Wenn unsere Chilipflanzen von Blattläusen befallen werden, fällt das meistens erst auf, wenn wir die Blätter von unten begutachten. Dort tummeln sich diese Insekten nämlich, während sich selten eine Laus auf die Oberseite verirrt. Auch wenn das passieren sollte, sind die Tiere so klein, dass wir sie nur bei genauerem Hinsehen registrieren würden. Wenn die Kolonisierung weiter fortgeschritten ist, tummeln sie sich aber auch zunehmend an den Stängeln und den Blattoberseiten. Spätestens dann werdet ihr sie auch ohne genauere Überprüfung der Pflanze sehen können.

Im Folgenden möchte ich euch erläutern, wie die Blattläuse leben und auf welche Weise Blattläuse Chilis Schaden zufügen und anschließend nenne ich einige Maßnahmen, wie ihr sie loswerden könnt, ohne dass ihr dafür gleich die Chemiekeule schwingen müsst.

Lebensweise der Blattläuse

Die Größe einer Blattlaus beträgt 1 bis 7 Millimeter, wobei sie selten größer als 3 Millimeter groß sind. Weltweit gibt es ca. 5000 verschiedene Arten, von denen ca. 800 in Mitteleuropa beheimatet sind.

Meistens ist es die grüne Pfirsichblattlaus, die sich an unseren Chilipflanzen zu schaffen macht. Diese werden zwischen 1,8 und 2,5 mm groß. Sie befallen Chilis in der Regel in der Zeit von Mitte Mai bis September. Im Winter besiedeln sie lieber Bocksdorn, Pfirsich-, Aprikosen-, Schlehen- oder auch Apfelbäume.

Wenn Blattläuse Chilis befallen: grüne Pfirsichblattläuse an den Blattunterseiten einer Cayenne-Pflanze

Wenn Blattläuse Chilis befallen: grüne Pfirsichblattläuse an den Blattunterseiten einer Cayenne-Pflanze

Das Umsiedeln erfolgt über das Konzept, dass Blattläuse in der Lage sind, sowohl unbeflügelte, als auch beflügelte Nachkommen zu zeugen. Die unbeflügelten verlassen die Pflanze nicht, während die beflügelten in der Lage sind, davonzufliegen und auf anderen Pflanzen wiederum unbeflügelte Nachkommen hervorzubringen.

Die natürlichen Feinde der Blattläuse sind in erster Linie Marienkäfer, Raubwanzen, Ohrwürmer, Blattlausschlupfwespen und die Larven von Flor- und Schwebfliegen.

Ameisen hingegen machen sich die Blattläuse selbst zunutze. Die Ausscheidungen der Blattläuse – der sogenannte Honigtau (auch Meltau, nicht zu verwechseln mit Mehltau) – ist sehr zuckerhaltig und dadurch bei den Ameisen sehr begehrt. Sie ernähren sich davon und verhindern dadurch gleichzeitig, dass sich die Blattläuse selbst den Hintern verkleben oder sogar gar nicht mehr vom Fleck kommen. Gleichzeitig gewähren sie den Blattläusen im Gegenzug Schutz vor Fressfeinden. Damit die Läuse schön die Wirtsplanze für die Ameisen weiter „beweiden“, sondern sie einen Botenstoff ab, der die Blattläuse verlangsamt und gelegentlich beißen sie den beflügelten Läusen auch mal die Flügel ab, damit sie bloß nicht abhauen.

Wie greifen die Blattläuse Chilis an?

Der Honigtau entsteht dadurch, dass die Blattläuse mit ihrem Saugrüssel die Siebröhren des Blattes anstechen. Siebröhren sind unvollständig ausgebildete Zellen, in denen der gespeicherte Saft unter hohem Druck steht. Deswegen pumpt die Pflanze den Blattläusen den Saft eher in den Saugrüssel rein anstatt dass die Laus wirklich saugen müsste. Darüber hinaus gibt die Blattlaus noch mit ihrem Speichel Proteine ab, die einen schnellen Wundverschluss der Pflanze verhindern. [1]

Dadurch dass der Saft nicht sehr proteinhaltig ist, aber die Blattläuse auf ihre Proteine kommen müssen, bleibt eine große Menge Honigtau zurück. Den Zucker können die Blattläuse nämlich nicht verwerten, obwohl sie ihn mit aufgenommen haben. Er fehlt also unserem Chiligewächs und die Ameisen freuen sich. [2]

Der Honigtau ist sehr klebrig und kann auch unsere Möbel verkleben, sollte er einmal anfangen, von den Pflanzen zu tropfen. Außerdem bildet er Nährboden für diverse Pilze, die die Chilis befallen könnten. [3] Darüber hinaus sind die Blattläuse selbst auch bekannt als Überträger von Pflanzenviren. Wenn die Blattläuse also einmal weg sind, kann es sein, dass es unseren Chilis dann immer noch nicht wieder gut geht und sie noch ein ganz anderes Problem haben.

Daher steht nun die Frage im Raum, wie ihr sie beseitigen könnt, wenn sie sich einmal niedergelassen und verbreitet haben.

Blattläuse ökologisch bekämpfen

Bevorzugen solltet ihr alle zunächst einmal die ökologischen Methoden, da ihr ja eure Chilis möglichst bedenkenlos essen können wollt.

Als eine der effektivsten Methoden hat sich eine Mischung aus Wasser, Milch und Öl herausgestellt.  Dabei sorgt das Lecithin aus der Milch abtötend, in dem es sich in einer Dünnen Schicht über die Blattläuse legt und sie dadurch nicht mehr atmen können.[4] Das Öl wirkt auf ähnliche Weise. Der Effekt wird durch die Zugabe von Öl einfach nochmal verstärkt. Für die Behandlung der befallenen Pflanze(n) braucht ihr eine Sprühflasche und mischt darin 2 Teile Wasser auf einen Teil Milch. Am Schluss gebt ihr noch einen Schwups Öl hinzu und schüttelt die Flasche vor der Anwendung.

Für die Behandlung müsst ihr die Blätter von oben und von unten besprühen. Am besten macht ihr das morgens, damit sie den Tag über trocknen können. Dabei müsst ihr natürlich auch sicherstellen, dass die Chilis während der Behandlung nicht im vollen Sonnenlicht stehen, da sie sonst an den nassen Stellen verbrennen können. Bei starkem Befall solltet ihr den Vorgang alle zwei Tage durchführen bis sie alle weg sind.[5]

Außer dieser Mischung gibt es auch vegane Varianten wie zum Beispiel den Einsatz von Brennessel- oder Ackerschachtelhalmsud. Diese Mittel werden im Internet gerne hoch gepriesen, aber unterm Strich können sie einen Blattlausbefall maximal eindämmen. [6] Die in diesen Kräutern enthaltene Kieselsäure sorgt für eine Stärkung der Zellwände an den Pflanzen. Es wird also schwieriger für die Läuse, die Siebröhren anzustechen. Wie bereits erwähnt kann die Pflanze ihre Wunden nicht mehr so gut heilen, wenn die Läuse gesaugt haben. Daher ist bei starkem Befall auch dieses Mittel nicht mehr so erfolgsversprechend.

Vorbeugend könnt ihr es aber super zweimal die Woche einsetzen. Darüber hinaus wirkt es auch als Dünger. Ihr müsst den Sud in einem Eimer in einem Mischverhältnis von 1:5 mit Wasser vermengen. Wichtig ist dabei, dass ihr diese Mischung nicht mehr als 2 Tage ziehen lasst, weil es einen Zeitpunkt gibt, ab dem die Konzentration an Kieselsäure so hoch ist, dass eure Pflanzen Schaden davon nehmen können, wenn ihr sie damit besprüht. Den Sud müsst ihr vor der Verwendung noch einmal durch ein Sieb geben, sodass ihr eure Sprühflasche problemlos mit der Brühe befüllen könnt.[7]

Die natürlichste Methode, wenn ihr die Zeit dazu habt, ist, dass ihr Fressfeinden Nistplätze gewährt. Zum Beispiel könnt ihr einen Blumentopf mit Holzwolle füllen und dann verkehrt herum in der Nähe der Blattläuse aufhängen. Hierin fühlen sich die Ohrwürmer besonders wohl. Wenn sie einmal eingezogen sind und nisten, haben die Blattläuse nachts keinen Spaß mehr. Werden euch die Ohrenkneifer irgendwann zu lästig nachdem sie ihren Job erledigt haben, könnt ihr sie mitsamt dem Topf einfach wieder umsiedeln. [8]

Florfliegen könnt ihr mit Katzenminze anlocken [9], Schwebfliegen und Marienkäfer mit Blütenpflanzen, da sie sich von den Blütenpollen ernähren. [10]

Zugegebenermaßen würde ich die Ohrwürmer und Florfliegen nur in einem Garten anlocken, weil auf einem Balkon der Weg in die Wohnung nicht weit ist. Da wollt ihr nämlich auch keine Ohrwürmer beherbergen.

Die Blütenpflanzen hingegen helfen ja auch, genau die richtigen Tiere für die Bestäubung der Chiliblüten anzulocken. Von daher solltet ihr diese sowieso in der Nähe stehen haben.

 

Quellen