Autor: chiliput

Dampfdruckdefizit

In einem meiner vergangenen Beiträge habe ich bereits angekündigt, dass ich mich mit dem Dampfdruckdefizit noch einmal intensiver beschäftigen werde. Bei meiner Recherche ist mir aufgefallen, dass dieses Thema insbesondere in Hanfanbaukreisen viel diskutiert wird. Das ist verständlich, da hier ja auch sehr anspruchsvolle Pflanzen von der Polizei versteckt in Innenräumen aufgezogen werden. Um den Hanfpflanzen die optimalen Bedingungen bieten zu können, greift man auf die Daten zum Dampfdruckdefizit zurück.

In komplett nach außen abgedunkelten Räumen mit künstlicher Beleuchtung ist es auch am einfachsten umzusetzen, da die Luftfeuchtigkeit ohne schwankende Lichtverhältnisse gut konstant gehalten werden kann. Im Chilianbau müssen wir uns nicht vor der Polizei verstecken, weswegen wir lieber kostengünstig auf Fensterbänken und im Garten anbauen wollen – mit weit weniger oder, wenn es geht, ganz ohne künstlichem Licht.

Was ist mit dem Dampfdruckdefizit gemeint?

Das Dampfdruckdefizit, auch VPD (vapor pressure deficit) bezeichnet die Druckdifferenz zwischen dem vorherrschenden Dampfdruck und dem Dampfdruck, der bei 100% Luftfeuchtigkeit bei gleicher Temperatur erreicht wird. Die Werte werden meistens in Hekto- oder Kilopascal angegeben. Die Temperatur, die entscheidend ist, ist die des Blattes. Man kann sie mit einer Infrarotmessung ermitteln. Das Blatt sollte eins aus der obersten Blattreihe sein.

Was hat das Dampdruckdefizit nun in der Praxis mit Pflanzen zu tun?

Jede Pflanze, die Photosynthese betreibt, braucht dazu ihre Blätter. In den Blättern befinden sich Spaltöffnungen, auch Stomata genannt. Darüber nehmen sie das nötige CO2 auf. Ist jedoch der VPD-Wert zu hoch, heißt das, dass mehr Wasser aus den Blättern verdunsten würde als die Luft im Gegenzug an die Blätter zurückgibt. Um dem vorzubeugen schließen die Blätter ihre Stomata, um das Wasser nicht zu verlieren. Im Umkehrschluss bedeutet das jedoch, dass die Photosyntheseleistung zurückgeht und das Pflanzenwachstum dadurch gebremst wird.

Wenn der Wert über 3,5 kPa liegt, schließen die Stomata komplett ab und die Pflanze kann kein Wasser mehr verdunsten und keine Photosynthese mehr betreiben. Bei Werten unter 0,5 kPa ist die Luftfeuchtigkeit der Umgebung so hoch, dass das Blatt dadurch auch kein Wasser mehr durch Verdunstung abgeben kann, was unterm Strich auf dasselbe Ergebnis wie bei einem zu hohen VPD-Wert hinausläuft. Pilzbefall ist eine der daraus resultierenden Folgen.

Ideal für das Pflanzenwachstum sind Werte zwischen 0,8 und 1,2 kPa. Ein immer noch passabler Bereich ist zwischen 0,7 und 2,5 kPa. Im Wachstumsstadium sollte der Wert eher unter 1, in der vegetativen Phase um 1 herum und ab der Blütezeit über 1 liegen. [1] Bei kleineren Werten ist die Luftfeuchtigkeit geringer, was zwar gut für Keimbildung ist, jedoch keimen auch Sporen und andere Schädlinge besser, was unsere Pflanzen krankheitsanfälliger macht. Daher ist es besser, wenn die Umgebungsluft, wenn die Pflanze kräftiger wird eher Feuchtigkeit entzieht als abgibt, da unsere Pflanzen dann immer noch sehr gut zurecht kommen, aber ein heranwachsen für Schädlinge auf diese Weise erschwert wird. [2] [3]

Wie ich eingangs beschrieben habe, stammen die meisten VPD-Tabellen, die ihr im Internet finden könnt, aus dem Cannabisanbau, jedoch ist die Physik hinter der Berechnung unabhängig von der Pflanze. Daher könnt ihr davon ausgehen, dass ihr die in den Tabellen markierten Idealwerte nicht nur auf Hanfpflanzen, sondern genauso gut auf Chilis und jede andere Pflanze anwenden könnt.

VPD-Chart – der rote Bereich ist ist zu vermeiden, optimal ist der blaue Bereich. Quelle: DimLuxLighting.com

Obwohl die Zusammenhänge von Vegetation und dem VPD bereits lange bekannt sind, wird erst jetzt begonnen, verstärkt Technik und computergesteuerte VPD-Überwachung von Gewächshäusern einzusetzen. Euch kann ich das eher nicht empfehlen, da die notwendige Technik sehr teuer ist und es auch dann noch schwierig ist, die optimalen Werte zu erreichen. Allein in dunklen Indoor-Plantagen können die Werte gut relativ konstant gehalten werden, da äußere Einflüsse wie die Sonneneinstrahlung nur sehr verzögert Einfluss auf die Temperatur in diesen Bereichen hat und die Technik dadurch schnell genug reagieren kann.

Gerade die teure Technik sollte sich am Ende gegenüber dem Ernteertrag auch einigermaßen rechnen. Da für Cannabis auf der Straße vergleichsweise sehr hohe Preise gezahlt werden, wissen wir, warum das Dampfdruckdefizit ausgerechnet in der Cannabiswelt so bekannt ist. In der Botanik ist es eher ein Thema für wissenschaftliche Arbeiten, wobei sich auch die Verfasser von Klimastudien zur globalen Vegetationsentwicklung bereits auf die Aussagekraft des VPD stützen. [4]

Quellen

Schutz der Chilis vor Fressfeinden

In einem meiner letzten Beiträge habe ich darüber berichtet, wie Chilis uns schützen können – diesmal wird der Spieß einmal umgedreht und wir schauen, was ihr tun könnt, um eure Chilis zu schützen.

Die erste Frage, die sich uns stellt: Wer sind überhaupt die Fressfeinde?

Zugegebenermaßen sind nicht alle die Fressfeinde der Pflanzen, sondern teilweise auch einfach nur unsere Konkurrenz. Die Pflanzen wollen ja, dass ihre Früchte gegessen werden. Damit wir aber selbst auch reichlich davon abbekommen, müssen wir diese Tiere also auf Abstand halten. Die Tiere, die wir dabei im Blick haben müssen, sind die Schnecken, die Raupen und die Vögel. Bei den Schnecken und Raupen sind uns die Pflanzen aber für jeden Schutz dankbar, da sich diese sowohl die Früchte, als auch die Blätter gerne schmecken lassen.

Eine spanische Wegschnecke auf dem Weg zur nächsten Chilipflanze. Quelle: Wikipedia

Schnecken können Chilis auf über bis zu 50 Meter Entfernung weit riechen und machen sich zielgerichtet auf den Weg. In einer Nacht können sie 25 Meter zurücklegen, was zwar einem Schneckentempo entspricht, dieses aber weitere vorbeugende Maßnahmen erforderlich macht. Ein reines Absuchen des umliegenden Bereichs verbunden mit einer Umsiedlung der gefundenen Schnecken dürfte also viel zu mühselig sein, zumal das regelmäßig durchgeführt werden müsste und der Bereich viel zu groß ist. Bei den meisten deutschen Gärten müssten auch die Nachbargrundstücke überwacht werden…

Es gibt zum Glück auch andere Maßnahmen, die den Pflanzen die Schnecken vom Leib halten können. Dazu ist auch gut zu wissen, dass 90% aller Fressschäden an Pflanzen auf die spanische Wegschnecke zurückzuführen sind, wodurch manche Maßnahmen sich weniger eignen, auch wenn sie gegen alle anderen Schneckenarten helfen. Die spanische Wegschnecke ist nämlich eine sehr schleimige Nackschneckenart, die selbst den Hauptfressfeinden der Schnecken – den Laufenten und Igeln zu schleimig sind.[1] Daher führt die Suche nach Unterstützung durch eben diese Tiere nur bedingt zum Erfolg.

Blumentöpfe und Beetumrandungen können mit einem Schutzanstrich angestrichen werden, welcher die Oberfläche für die Schnecken zu glatt macht. Sie finden dann deutlich schlechteren Halt. Selbstklebende Kupferfolie bringt den gleichen Effekt.

Um die Chilis herum wächst am besten kein hohes Gras, sodass die Schnecken sich nicht darin verstecken können. Gleichzeitig empfiehlt sich der Einsatz von Hemmschwellen wie Sägespäne, Wolle, Kalk oder andere Barrieren, die von Schnecken nur schwer überwunden werden können.[2]

Ein möglichst sonniger Platz ist sowieso für die meisten Chilis wünschenswert. Wenn das gegeben ist, ist dieser Bereich für Schnecken umso weniger behaglich, da sie sich lieber in einem kühlen, dunklen und feuchten Umfeld aufhalten. Es ist also gut, wenn ihr statt abends morgens gießt, damit die Erde gerade dann, wenn es dunkel ist, auch am trockensten ist.[3]

Nicht zu verwechseln mit einer Eule – die Gemüseeule… Quelle: Wikipedia

Ein Kind der Gemüseeule – die Erdraupe der Gemüseeule. Quelle: Wikipedia

Raupen sind ebenfalls bekannt dafür, dass sie sich gerne durch Früchte durchfressen. Insbesondere die Raupen der Gemüseeule – einer in Europa weit verbreiteten Falterart – erfreuen sich ebenso wie wir besonders am Geschmack von Chilis. Damit die Raupen nicht auf unseren Pflanzen schlüpfen, kann es bereits helfen, mit Insektennetzen zu arbeiten. Denn diese Netze sind kein Ort für die Falter, auf denen sie ihre Eier ablegen würden. Auf diese Weise können sie zumindest für den Anfang erst einmal fern gehalten werden.

Eine weitere ökologische Möglichkeit, die Raupen von Chilis fernzuhalten, ist das gezielte Umsetzen der Raupen von den Chilipflanzen auf andere Futterpflanzen wie z.B. Brennnesseln. Auch der Boden um die Chilipflanzen herum sollte dabei gründlich abgesucht werden.

Am Ende müsst ihr alle selbst wissen, inwieweit der Aufwand der Maßnahmen tatsächlich im Verhältnis zum Grad des Schädlingsbefalls steht. Wenn ihr eine Raupe gefunden habt, müsst ihr noch nicht direkt alles umgraben. Wenn allerdings gar nichts mehr hilft und die Invasion ein Maß angenommen hat, das ihr nicht mehr kontrollieren könnt, so führt kein Weg an Pheromonfallen zur Verhinderung einer Paarung durch die Nachteulen oder dem Aufspritzen von Bacillus-thuringiensis-Präparaten gegen den massiven Raupenbefall als allerletztes Mittel vorbei. Ein Ökosiegel würdet ihr in diesem Fall aber nicht mehr für eure Chilis erhalten.[4][5]

Sieht einer Eule schon ähnlicher als die Gemüseeule, aber ist in diesem Fall ein Spatz. Er hat wie die anderen heimischen Vögel kein nennenswertes Interesse an unseren Chilis mit einigen Ausnahmen. Quelle: Wikipedia

Jeder, der sich bereits etwas näher mit dem Thema Chilis auseinandergesetzt hat, weiß bereits, dass die Natur vorsieht, dass die Vögel die Chilis essen sollen, um sie dann zu verbreiten. Tatsächlich ist dieser Effekt in Deutschland allerdings bei unseren heimischen Vogelarten kaum zu beobachten. Ich für meinen Teil hatte noch nie den Fall, dass ein Vogel sich an meinen Chilis zu schaffen gemacht hat und auch wenn ich die deutschen Foren nach diesem Thema durchforste, ergibt sich die Erkenntnis, dass eher die Zuchtvögel wie Hühner oder Papageien als unsere Wildvögel interessiert an diesen Beeren sind. Das kann daher kommen, dass Chilis in Deutschland selbst nur Zuchtpflanzen sind und daher unseren wildlebenden Vögeln fremd sind. Einzig die ganz kleinen Chilisorten und die nach oben wachsenden Chilis scheinen für unsere Vögel interessant zu sein.

In diesem Fall helfen natürlich auch wieder Netze bestens, aber auch die Aufzucht der Chilipflanzen in einem Gewächshaus hält die Vögel reichlich auf Abstand. In den meisten Fällen braucht ihr euch aber keine Sorgen wegen der Vögel zu machen. Die haben andere Vorlieben wie Insekten, Würmer und Körner. Bleibt nur zu hoffen, dass sie uns noch genügend Bienen übrig lassen.

Quellen

Osterupdate

Frohe Ostern euch allen!

Bei Instagram konnte ich bereits viele beeindruckende Bilder von Chilipflanzen sehen, die bereits eine stattliche Größe erreicht haben. Glückwunsch an alle, die im Zeitplan liegen oder ihm sogar voraus sind mit der Zucht!

Bei mir lief es dieses Jahr allerdings leider alles andere als gut. Ich bin daher aktuell dabei, meine Fehler zu analysieren, um es nächstes Jahr besser zu machen. Daran möchte ich euch gerne teilhaben lassen, denn aus Fehlern kann man ja bekannterweise lernen.

Was ist überhaupt passiert?

Seit dem letzten Update leider tatsächlich nicht viel, was das weitere Wachstum betrifft. Dafür sind mir allerdings jede Menge Chilipflanzen aus meinem Kokossubstrat vertrocknet als wir ein Wochenende lang unterwegs waren. Ich habe bis dahin fast täglich gegossen, aber dafür immer nicht so viel. Vor dem Wochenende habe ich den Pflanzen extra etwas mehr Wasser verabreicht, aber vermutlich habe ich dabei die Speicherkapazität des Kokossubstrats überschätzt.

Als wir Anfang März über vier Tage weg waren, habe ich überall extraviel gegossen, wodurch es allen Pflanzen gutging als wir zurückkamen. Damals war auch die Abdeckhaube oben drauf. Diesmal war es so, dass wir einen Tag weniger unterwegs waren und ich zum einen nicht ganz so viel gegossen habe, aber auch die Abdeckung fehlte. Ich denke also, ich hätte dieses Massensterben verhindern können, wäre ich mit dem Kokossubstrat bereits vertrauter gewesen. Ich habe diesen Nachteil des Kokossubstrats, dass es sehr wenig Wasser speichern kann, auch in meinem Beitrag zur Aussaaterde beschrieben und obwohl ich diese Info vorab kannte, ist es mir trotzdem ausgetrocknet. 

Tatsächlich ist dieses Jahr das erste Mal, dass ich alle Chilis in anderer Aussaaterde als bisher angezogen habe. Was am Anfang wie gewohnt lief mit relativ schneller Keimung, auch wenn mit niedrigerer Keimrate als die Jahre zuvor, entwickelte sich nach etwa vier Wochen abweichend zu dem, was ich bisher kannte. Das Wachstum kam bei den meisten Pflanzen nach Bildung des ersten Blattpaares zum Stillstand.

Zuerst dachte ich, dass die Pflanzen ihr Wurzelsystem in der Zeit weiter ausbauen würden. Ende April habe ich dann mithilfe von Internetrecherche festgestellt, dass die Aussaaterde und das Kokossubstrat, das ich verwendet habe, deutlich weniger vorgedüngt waren als die Aussaaterde, die ich über die letzten 5 Jahre immer verwendet habe. Diesen Aspekt hätte ich also im Voraus abchecken müssen, was ich nicht getan habe. Daher hinke ich nun ziemlich hinterher mit meinen Chilis.

Meine erste Maßnahme, dort gegenanzusteuern, war der Einsatz von Chilidünger. Möglicherweise hätte ich etwas intensiver düngen können, aber ich wollte auch nicht zu viel düngen, weil ich nicht wusste, ob ich am Ende den Wurzeln schaden würde. Leider hat das Düngen nicht den gewünschten Effekt gehabt, sodass ich mich nun dazu entschieden habe, einfach sämtliche Sprösslinge in richtige Blumenerde – genauer gesagt Tomaten- und Gemüseerde – umzutopfen. Auch wenn die Pflanzen noch weit vor der Bildung des zweiten Blattpaares stehen, sehe ich doch noch eine Chance für viele dieser Pflanzen, endlich wieder einen Wachstumsschub hinzulegen.

das ist die Erde, in der von nun an alle meine Chilis gedeihen bzw. gedeihen SOLLEN

Beim Umtopfen konnte ich feststellen, dass viele dieser Chilis, die nur ein bis zwei ganz kleine Blätter haben, zumindest einigermaßen gut Wurzeln ausbilden konnten. So hoffe ich jetzt einfach, dass die neue Erde nun zu einem ordentlichen Wachstumsschub beitragen kann. Die roten Habaneros, die schon zu Beginn extrem in die Länge gewachsen sind, habe ich nun alle tiefer gesetzt.

die kleinsten Exemplare haben gerademal damit begonnen, das erste echte Blattpaar auszubilden. Seit 5 Wochen ist hier jedoch Stillstand…

gleiche Situation wie oben, nur immer noch mit Keimblättern…

die Naga Viper haben bisher die größten Blätter ausgebildet, sind aber immer noch meilenweit entfernt von der Sollgröße für diesen Monat…

Auch das ist ein Naga Viper. Obwohl er mein größter Zögling ist, ist er leider trotzdem (noch) kein Vorzeigemodell.

neben den hier abgebildeten Pflanzen stehen noch weitere auf meiner Fensterbank. Es sind also immer noch mehr als genug Pflanzen für den Platz, den wir haben – unter der Annahme, dass sie alle so groß und stark werden wie die Fataliipflanzen links im Bild. Nicht wundern: rechts unten ist ein stark beschnittener Fatalii zu sehen, also leider auch keine größere Jungpflanze.

Welchen Einfluss hatte der Schaden auf die Chilivielfalt?

besonders bitter ist leider, dass es nicht nur viele Pflanzen erwischt hat, sondern dass dabei auch zwei weitere Sorten für diese Saison aus dem Rennen sind. Die gelben Habaneros und Chiltepin sind Sorten, die ich nächstes Jahr in einem neuen Anlauf noch einmal anbauen muss. Übrig sind nur noch Cayenne long slim – wohlgemerkt die Sorte, die am besten mit den Rahmenbedingungen bisher klarkam (ist ja auch die einzige der Art Capsicum annuum) – Giant Rocoto (der einzige Capsicum pubescens), Naga Viper und Habanero red.

Was ist mit den überwinterten Fatalii?

Meine Fatalii freuen sich über die helleren Tage und blühen bereits. Wenn ich Glück habe, gibt es dann schon im Frühsommer die erste Ernte. Da es aber noch sehr kalt draußen ist, kann ich die Chilis nicht rausstellen und muss die Blüten von Hand bestäuben. Dafür verwende ich einen feinen Kosmetikpinsel von meiner Freundin. Bisher bilden die Blüten allerdings alle noch keine Früchte aus, von daher werde ich den Vorgang noch ein paarmal wiederholen dürfen.

zwei Fataliiblüten, die darauf warten, bestäubt zu werden

Abschließend kann ich also sagen, dass viel passiert ist, aber ich bin guter Dinge, dass sich das nun alles langsam einrenken wird und unsere große Ernte dieses Jahr nicht ausfallen muss, auch wenn sie vielleicht dann erst später im Jahr erfolgen kann. Vorher kann ich mich aber an meinen blühenden Fatalii erfreuen, die mir wiederum eine frühzeitige Zwischenernte ermöglichen könnten.


Einsatz von Chilis zur Selbstverteidigung

Chilis geben unseren Speisen das gewisse Etwas. In so gut wie jeder Küche finden wir sie in Pulverform, getrocknet oder in einer Sauce wieder. Heute soll es einmal um die Bedeutung von Chilis in einem ganz anderen Bereich gehen – der eigenen Sicherheit.

Pfefferspray

Beginnen wir mit dem Pfefferspray, dem wohl bekanntesten Beispiel. Einige von euch werden es sogar selbst zu Hause haben. Die Funktionsweise ist dabei ziemlich selbsterklärend. Wenn ein Angreifer uns attackiert, können wir uns damit behelfen, ihm Pfefferspray ins Gesicht zu sprühen. Wer sich schon einmal aus Versehen mit den Händen, mit denen kurz zuvor noch scharfe Chilis geschnitten wurden, an den Augen gerieben hat, kann in etwa erahnen, welcher Schmerz damit verbunden ist, wenn eine größere Menge Capsaicin direkt auf unsere Augen trifft.

Eine vorübergehende ggf. stundenlange Erblindung und Langzeitschäden an der Hornhaut können die Folge sein. Darüber hinaus gelangt auch Capsaicin in die Nase und greift die Atemwege an. Für Asthmatiker, Herzpatienten und Leute, die unter Einfluss von Kokain stehen, kann die Situation, wenn der Wirkstoff in die Lunge gelangt, tödlich enden.[1] Aber auch sonst kann der Angreifer Atemnot und Herzrasen erleiden.

Daher lautet meine Empfehlung für die potentiellen Angreifer, auf keinen Fall Leute zu überfallen; erst recht nicht dann, wenn ihr Asthmatiker oder Herzpatienten seid oder unter Einfluss von Kokain steht.

Das ursprüngliche Einsatzziel von Pfefferspray sollte die Selbstverteidigung gegen Tiere sein.[2] In den USA und Kanada wird es beispielsweise zur Selbstverteidigung gegen Bären empfohlen. Es soll wesentlich wirksamer als der Einsatz von Schusswaffen sein.[3]

Verteidigung gegen Elefanten

Die Verteidigung gegen Tiere ist auch in ferneren Kulturen sicherheitsrelevant für gesamte Dörfer. In Indien und Afrika stellen Elefantenüberfälle eine ernstzunehmende Bedrohung dar. Es gibt zwei gängige Methoden, um Dörfer gegen Elefanten abzusichern. Die erste Methode ist der Bau von Chilifackeln, die zweite Methode ist das Chiliseil. Umliegende Felder werden von Leuten bewacht, die mit Chilikanonen bewaffnet sind.

Chilifackeln sind im Prinzip Strohfackeln, nur dass dem Stroh noch sehr scharfe Chilis wie z.B. Bhut Jolokia, beigelegt werden. Werden diese Fackeln angezündet, entsteht ein beißender Geruch, der Elefanten abschreckt und fernhält. Ebenso funktioniert das auch mit anderen Methoden, wie z.B. zerriebenen Chilis, die mit Elefantenkot und Wasser vermengt werden und zu Haufen mit einer Mulde geformt werden. In die Mulde wird ein glühendes Stück Kohle gelegt, wodurch ebenso ein beißender Geruch in der Umgebung verteilt wird.[4]

Für das Chiliseil wird ein Seil in einem Gemisch aus gemahlenen Chilis und Schmierfett getränkt und dann um das Dorf herum wie ein Stromzaun aufgespannt. Obwohl es sich hierbei lediglich um ein Seil handelt, das aus rein statischer Betrachtung nicht einmal einen Babyelefanten aufhalten könnte, reicht der Geruch aus, um die Elefanten zur Umkehr zu bewegen, ohne dass sie das Seil berühren.[5]

Können die Dörfer noch mit relativ überschaubarem Aufwand regelmäßig mit neuen Fackeln und Seilen nach außen hin abgesichert werden, gestaltet sich dies auf großen Feldern deutlich schwieriger. Die Grenzlinien sind wesentlich länger, was einen erhöhten Material- und Personalaufwand bedeuten würde, wenn hier dieselben Methoden wie zur Dorfabsicherung zum Einsatz kämen. Deshalb werden die Felder stattdessen von patrouillierendem Personal bewacht, das mit Chilikanonen ausgestattet ist. Chilikanonen sind Handfeuerwaffen mit einer Reichweite von ca. 30 Meter. Sie schießen Kugeln ab, die mit Chiliölextrakt gefüllt sind und beim Aufprall zerplatzen. Wird ein Elefant getroffen, schlägt es ihn in die Flucht.[6]

Wie ihr seht, gibt es Wege, sich vor Gefahren durch Tiere zu schützen, ohne sie dabei umbringen oder ihnen bleibende Schäden zufügen zu müssen. Chilis tragen somit einen wichtigen Beitrag dazu bei, die eigene Sicherheit unter Berücksichtigung des Artenschutzes bewahren zu können.

Quellen

Was tun, wenn wir zu scharf gegessen haben?

Diese Frage haben wir uns alle schon einmal gestellt. Auch wenn wir meinen, die Antwort zu kennen, kommt es doch immer wieder zu Situationen, in denen keine Milch im Kühlschrank steht.

Der zweitschärfste Chili der Welt: Trinidad Moruga Scorpion mit knapp 2 Mio. Scoville

Es gibt viele Möglichkeiten, die über die verschiedensten Mechanismen den Schärfeschmerz lindern können. Wenn ihr diesen Artikel bis zum Schluss gelesen habt, wisst ihr in jeder Situation, welche Möglichkeiten euch wirklich alle zur Verfügung stehen, um euch oder anderen zu helfen.

Fangen wir mit dem bekanntesten Prinzip an: Fett

Capsaicinoide wie Capsaicin bestehen chemisch betrachtet aus einer Vanilloidgruppe, einer Peptidbindung und einer Fettsäure. Die Vanilloidgruppe löst den Hitzereiz aus, die Fettsäure führt zu der wasserabweisenden Eigenschaft. Gleichzeitig kann diese Fettsäure sich aber sehr gut an andere Fette binden, wodurch auf der anderen Seite die Vanilloidbindung an den Rezeptor gestört wird. Entsprechend lässt der Schmerz nach.

Wirksam sind demzufolge fetthaltige Produkte wie Milch oder Kakao, Milcheis, Käse, Joghurt, Quark, Öl, Margarine, Butter, Mayonnaise, Kokosmilch oder fettiges Fleisch. Je höher jeweils der Fettgehalt in den Produkten ist, umso besser. Weicher Käse ist besser geeignet als harter, da Hartkäse sich nicht so leicht verteilt.

Neben Fett wirkt auch Casein – das Protein aus Milchprodukten – capsaicinbindend. Das spricht ebenso für die bereits erwähnten Produkte Milch, Kakao, Milcheis, Käse, Joghurt und Quark. Es erklärt auch, wieso ihr nicht unbedingt eine Vollmilch haben müsst. Genauso zeigt auch fettarme Milch ihre Wirkung. Trotzdem gilt natürlich in beiden Bereichen – dem Fettgehalt und dem Caseingehalt: viel hilft viel.

Der dritte bekannte Capsaicinbinder ist Alkohol. Schade nur, dass Alkohol auch eine andere Wirkung hat, die uns die Verwendung im Alltag nicht immer möglich macht. Aber auch nach der Arbeit sind abhängig von der Schärfe des Essens schnell einige Zentiliter Schnaps nötig, um wirklich genug Schärfe zu binden. Neben der Wirkweise als Capsaicinbinder und Zellgift wirkt Alkohol auch betäubend, was der Effizienz zur Schmerzbekämpfung zugutekommt. Dasselbe gilt auch für Hopfen. Daher könnte unter Umständen auch ein Bier helfen, wenn ihr nicht ganz so viel Alkohol trinken wollt. Auch in alkoholfreiem Bier ist Hopfen enthalten.[1]

Wo wir vom Prinzip der Schmerzlinderung durch Beruhigungsmittel in Lebensmitteln sprechen, stelle ich euch hier meinen Geheimtipp für euch vor: Chinin.

Chinin ist Bestandteil von bitteren Getränken wie Bitter Lemon und Tonic Water. Chinin wirkt leicht lokal betäubend.[2] Im Rahmen einer Party würde sich an dieser Stelle auch Gin-Tonic anbieten. Dann hättet ihr den capsaicinbindenden Effekt von Alkohol mit den schmerzlindernden Effekten von Alkohol und Chinin kombiniert. Ein weiterer entscheidender Bestandteil in Bitter Lemon und Tonic ist Zucker. Zucker lenkt unsere Wahrnehmung auf den süßen Geschmack und hebt die Schmerzschwelle unserer Rezeptoren signifikant an.[3] Auch andere süße Lebensmittel können also schmerzlindernd wirken.

Weißbrot hilft aufgrund seiner Struktur, die an einen Schwamm erinnert. Wir entwickeln viel Speichel, wenn wir Weißbrot essen. Dadurch saugt es sich damit voll, aber nimmt dabei auch das Capsaicin auf, das es von unseren Schleimhäuten kratzt. In Kombination mit einem capsaicinlöslichen Stoff kann ein recht gutes Ergebnis erzielt werden. In Fachkreisen wird ein ungetoastetes Toastbrot mit Mascarpone empfohlen, da Mascarpone einen besonders hohen Fettgehalt hat.[4]

Extrem scharfes Essen

Bei extrem scharfem Essen, wie zum Beispiel dem Verzehr einer puren Habanero oder einer noch schärferen Schote, solltet ihr euch nur auf eine kleine Auswahl von Methoden beschränken, wenn es euch möglich ist. Es gibt zwei Besonderheiten, die hier zum Tragen kommen: Einmal haben wir mehr Capsaicin im Mund als unsere Rezeptoren überhaupt noch aufnehmen können und außerdem kann sich extrem scharfes Essen auch im Magen bemerkbar machen. Dies geschieht in Form von sehr unangenehmen Magenkrämpfen, die über Stunden andauern können.

Zum ersten Punkt kann ich euch persönlich von den meisten flüssigen Substanzen eher abraten. Durch die enorme Menge an Capsaicin in der Mundhöhle werdet ihr nicht alles Capsaicin binden können und verteilt die Schärfe eher noch weiter, wie wenn ihr Wasser trinken würdet. Wenn ihr sehr viel auf einmal trinken könnt, mag dieser Einwand ggf. ungerechtfertigt sein 🙂

Ganauso spricht nichts dagegen, wenn ohnehin bereits alles brennt, unter laufendem kalten Wasser am Wasserhahn den vorderen Teil der Zunge zu spülen. Solange das kalte Wasser an den Schleimhäuten und an der Zunge kalt ist, setzt das Hitzeempfinden aus, da dieselben Rezeptoren nun stattdessen den Kältereiz übermitteln. Eine Lösung ist das nicht, aber es verschafft euch sowas wie eine Pause.

Das Problem mit dem Magen ist in der Regel erst so weit verzögert, da brennt es schon gar nicht mehr im Mund. Wenn es soweit ist, dass sich der Magen verkrampft, kann immer noch Tee oder ähnliches helfen. Damit es aber gar nicht so weit kommt oder zumindest nur in abgemilderter Form, solltet ihr Weißbrot, süße und saure Lebensmittel und gesättigte Fettsäuren so weit es geht meiden![5][6]

Die Magenkrämpfe entstehen durch die Bildung von Histamin in unseren Mastzellen. Dazu habe ich bereits neulich einen Beitrag veröffentlicht. In der Magenschleimhaut kommen sehr viele Mastzellen vor, wodurch der Körper hier sehr viel Histamin ausschütten kann. Der Magen reagiert auf Histamin mit einer übermäßigen Produktion von Magensäure und erhöhter Muskelaktivität, was wiederum zu den besagten Magenkrämpfen führen kann. Die eben genannten Lebensmittel würden die Magensäureproduktion noch weiter ankurbeln, was kontraproduktiv wäre.

Gesucht sind also unterm Strich Lebensmittel, die viele pflanzliche Fette oder viel Casein enthalten. Alkohol, gesättigte Fettsäuren und Weißbrot und alles flüssige wird ausgeklammert. Pure Margarine wäre optimal, aber für den Großteil von euch und auch für mich ungenießbar. Tatsächlich empfehlenswert sind unter diesen Gesichtspunkten nur fettarme kaseinhaltige Milchprodukte wie Quark, Skyr oder Hüttenkäse, da diese zu keiner erhöhten Magensäureproduktion führen und zeitgleich Capsaicin binden, ohne es zu verteilen.

Wenn es komplett unerträglich sein sollte und ihr das alles nicht da habt, könnt ihr natürlich auch in diesem Fall auf die fetthaltigen, nicht flüssigen Produkte oder das Weißbrot zurückgreifen, aber solltet euch dann sehr gut überlegen, ob ihr das dann runterschlucken oder besser wieder ausspucken wollt. Der Nachhaltigkeit zuliebe würde ich hierzu nur im absoluten Notfall raten.

Wenn ich unterwegs bin und ich habe gar nichts zur Hand, womit ich den Schmerz lindern kann, kann auch „einfach Ausharren“ eine Methode sein. Oft brennt nur ein bestimmter Teil unserer Zunge in besonderem Maße und wenn 5 bis 10 Minuten um sind, ist der Schmerz bereits sehr viel schwächer und gut erträglich geworden. Mit dem Wissen im Hinterkopf, dass das eine überschaubare Zeitspanne ist, lässt es sich auch einigermaßen ertragen.

Wichtig ist prinzipiell immer beim sehr scharfen Essen – insbesondere, wenn wir nicht wissen, wie scharf es wirklich wird – bewusst zu atmen. So könnt ihr verhindern, dass ihr Schluckauf bekommt und insbesondere auch keine Atemnot zu erleiden habt.

Quellen

Inventur: Wie viele Pflanzen sind diese Saison dabei?

Die Aussaat liegt bereits 31 Tage zurück, also einen guten Monat. Zeit also, ein erstes Fazit zu ziehen. Wie ich in einem anderen Beitrag schon erwähnt habe, kann immer noch eine Überraschung auch noch später folgen, aber der Großteil der keimfähigen Samen dürfte nun gekeimt haben.

Ich habe in unregelmäßigen Abständen ab und an die Bodentemperatur gemessen, die immer im Bereich von 25 bis 28,5°C lag. Die großen Anzuchtkästen auf den Heizmatten sind etwas kühler (24-26,5°C), die kleinen Anzuchtkästchen auf der Heizplatte wärmer (26-28,5°C). Die kühleren Temperaturen liegen am Rand, die wärmeren mittig. Festzuhalten ist, dass das gesamte Spektrum der bei mir vorherrschenden Temperaturen im Temperaturbereich liegt, in dem Chilisamen zu keimen beginnen.

Leider kam trotz allem nicht die erhoffte Keimrate zustande. Ich gehe davon aus, dass ich kein gutes Saatgut hatte für die Sorten Habanero yellow, 7 Pot Brain Strain red, Bhut Jolokia orange und Vicentes Sweet Habanero. Von all diesen Sorten kamen genau zwei Keimlinge der Habanero yellow raus, während ich bei den anderen drei Sorten wohl in der nächsten Saison wieder mein Glück von Neuem werde versuchen müssen. Leider ist auch die eine gelbe Habanero am vergangenen Wochenende ausgetrocknet, als vier Tage lang urlaubsbedingt niemand zu Hause war. Alle anderen haben es überlebt.

Der gelben Habanero geht es nicht mehr so gut

Am schnellsten kamen zu Beginn die roten Habaneros zum Vorschein. Sie haben sich allerdings seitdem zu sehr auf ihrem anfänglichen Vorsprung ausgeruht, sodass sie immer noch kein ausgebildetes erstes Blattpaar haben. Hier sind stattdessen mittlerweile die Cayenne long slim die Vorreiter. Auch ein Exemplar der Naga Viper hat bereits ein erstes Blattpaar entwickelt. Ich kann aber auch berichten, dass der Ansatz der ersten Blätter schon bei sehr vielen Chilis zu beobachten ist. Vom Cayenne sind 13 Samen gekeimt, vom roten Habenero 10 und 6 Pflanzen der Naga Viper haben es geschafft.

Mir fiel auf, dass die ersten Keimlinge in der Aussaaterde kamen, also in den kleinen Anzuchtkästchen mit der tendenziell höheren Temperatur. Die Sortenvielfalt  und die Keimrate ist aber letztendlich in den großen Anzuchtkästen mit den Kokosquelltabletten und etwas niedrigerer Temperatur größer. Aus der Erfahrung der letzten Jahre hatte ich sonst eigentlich immer eine sehr gute Erfolgsrate mit der Aussaaterde.

Ich werde demzufolge wohl nächstes Jahr bei der Aussaat wieder Löcher bohren, die Samen hineinlegen und die Erde darüber zusammenschieben. Dieses Jahr hatte ich ja eine komplette Erdschicht drübergestreut und angedrückt. Ich kann mir gut vorstellen, dass dadurch der Samen fester unter der Erde liegt und weniger Sauerstoff an ihn herankommt, was die Keimerfolgschance verringert. Im Laufe des Monats habe ich allerdings auch nachträglich den Boden zwischendurch nochmal etwas aufgelockert und da tut sich leider immer noch nichts. Die roten Habaneros haben allerdings eine 100%ige Keimrate in der Aussaaterde, was bedeutet, dass es bei gut erhaltenem Saatgut eigentlich egal sein sollte.

Überalterung, Feuchtigkeit oder andere äußere Beanspruchungen bei Lagerung oder Transport könnten die Ursache für nichtkeimfähiges Saatgut sein. Dass die Samen allesamt von reifen Früchten stammen, davon gehe ich aus bei dem Lieferanten. In der Vergangenheit habe ich auch immer alle meine Samen dort bestellt und hatte bisher nur einmal den Fall, dass eine Sorte nicht rausgekommen ist.

Wo wir gerade bei der Keimrate sind: Von den 12 roten Habaneros sind alle sechs in Der Aussaaterde und 4 von 6 im Kokossubstrat aufgegangen. Von der Naga Viper wächst nur eine in der Aussaaterde und 5 im Kokossubstrat. Die gelben Habaneros sind auch aus dem Kokossubstrat gekommen. Den Nachteil, dass das Kokossubstrat nicht so viel Wasser speichern kann wie die Aussaaterde, hat die eine von denen leider am eigenen Leib zu spüren bekommen 🙁

Zum Schluss will ich auch die 3 Chiltepinkeimlinge nicht unerwähnt lassen. Die sind ebenso alle im Kokossubstrat gewachsen. Hierbei will ich noch anmerken, dass nicht alle Keimlinge eine vielversprechende Figur abgeben, aber alles, was draußen ist, zählt erstmal.

Leicht unterentwickelt sieht dieses Exemplar aus. Allerdings kann man einen Ansatz von Blättern erkennen, weshalb ich positiver Dinge bin, dass das noch etwas wird mit diesem Chiltepin

Außerdem ist auffällig, dass die anderen beiden Keimlinge wohl eine emotionale Verbindung zu ihrer Samenschale aufgebaut haben, dass sie die immer noch mit sich herumtragen. Eine der Pflanzen bildet bereits ihr erstes Blattpaar aus, während die Samenschale die Keimblätter immer noch zusammenhält. Die Pflanze aus meinem Beitrag zum Thema Keimvoraussetzungen hält ihre Samenschale noch immer mit der letzten Ecke ihres einen Keimblatts weiter fest.

Meine Giant Rocotos haben es auch zu dritt ans Licht geschafft. Bei denen und bei den Cayenne-Pflanzen ist jedoch keine Tendenz zu erkennen, in welchem Substrat sie sich besser entwickeln konnten.

Die überwinterten Fataliis konnten leider auch nicht alle überleben. Es gab einen Pilzbefall und ich habe die Pflanzen auf unterschiedliche Weise behandelt. Zwei sind dadurch aus dem Rennen und drei hab ich noch. Genaueres dazu werde ich zu einem späterem Zeitpunkt schreiben, wenn ich die Entwicklung der noch lebenden Pflanzen noch länger beobachtet habe.

Unterm Strich habe ich 36 Keimlinge und 3 Pflanzen. Von den Keimlingen haben 14 bereits ein erkennbares erstes echtes Blattpaar. 10 davon sind Cayenne, 2 Naga Viper, eine ein Chiltepin und die letzte ein Giant Rocoto. Die meisten anderen lassen zumindest einen Ansatz eines ersten Blattes erkennen.

Das Team „Cayenne long slim“ zeigt, wie es geht. So weit entwickelt ist sonst keine andere Sorte bisher.

5 Keimlinge sehen in meinen Augen noch etwas verkümmert aus. 4 davon sind Cayenne – davon habe ich eh genug notfalls – und einer der bereits angedeutete Chiltepinkeimling. Auf der anderen Seite sind ein Naga-Viper-Keimling und alle roten Habaneros etwas vergeilt, was für zu viel Wärme bei wenig Licht spricht. Deswegen lasse ich die Deckel der Anzuchtkästen jetzt erstmal weg. Vergeilt sagt man, wenn Pflanzen sehr lang, aber wenig kräftig gewachsen sind und dadurch drohen umzuknicken. Beim Pikieren kann ich die Stängel aber dann tiefer im Boden einsetzen und dann ist das in dem frühen Stadium noch nicht ganz so kritisch. Wenn es soweit ist, dass die Jungpflanzen umgesetzt werden, gibt es sowieso wieder einen neuen Beitrag von mir dazu.

Lang und dünn: Ein Habanero muss bereits Hilfestellung geben, dass sein Artgenosse nicht umkippt.

Soweit der aktuelle Stand. Ich hoffe also, dass mir zumindest die Sorten, die hier jetzt bereits am Wachsen sind, auch alle über die Saison hinweg erhalten bleiben.

Wieso sind Chilis scharf und wie machen sie uns glücklich?

Chilis sind scharf. Jedenfalls die meisten. Die einen mehr, die anderen weniger. Warum Chilis überhaupt scharf sind und wieso sich bei einigen das Pepper-High einstellt, möchte ich euch gerne aus biologischer Sicht beantworten.

Vermutlich habt ihr schon alle einmal vom Capsaicin gehört, aber wenn man es hier genau nehmen will, ist Capsaicin nur einer der Hauptvertreter der Capsaicinoide, die den Chilis ihre Schärfe verleihen. Es gibt noch eine große Menge weiterer Capsaicinoide, aber die wichtigsten anderen sind bei Chilis Dihydrocapsaicin und Nordihydrocapsaicin.

Diese drei Stoffe sind die, die entscheidend zur Gesamtschärfe einer Chili beitragen, während die anderen eine zu vernachlässigende untergeordnete Rolle spielen.[1] Alle haben gemeinsam, dass sie in ihrer chemischen Struktur Vanilloide sind, also eine Vanilloidgruppe enthalten. Mit der Vanilloidgruppe können sie an unseren Vanilloidrezeptoren TRPV1 (Transient Receptor Potential Vanilloid 1) andocken. TRPV1 ist ein Protein, das sich in der Membran der Schmerzrezeptoren befindet und so groß ist, dass es dicker als die Membran selbst ist.[2] Schmerzrezeptoren sind Endigungen von Nervenfasern, die thermische, chemische und mechanische Reize über elektronische Signale ans Rückenmark weiterleiten. Sie werden auch als Nozizeptoren bezeichnet.

Aufgrund ihrer Größe können 4 TRPV1-Einheiten zusammen einen Ionenkanal bilden, durch den bei Stimulation Kationen von außen in die Nervenzelle gelangen.[3] Den Ionenkanal könnt ihr euch als ein Loch in der Membran vorstellen. Wenn dass passiert, wirken die Kationen depolarisierend auf die Nervenzelle und als Reaktion sendet sie ein Signal in das Hinterhorn im zentralen Nervensystem. Von dort wird das Signal weiter an unser Gehirn geleitet. Erst dadurch merken wir selber, dass es brennt.

TRPV1 kann aktiviert werden, wenn das Essen zu sauer (pH <6) oder zu heiß (>42°C) ist, aber reagiert genauso, wenn Capsaicinoide andockenAuch das Alkaloid Piperin, das wir aus schwarzem Pfeffer kennen, wirkt auf denselben Schmerzrezeptor, jedoch deutlich schwächer.[4] Die Schärfe von Ingwer, Zwiebeln, Senf, Knoblauch und Wasabi wirkt auf andere Rezeptoren im Körper.

Neben dem Hitzesignal schüttet der Nozizeptor als Reaktion auf den Kationenstrom Substanz P aus – ein Neuropeptid, das Schmerzen bei uns auslöst.[5][6]

Wie vermittelt uns Substanz P, dass wir Schmerzen haben?

Unser Bindegewebe besteht aus ortsansässigen Zellen und freien, mobilen Zellen. Zu den mobilen Zellen gehören unter anderem auch die Mastzellen. Diese speichern unter anderem Histamin, was bei Kontakt von Substanz P mit der Zelle freigesetzt wird.[7] Histamin ist ein Hormon, dass in unserem Körper bewirkt, dass sich die Blutgefäße weiten und dadurch mehr Blut an den betroffenen Stellen fließt. Dabei sorgt es für die üblichen Entzündungsreaktionen wie Hautrötungen und eine höhere Empfindlichkeit der betroffenen Stellen.[8] Durch die erhöhte Durchblutung wird es hier auch tatsächlich wärmer.

Außerdem dockt auch das Histamin wieder an unserem Nozizeptor an, jedoch an einem anderem Rezeptor – einem, der keine Hitze-, sondern Schmerzsignale auslöst. Entsprechend kommt bei uns immer erst das Signal für Hitze und verzögert das Signal für Schmerzen bei uns an.[9]

Essen wir wiederholt Chilis oder andere capsaicinhaltige Speisen oder Saucen, dann gewöhnen wir uns an diesen Schmerz. Allerdings gewöhnen sich genauer gesagt unsere Nozizeptoren, denn sie schütten bei regelmäßiger Stimulierung immer weniger Substanz P als Reaktion aus, dafür dann aber umso mehr körpereigene Opioide wie z.B. Endorphine.

Die Opioide sind der Grund für das Pepper-High, also die Euphorie, die sich bei sehr scharfem Essen einstellen kann. Außerdem sind die Opioide auch der Grund für den schmerzlindernden Effekt, der Chilis nachgesagt wird. Dieser wirkt natürlich auch gegen den Hitzeschmerz selbst.[10]

Da Opioide ebenso bekannt für ihr hohes Suchtpotential sind, stellt sich zuletzt noch die Frage, ob Chilis süchtig machen können.

Hier kann ich erstmal Entwarnung geben. Anders als bei Drogen und Schmerzmitteln fügt ihr euch bei Chilis keine zusätzlichen Opioide zu, sondern am Ende wirken ausschließlich die körpereigenen Endorphine. Somit besteht keine Gefahr für eine Substanzabhängigkeit, wohl aber für eine Verhaltensabhängigkeit. Euer Gehirn lernt, dass es ein gutes Gefühl in euch auslöst, wenn ihr Chilis esst – zumindest dann, wenn ihr bereits so „trainiert“ seid, dass ihr ein Pepper-High bekommt. Am Ende liegt es aber an euch, wie suchtanfällig ihr seid. Durch körpereigene Substanzen ist die Abhängigkeitsgefahr jedenfalls weitaus geringer als bei Opioiden, die ihr euch auf andere Weise zuführt.[11]

Quellen

Chilis keimen nicht

Wir alle denken schon bei der Beschaffung der Samen an die leckeren reifen scharfen Früchte, die die Chilipflanzen später mal hervorbringen werden. Auf dem Weg dahin ist aber Geduld gefragt und meistens läuft am Ende nicht alles so, wie wir es uns zu Beginn vorgestellt haben.

Die erste Hürde, die zu überwinden ist, ist die Keimung der Samen. In diesem Zusammenhang fällt häufiger der Begriff der Keimrate, der den prozentualen Anteil der gekeimten Chilis im Verhältnis zu den ausgesäten meint. Nicht aus jedem Samen entsteht eine Pflanze, aber was könnt ihr machen, um die Keimungen zu begünstigen?

Bei mir sind bisher 6 von 9 Sorten aufgegangen. Auf die Bhut Jolokia orange, die 7 Pot Brainstrain red und die Vicentes Sweet Habanero warte ich noch immer. Die Aussaat ist jetzt zweieinhalb Wochen her, also habe ich auch noch ein Zeitfenster, in dem noch was passieren kann. Erst nach einem Monat fange ich langsam an, die Sache aufzugeben.

Was sind die Gründe? Welche Bedingungen könnten angepasst werden, um das bestmögliche Ergebnis der Keimung zu erzielen? Dazu werfen wir zunächst einmal einen Blick auf die Theorie.

Chilis sind Dunkelkeimer. Das heißt, sie keimen nur, wenn es dunkel ist. kurzwelliges Licht wirkt keimhemmend, weswegen die Samen nicht zu dünn mit Erde bedeckt sein sollten.[1] Dunkelrotes, langwelliges Licht kann die Erde durchdringen und wird auch für die Keimung benötigt.[2]

Darüber hinaus sind Wasser, Wärme und Sauerstoff wichtig, um die Keimung zu bewirken.

Mit zu wenig Wasser quellen die Samen nicht ausreichend auf. Deswegen bietet sich hier an, die Samen 24-48 Stunden vor der Aussaat in warmem Wasser oder besser Kamillentee einzulegen. Aber auch nach der Aussaat solltet ihr den Boden ausreichend feucht halten, denn wenn die Samen zu trocken sind, ist eine Keimung gar nicht möglich. Genauso sollte es nicht zu nass werden – insbesondere muss Staunässe vermieden werden, damit sich kein Schimmel bildet.

Ein über längere Zeit andauernder Temperaturbereich von ca 22-30°C gibt dem Chilisamen die Sicherheit, dass die Rahmenbedingungen für die Keimung und auch das anschließende Wachstum passend sind. Ist das nicht gegeben, bleibt der Samen verschlossen.

Zu guter Letzt muss Sauerstoff an den Samen gelangen. Sind die Samen zu fest angedrückt oder befinden sich in zu dichter Erde, haben Samen keine Chance, den nötigen Sauerstoff für den Abbau der Reservestoffe nutzbar zu machen. Nur so kann der Stoffwechsel eingeleitet werden.

Wenn die Samen schließlich keimen, bilden sich erst die Wurzeln und dann der Spross. Teilweise trägt der Spross die Samenschale mit seinen Keimblättern nach oben. Das sieht dann nicht ganz normal aus, ist aber auch nicht weiter schlimm.

Mein Chiltepinkeimling mit Samenschale an den Keimblättern. Die Schale wird bald auch noch abfallen.

Die Keimblätter betreiben so lange Photosynthese für die Chilipflanzen bis die ersten echten Blattpaare gewachsen sind. Dann bilden sich die Keimblätter langsam zurück und überlassen den anderen Blättern die komplette Aufgabe des Stoffwechsels.[3]

Wir können daraus den Schluss fassen, dass wir die Samen am besten ein oder zwei Tage einweichen, nach der Aussaat feucht halten, aber nicht zu stark wässern. Sind die Samen bereits ausgesät, würde ich sie nicht nochmal ausbuddeln und einlegen, weil die ja jederzeit trotzdem mit der Keimung beginnen können. In der Regel dauert es nur ein paar Tage länger, solange sie ausreichend viel Wasser haben.

Bei der Aussaat dürfen die Samen weder mit zu viel, noch mit zu wenig Erde bedeckt werden. Optimal sind ca. 0,5 cm unter der Erde. Außerdem dürft ihr die Erde nicht zu fest andrücken, damit die Samen Sauerstoff bekommen. Ein bisschen angedrückt sollte die Erde trotzdem werden, damit die Wurzeln auch einen festen Halt finden können.

Dann könnt ihr prüfen, ob die Bodentemperatur für die Samen im angemessenen Temperaturbereich liegt. Ist es zu warm, könnt ihr etwas zwischen die Heizmatte und den Anzuchtkasten legen, wodurch der Abstand zwischen Wärmequelle und Samen vergrößert bzw. die Wärmeübertragung leicht abgeschirmt wird. Wenn die Temperatur zu niedrig ist, reicht die Wärmeleistung der Heizmatte möglicherweise nicht aus. Dann sucht ihr euch, wenn es geht, einen Fensterplatz über einer Heizung oder investiert in eine neue Heizmatte, die leistungsfähiger ist. Manche Heizmatten können auch reguliert werden. Da könnt ihr das dann auch einfach so einstellen, wie ihr es braucht.

Wenn ihr die Samen in Blumenerde ausgesät habt, wird das der Grund sein, warum die Chilis nicht keimen. Ihr habt dann nämlich das falsche Kultursubstrat verwendet. Wenn ihr mehr über die richtige Erde für die Aussaat erfahren wollt, schaut euch gerne noch mal meinen Beitrag dazu an. Dort habe ich euch alles wichtige zusammengetragen.

Alles richtig gemacht und trotzdem noch nichts passiert? Das gibt es immer. Es ist sehr ärgerlich, wenn es gleich alle Samen einer Sorte betrifft, aber nicht jeder Samen ist keimfähig. Vielleicht wurden die Früchte, aus denen die Samen stammen, zu früh geerntet oder sie sind zu feucht oder zu hell gelagert worden. Wenn Samen bereits mehrere Jahre alt sind, sinkt auch die Wahrscheinlichkeit für eine erfolgreiche Keimung. Ich hatte in all den Jahren, solange ich schon Chilis anbaue, noch nie eine hundertprozentige Keimrate bei irgendeiner Sorte erlebt. Sie bewegt sich, wenn es gut läuft, meistens eher im Bereich von 70-80%. Von daher ist das ganz normal, dass nicht aus allen Samen etwas wird.

Am Ende kann ich euch nur noch nahelegen, euch in Geduld zu üben. Wie ich eingangs erwähnt habe, gebe ich Chilis ab einem Monat langsam auf. Aus Erfahrung kann ich aber sagen, dass es immer noch ein Exemplar geben kann, was erst nach anderthalb oder zwei Monaten als Nachzügler zum Vorschein kommt. Von daher empfehle ich euch, solange ihr die Anzuchtkästen oder die Fensterbank nicht für andere Dinge braucht, einfach regelmäßig weiterzugießen, wenn ihr die Hoffnung noch nicht aufgeben wollt. Vielleicht ist ja auch das Wurzelwachstum bereits im vollen Gange, nur der Spross kommt noch nicht ans Licht…

Quellen

Farbenfrohe Chilis

Habt ihr euch auch schon mal gefragt, warum Chilis in so vielen unterschiedlichen Farben auftreten? Ich habe mir diese Frage gestellt und will euch mit dem heutigen Beitrag die Antwort mitgeben.

Eigentlich sind es mehrere Fragen: Die erste Frage lautet „WARUM haben Chilis so knallige Farben?“, die zweite Frage ist „WODURCH bekommenen Chilis ihre unterschiedlichen Farben?“ und als drittes wäre da noch die für uns alles entscheidende Frage: „Hat die Farbe einen Einfluss auf den Geschmack der Chilis?

Zunächst können wir erstmal festhalten, dass es sich bei Chilis um tropischen Pflanzen handelt, die sich dadurch verbreiten, dass die Früchte von Vögeln verspeist und die Samen anschließend irgendwo anders wieder ausgeschieden werden. Da sich alle Lebewesen fortpflanzen wollen, wollen sie also auch, dass die Vögel ihre Früchte finden.

Vögel sind sogenannte Tetrachromaten, was bedeutet, dass sie neben den roten, grünen und blauen Farbrezeptoren auch Rezeptoren für den violetten Bereich haben. Damit sehen sie weiß als einen bunten Mix aus vielen verschiedenen Farben. Schwarze Chilis sind für Vögel ebenso farbig, weil schwarze Früchte Licht im ultravioletten Bereich reflektieren, welches Vögel durch ihre violetten Farbrezeptoren sehen können, wir aber nicht. Genauso empfinden sie aber auch alle Farben im für uns sichtbaren Farbspektrum deutlich intensiver als wir Menschen. Dadurch hilft es Vögeln, wenn Früchte sich in besonders intensiven Farben präsentieren, damit sich diese für die Vögel visuell von ihrer Umgebung abheben.[1]

In einer Studie über 97 unterschiedliche Pflanzenarten aus Madagaskar und Uganda wurde festgestellt, dass bei Pflanzen, die von Vögeln verbreitet werden, deutlich weniger Grün-, aber dafür umso mehr Rotanteile in den Früchten enthalten sind als bei Pflanzen, die von Säugetieren verbreitet werden. Das liegt vermutlich daran, dass Vögel grüne Früchte nicht so gut zwischen den vielen grünen Blättern erkennen können. Säugetiere können jedoch andere Merkmale besser beurteilen, wie zum Beispiel den Geruch.

Interessant dabei ist außerdem, dass die Fruchtfarbe im sichtbaren Bereich überhaupt nicht, dafür aber im ultravioletten Bereich sehr stark mit der Blattfarbe korreliert. Violette und schwarze Pigmente schützen die Blätter und Früchte in besonderem Maße vor UV-Strahlung, da sie genau diese Wellenlängen reflektieren. Das ist ein Hinweis darauf, dass die Fruchtfarbe einerseits durch die Sichtverhältnisse der Vögel beeinträchtigt wird, andererseits aber auch abiotische Faktoren Einfluss auf die Farbzusammensetzung der Früchte haben[2] – also Faktoren, die unabhängig von der Beteiligung anderer Lebewesen sind.

Passend zu der Theorie, dass die Farben deutlich hervorstechen müssen, damit die Vögel die Früchte essen und verbreiten, ist auch, dass Chilis immer zuerst unauffällig grün sind und ihre Farbe erst dann wechseln, wenn die enthaltenen Samen keimfähig sind.[3]

Die Farben von Chilis werden durch sekundäre Pflanzenstoffe beeinflusst. So ist bekannt, dass Chlorophyll die grüne Färbung verursacht, Capsanthin und Capsorubin bringen die für Chilis typische rote Färbung mit sich. Gelb oder orange werden Chilis mit einem hohen Anteil an Lutein, Violaxanthin, Antheraxanthin und ß-Carotin.[4] Anthocyane sorgen für violette bis schwarze Farben. Weiß werden Chilis demzufolge nur, wenn keine färbenden Pflanzenstoffe enthalten sind.[5]

Ich kann leider nicht für jede der vielen tausend Chilisorten individuell sagen, wie der Reifeprozess genau abläuft. Da jedoch die meisten Chilis direkt von grün zur Zielfarbe abreifen, werde ich euch diesen Vorgang näher erläutern.

Alles beginnt mit dem Chlorophyll. Chlorophyll beschafft der Pflanze die für die Photosynthese nötige Energie, indem es die roten und die blauen Teile des Sonnenlichts absorbiert.[6] Grüne Strahlen werden wieder reflektiert. Das ist der Grund dafür, warum die meisten Blätter grün sind. Blätter, die nicht grün sind, enthalten noch andere färbende Stoffe, die das Grün des Chlorophylls überdecken.

Im Herbst baut sich das Chlorophyll in den Blättern ab, weswegen sie dann in allen möglichen anderen bunten Farben erscheinen. Zuvor hat das Chlorophyll mit seiner grünen Farbe nur alle anderen Farbpigmente überdeckt.[7]

Jede Frucht entsteht aus sogenannten Fruchtblättern. Bei denen handelt es sich ebenfalls um chlorophyllhaltige Blätter, nur sehen sie anders aus, da sie eine spezielle Funktion erfüllen. Wenn die Blätter sich zur Frucht umwandeln, enthält die Frucht dann entsprechend auch dieses Chlorophyll. Dadurch sind fast alle Früchte im unreifen Zustand grün gefärbt.

Sobald die Samen in der Frucht keimfähig sind, beginnt die Frucht mit dem Farbwechsel. Dazu bildet die Pflanze verstärkt das Hormon Ethen aus, um den Reifeprozess zu beschleunigen. Neben dem Farbwechsel führt das dazu, dass die Fruchtwände aufweichen und sich die Bitterstoffe reduzieren.[8] Die grüne Farbe entweicht durch die Umwandlung von Chlorophyll zu farblosen Antioxidantien. Genau wie bei den Blättern im Herbst kommen die verbleibenden Farbpigmente zum Vorschein.[9]

Die resultierende Farbe ergibt sich aus der Zusammensetzung der Konzentrationen aller Farbpigmente in den Früchten. So werden rote Chilis aufgrund einer hohen Konzentration von Capsanthin und Capsorubin rot und gelbe Früchte durch einen hohen Anteil gelber Farbpigmente gelb. Die farbgebenden Pflanzenstoffe zu den verschiedenen Farben habe ich ja bereits weiter oben aufgeführt. 

Der Grund, warum Chilis aber nun in den unterschiedlichsten Farben vorkommen, auch wenn es für die Sichtbarkeit durch Vögel ausreichen würde, wenn alle rot wären, liegt im Erbgut. Dieses wird in erster Linie durch die Gene der Elterngeneration beeinflusst, es kann aber auch durch äußere Faktoren verändert werden, sodass neue Mutationen entstehen.

Hier zwei Beispiele für Mutationen, die bereits wissenschaftlich untersucht wurden:

Capsanthin und Capsorubin werden mithilfe des Enzyms Capsanthin/Capsorubin-Synthase aus den gelben Pflanzenstoffen Antheraxanthin und Violaxanthin gebildet.[10] Das bedeutet, dass jeder rote Chili dieses Enzym benötigt, um die rote Farbe zu bilden. Aufgrund der gelben Zwischenprodukte beim Reifeprozess reifen einige rote Früchte über drei Farben von grün über gelb nach rot ab.

Bei gelben Früchten wird angenommen, dass die Erbinformation für die Bildung dieses Enzyms durch eine Nonsense-Mutation unterdrückt wird. Das heißt, dass eine Base im DNA-Strang ausgetauscht wurde und in der Folge die Erbgutinformationen nicht mehr weiter als bis zu dieser Stelle ausgelesen werden können. Dadurch kann die Umwandlung der gelben zu den roten Pflanzenstoffen nicht erfolgen.[11] Dieser Gendefekt wird rezessiv vererbt.[12]

Eine andere Mutation hat die These auf den Kopf gestellt, dass grüne Chilis immer unreif sind. Die Sorte 7 Pot Evergreen kann dadurch beispielweise als Gegenbeweis angeführt werden. Pflanzen, deren Früchte im reifen Zustand grün oder braun sind, können das Chlorophyll nicht vollständig abbauen. So vermischt sich die grüne Farbe mit den roten Farbpigmenten zu braun oder grün vermischt sich mit gelb zu einem anderen Grünton.[13]

Entsteht einmal eine Mutation durch äußere Einflüsse, wird sie ein Teil der Erbinformation, die die Pflanze an die nachfolgende Generation weitergeben kann. Natürlich entsteht nicht bei jedem Gendefekt gleich eine neue Chilisorte. Ab und an kommt das aber vor, wodurch wir uns heute an der riesigen Vielfalt erfreuen können.

Chilis treten in den unterschiedlichsten Farben auf. Jede Sorte hat auch ihren eigenen Geschmack. Wird dieser Geschmack durch die Farbe beeinflusst oder sind Farbe und Geschmack unabhängig voneinander?

Die bisher genannten färbenden Pflanzenstoffe gelten allesamt für sich genommen als geschmacksneutral. Die geschmacksgebenden Pflanzenstoffe werden separat zu den farbigen ausgebildet. Ob zwischen den Konzentrationen dieser Stoffe eventuell Zusammenhänge bestehen, konnte ich leider nicht herausfinden.

Die Farbe kann aber auch auf andere Weise im Zusammenhang mit dem Geschmack von Chilis oder allgemein von Früchten gebracht werden. Hierzu gibt es bereits deutliche Erkenntnisse aus der Lebensmittelindustrie, wobei auch hier die Forschung lange noch nicht abgeschlossen ist.

Kurz zusammengefasst isst das Auge mit. Wir können als Menschen bei unseren Wahrnehmungen auf Erfahrungswerte zurückgreifen. Der Zusammenhang zwischen Farbe und Geschmack fällt in den Bereich der Farbpsychologie. Wir verbinden mit roter Farbe einen süßlichen Geschmack, mit gelb bringen wir süße bis saure Aromen in Zusammenhang, wohingegen wir uns bei dunklen Früchten auf ein bitteres Aroma einstellen.

Wenn das auf euch nicht zutrifft, dann liegt das daran, dass ihr andere Erfahrungen als die meisten anderen mit beispielsweise roten Lebensmitteln gemacht habt. Jeder Mensch lernt diese Zusammenhänge für sich individuell aus seinen vorangegangenen Mahlzeiten, aber fügt dieses erlangte Wissen beim Essen unterbewusst mit in das Gesamtgeschmacksbild ein.

In der Lebensmittelindustrie wird bewusst auf die Farbpsychologie zurückgegriffen, um die Verkaufszahlen zu steigern. Experimente haben gezeigt, dass die Zugabe von geschmacksneutralen Farbstoffen den Geschmack eines Produkts verändern kann. Rot eingefärbter Joghurt schmeckt dann süßer als derselbe Joghurt ohne Farbstoffe. Es gibt noch viele weitere Möglichkeiten, sich die Farbpsychologie zunutze zu machen.[14]

Übertragen wir diese Erkenntnis auf Chilis, ist das auf jeden Fall ein Grund dafür, warum gelbe Chilis immer fruchtiger schmecken als rote, rote süßer als braune und lila und schwarze bitterer als alle anderen, obwohl zwei gleiche Chilis unterschiedlicher Farben trotzdem vom Grundsatz ziemlich ähnlich schmecken.

Ob hier am Ende auch tatsächlich eine wesentlich andere Zusammensetzung von Geschmacksaromastoffen enthalten ist, konnte ich wie bereits erwähnt leider nicht herausfinden – Solange wir uns über die Farben manipulieren lassen, kann uns die genaue Zusammensetzung aber auch egal sein 🙂

 

Quellen

[1] SPIEGEL Wissenschaft (2010): Vögel sehen Farben besser als Menschen

[2] Kim Valenta et al. (2018): The evolotion of fruit colour: phylogeny, abiotic factors and the role of mutualists

[3] Peter Drache (2019): Chilis ernten

[4] Andy Brunning (2016): The Chemistry of Bell Peppers – Colour and Aroma

[5] Kristin Wunderlich (2021): Nach Farben essen: Von Gelb bis Violett

[6] Christian Lüttmann (2017): Die Lichtwandler – Wie Pflanzen durch Fotosynthese das Leben auf der Erde ermöglichen

[7] Juliette Irmer (2017): Warum färben sich die Blätter im Herbst?

[8] Dr. Christoph Reisdorff (2008): Warum sind Tomaten erst grün und werden dann rot?

[9] Bernhard Kräutler et al. (2007): Farblose tetrapyrrolische Chlorophyll-Kataboliten in reifen Früchten sind wirksame Antioxidantien

[10] Ya-Qin Lang et al. (2004): Orange Fruit Color in Capsicum due to Deletion of Capsanthin-capsorubin Synthesis Gene

[11] Sun-Hwa Ha et al. (2007): A comparison of the carotenoid accumulation in Capsicum varieties that show different ripening colours: deletion of the capsanthin-capsorubin synthase gene is not a prerequisite for the formation of a yellow pepper

[12] Zheng Li et al. (2013): A further Analysis of the Relationship between Yellow Ripe-Fruit Color and the Capsanthin-Capsorubin Synthase Gene in Pepper (Capsicum sp.) Indicated a New Mutant Variant in C. annuum and a Tandem Repeat Structure in Promoter Region

[13] Yelena Borovski, Ilan Paran (2008): Chlorophyll breakdown during pepper fruit ripening in the chlorophyll retainer mutation is impaired at the homolog of the senescence-inducible stay-green gene

[14] Lisa Dittrich (2021): Farbpsychologie: Darum setzen Food Blogger auf möglichst bunte Gerichte

Eröffnung des Rezeptbereichs und Chiliupdate

Liebe Chiliputaner,

mit dem heutigen Update möchte ich euch endlich meine ersten beiden Rezepte vorstellen: Die beiden Klassiker Chili con Carne und Pasta all’arrabbiata. Vielleicht hat der ein oder andere von euch bereits versucht, unter dem Menüpunkt „Rezepte“ auch wirklich Rezepte zu finden und ist dabei kläglich gescheitert – Ab heute ist diese Seite nicht mehr leer.

Ich versuche immer, zweimal die Woche passend zur Saison abwechslungsreiche Informationen rund um Chilis zu vermitteln. Daher dachte ich, nachdem es nun zweimal hintereinander etwas theoretischer geworden ist, euch mal wieder etwas Praktisches zu bieten. Die Rezepte habe ich euch oben verlinkt, da ich es selbst nicht mag, für Rezeptanleitungen erstmal ewig über eine lange Einleitung nach unten zu scrollen bis ich beim Rezept angekommen bin. Die Rezepte sind recht verschieden, aber trotzdem, was die Zusammensetzung und die Würzung der Sauce bzw. Suppe betrifft, ziemlich ähnlich. Deshalb habe ich heute gleich beides veröffentlicht. Außerdem sind das die scharfen Gerichte, die bei uns zu Hause am häufigsten gekocht werden und vermutlich auch deutschlandweit am bekanntesten sind. Somit ist es unerlässlich, dass ich diese Gerichte als erstes veröffentliche. Den Unterschied macht insbesondere die Zugabe von Southern Comfort – einem Whiskylikör, der den Speisen eine gewisse Süße, aber auch einen Hauch Whiskygeschmack verleiht, was das Aroma der Tomatenbasis sehr gut ergänzt.

Da ich gerade erst frisch anfange und noch nicht dazu kam, viele unterschiedliche Chilis zu vergleichen, habe ich noch keinen konkreten Chili als Zutat genannt, sondern in den Rezepten nur „Chili“ geschrieben. Im Laufe der Zeit werde ich das noch anpassen, um hier konkreter zu werden.

Ansonsten habe ich noch ein kleines Update für euch zu meiner Chilizucht:

Seit dem 15.02. gab es bei mir die ersten drei Keimlinge der roten Habanero. Das war gerade mal sechs Tage nach meiner Aussaat. Am Tag drauf kam noch eine weitere Habanero und die erste Naga Viper dazu. Alles bis dahin ausschließlich in der Aussaaterde.

Am 17.02. kamen dann die ersten beiden roten Habaneros im Kokossubstrat ans Licht. Dazu auch die fünfte von sechs in der Aussaaterde. Seit gestern sind vier Sorten bereits mindestens einmal gekeimt. Eine gelbe Habanero ist im Kokossubstrat gewachsen, aber noch nicht in der Aussaaterde, ein Giant-Rocoto-Keimling ist aus der Aussaaterde emporgewachsen. Darüber hinaus sind nun alle roten Habaneros, die in Aussaaterde ausgesät wurden, am Keimen und eine Naga Viper im Kokossubstrat.

Unterm Strich sind das aktuell 12 Keimlinge, von denen allein 8 rote Habaneros sind. Heute gab es noch keine nennenswerten weiteren Entwicklungen. Im Folgenden der aktuelle Stand in Bildern:

oben der Giant Rocoto, unten die Naga Viper

die sechs roten Habaneros sind da, der Rest lässt noch auf sich warten

Beim Cayenne hat sich noch nichts getan. Im linken Anzuchtkasten könnten auch irgendwann Chiltepin und Bhut Jolokia wachsen. Bisher traut sich hier aber noch gar nichts raus.

Ganz rechts die bisher einzige gelbe Habanero, die anderen beiden sind rote Habaneros

Zu guter Letzt noch eine Nahaufnahme vom anderen Naga-Viper-Keimling, der sich aber gegen eine scharfe Kameraaufnahme erfolgreich wehren konnte