Dank einer immer größeren Fangemeinde des Chilianbaus haben wir mittlerweile schätzungsweise 4000 verschiedene Chilisorten und die Anzahl wächst Jahr für Jahr weiter an. Die meisten dieser Sorten lassen sich einer dieser fünf Chiliarten zuordnen: Capsicum annuum, C. baccatum, C. chinense, C. frutescens und C. pubescens. Da teilweise auch artenübergreifende Kreuzungen möglich sind, kann die Art in wenigen Ausnahmen nicht eindeutig bestimmt werden. Außerdem gibt es darüber hinaus noch viele weitere Arten, deren Sorten aber nicht sehr vielfältig sind. Diese kommen vor allem in der Lateinamerikanischen Wildnis vor und werden nicht kultiviert. Da sie hierzulande (fast) niemand kennt, werde ich diese im Folgenden auch ausklammern.

Welche Eigenschaften charakteristisch für die jeweiligen Chiliarten sind, möchte ich im heutigen Beitrag herausarbeiten und am Ende die eindeutigen Merkmale zur Bestimmung für euch zusammenfassen.

Capsicum annuum

verschiedene Chilis von Capsicum annuum

Beginnen wir mit der verbreitetesten Chiliart Capsicum annuum. Unter C. annuum fallen unter anderem die Sorten Cayenne, Jalapeño und der Blockpaprika. Die größten Chilifrüchte wachsen alle an Pflanzen dieser Art, aber auch die kleinsten können durchaus noch C. annuum zugeordnet werden.

Die Pflanzen wachsen relativ schlank nach oben. Die Blätter werden dunkelgrün, sind langgezogen, glatt und haben einen relativ langen Stiel. In der Regel hängen die Früchte nach unten, bei kleinen Sorten wachsen sie allerdings durchaus auch nach oben. Die Früchte von C. annuum können sehr mild sein. Die schärfsten Chilis erreichen bis zu 125.000 Scoville.

Mit einer gewünschten Keimtemperatur von je nach Sorte mindestens 20-22°C sind sie weniger anspruchsvoll als die meisten anderen Arten. Sie halten Temperaturen von über 6°C stand, wodurch sie in der Regel ab den Eisheiligen bis in den Oktober hinein in unseren Breiten draußen stehen können.

Capsicum baccatum

verschiedene Chilis von Capsicum baccatum

Den Früchten von C. baccatum wird ein besonders süßes Aroma nachgesagt. Bekannte Vertreter sind unter anderem Lemon Drop, der neue Trendchili Sugar Rush Stripey und die meisten Sorten mit dem Namensbestandteil Aji. Sie brauchen etwas länger bis zur Blüte als bspw. C. annuum. Die Früchte wachsen zunächst aufrecht, die schwereren Vertreter biegen mit der Zeit aufgrund ihres Gewichts nach unten weg und wachsen dann nach unten weiter.

Die Chilis dieser Art können eine Schärfe von bis zu ca. 75.000 Scoville erreichen. Die Pflanzen wachsen sehr verzweigt und werden tendenziell größer als die Pflanzen der anderen Chiliarten (bis zu 2 Meter). Die Blätter sind ähnlich wie bei C. annuum dunkelgrün und glatt. Die Blüten der C. baccatum sind weiß mit großen Farbflecken auf den Blütenblattern.

Auch C. baccatum keimt ab 22°C aufwärts. Sie vertragen kalte Temperaturen solange alles frostfrei bleibt. Damit sind sie noch etwas hartnäckiger als C. annuum.

Capsicum chinense

verschiedene Chilis von Capsicum chinense

 

Capsicum chinense ist die Königsklasse unter den Chilis. Die meisten Vertreter bis auf wenige Ausnahmen sind schärfer als der schärfste Chilis aller anderer Arten. Habanero, Bhut Jolokia, Fatalii, 7-Pot, Trinidad Scorpion und Carolina Reaper gehören alle dieser Art an. Auch für die Züchtung immer neuer Superhot-Chilis wird daher ausschließlich C. chinense mit C. chinense gekreuzt.

Die Pflanzen der C. chinense wachsen buschig bis zu einer Höhe von in der Regel 80-120 cm. Die Blätter sind leicht gewellt und breiter als die von C. annuum oder C. baccatum. Auch die Stiele sind vergleichsweise kurz.

Typisch für diese Art ist, dass oft mehrere Blüten an einem Knoten entstehen, wodurch viele Sorten auch ertragreich sind – teilweise können sogar über 100 Chilis an einer Pflanze hängen. Die Früchte wachsen hängend, oft lampionförmig oder mit stark knittriger Oberfläche und werden je nach Sorte zwischen 2,5 und 7 cm lang. Wenn die Chilis einen Stachel ausbilden (typisch für Trindad Scorpion und daraus hervorgegangene Kreuzungen), dann können sie auch eine Länge von 8 cm erreichen. Der Stachel schmeckt übrigens überhaupt nicht scharf, der restliche Chili dafür umso mehr.

Was die Umweltbedingungen angeht, ist C. chinense am anspruchvollsten. Die Pflanzen müssen stets bei Temperaturen oberhalb von 12°C gehalten werden. Bei garantierter Windstille geht auch etwas weniger, da der Windchill-Effekt ausbleibt. Trotzdem können die Pflanzen dadurch meistens erst Ende Juni dauerhaft nach draußen und müssen bereits im September wieder reingeholt werden. Sie keimen erst bei Temperaturen oberhalb von 24 oder 25°C und können daher nur mithilfe von künstlicher Beheizung zum Keimen gebracht werden.

Capsicum frutescens

Die bekanntesten Sorten von C. frutescens sind Tabasco und Malagueta (Piri Piri). Die Sorte Bird’s Eye kommt als einziger Nicht-chinense-Chili auf über 200.000 Scoville und ist damit etwa doppelt so scharf wie die schärfsten Chilis von C. annuum.

Die Pflanzen wachsen strauchförmig und werden bis zu 2 Meter hoch. Bei C. frutescens wachsen die Früchte meistens aufrecht nach oben. Daher sind sie meistens auch entsprechend klein und dünnwandig. Die Form der Früchte kann kegelförmig, länglich zugespitzt oder klein und rund sein. Ungewöhnliche Formen sind eher bei den zuvor genannten Arten zu finden.

Die Blätter sind rau und am Rand leicht gewellt und sind ansonsten ähnlich wie die Blätter von C. annuum dunkelgrün, schmal und spitz zulaufend.

Damit die Pflanzen wirklich strauchig wachsen, muss die Spitze bei ca. 30 cm über dem Boden gekappt werden. Ansonsten wachsen sie geradlinig immer weiter in die Höhe. Die Umweltanforderungen der C. frutescens decken sich mit denen von C. annuum.

Capsicum pubescens

Die fünfte Chiliart ist die zugleich außergewöhnlichste. Kommen die anderen 4 Chiliarten mit hellgelben Chilisamen daher, sind die Samen von C. pubescens ausnahmslos schwarz. Auch die Zusammensetzung der Scharfstoffe ist eine komplett andere als üblich. Anstelle von Capsaicin dominiert hier Dihydrocapsaicin. Auch Nordihydrocapsaicin ist höher konzentriert als sonst. Diese Stoffe wirken zwar über dieselben Rezeptoren wie Capsaicin, aber senden andere Signale, sodass für die Chilis von C. pubescens eine separate Toleranz aufgebaut werden muss.

Chilis dieser Art heißen oft Rocoto oder Chile Manzano. Besonders gerne werden sie für Salsas verwendet, da sie wie C. baccatum besonders fruchtige Aromen aufweisen. Auch das Peruanische Nationalgericht Rocoto Relleno, zu dem ich euch nach wie vor noch ein Rezept schuldig bin, wird mit Früchten von C. pubescens zubereitet.

Die Pflanzen neigen dazu, schnell zu verholzen. Deshalb ist hierbei auch häufig von ‚Baumchilis‘ die Rede. Sie wachsen buschig und werden bis zu 4 Meter hoch. Die Blätter und Stängel sind behaart und die Blütenblätter sind lila. Die Früchte sind dickfleischig und je nach Sorte apfel-, mango- oder birnenförmig. mit einer Länge von 4 bis 10 cm.

Eindeutige Anzeichen

Unterm Strich gibt es für die meisten Sorten Anzeichen, die einen eindeutigen Hinweis zur Bestimmung geben.

Capsicum annuum hat dunkelgrüne schmale und glatte Blätter – genauso wie C. baccatum. C. baccatum kann jedoch an der Blüte anhand der Flecken auf den Blütenblättern eindeutig zugeordnet werden. So kann C. annuum durch Ausschlussverfahren bestimmt werden.

Die Früchte von C. chinense wachsen büschelweise an den Knoten. Außerdem sind die Blätter breiter als die der anderen Sorten und gewellt. Die extrem scharfen Früchte sind immer Chinensen.

Die Blätter der C. frutescens sind rau und am Rand leicht gewellt und sehen ansonsten aus wie die von C. annuum und C. baccatum. Die Früchte wachsen meistens nach oben, was ein erstes Indiz, aber kein eindeutiger Hinweis ist.

C. pubescens lässt sich an den behaarten Blättern und Stängeln sowie den schwarzen Samen erkennen. Die schwarzen Samen sind ein Alleinstellungsmerkmal unter diesen 5 vorgestellten Arten, aber können auch bei einigen Wildarten auftreten.