaar auszubilden. Seit 5 Wochen ist hier jedoch Stillstand…

gleiche Situation wie oben, nur immer noch mit Keimblättern…

die Naga Viper haben bisher die größten Blätter ausgebildet, sind aber immer noch meilenweit entfernt von der Sollgröße für diesen Monat…

Auch das ist ein Naga Viper. Obwohl er mein größter Zögling ist, ist er leider trotzdem (noch) kein Vorzeigemodell.

neben den hier abgebildeten Pflanzen stehen noch weitere auf meiner Fensterbank. Es sind also immer noch mehr als genug Pflanzen für den Platz, den wir haben – unter der Annahme, dass sie alle so groß und stark werden wie die Fataliipflanzen links im Bild. Nicht wundern: rechts unten ist ein stark beschnittener Fatalii zu sehen, also leider auch keine größere Jungpflanze.

Welchen Einfluss hatte der Schaden auf die Chilivielfalt?

besonders bitter ist leider, dass es nicht nur viele Pflanzen erwischt hat, sondern dass dabei auch zwei weitere Sorten für diese Saison aus dem Rennen sind. Die gelben Habaneros und Chiltepin sind Sorten, die ich nächstes Jahr in einem neuen Anlauf noch einmal anbauen muss. Übrig sind nur noch Cayenne long slim – wohlgemerkt die Sorte, die am besten mit den Rahmenbedingungen bisher klarkam (ist ja auch die einzige der Art Capsicum annuum) – Giant Rocoto (der einzige Capsicum pubescens), Naga Viper und Habanero red.

Was ist mit den überwinterten Fatalii?

Meine Fatalii freuen sich über die helleren Tage und blühen bereits. Wenn ich Glück habe, gibt es dann schon im Frühsommer die erste Ernte. Da es aber noch sehr kalt draußen ist, kann ich die Chilis nicht rausstellen und muss die Blüten von Hand bestäuben. Dafür verwende ich einen feinen Kosmetikpinsel von meiner Freundin. Bisher bilden die Blüten allerdings alle noch keine Früchte aus, von daher werde ich den Vorgang noch ein paarmal wiederholen dürfen.

zwei Fataliiblüten, die darauf warten, bestäubt zu werden

Abschließend kann ich also sagen, dass viel passiert ist, aber ich bin guter Dinge, dass sich das nun alles langsam einrenken wird und unsere große Ernte dieses Jahr nicht ausfallen muss, auch wenn sie vielleicht dann erst später im Jahr erfolgen kann. Vorher kann ich mich aber an meinen blühenden Fatalii erfreuen, die mir wiederum eine frühzeitige Zwischenernte ermöglichen könnten.


Inventur: Wie viele Pflanzen sind diese Saison dabei?

Die Aussaat liegt bereits 31 Tage zurück, also einen guten Monat. Zeit also, ein erstes Fazit zu ziehen. Wie ich in einem anderen Beitrag schon erwähnt habe, kann immer noch eine Überraschung auch noch später folgen, aber der Großteil der keimfähigen Samen dürfte nun gekeimt haben.

Ich habe in unregelmäßigen Abständen ab und an die Bodentemperatur gemessen, die immer im Bereich von 25 bis 28,5°C lag. Die großen Anzuchtkästen auf den Heizmatten sind etwas kühler (24-26,5°C), die kleinen Anzuchtkästchen auf der Heizplatte wärmer (26-28,5°C). Die kühleren Temperaturen liegen am Rand, die wärmeren mittig. Festzuhalten ist, dass das gesamte Spektrum der bei mir vorherrschenden Temperaturen im Temperaturbereich liegt, in dem Chilisamen zu keimen beginnen.

Leider kam trotz allem nicht die erhoffte Keimrate zustande. Ich gehe davon aus, dass ich kein gutes Saatgut hatte für die Sorten Habanero yellow, 7 Pot Brain Strain red, Bhut Jolokia orange und Vicentes Sweet Habanero. Von all diesen Sorten kamen genau zwei Keimlinge der Habanero yellow raus, während ich bei den anderen drei Sorten wohl in der nächsten Saison wieder mein Glück von Neuem werde versuchen müssen. Leider ist auch die eine gelbe Habanero am vergangenen Wochenende ausgetrocknet, als vier Tage lang urlaubsbedingt niemand zu Hause war. Alle anderen haben es überlebt.

Der gelben Habanero geht es nicht mehr so gut

Am schnellsten kamen zu Beginn die roten Habaneros zum Vorschein. Sie haben sich allerdings seitdem zu sehr auf ihrem anfänglichen Vorsprung ausgeruht, sodass sie immer noch kein ausgebildetes erstes Blattpaar haben. Hier sind stattdessen mittlerweile die Cayenne long slim die Vorreiter. Auch ein Exemplar der Naga Viper hat bereits ein erstes Blattpaar entwickelt. Ich kann aber auch berichten, dass der Ansatz der ersten Blätter schon bei sehr vielen Chilis zu beobachten ist. Vom Cayenne sind 13 Samen gekeimt, vom roten Habenero 10 und 6 Pflanzen der Naga Viper haben es geschafft.

Mir fiel auf, dass die ersten Keimlinge in der Aussaaterde kamen, also in den kleinen Anzuchtkästchen mit der tendenziell höheren Temperatur. Die Sortenvielfalt  und die Keimrate ist aber letztendlich in den großen Anzuchtkästen mit den Kokosquelltabletten und etwas niedrigerer Temperatur größer. Aus der Erfahrung der letzten Jahre hatte ich sonst eigentlich immer eine sehr gute Erfolgsrate mit der Aussaaterde.

Ich werde demzufolge wohl nächstes Jahr bei der Aussaat wieder Löcher bohren, die Samen hineinlegen und die Erde darüber zusammenschieben. Dieses Jahr hatte ich ja eine komplette Erdschicht drübergestreut und angedrückt. Ich kann mir gut vorstellen, dass dadurch der Samen fester unter der Erde liegt und weniger Sauerstoff an ihn herankommt, was die Keimerfolgschance verringert. Im Laufe des Monats habe ich allerdings auch nachträglich den Boden zwischendurch nochmal etwas aufgelockert und da tut sich leider immer noch nichts. Die roten Habaneros haben allerdings eine 100%ige Keimrate in der Aussaaterde, was bedeutet, dass es bei gut erhaltenem Saatgut eigentlich egal sein sollte.

Überalterung, Feuchtigkeit oder andere äußere Beanspruchungen bei Lagerung oder Transport könnten die Ursache für nichtkeimfähiges Saatgut sein. Dass die Samen allesamt von reifen Früchten stammen, davon gehe ich aus bei dem Lieferanten. In der Vergangenheit habe ich auch immer alle meine Samen dort bestellt und hatte bisher nur einmal den Fall, dass eine Sorte nicht rausgekommen ist.

Wo wir gerade bei der Keimrate sind: Von den 12 roten Habaneros sind alle sechs in Der Aussaaterde und 4 von 6 im Kokossubstrat aufgegangen. Von der Naga Viper wächst nur eine in der Aussaaterde und 5 im Kokossubstrat. Die gelben Habaneros sind auch aus dem Kokossubstrat gekommen. Den Nachteil, dass das Kokossubstrat nicht so viel Wasser speichern kann wie die Aussaaterde, hat die eine von denen leider am eigenen Leib zu spüren bekommen 🙁

Zum Schluss will ich auch die 3 Chiltepinkeimlinge nicht unerwähnt lassen. Die sind ebenso alle im Kokossubstrat gewachsen. Hierbei will ich noch anmerken, dass nicht alle Keimlinge eine vielversprechende Figur abgeben, aber alles, was draußen ist, zählt erstmal.

Leicht unterentwickelt sieht dieses Exemplar aus. Allerdings kann man einen Ansatz von Blättern erkennen, weshalb ich positiver Dinge bin, dass das noch etwas wird mit diesem Chiltepin

Außerdem ist auffällig, dass die anderen beiden Keimlinge wohl eine emotionale Verbindung zu ihrer Samenschale aufgebaut haben, dass sie die immer noch mit sich herumtragen. Eine der Pflanzen bildet bereits ihr erstes Blattpaar aus, während die Samenschale die Keimblätter immer noch zusammenhält. Die Pflanze aus meinem Beitrag zum Thema Keimvoraussetzungen hält ihre Samenschale noch immer mit der letzten Ecke ihres einen Keimblatts weiter fest.

Meine Giant Rocotos haben es auch zu dritt ans Licht geschafft. Bei denen und bei den Cayenne-Pflanzen ist jedoch keine Tendenz zu erkennen, in welchem Substrat sie sich besser entwickeln konnten.

Die überwinterten Fataliis konnten leider auch nicht alle überleben. Es gab einen Pilzbefall und ich habe die Pflanzen auf unterschiedliche Weise behandelt. Zwei sind dadurch aus dem Rennen und drei hab ich noch. Genaueres dazu werde ich zu einem späterem Zeitpunkt schreiben, wenn ich die Entwicklung der noch lebenden Pflanzen noch länger beobachtet habe.

Unterm Strich habe ich 36 Keimlinge und 3 Pflanzen. Von den Keimlingen haben 14 bereits ein erkennbares erstes echtes Blattpaar. 10 davon sind Cayenne, 2 Naga Viper, eine ein Chiltepin und die letzte ein Giant Rocoto. Die meisten anderen lassen zumindest einen Ansatz eines ersten Blattes erkennen.

Das Team „Cayenne long slim“ zeigt, wie es geht. So weit entwickelt ist sonst keine andere Sorte bisher.

5 Keimlinge sehen in meinen Augen noch etwas verkümmert aus. 4 davon sind Cayenne – davon habe ich eh genug notfalls – und einer der bereits angedeutete Chiltepinkeimling. Auf der anderen Seite sind ein Naga-Viper-Keimling und alle roten Habaneros etwas vergeilt, was für zu viel Wärme bei wenig Licht spricht. Deswegen lasse ich die Deckel der Anzuchtkästen jetzt erstmal weg. Vergeilt sagt man, wenn Pflanzen sehr lang, aber wenig kräftig gewachsen sind und dadurch drohen umzuknicken. Beim Pikieren kann ich die Stängel aber dann tiefer im Boden einsetzen und dann ist das in dem frühen Stadium noch nicht ganz so kritisch. Wenn es soweit ist, dass die Jungpflanzen umgesetzt werden, gibt es sowieso wieder einen neuen Beitrag von mir dazu.

Lang und dünn: Ein Habanero muss bereits Hilfestellung geben, dass sein Artgenosse nicht umkippt.

Soweit der aktuelle Stand. Ich hoffe also, dass mir zumindest die Sorten, die hier jetzt bereits am Wachsen sind, auch alle über die Saison hinweg erhalten bleiben.

Eröffnung des Rezeptbereichs und Chiliupdate

Liebe Chiliputaner,

mit dem heutigen Update möchte ich euch endlich meine ersten beiden Rezepte vorstellen: Die beiden Klassiker Chili con Carne und Pasta all’arrabbiata. Vielleicht hat der ein oder andere von euch bereits versucht, unter dem Menüpunkt „Rezepte“ auch wirklich Rezepte zu finden und ist dabei kläglich gescheitert – Ab heute ist diese Seite nicht mehr leer.

Ich versuche immer, zweimal die Woche passend zur Saison abwechslungsreiche Informationen rund um Chilis zu vermitteln. Daher dachte ich, nachdem es nun zweimal hintereinander etwas theoretischer geworden ist, euch mal wieder etwas Praktisches zu bieten. Die Rezepte habe ich euch oben verlinkt, da ich es selbst nicht mag, für Rezeptanleitungen erstmal ewig über eine lange Einleitung nach unten zu scrollen bis ich beim Rezept angekommen bin. Die Rezepte sind recht verschieden, aber trotzdem, was die Zusammensetzung und die Würzung der Sauce bzw. Suppe betrifft, ziemlich ähnlich. Deshalb habe ich heute gleich beides veröffentlicht. Außerdem sind das die scharfen Gerichte, die bei uns zu Hause am häufigsten gekocht werden und vermutlich auch deutschlandweit am bekanntesten sind. Somit ist es unerlässlich, dass ich diese Gerichte als erstes veröffentliche. Den Unterschied macht insbesondere die Zugabe von Southern Comfort – einem Whiskylikör, der den Speisen eine gewisse Süße, aber auch einen Hauch Whiskygeschmack verleiht, was das Aroma der Tomatenbasis sehr gut ergänzt.

Da ich gerade erst frisch anfange und noch nicht dazu kam, viele unterschiedliche Chilis zu vergleichen, habe ich noch keinen konkreten Chili als Zutat genannt, sondern in den Rezepten nur „Chili“ geschrieben. Im Laufe der Zeit werde ich das noch anpassen, um hier konkreter zu werden.

Ansonsten habe ich noch ein kleines Update für euch zu meiner Chilizucht:

Seit dem 15.02. gab es bei mir die ersten drei Keimlinge der roten Habanero. Das war gerade mal sechs Tage nach meiner Aussaat. Am Tag drauf kam noch eine weitere Habanero und die erste Naga Viper dazu. Alles bis dahin ausschließlich in der Aussaaterde.

Am 17.02. kamen dann die ersten beiden roten Habaneros im Kokossubstrat ans Licht. Dazu auch die fünfte von sechs in der Aussaaterde. Seit gestern sind vier Sorten bereits mindestens einmal gekeimt. Eine gelbe Habanero ist im Kokossubstrat gewachsen, aber noch nicht in der Aussaaterde, ein Giant-Rocoto-Keimling ist aus der Aussaaterde emporgewachsen. Darüber hinaus sind nun alle roten Habaneros, die in Aussaaterde ausgesät wurden, am Keimen und eine Naga Viper im Kokossubstrat.

Unterm Strich sind das aktuell 12 Keimlinge, von denen allein 8 rote Habaneros sind. Heute gab es noch keine nennenswerten weiteren Entwicklungen. Im Folgenden der aktuelle Stand in Bildern:

oben der Giant Rocoto, unten die Naga Viper

die sechs roten Habaneros sind da, der Rest lässt noch auf sich warten

Beim Cayenne hat sich noch nichts getan. Im linken Anzuchtkasten könnten auch irgendwann Chiltepin und Bhut Jolokia wachsen. Bisher traut sich hier aber noch gar nichts raus.

Ganz rechts die bisher einzige gelbe Habanero, die anderen beiden sind rote Habaneros

Zu guter Letzt noch eine Nahaufnahme vom anderen Naga-Viper-Keimling, der sich aber gegen eine scharfe Kameraaufnahme erfolgreich wehren konnte

Startschuss

Letztes Wochenende war ich in Hamburg, daher habe ich die Samen, die eigentlich zum Wochenende schon da waren, erst Montagabend aus dem Briefkasten geholt. Am späten Abend fiel mir auf, dass wir keinen Kamillentee mehr im Haus hatten. Gerade war ich motiviert, die Samen im Kamillentee einzulegen, da kamen mir die Supermärkte in die Quere. Normalerweise hat REWE bis 11 Uhr offen, aber coronabedingt gerade jetzt nur noch bis 22 Uhr. Es war 22:05 Uhr… Auch Gorillas und Flink haben keinen Kamillentee im Sortiment. Daher hieß es dann in den sauren Apfel beißen und einfach noch einen Tag warten.

Dienstagabend schließlich hatten wir alles da, dass ich endlich loslegen konnte. Viel war ja erstmal nicht zu tun, aber natürlich sollte alles fein säuberlich getrennt voneinander im Tee eingelegt werden. Warum ausgerechnet Kamillentee? Im Unterschied zu warmem Wasser oder anderen Teesorten sagt man dem Kamillentee eine antibakterielle und fungizide Wirkung nach, wodurch Schimmelsporen an den Samen abgetötet werden bevor sie ausgesät werden. Somit kann die Erfolgsquote gesteigert werden.

Auf allen Samentüten steht „10 Samen“, aber es waren elf bis vierzehn enthalten , bei der Cayenne long slim sogar ganze siebenundvierzig!

Bei den Vorbereitungen auf den nächsten Tag – also heute – fiel mir auf, dass ich keine Aussaaterde mehr hatte. Also bin ich zum OBI bei mir in der Gegend gegangen, um mir in der Gartenabteilung 3 Liter Aussaaterde zu besorgen. Dadurch, dass insbesondere die Cayenne long slim mit deutlich mehr Samen als ursprünglich erwartet ankam und ich gerne alles einsäen wollte, was geht, habe ich gleich noch zwei neue abdeckbare Anzuchtkästen für Kokossubstrat und eine Packung mit 50 Kokossubstrattabletten mitgenommen. Heizmatten für die Anzuchtkästen gab es nicht, also habe ich bei Amazon zwei Heizmatten bestellt, die bereits heute Nachmittag eingetroffen sind. Ein Hoch auf Amazon Prime an dieser Stelle! (keine Werbung)

Wo nun heute Abend alles da war, was ich brauchte, konnte es endlich losgehen. Zu Beginn habe ich heute erstmal den Tee abgegossen und die Samen auf Küchenpapier gelegt. Dadurch werden die Samen wieder ein wenig abgetrocknet, wodurch sie beim Einsäen nicht so sehr an den Fingern kleben wie sonst.

Bloß nichts verwechseln! Beschilderung bei jedem Schritt ist das A und O am Anfang

Danach ging es sofort weiter. Die Heizplatte mit den 7 Minianzuchtkästchen von Garland, die ich bislang immer verwendet habe, kommt natürlich auch dieses Jahr wieder zum Einsatz. Leider musste ich jedoch ziemlich bald feststellen, dass die 3 Liter Aussaaterde nicht ausreichend waren. Für die Höhe der Samenkörner hat es noch ausgereicht, bei der Schicht oberhalb der Samenkörner kam ich allerdings beim besten Willen nicht mehr auf den halben Zentimeter Dicke, der sich in den vergangenen Jahren bei mir bewährt hat. Also fehlte doch noch etwas… Der Abend war noch jung, also nichts wie ab aufs Rad und schnell nochmal zum OBI.

Hat nicht ausgereicht. Ich musste die Aussaaterde ein zweites Mal kaufen, ohne zu wissen, was sie tatsächlich taugt

Zurück in der Wohnung konnte ich endlich auch die restlichen Arbeiten verrichten. Das Kokossubstrat ging gut mit dem Wasser auf, ich sollte allerdings dazu erwähnen, dass das meine erste Erfahrung mit Kokosquelltabletten ist. Genauso kenne ich diese Kräuter- und Aussaaterde von OBI auch noch nicht. Aus diesem Grund habe ich die Samen so verteilt, dass keine Chilisorte ausschließlich in einer dieser beiden Varianten aufwächst.

Um Verwechslungen vorzubeugen habe ich die Kästen beschriftet und in den Minianzuchtkästchen die Grenzbereiche zwischen zwei Sorten mit Zahnstochern markiert. Nach drei Stunden Arbeit habe ich es geschafft, insgesamt 11 Habanero yellow, 11 Giant Rocoto, 11 Seven Pot Brainstrain, 12 Naga Viper, 12 Vicentes Habanero Sweet, 12 Habanero red, 13 Chiltepin, 14 Bhut Jolokia und 47 Cayenne long slim einzusäen. Zusammen ergibt das maximal 143 Chilipflanzen, die ich bei hundertprozentiger Keimrate erhalten könnte. Für unsere Wohnung und das kleine Gartengewächshaus ist das natürlich deutlich zu viel, aber dadurch, dass ich nun pro Pflanze über zehn Samen gesät habe, habe ich eine größere Auswahl, welche Pflanzen ich behalten möchte und kann tendenziell eine bessere Auswahl großziehen als ich mit nur der Hälfte der ausgesäten Samen gekonnt hätte.

Zum Schluss habe ich nochmal alles gegossen bevor ich unsere Fensterbank mit den drei Kästen komplett belegt habe. Die Heizmatten und die Heizplatte sind alle am Strom angeschlossen und sorgen für die optimale Keimtemperatur. Nun bin ich gespannt, wann sich die ersten Keimblätter blicken lassen und welche Chilipflanze dabei das Rennen macht.

Vorbereitung auf die kommende Saison

In diesem Jahr werden bei uns neun verschiedene Chilisorten ausgesät. Die Bestellung der Samen ging gestern raus, so können wir schon in ein paar Tagen loslegen.

Wir werden unter anderem die Vicentes Sweet Habanero als Chili ohne Schärfe anbauen. Zum Vergleich werden wir aber auch die roten und gelben Habaneros kultivieren, die dann im üblichen Schärfebereich der Habaneros liegen. Im High-End-Scoville-Bereich bauen wir die Naga Viper, die rote 7 Pot Brainstrain und die orangene Bhut Jolokia an. Daneben haben wir noch den allseits bekannten Cayenne long slim (Cayennepfeffer).

Von der Art Capsicum pubescens wird der Giant Rocoto großgezogen und zu guter Letzt darf auch der Chiltepin als Urform der Chili in der ersten Saison nicht fehlen.

Ich möchte jedes Jahr andere Chilisorten anbauen, um auf diese Weise neben den vielen Anleitungen im Netz auch Erfahrungsberichte bereitstellen zu können bezüglich Keimrate, Keimdauer, Wachstum der Pflanzen im Zeitverlauf, Aussehen der Pflanzen, evtl. Krankheitsanfälligkeit und Ertrag.

Aus der letzten Saison haben wir es geschafft, einige Fatalii bei uns in der Wohnung zu überwintern. Da das das erste Mal für mich ist, wo wir Chilis über den Winter gebracht haben, bin ich hier auch besonders gespannt, wie die Chilis sich im zweiten Jahr weiterentwickeln werden.

Meine ersten Chilis habe ich im Haus meiner Eltern, die auch einen eigenen Garten haben, gezüchtet. Im letzten Jahr haben wir zum ersten Mal versucht, Chilis in unserer Stadtwohnung im dritten Stock großzuziehen. Wir haben zwar einen Südostbalkon, jedoch ist es hier deutlich windiger als weiter draußen in einem Garten. Deswegen hatten wir letztes Jahr zwar ziemlich viele große Chilipflanzen, jedoch fielen die meisten Blüten wieder ab, bevor sie bestäubt werden konnten. Eine andere Erklärung könnte sein, dass wir einfach zu wenig Pflanzen in der Gegend haben und sich die Bienen einfach nicht für unsere Chilis interessieren. Mit der manuellen Bestäubung mithilfe eines Pinsels haben wir leider auch nicht viel erreichen können.

Der Plan für dieses Jahr sieht deshalb vor, dass es eine Kooperation mit meinem Bruder geben wird, der ein aktuell ungenutztes Gewächshaus hat, in das wir unsere Chilis im Frühling umpflanzen werden. So bekommen die Chilis auch insgesamt mehr Sonne und sind vom Wind geschützt, wodurch ich wieder eine deutlich größere Ernte als im letzten Jahr erwarte. Parallel werden wir ein paar Pflanzen in unserer Wohnung behalten, dass wir am Ende vergleichen können, wie sie sich bei unterschiedlichen Bedingungen entwickeln. Außerdem sind Chilis auch sehr schöne Zimmerpflanzen, weshalb es sich auch unabhängig von der Ernteaussicht immer lohnt, ein paar solcher Pflanzen in den eigenen vier Wänden stehen zu haben.