Chilisalz – mit einfachen Mitteln aus 2 Gewürzen eins machen

Chilisalz hat nicht jeder im Haushalt, aber schaden kann es auf jeden Fall nicht. Es gibt verschiedene Arten von Chilisalz. Man kann das Pulver mit feinem Salz oder grob zerstoßene Chilis mit grobem Salz mischen. Viel mehr ist dazu nicht zu sagen, beides super einfach, aber m.E. auch super langweilig.

Netter sieht es aus, wenn das Salz in derselben Farbe wie der verwendete Chili erscheint. Wie das geht, will ich euch heute erklären. Anders als beim Chiliöl gibt es hierbei keine Gefahren. Von daher wird es diesmal auch ein etwas kürzerer Beitrag als sonst.

Zunächst solltet ihr euch natürlich wie immer im Klaren sein, welchen Chili ihr gerne versalzen wollt. Chilisalz kann überall zum Einsatz kommen, wo ihr es sowohl salzig, als auch scharf haben wollt. Überlegt euch, auf welche Gerichte das bei euch am ehesten zutrifft, bzw. welche davon ihr am häufigsten macht. Daraus könnt ihr dann ableiten, welchen Chili ihr am besten nehmt, weil das Salz verbraucht sich nicht so schnell. Da solltet ihr schon vorab möglichst mit dieser Entscheidung das Optimum rausholen.

Der nächste Schritt ist dann die Wahl des Salzes. Viele schwören auf Himalayasalz oder Salz aus Pakistan. Unterm Strich lässt sich aber sagen, dass alle Salze zu 97-99% aus NaCl bestehen und damit um den Wert des bei uns üblichen Kochsalzes (98%) schwanken. Neben der anderen Färbung sind die Geschmacksnuancen kaum unterscheidbar, sodass die Unterschiede nach unserer Behandlung mit einem schönen aromatischen Chili eigentlich gar nicht mehr vernehmbar sein dürften. Aus Nachhaltigkeitsgründen würde ich daher zu europäischen Salzen greifen und dabei nur nach der Optik gehen. Ich habe zum Beispiel gerne ein grobes, scharfkantiges Salz. Da es die Farbe des Chili annehmen soll, kann es gerne ein weißes sein. Mit diesen Suchkriterien bin ich auf das Saliamo mediterranes Meersalz aus Kroatien gestoßen, das ich auch selbst verwendet habe.

Kommen wir zum eigentlichen Thema. Vorausgesetzt, ihr habt bereits sowohl den Chili, als auch das Salz beisammen, könnt ihr endlich loslegen. Alles, was ihr dazu braucht ist ein Zerkleinerer, Smoothiemaker oder irgendein anderes Gerät, mit dem ihr Chilis pürieren könnt und ein Dörrgerät oder Backofen mit Dörrfunktion.

Auf 100 g Salz könnt ihr 30 bis 50 g frischen Chili rechnen. Für die eingangs genannten Varianten heißt das, auf 100 g Salz kommen 3 bis 5 g getrockneter Chili, da ungefähr 90% des Gewichts beim Trocknen verloren gehen. Ihr könnt die Werte natürlich alle frei nach Gusto nach oben oder nach unten korrigieren. Bei meiner Variante Würde ich aber nicht sehr weit über diesen Wert gehen, da sonst das Salz die Flüssigkeit nicht mehr komplett aufnimmt.

Ihr müsst den Chili nämlich erst pürieren und anschließend auf einer für den Dörrautomaten oder den Backofen vorgesehenen Unterlage die Chilimasse mit dem groben Salz vermengen. Nach Möglichkeit so, dass die komplette Flüssigkeit durch das Salz aufgenommen wurde, bevor ihr mit der Trocknung beginnt. Das entscheidet nämlich am Ende auch über die Farbintensität des Salzes.

Das Salz könnt ihr bei 70°C für 10 Stunden trocknen und dann am besten in durchsichtige Gewürzmühlen füllen.

Ich kann das SILBERTHAL Gewürzmühlenset mit Keramikmahlwerk empfehlen. Sie sind wertig verarbeitet und sind nicht allzu groß, sodass ihr regelmäßig auch anderes Salz nachfüllen könnt. Auch zum Verschenken eignen sie sich gut, da jeder noch einen Platz für diese Mühlen finden kann.

Verkostung von 24 unterschiedlichen Chilisorten

Am Wochenende kam ein Paket mit 30 Chilisorten an. Die meisten davon habe ich getestet und möchte meine Eindrücke mit euch teilen. Im Hintergrund arbeite ich bereits an einem Tool, das euch später ermöglichen soll, schnell und einfach den richtigen Chili für eure Zwecke zu finden. Je mehr Chilis ich dafür testen kann, desto größer ist das Spektrum, das ich damit abdecken kann. Schreibt mir gerne, wenn ihr etwas habt, das ihr loswerden wollt 🙂 Aktuell befindet sich noch alles in den Anfängen, da dies die erste Erntesaison meines Blogs ist. Das heißt, ich fülle erst einmal die Datenbank so gut es geht.

Bis es soweit ist, werde ich euch gerne meine aktuellsten Kurzbeschreibungen zu den jeweiligen Geschmäckern bereitstellen. So bekommt ihr schon mal einen ersten Eindruck von den Sorten und könnt evtl. besser ableiten, welche Chilis ihr für eure Zwecke im nächsten Jahr gerne anbauen wollt.

Geschmäcker sind bekanntlich verschieden und jede Frucht an jeder Pflanze schmeckt bekanntlich auch unterschiedlich. Ich habe zum Testen auch nur 1 bis 3 Früchte probiert bis ich den Geschmack einmal für mich richtig einordnen konnte. Viel mehr geht auch nicht, wenn man vorhat, über 20 Sorten möglichst frisch zu testen und dabei nicht zu sterben.

Trotzdem bin ich überzeugt, dass auch eine einzelne Beere eine gesamte Sorte repräsentieren kann. Sie werden alle zumindest vom Aroma her ähnlich schmecken und sehr große Abweichungen halte ich für eher unwahrscheinlich. Ansonsten wäre es auch nicht möglich, Die Trauben bei Weinverkostungen zu erkennen.

Ich erspare euch noch eine Aufzählung der 24 Chilisorten, um welche es geht, da ihr sie im Folgenden eh finden könnt:

C. annuum

Black Scorpion Tongue

Ein recht saurer, aber auch süßlicher Chili mit Zitronenaroma bei dunkelroter Färbung, was eher ungewöhnlich ist – sind es doch sonst eher die hell gefärbten Früchte mit so einem Geschmacksbild. Ich würde ihn zum Würzen saurer Speisen, die nicht superscharf werden sollen, empfehlen.

Bolivian Rainbow

Die Bolivian Rainbow haben mich überrascht mit einem für C. annuum unerwartet intensiven Aroma, das an Johannisbeeren erinnert. Sie sind entsprechend saftig mit deutlich süßer Note und merklichem Säureanteil.

Candy Cane Chocolate Cherry

Dieser Schärfelose Paprika überzeugt durch seine schöne Färbung mit braunen Streifen auf rotem Grundton. Geschmacklich schmeckt sie nicht sehr anders als ein gewöhnlicher roter Blockpaprika. Er ist jedoch etwas weniger süß und deutlich saurer.

Royal Black

Royal Black ist einer der unaromatischsten Chilisorten, die ich bisher getestet habe. Wer scharf essen will mit wenig Eigengeschmack aus dem Chili heraus ist hiermit gut beraten, allerdings würde ich ihn nicht zum roh verzehren empfehlen, da es da meines Erachtens deutlich leckerere Sorten gibt. Von Konsistenz und Geschmack ähnelt die dünne Fruchtwand der Schale von Äpfeln.

Snack Paprika orange

Der orange Snackpaprika ist in seinem Geschmack wie ein roter Paprika, aber mit einem Hauch von Orangen- oder Blutorangenaroma, das im Nachgeschmack durch ein in Vorschein tretendes Karottenaroma ersetzt wird.

Zimbabwe black

Sehr kleine dunkelrote Chilis, die nicht sehr intensiv und entsprechend ihrer Größe auch nicht sehr saftig sind. Sie bringen ein nussiges Aroma mit sich, sind aber dabei im Gegensatz zu Sugar Rush Peach überhaupt nicht süß.

C. baccatum

Aji Challuaruro Amarillo

Wer es gerne etwas saurer, aber dennoch fruchtig mag, kann diesen Chili probieren. Wie bei vielen anderen Chilis auch kommt ein Zitronenaroma zum Vorschein, das hier aber von einem nussigen Beigeschmack begleitet wird.

Aji Confusion

Doppelte und dreifache Fruchtwände hat nicht jeder Chili zu bieten. Das Ergebnis ist eine knackige Frucht, die trotzdem nicht ganz so saftig ist wie wenn das Fruchtfleisch wie üblich in nur einer einzigen Außenwand derselben Gesamtdicke gelagert wäre. Der untere Teil bringt das Aroma saurer Äpfel mit sich, während im oberen Bereich nahe dem Stielansatz bittere Geschmacksstoffe gelagert sind, der Chili relativ trocken schmeckt und das Aroma eher an Zitronengras erinnert.

Aji Pineapple

Wie der Name verrät, erinnert das Aroma an Ananas. Gleichzeitig ist sind aber auch andere Aromen deutlich vernehmbar. In der Kombination schmeckt mir dieser Chili persönlich gar nicht. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass er in zerkleinerter Form exotisch fruchtige Saucen gut
ergänzen kann.

Brazilian Starfish

Ein ungewöhnlich geformter Vertreter von C. baccatum, der für seine geringe Größe erstaunlich knackig und entsprechend saftig ist. Es ist so, als würde man in einen Paprika und einen Apfel zeitgleich reinbeißen. Unter den in dieser Testreihe getesteten Chilis mein Lieblingchili zum Snacken.

Peppadew

Peppadew schmeckt im Vergleich zu anderen Sorten nicht sonderlich süß, aber dafür umso saurer. Es gibt auch eine leichte fruchtige Note, die mit dem Geschmack von Physalis vergleichbar ist.

Sugar Rush Peach

Dieser Chili schmeckt sowohl stark nach Paprika als auch nach Walnüssen, also einem Gemisch aus beidem. Die namensgebende Süße ist deutlich vernehmbar. Sugar Rush Peach kann gut ergänzend bei Sahnesaucen hinzugegeben werden.

Sugar Rush Stripey

Gewundert habe ich mich, dass die Stripeys entgegen der allgemeinen Infos aus dem Internet nicht ähnlich wie die Sugar Rush Peach geschmeckt haben. Die Walnussnote konnte ich überhaupt nicht vernehmen und sie sind auch etwas weniger süß. Zugegebenermaßen wird die Walnuss auch sonst nicht im Internet erwähnt. Der Geschmack, dem die Stripeys am nächsten kommen ist Apfel, aber auch nicht so, dass das deutlich zum Vorschein käme. Sie können daher gut zusammen mit gelben Paprika oder anstelle dessen verwendet werden.

C. chinense

7 Pot Lobotomy red

 

Unten schmeckt die Frucht deutlich nach Paprika mit etwas Apfel, weiter oben macht sich ein nussiges Aroma bemerkbar, wodurch der Gesamteindruck weiterhin der Geschmack von Paprika ist mit Apfel- und Nussaromen im Hintergrund. Natürlich alles chinensetypisch tropisch-exotisch abgerundet.

Aji Charapita

Das teuerste Gewürz der Welt… Ich habe drei der erbsengroßen Stücke probiert bis ich sie geschmacklich irgendwie einordnen konnte. An Geschmacksintensität sind sie tatsächlich nicht zu überbieten. Von Saft fehlt allerdings jede Spur. Ähnlichkeiten zum Blockpaprikageschmack konnte ich gar nicht feststellen, dafür gibt es viele Parallelen zu Limetten.

Carolina Reaper white

Der schärfste Chili der Sendung musste natürlich auch irgendwann gegessen werden. Wie bei allen Scorpion-Kreuzungen ist der Stachel
auch hier überhaupt nicht scharf. Im Gegensatz zur roten Carolina Reaper schmeckt diese Sorte leicht fruchtig und dadurch etwas süßer. Die Fruchtnote kommt so schwach zum Vorschein, dass ich nicht ganz sicher bestimmen konnte, was das genau für ein Geschmack ist. Am Ende habe ich mich für weißen Pfirsich entschieden. Für gelben Pfirsich war sie mir nicht süß genug. 

CGN 21500

Diese Nummer musste ich auch erst einmal googlen und konnte feststellen, dass das tatsächlich der offizielle Name ist. Zudem werden deren Samen auch an einigen Ecken im Internet angeboten, also ist auch schon etwas etablierter. Geschmacklich ist der Chili nicht sehr intensiv. Er bringt jedoch ein leicht zitroniges Aroma mit sich, das sich langsam im Mund entfaltet, aber nie in den Vordergrund gerät. Auch optisch hat der Chili mit seinen lila Flecken auf orangen Grundton was zu bieten.

Habanada

Habanada war für mich eine Entdeckung. Ich befasse mich ja sonst nicht sonderlich mit schärfefreien Chilis, aber umso überraschter war ich von der Geschmacksintensität des Habanada. Zunächst schmeckt der Chili ziemlich süß mit dem klassischen Habaneroaroma. Dieses triggert bereits einen Warnhinweis ans Gehirn, dass es gleich sehr scharf werden wird. Der Hitzereiz bleibt allerdings aus und es machen sich langsam die anderen Aromen breit – etwas zwischen Birne und süßer Karotte. Im Nachgang dominiert immer mehr das Karottenaroma. Beim Kochen für schärfeempfindliche Mitmenschen könnte dieser Chili die Lösung für alle sein.

Habanero Hot Lemon

Anders als der Name erahnen lässt, sind diese Chilis nicht sonderlich aromatisch – insbesondere nicht im Vergleich zu anderen Habanerosorten. Trotz allem ist die Zitrone erkennbar. Ich würde ihn zum Würzen extrem scharfer säuerlicher Gerichte empfehlen.

Habanero Snow white

Die Habanero Snow White sind kleiner als ihre andersfarbigen
Artgenossen, scheinen aber ebenso viele Kerne zu enthalten. Zum Snacken sind sie daher nicht unbedingt gut geeignet. Sie sind besonders süß, aber nicht sehr saftig, wodurch die Süße nicht direkt so zum Vorschein kommt. Sie hat geschmackliche Ähnlichkeiten mit Pfirsichen. Snow White lässt sich in Gerichten gut durch die weiße Reaper ersetzen oder auch anders herum.

Limón

Limón schmeckt schon zitronig, aber nicht so stark, wie es dem Namen nach anzunehmen wäre. Fatalii ist für mich nach wie vor der Vorreiter in dieser Hinsicht. Der Chili enthält kaum Fruchtsaft und schmeckt auch nicht sehr intensiv, wodurch sich seine Aromen beim Rohverzehr auch nicht so gut entfalten können. Für mich ein klarer Kandidat für die Weiterverarbeitung zu Pulver oder Flocken.

Madame Jeanette

Ein sehr intensives Aroma hat auch die Madame Jeanette. Süße Orangen waren das, woran ich beim Verzehr als erstes denken musste. Sie dominieren die typischen Paprikaaromen deutlich. Für mich ein klarer Kandidat für fruchtige Saucen. Mein neuer Favorit zum Schärfen von fruchtig-süßen Speisen wie meiner neuesten Kreation, der Paprikacremesuppe.

C. frutescens

KS White Thai

Kein sonderlich saftiger Chili, dafür aber recht sauer mit deutlich bitterer Unternote. Das Aroma kann mit dem von Gurken verglichen werden. Ansonsten ist es ein klassischer Thai Chili und kann entsprechend am besten für Thai Rezepte verwendet werden.

 

Capsicum annuum bis pubescens – Alle Chiliarten im Überblick

Dank einer immer größeren Fangemeinde des Chilianbaus haben wir mittlerweile schätzungsweise 4000 verschiedene Chilisorten und die Anzahl wächst Jahr für Jahr weiter an. Die meisten dieser Sorten lassen sich einer dieser fünf Chiliarten zuordnen: Capsicum annuum, C. baccatum, C. chinense, C. frutescens und C. pubescens. Da teilweise auch artenübergreifende Kreuzungen möglich sind, kann die Art in wenigen Ausnahmen nicht eindeutig bestimmt werden. Außerdem gibt es darüber hinaus noch viele weitere Arten, deren Sorten aber nicht sehr vielfältig sind. Diese kommen vor allem in der Lateinamerikanischen Wildnis vor und werden nicht kultiviert. Da sie hierzulande (fast) niemand kennt, werde ich diese im Folgenden auch ausklammern.

Welche Eigenschaften charakteristisch für die jeweiligen Chiliarten sind, möchte ich im heutigen Beitrag herausarbeiten und am Ende die eindeutigen Merkmale zur Bestimmung für euch zusammenfassen.

Capsicum annuum

verschiedene Chilis von Capsicum annuum

Beginnen wir mit der verbreitetesten Chiliart Capsicum annuum. Unter C. annuum fallen unter anderem die Sorten Cayenne, Jalapeño und der Blockpaprika. Die größten Chilifrüchte wachsen alle an Pflanzen dieser Art, aber auch die kleinsten können durchaus noch C. annuum zugeordnet werden.

Die Pflanzen wachsen relativ schlank nach oben. Die Blätter werden dunkelgrün, sind langgezogen, glatt und haben einen relativ langen Stiel. In der Regel hängen die Früchte nach unten, bei kleinen Sorten wachsen sie allerdings durchaus auch nach oben. Die Früchte von C. annuum können sehr mild sein. Die schärfsten Chilis erreichen bis zu 125.000 Scoville.

Mit einer gewünschten Keimtemperatur von je nach Sorte mindestens 20-22°C sind sie weniger anspruchsvoll als die meisten anderen Arten. Sie halten Temperaturen von über 6°C stand, wodurch sie in der Regel ab den Eisheiligen bis in den Oktober hinein in unseren Breiten draußen stehen können.

Capsicum baccatum

verschiedene Chilis von Capsicum baccatum

Den Früchten von C. baccatum wird ein besonders süßes Aroma nachgesagt. Bekannte Vertreter sind unter anderem Lemon Drop, der neue Trendchili Sugar Rush Stripey und die meisten Sorten mit dem Namensbestandteil Aji. Sie brauchen etwas länger bis zur Blüte als bspw. C. annuum. Die Früchte wachsen zunächst aufrecht, die schwereren Vertreter biegen mit der Zeit aufgrund ihres Gewichts nach unten weg und wachsen dann nach unten weiter.

Die Chilis dieser Art können eine Schärfe von bis zu ca. 75.000 Scoville erreichen. Die Pflanzen wachsen sehr verzweigt und werden tendenziell größer als die Pflanzen der anderen Chiliarten (bis zu 2 Meter). Die Blätter sind ähnlich wie bei C. annuum dunkelgrün und glatt. Die Blüten der C. baccatum sind weiß mit großen Farbflecken auf den Blütenblattern.

Auch C. baccatum keimt ab 22°C aufwärts. Sie vertragen kalte Temperaturen solange alles frostfrei bleibt. Damit sind sie noch etwas hartnäckiger als C. annuum.

Capsicum chinense

verschiedene Chilis von Capsicum chinense

 

Capsicum chinense ist die Königsklasse unter den Chilis. Die meisten Vertreter bis auf wenige Ausnahmen sind schärfer als der schärfste Chilis aller anderer Arten. Habanero, Bhut Jolokia, Fatalii, 7-Pot, Trinidad Scorpion und Carolina Reaper gehören alle dieser Art an. Auch für die Züchtung immer neuer Superhot-Chilis wird daher ausschließlich C. chinense mit C. chinense gekreuzt.

Die Pflanzen der C. chinense wachsen buschig bis zu einer Höhe von in der Regel 80-120 cm. Die Blätter sind leicht gewellt und breiter als die von C. annuum oder C. baccatum. Auch die Stiele sind vergleichsweise kurz.

Typisch für diese Art ist, dass oft mehrere Blüten an einem Knoten entstehen, wodurch viele Sorten auch ertragreich sind – teilweise können sogar über 100 Chilis an einer Pflanze hängen. Die Früchte wachsen hängend, oft lampionförmig oder mit stark knittriger Oberfläche und werden je nach Sorte zwischen 2,5 und 7 cm lang. Wenn die Chilis einen Stachel ausbilden (typisch für Trindad Scorpion und daraus hervorgegangene Kreuzungen), dann können sie auch eine Länge von 8 cm erreichen. Der Stachel schmeckt übrigens überhaupt nicht scharf, der restliche Chili dafür umso mehr.

Was die Umweltbedingungen angeht, ist C. chinense am anspruchvollsten. Die Pflanzen müssen stets bei Temperaturen oberhalb von 12°C gehalten werden. Bei garantierter Windstille geht auch etwas weniger, da der Windchill-Effekt ausbleibt. Trotzdem können die Pflanzen dadurch meistens erst Ende Juni dauerhaft nach draußen und müssen bereits im September wieder reingeholt werden. Sie keimen erst bei Temperaturen oberhalb von 24 oder 25°C und können daher nur mithilfe von künstlicher Beheizung zum Keimen gebracht werden.

Capsicum frutescens

Die bekanntesten Sorten von C. frutescens sind Tabasco und Malagueta (Piri Piri). Die Sorte Bird’s Eye kommt als einziger Nicht-chinense-Chili auf über 200.000 Scoville und ist damit etwa doppelt so scharf wie die schärfsten Chilis von C. annuum.

Die Pflanzen wachsen strauchförmig und werden bis zu 2 Meter hoch. Bei C. frutescens wachsen die Früchte meistens aufrecht nach oben. Daher sind sie meistens auch entsprechend klein und dünnwandig. Die Form der Früchte kann kegelförmig, länglich zugespitzt oder klein und rund sein. Ungewöhnliche Formen sind eher bei den zuvor genannten Arten zu finden.

Die Blätter sind rau und am Rand leicht gewellt und sind ansonsten ähnlich wie die Blätter von C. annuum dunkelgrün, schmal und spitz zulaufend.

Damit die Pflanzen wirklich strauchig wachsen, muss die Spitze bei ca. 30 cm über dem Boden gekappt werden. Ansonsten wachsen sie geradlinig immer weiter in die Höhe. Die Umweltanforderungen der C. frutescens decken sich mit denen von C. annuum.

Capsicum pubescens

Die fünfte Chiliart ist die zugleich außergewöhnlichste. Kommen die anderen 4 Chiliarten mit hellgelben Chilisamen daher, sind die Samen von C. pubescens ausnahmslos schwarz. Auch die Zusammensetzung der Scharfstoffe ist eine komplett andere als üblich. Anstelle von Capsaicin dominiert hier Dihydrocapsaicin. Auch Nordihydrocapsaicin ist höher konzentriert als sonst. Diese Stoffe wirken zwar über dieselben Rezeptoren wie Capsaicin, aber senden andere Signale, sodass für die Chilis von C. pubescens eine separate Toleranz aufgebaut werden muss.

Chilis dieser Art heißen oft Rocoto oder Chile Manzano. Besonders gerne werden sie für Salsas verwendet, da sie wie C. baccatum besonders fruchtige Aromen aufweisen. Auch das Peruanische Nationalgericht Rocoto Relleno, zu dem ich euch nach wie vor noch ein Rezept schuldig bin, wird mit Früchten von C. pubescens zubereitet.

Die Pflanzen neigen dazu, schnell zu verholzen. Deshalb ist hierbei auch häufig von ‚Baumchilis‘ die Rede. Sie wachsen buschig und werden bis zu 4 Meter hoch. Die Blätter und Stängel sind behaart und die Blütenblätter sind lila. Die Früchte sind dickfleischig und je nach Sorte apfel-, mango- oder birnenförmig. mit einer Länge von 4 bis 10 cm.

Eindeutige Anzeichen

Unterm Strich gibt es für die meisten Sorten Anzeichen, die einen eindeutigen Hinweis zur Bestimmung geben.

Capsicum annuum hat dunkelgrüne schmale und glatte Blätter – genauso wie C. baccatum. C. baccatum kann jedoch an der Blüte anhand der Flecken auf den Blütenblättern eindeutig zugeordnet werden. So kann C. annuum durch Ausschlussverfahren bestimmt werden.

Die Früchte von C. chinense wachsen büschelweise an den Knoten. Außerdem sind die Blätter breiter als die der anderen Sorten und gewellt. Die extrem scharfen Früchte sind immer Chinensen.

Die Blätter der C. frutescens sind rau und am Rand leicht gewellt und sehen ansonsten aus wie die von C. annuum und C. baccatum. Die Früchte wachsen meistens nach oben, was ein erstes Indiz, aber kein eindeutiger Hinweis ist.

C. pubescens lässt sich an den behaarten Blättern und Stängeln sowie den schwarzen Samen erkennen. Die schwarzen Samen sind ein Alleinstellungsmerkmal unter diesen 5 vorgestellten Arten, aber können auch bei einigen Wildarten auftreten.

Eigenes Chiliöl herstellen

Chiliöl ist das i-Tüpfelchen auf jeder Pizza, eignet sich aber auch immer gut für Salate oder gemeinsam mit Salz und Pfeffer zum Aufsaugen mit Ciabattascheiben. Auch zum Anbraten könnt ihr es verwenden und es gibt noch zahlreiche weitere Einsatzmöglichkeiten.

drei Chiliölflaschen mit Cayenne, Carolina Reaper und Fatalii

Umso wichtiger ist es, dass ihr beim Ansetzen dieser edlen Tropfen keine Fehler macht. Im Internet wimmelt es von Rezepten, aber nicht alle solltet ihr so nachmachen. Wenn ihr Chiliöl herstellen wollt, solltet ihr euch vorher mit „Botulismus“ auseinander gesetzt haben.

Wissenswertes über Botulismus

Botulismus ist eine tödliche Krankheit, die vorwiegend dadurch ausgelöst wird, dass Fehler beim Selbsteinlegen von Lebensmittelkonserven gemacht werden. Sie ist zwar extrem selten (0-24 gemeldete Fälle pro Jahr von 2001 bis 2018 [1], von 2008-2013 insgesamt 36 Fälle), trotzdem handelt es sich hierbei um eine potentiell tödliche Krankheit, die ihr ernstnehmen und vorbeugen solltet.

Zunächst zeigt die Statistik, dass vorrangig Öle, die auf Basis von Knoblauch angesetzt werden, problematisch sind. Das liegt auch daran, dass die verantwortlichen Bakterien vorwiegend unter der Erde angesiedelt sind, wo auch die Knoblauchknollen ausgebildet werden, wohingegen Chilis an einer Pflanze hängend in der Luft wachsen.

Aber auch bei Chilis seid ihr nie 100%ig sicher. Um aber möglichst nahe an die 100% Sicherheit zu kommen, solltet ihr euer Öl niemals mit unbehandelten, frischen Chilis ansetzen. Für sich genommen sind diese Bakterien unbedenklich und fast überall – auch in unserem Magen-Darm-Trakt – zu finden. Das Gift entsteht im sauerstoffarmen Milieu. Da bildet es nämlich anstatt der Sporen hochgiftige Toxine, die diese Krankheit auslösen können.

Botulinumneurotoxine (BoNT) gehören zu den stärksten natürlichen Giften der Welt. Sie können bei Temperaturen oberhalb von 80°C abgetötet werden.[2] Die Sporen der Bakterien sterben allerdings erst bei Temperaturen über 100 Grad ab. In der Lebensmittelindustrie hat sich die Richtgröße durchgesetzt, dass eingekochte oder eingelegte Speisen drei Minuten lang bei 121,1°C abgetötet werden sollen. Die Zahl 121,1 kommt dadurch zustande, dass das umgerechnet 250 Grad Fahrenheit sind. Bei 250 Grad Fahrenheit bzw. 121,1°C zehntelt sich die Sporenpopulation alle 6 bis 12 Sekunden. Konservativ gerechnet (mit dem Wert von 12 Sekunden) auf drei Minuten bedeutet das eine Verringerung der Population auf einen Millionstel von einem Milliardstel, was im privaten Anwendungsfall weit über die nötige Sicherheit hinaus geht.

Wenn ihr diese Temperaturen erreichen wollt, müsst ihr entweder unter erhöhtem Druck arbeiten, z. B. die Chilis in einem Druckkochtopf abkochen oder ihr erhitzt das Öl gemeinsam mit den Chilis in einem Topf und messt mit einem Thermometer parallel die Temperatur. Dabei dürfen keine 140°C erreicht werden, weil da die Maillard-Reaktion einsetzt, die im Ofen und in der Pfanne für die braune oder schwarze Farbe und die damit verbundenen Röstaromen verantwortlich ist.[3]

Mit dem Druckkochtopf werdet ihr die 121°C auch nicht erreichen können, aber selbst bei 111°C könnt ihr denselben Effekt erzielen wie bei 121°C. Es dauert bei dieser Temperatur dann nur ca. 10x länger. Auch 30 Minuten sind eine überschaubare Zeit. Mit 10 K Temperaturabweichung nach unten zehntelt sich der Effekt, was eine Verzehnfachung der nötigen Zeit für dasselbe Ergebnis verlangt. Nach oben verhält es sich entsprechend umgekehrt.[4]

Bei Temperaturen um 100°C herum lassen sich die Sporen nicht mehr sicher abtöten. Aus dem Selbsterhaltungstrieb der Bakterien heraus kann es dann sogar in diesem Temperaturbereich zu einer verstärkten Sporenbildung kommen.[5]

Chiliöl herstellen

Die Keime können sich besser verbreiten, wenn Feuchtigkeit vorhanden ist. Deshalb raten viele Leute dazu, die Chilis vorher zu trocknen. Allerdings basieren viele Anleitungen im Internet auf der Annahme, dass bereits mit dem Trocknen von Chilis alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen sind und die Erhitzung überfällig ist. Belege dafür konnte ich allerdings nirgendwo im Netz finden. Die C.-botulinum-Bakterien können bereits vor der Trocknung existieren und sterben bei den üblichen Temperaturen im Trocknungsprozess nicht ab. Das Neurotoxin kann sich nach meinem Verständnis nach dem Einlegen in Öl trotzdem bilden. Korrigiert mich bitte, wenn ich hier falsch liege.

Wenn ihr wirklich komplett sicher sein wollt, empfehle ich euch eine Kombination aus Trocknen der Chilis und anschließender Erhitzung gemeinsam mit dem Öl auf 121 Grad für 3 Minuten. Dabei ist der Vorteil, dass durch das Erhitzen des Chilis im Öl auch die Aromen und das Capsaicin schnell durch das Öl aufgenommen werden können. Mindestens einmal solltet ihr jede Frucht längs aufgeschnitten haben, damit auch ein Austausch mit dem aromatischen Inneren der Chilis erfolgen kann. Nach der Abkühlung ist es praktisch schon für den Verzehr geeignet. Ihr könnt es aber natürlich auch noch länger stehen lassen. Chiliöl wird in den ersten Wochen und Monaten mit der Zeit nur besser.

Ausreichend und meines Erachtens der beste Kompromiss zwischen Sicherheit und Geschmack wäre die längere Erhitzung eines frischen Chilis im Druckkochtopf mit Temperaturen von über 110°C und anschließendem Einlegen in Öl. So verändert oder verliert der Chili zwar trotzdem Teile seiner Geschmacksaromen, aber das Öl muss nicht mit erhitzt werden. Hier macht es nämlich auch einen geschmacklichen Unterschied, ob ihr kaltgepresstes Olivenöl erstmal erhitzt und wieder abkühlen lasst oder ob es bei Zimmertemperatur belassen wird. Ihr müsst es einige Wochen bis Monate ziehen lassen bis ihr das Ergebnis erzielt, das ihr euch vorgestellt habt, da die Aromen deutlich langsamer in das Öl übergehen als bei der vorherigen Variante.

In der letzten Variante, die ich euch vorstellen möchte, nehmt ihr Chiliflocken oder Chilipulver, erhitzt diese mit dem Öl auf die besagten 121 bis maximal 140 °C und siebt anschließend das Öl durch ein Sieb, falls ihr Chiliflocken benutzt habt. So habt ihr als Ergebnis nach wenigen Minuten ein fertiges scharfes Chiliöl, da Pulver und Flocken eine vielfach größere Oberfläche haben als halbe oder viertel Chilis und dadurch umso schneller Aromastoffe ausgetauscht werden können. Optisch macht die Flasche dann natürlich deutlich weniger her, auf der anderen Seite könnt ihr so dem ein oder anderen Gast einen Streich spielen, wenn er sich nichtsahnend daran bedient.

Ihr könnt Chilis in jedem Öl ansetzen, das ihr wollt. Olivenöl oder Kürbiskernöl bietet sich an bei Salaten. Rapsöl hat einen weniger dominanten Eigengeschmack, wodurch hier der Eigengeschmack der Chilis besser zur Geltung kommt. Wenn ihr mit eurem Öl am Ende eh nur Sachen anbraten wollt, könnt ihr sogar alle Sicherheitsbedenken ignorieren und das Öl so herstellen, wie ihr wollt, da die Neurotoxine eh bei Temperaturen ab 80°C innerhalb von 5 Minuten unschädlich gemacht werden.

Auch bei der Chiliauswahl könnt ihr nehmen, was euch gefällt. Hier gibt es keine Vorgaben, was besser funktioniert und was schlechter. Weniger intensive Chilis müsst ihr verstärkt an das Öl geben, bei intensiveren reicht evtl. weniger. Vielleicht wollt ihr auch das schärfste Öl aller Zeiten herstellen. Dann führt natürlich kein Weg an den Superhot Chilis wie Carolina Reaper oder Big Black Mama vorbei. Empfohlen wird durchschnittlich ein Richtwert von 35g frische Chilis auf 250 ml Öl. Für getrocknete Chilis ergibt das ein Gewicht von 3 bis 4 g. Ihr könnt aber wie gesagt frei nach oben oder nach unten variieren wie es euch gefällt.

Auch wenn dieser Beitrag von viel negativem Inhalt beeinflusst ist, möchte ich euch nicht entmutigen, am Chiliöl zu experimentieren. Ich will bloß über die Gefahren aufklären und ihr könnt natürlich euer Chiliöl herstellen, wie es für euch passt. Nur solltet ihr gerade beim Verschenken von Chiliöl darauf achten, dass ihr hier die Sicherheitsvorkehrungen irgendwie versucht, einzuhalten, um euch da keine Vorwürfe machen zu müssen, wenn doch mal was passieren sollte. Die Fallzahlen sind gering, aber solange sie größer als 0 sind, muss man leider mit allem rechnen. Wenn ihr das Wichtigste beachtet, kann nichts schiefgehen.

Wenn ihr noch praktische Ölflaschen zum selbst Befüllen sucht, die sich gut verschließen lassen und mit denen ihr gut dosieren könnt, kann ich euch das Essig- und Öl Spender-Set Madeira ans Herz legen.

geeignete Flasche zum Chiliöl herstellen: aus dem Essig- und Öl Spender-Set Madeira

Noch eine kleine Ergänzung zum Schluss: Saucen auf Chilibasis enthalten im Gegensatz zu Chiliöl einen vergleichbar hohen Anteil an Essig. Dadurch werden die potentiellen C.-botulinum-Bakterien dort in saurerem Milieu gelagert. Bei pH-Werten unterhalb von 4,5 wird kein BoNT produziert, wodurch ihr hier keine Gefahr zu erwarten habt. [6]

Quellen

Chiliflocken, Chilipulver und Chilifäden herstellen

Überall begegnen wir Chiligewürzen in den verschiedensten Formen. Dass aus einer Chilifrucht Flocken, Pulver und Fäden erzeugt werden können, ist auf der einen Seite faszinierend, andererseits mit Blick auf die Gewürzregale in den Supermärkten auch allseits bekannt. Wie wir aus unserer privaten Chiliernte dieselben Erzeugnisse herstellen können, darauf werde ich heute eingehen.

Für alle drei Varianten müssen die Chilis getrocknet werden. Die gemahlenen und die Flocken vorher und die die Fäden nachdem sie in ihre Form gebracht wurden. Wie ihr eure Chilis richtig trocknet, dazu habe ich hier bereits einen Beitrag für euch verfasst.

Chilis zu Flocken verarbeiten

Chiliflocken sind grob gemahlene getrocknete Chilis. Dazu könnt ihr sie mörsern oder in einem Zerkleinerer zerkleinern. Im Zerkleinerer geht das auf jeden Fall besser. Was auch geht ist, sie in einen Beutel zu legen und darin zu zerklopfen. Am frischsten sind die Chiliflocken, wenn ihr die getrockneten Chilis in eine Gewürzmühle füllt und sie damit direkt in der nötigen Menge mahlt. [1]

Getrocknete rote Chilis, längs in Viertel geteilt – Plazenta und Kerne sind drangeblieben für die Chiliflocken

Chilis pulverisieren

Chilipulver entspricht fein gemahlenen getrockneten Chilis. Die Herstellung erfolgt mit denselben Utensilien, mit denen ihr auch die Flocken herstellen könnt. Ihr müsst es nur länger zerkleinern und ggf. am Schluss noch einmal durchsieben, wenn euch das Endergebnis immer noch zu grob ist. Den Rückstand könnt ihr dann als Chiliflocken verwenden. Mit dem Zerkleinerer allein ist kein Pulver herstellbar, da er dafür zu grob ist. Ihr könnt aber möglichst kleine Flocken mit ihm herstellen, um sie dann anschließend mit anderen Mitteln wie dem Mörser zu pulverisieren.

Getrocknete halbe entkernte rote Chilis im Zerkleinerer

Eine andere Methode, auf die ich gestoßen bin, um Chilipulver herzustellen, ist die, eine Kaffeemühle auf feinster Stufe zu verwenden. [2] Das zu testen hat mir jedoch meine Freundin untersagt. Da bin ich also nun gespannt auf eure Kommentare, wie eure Erfahrungen damit sind 🙂

Ich würde euch auf jeden Fall empfehlen, für die Herstellung von Chilipulver die Chilis vor dem Trocknen bereits zu entkernen (die Plazenta könnt ihr aber gerne für mehr Schärfe drin lassen), damit ihr sie am Ende besser fein mahlen könnt.

Links oben seht ihr die Chiliflocken der roten Chilis, auf der rechten Seite das Pulver und unten das Pulver des gelben Chilis (Ergebnis einer einzigen Frucht ähnlicher Größe wie die roten), der auf keinem der vorherigen Bilder zu sehen ist. Das Pulver passt durch mein feinstes Sieb, aber für richtig feines staubiges Pulver muss ich mir vielleicht doch noch eine alte Kaffeemühle vom Flohmarkt organisieren…

Chilifäden herstellen

Fäden erfordern ein wenig Geduld bei der Vorbereitung. Wenn ihr Chilifäden herstellen wollt, müsst ihr die Chilis zunächst längs halbieren, entkernen und von der Plazenta befreien. Entsprechend sind die Chilifäden im Endergebnis weniger scharf. Die Chilihälften müsst ihr anschließend auf einem Schneidebrett plattdrücken – ggf. unter Zuhilfenahme eines Nudelholzes. So könnt ihr nun hauchdünne Streifen der Länge nach abschneiden. Besonders gut eignen sich dafür scharfe biegsame Messer, da ihr damit besser entlang einer gekrümmten Linie schneiden könnt. Je dünner eure Streifen werden, desto besser das Endergebnis. Ihr wollt ja am Schluss sowas wie Fäden haben. Am besten gelingt das, wenn ihr die Außenhaut der Chilis nach unten legt.

Die Streifen alle mit kleinen Abständen zueinander auf einem Backblech auslegen und 2 bis 4 Stunden bei 50°C Umluft und einem kleinen offenen Spalt im Backofen dörren. Alternativ geht das natürlich auch in einem Dörrautomaten. Auch hier gilt wie beim Trocknen von halben Chilis, dass sie am Ende sehr brüchig sein müssen. Ansonsten sind sie noch nicht richtig trocken und müssen noch weiter getrocknet werden. [3]

Mit den drei Cayennes lassen sich gut Chilifäden herstellen

Diesen drei Cayennes geht es in den folgenden Bildern an den Kragen…

…mit Kragen ist in diesem Fall der Stiel mit Kelch (oben rechts im Bild) gemeint. Anschließend werden sie längs aufgeschlitzt.

Das Massaker nimmt seinen Lauf. Die Chilis links, deren Eingeweide rechts 🙂

Solche Stellen wie an der Spitze der zweiten Cayennehälfte von unten müssen vor der Verarbeitung entfernt werden. Danach werden sie mit dem Nudelholz plattgerollt.

Sehr fein geschnitten (ca. 1mm Dicke) ist das Ergebnis nach anderthalb Stunden dieses.

Diesmal wird im Backofen mit Dörrprogramm gedörrt, beim nächsten Mal geht’s in den richtigen Dörrautomaten.

Die Chilifäden aus eigener Herstellung sollten am Schluss in etwa so aussehen.

Quellen

Wie Blattläuse Chilis schaden und was ihr dagegen tun könnt

Wenn unsere Chilipflanzen von Blattläusen befallen werden, fällt das meistens erst auf, wenn wir die Blätter von unten begutachten. Dort tummeln sich diese Insekten nämlich, während sich selten eine Laus auf die Oberseite verirrt. Auch wenn das passieren sollte, sind die Tiere so klein, dass wir sie nur bei genauerem Hinsehen registrieren würden. Wenn die Kolonisierung weiter fortgeschritten ist, tummeln sie sich aber auch zunehmend an den Stängeln und den Blattoberseiten. Spätestens dann werdet ihr sie auch ohne genauere Überprüfung der Pflanze sehen können.

Im Folgenden möchte ich euch erläutern, wie die Blattläuse leben und auf welche Weise Blattläuse Chilis Schaden zufügen und anschließend nenne ich einige Maßnahmen, wie ihr sie loswerden könnt, ohne dass ihr dafür gleich die Chemiekeule schwingen müsst.

Lebensweise der Blattläuse

Die Größe einer Blattlaus beträgt 1 bis 7 Millimeter, wobei sie selten größer als 3 Millimeter groß sind. Weltweit gibt es ca. 5000 verschiedene Arten, von denen ca. 800 in Mitteleuropa beheimatet sind.

Meistens ist es die grüne Pfirsichblattlaus, die sich an unseren Chilipflanzen zu schaffen macht. Diese werden zwischen 1,8 und 2,5 mm groß. Sie befallen Chilis in der Regel in der Zeit von Mitte Mai bis September. Im Winter besiedeln sie lieber Bocksdorn, Pfirsich-, Aprikosen-, Schlehen- oder auch Apfelbäume.

Wenn Blattläuse Chilis befallen: grüne Pfirsichblattläuse an den Blattunterseiten einer Cayenne-Pflanze

Wenn Blattläuse Chilis befallen: grüne Pfirsichblattläuse an den Blattunterseiten einer Cayenne-Pflanze

Das Umsiedeln erfolgt über das Konzept, dass Blattläuse in der Lage sind, sowohl unbeflügelte, als auch beflügelte Nachkommen zu zeugen. Die unbeflügelten verlassen die Pflanze nicht, während die beflügelten in der Lage sind, davonzufliegen und auf anderen Pflanzen wiederum unbeflügelte Nachkommen hervorzubringen.

Die natürlichen Feinde der Blattläuse sind in erster Linie Marienkäfer, Raubwanzen, Ohrwürmer, Blattlausschlupfwespen und die Larven von Flor- und Schwebfliegen.

Ameisen hingegen machen sich die Blattläuse selbst zunutze. Die Ausscheidungen der Blattläuse – der sogenannte Honigtau (auch Meltau, nicht zu verwechseln mit Mehltau) – ist sehr zuckerhaltig und dadurch bei den Ameisen sehr begehrt. Sie ernähren sich davon und verhindern dadurch gleichzeitig, dass sich die Blattläuse selbst den Hintern verkleben oder sogar gar nicht mehr vom Fleck kommen. Gleichzeitig gewähren sie den Blattläusen im Gegenzug Schutz vor Fressfeinden. Damit die Läuse schön die Wirtsplanze für die Ameisen weiter „beweiden“, sondern sie einen Botenstoff ab, der die Blattläuse verlangsamt und gelegentlich beißen sie den beflügelten Läusen auch mal die Flügel ab, damit sie bloß nicht abhauen.

Wie greifen die Blattläuse Chilis an?

Der Honigtau entsteht dadurch, dass die Blattläuse mit ihrem Saugrüssel die Siebröhren des Blattes anstechen. Siebröhren sind unvollständig ausgebildete Zellen, in denen der gespeicherte Saft unter hohem Druck steht. Deswegen pumpt die Pflanze den Blattläusen den Saft eher in den Saugrüssel rein anstatt dass die Laus wirklich saugen müsste. Darüber hinaus gibt die Blattlaus noch mit ihrem Speichel Proteine ab, die einen schnellen Wundverschluss der Pflanze verhindern. [1]

Dadurch dass der Saft nicht sehr proteinhaltig ist, aber die Blattläuse auf ihre Proteine kommen müssen, bleibt eine große Menge Honigtau zurück. Den Zucker können die Blattläuse nämlich nicht verwerten, obwohl sie ihn mit aufgenommen haben. Er fehlt also unserem Chiligewächs und die Ameisen freuen sich. [2]

Der Honigtau ist sehr klebrig und kann auch unsere Möbel verkleben, sollte er einmal anfangen, von den Pflanzen zu tropfen. Außerdem bildet er Nährboden für diverse Pilze, die die Chilis befallen könnten. [3] Darüber hinaus sind die Blattläuse selbst auch bekannt als Überträger von Pflanzenviren. Wenn die Blattläuse also einmal weg sind, kann es sein, dass es unseren Chilis dann immer noch nicht wieder gut geht und sie noch ein ganz anderes Problem haben.

Daher steht nun die Frage im Raum, wie ihr sie beseitigen könnt, wenn sie sich einmal niedergelassen und verbreitet haben.

Blattläuse ökologisch bekämpfen

Bevorzugen solltet ihr alle zunächst einmal die ökologischen Methoden, da ihr ja eure Chilis möglichst bedenkenlos essen können wollt.

Als eine der effektivsten Methoden hat sich eine Mischung aus Wasser, Milch und Öl herausgestellt.  Dabei sorgt das Lecithin aus der Milch abtötend, in dem es sich in einer Dünnen Schicht über die Blattläuse legt und sie dadurch nicht mehr atmen können.[4] Das Öl wirkt auf ähnliche Weise. Der Effekt wird durch die Zugabe von Öl einfach nochmal verstärkt. Für die Behandlung der befallenen Pflanze(n) braucht ihr eine Sprühflasche und mischt darin 2 Teile Wasser auf einen Teil Milch. Am Schluss gebt ihr noch einen Schwups Öl hinzu und schüttelt die Flasche vor der Anwendung.

Für die Behandlung müsst ihr die Blätter von oben und von unten besprühen. Am besten macht ihr das morgens, damit sie den Tag über trocknen können. Dabei müsst ihr natürlich auch sicherstellen, dass die Chilis während der Behandlung nicht im vollen Sonnenlicht stehen, da sie sonst an den nassen Stellen verbrennen können. Bei starkem Befall solltet ihr den Vorgang alle zwei Tage durchführen bis sie alle weg sind.[5]

Außer dieser Mischung gibt es auch vegane Varianten wie zum Beispiel den Einsatz von Brennessel- oder Ackerschachtelhalmsud. Diese Mittel werden im Internet gerne hoch gepriesen, aber unterm Strich können sie einen Blattlausbefall maximal eindämmen. [6] Die in diesen Kräutern enthaltene Kieselsäure sorgt für eine Stärkung der Zellwände an den Pflanzen. Es wird also schwieriger für die Läuse, die Siebröhren anzustechen. Wie bereits erwähnt kann die Pflanze ihre Wunden nicht mehr so gut heilen, wenn die Läuse gesaugt haben. Daher ist bei starkem Befall auch dieses Mittel nicht mehr so erfolgsversprechend.

Vorbeugend könnt ihr es aber super zweimal die Woche einsetzen. Darüber hinaus wirkt es auch als Dünger. Ihr müsst den Sud in einem Eimer in einem Mischverhältnis von 1:5 mit Wasser vermengen. Wichtig ist dabei, dass ihr diese Mischung nicht mehr als 2 Tage ziehen lasst, weil es einen Zeitpunkt gibt, ab dem die Konzentration an Kieselsäure so hoch ist, dass eure Pflanzen Schaden davon nehmen können, wenn ihr sie damit besprüht. Den Sud müsst ihr vor der Verwendung noch einmal durch ein Sieb geben, sodass ihr eure Sprühflasche problemlos mit der Brühe befüllen könnt.[7]

Die natürlichste Methode, wenn ihr die Zeit dazu habt, ist, dass ihr Fressfeinden Nistplätze gewährt. Zum Beispiel könnt ihr einen Blumentopf mit Holzwolle füllen und dann verkehrt herum in der Nähe der Blattläuse aufhängen. Hierin fühlen sich die Ohrwürmer besonders wohl. Wenn sie einmal eingezogen sind und nisten, haben die Blattläuse nachts keinen Spaß mehr. Werden euch die Ohrenkneifer irgendwann zu lästig nachdem sie ihren Job erledigt haben, könnt ihr sie mitsamt dem Topf einfach wieder umsiedeln. [8]

Florfliegen könnt ihr mit Katzenminze anlocken [9], Schwebfliegen und Marienkäfer mit Blütenpflanzen, da sie sich von den Blütenpollen ernähren. [10]

Zugegebenermaßen würde ich die Ohrwürmer und Florfliegen nur in einem Garten anlocken, weil auf einem Balkon der Weg in die Wohnung nicht weit ist. Da wollt ihr nämlich auch keine Ohrwürmer beherbergen.

Die Blütenpflanzen hingegen helfen ja auch, genau die richtigen Tiere für die Bestäubung der Chiliblüten anzulocken. Von daher solltet ihr diese sowieso in der Nähe stehen haben.

 

Quellen

Chiliboom im neuen Gewächshaus

Als ich am vergangenen Wochenende nach längerer Zeit mal wieder an mein Gewächshaus kam, wollte ich meinen Augen kaum trauen. Die Pflanzen sind seit dem letzten Mal, als ich die Bewässerung programmiert habe, regelrecht explodiert. Die Fataliis haben eine Höhe von 120 cm erreicht. In meinem Chiliprofil zur Fatalii habe ich die Beschreibung bzgl. der Wuchshöhe direkt von 80 cm auf 120 cm nach oben korrigiert. Auf die Daten aus dem Internet ist, wie ich immer wieder feststellen muss, einfach kein vollständiger Verlass.

 
Links das Gewächshaus am 29.08.2022, rechts der Stand vom 04.08.2022. In dreieinhalb Wochen kann sehr viel passieren.

Die Naga Vipers bilden mittlerweile so etwas wie eine Hecke.


Hinten rechts steht die neu zugeordnete Carolina Reaper – im letzten Beitrag habe ich sie noch fälschlicherweise als Fatalii bezeichnet.


Diese Seite verspricht den Großteil der diesjährigen Erträge.

Das betrifft, wie ich leider zugeben muss, auch meine eigenen Angaben. Bin ich von Anfang an davon ausgegangen, dass ich 3 Fataliis überwintern konnte und die Carolina Reapers aus dem letzten Jahr eingegangen sind, konnte ich zu meiner vollsten Zufriedenheit feststellen, dass es doch nur 2 Fataliis und eine Reaper waren, die den Winter überstanden haben. Es war einfach nicht mehr ganz eindeutig, da der Ertrag im letzten Jahr ausschließlich aus Fataliis bestand und die Reapers nichts getragen hatten. Nun konnte ich aber an der einen vermeintlichen Fataliipflanze zwei schrumpelig aussehende orangene Früchte sehen – die charakteristische Form der Carolina Reaper. Leider hat die Pflanze schon seit einiger Zeit dunkelgrüne Blätter, die sie nicht mehr sehr gesund aussehen lassen.


Carolina Reaper in Action. Sie muss jetzt nur noch rot werden.

Auch meine Cayenne-long-slim-Pflanzen haben aufgeholt und sind dieses Jahr sehr ertragreich. Nur sind die Cayennes unter ihrem Gewicht zur Seite auf die Habaneros gefallen. Ich habe sie wieder aufgerichtet und unter den drei großen Cayennepflanzen eine kleine gefunden, die in ihrer Größe und dem Ertrag unserer Balkonpflanze entspricht. Dadurch, dass sie weniger Licht bekam als die anderen Pflanzen quer über ihr drüber hingen, hat sie auch nicht ganz so große Früchte wie die anderen ausgebildet. Dafür waren hier bereits zwei Stück reif und alle anderen sind noch hellgrün. Einen weiteren roten Cayenne haben wir von zu Hause mitgebracht und ihn zusammen mit den anderen beiden zu Chilifäden verarbeitet. Wie das geht, werde ich euch demnächst in einem weiteren Beitrag näher erläutern.


Von den Cayennes dürfen sich die anderen Pflanzen gerne mal eine Scheibe abschneiden und ähnliche Erträge liefern.

Außer den Cayennes konnte ich auch wieder fünf Fataliis ernten. Den Pflanzen geht es gut, aber sehr ertragreich sind sie nicht. Das könnte natürlich ebenso wie beim Carolina Reaper daran liegen, dass sie bereits in das zweite Jahr bestreiten und Chilis in der Regel im ersten Jahr am ergiebigsten sind. Dafür haben sie dieses Jahr aber im Gewächshaus auch deutlich bessere Wachstumsbedingungen als letztes Jahr bei uns in der Wohnung/auf dem Balkon, wo sie ja zugegebenermaßen auch noch weniger getragen haben.

Die Habaneros bekommen nun auch endlich jede Menge Früchte. Eine davon ist riesig, die anderen wachsen noch. Alle haben gemeinsam, dass sie noch hellgrün sind und noch eine Weile brauchen bis sie erntereif sind. Noch ist aber Sommer und ich bin guter Dinge, dass das noch was werden wird dieses Jahr mit einer guten Habaneroernte.


Die wohl dickste Frucht in diesem Jahr: Habanero red

Etwas skeptischer sehe ich das bei den Naga Vipers. Bei denen bilden sich jetzt erst die ersten Blüten aus. Die Größe der Pflanzen ist mittlerweile genau wie im gesamten Gewächshaus mehr als ausreichend für eine gute Ausgangsbasis zum Früchtetragen. Leider hängt nach wie vor nicht eine Frucht an einer der Naga Vipers.


Die ersten Naga-Viper-Blüten sind da.

Dasselbe Problem habe ich mit meinem Giant Rocoto. Dabei hatte ich mich schon auf Rocoto Rellono dieses Jahr gefreut. Mit einem Rezept hierzu auf meiner Seite müsst ihr euch dann leider noch gedulden. Der Giant Rocoto auf unserem Balkon hat es noch nicht einmal zur ersten Blüte geschafft. Dadurch, dass Rocoto-Chilis als sehr rubust und langlebig zählen, wird er aber auf jeden Fall bei uns überwintern und die Ernte werden wir uns schon früher oder später noch abgreifen.

Chilis trocknen – 3 Varianten einfach erklärt

Die Erntezeit ist gekommen. Noch sind die Chilis frisch und lecker, aber wehe sie fangen an zu gammeln. Um dem vorzubeugen gibt es unterschiedlichste Methoden. Die einfachste ist, sie einfach tiefzukühlen. Aber heute soll es darum gehen, wie ihr die Chilis trocknen könnt. Insbesondere eignen sich hierfür Chilis mit dünnem Fruchtfleisch. 

Bei mir ist eine der bekanntesten Chilisorten reif geworden – der Cayenne. Allerdings in längerer und dünnerer Fruchtform verglichen mit dem handelsüblichen Cayenne. Den Großteil der Cayenneernte werde ich trocknen. Hierfür gibt es zwei Varianten: entweder im Ofen oder an der Luft.

1. Chilis trocknen im Ofen

Diese Variante ist oft mit modernen Öfen gar nicht mehr so einfach umzusetzen. Dadurch, dass beim Trocknungsprozess Wasser aus den Chilis verdampft wird, welches irgendwo hin entweichen muss, muss der Ofen bei diesem Prozess einen Spalt weit geöffnet sein. Mein privater Ofen spielt da aber leider nicht mit und verweigert mir bei geöffneter Klappe seinen Dienst.

Prinzipiell muss zum Trocknen im Ofen eine niedrige Temperatur von ca. 50°C Umluft eingestellt werden, da wir ja beim Trocknen keine Röstaromen erzeugen wollen. Entsprechend dauert der ganze Vorgang auch je nach Sorte ca. 8 Stunden.

Bevor ihr loslegt, solltet ihr die Chilis mit warmem Wasser abwaschen und abtrocknen und dann den Stiel samt Kelch entfernen. Anschließend schneidet ihr die Chilis in zwei Hälften. Spätestens an dieser Stelle müsst ihr euch überlegen, was ihr mit den getrockneten Chilis anfangen wollt.

Wollt ihr sie zu Pulver mahlen, solltet ihr die Kerne vorher entfernen. Denkt dabei daran, dass das meiste Capsaicin in der Plazenta sitzt. Wenn ihr sie bei der Entfernung der Kerne verschont, ist das Ergebnis deutlich schärfer als wenn ihr sie mit rausnehmt. Bei Chiliflocken sind die Kerne für gewöhnlich eh mit dabei, da braucht ihr nichts weiter zu unternehmen. Je kleiner ihr die Chilis schneidet, desto schneller trocknen sie. Wenn ihr am Ende Pulver oder Flocken aus den getrockneten Chilis machen wollt, ist es sinnvoll, sie noch kleiner zu schneiden als nur in Hälften. Das spart dann Zeit und Energie.

Wenn alles soweit vorbereitet ist, legt ihr alles nebeneinander mit der offenen Seite nach oben auf einem Backblech aus und schiebt das Blech in den vorgeheizten Backofen. Während des Backens empfiehlt es sich, die Küche gut zu durchlüften, da beißende Dämpfe durch den offenen Spalt entweichen.

Die Chilis sind trocken, wenn sie beginnen, im Backofen eine dunklere Tönung zu erhalten. Sie lassen sich zudem nun leicht zerbröseln.

2. Chilis trocknen im Dörrautomat

Die Profis unter euch haben bereits einen Dörrautomaten. Wenn nicht, könnt ihr auch problemlos einen ab 30€ bekommen. Gegebenenfalls stellt sich hier die Platzfrage und wie oft ihr ihn am Ende tatsächlich benutzen werdet. Da das Volumen jedoch deutlich kleiner ist als das der meisten Backöfen, könnte sich die Anschaffung lohnen, da deutlich weniger Energie nötig ist, um eine Temperatur von 50°C über mehrere Stunden zu halten. Ein Dörrautomat ist auch geeignet für den Fall, dass ihr auch gerne mal dickwandige Chilis trocknen wollt. [1] Ansonsten gilt für die Vorbereitung der Chilischoten dasselbe wie beim Backofen.

4 Cayennes, 5 Fataliis und eine Carolina Reaper nach dem Entfernen der Stiele und vor dem Anschnitt und der Trocknung

Damit der Dörrautomat trotz der bisher recht überschaubaren Chiliernte nicht nur für die paar Chilis läuft, kommt noch ein bisschen was dazu, damit er voll wird

3. Chilis trocknen an der Luft

An der frischen Luft bietet sich die Trocknung von Chilis an, wenn besonders große Mengen zu trocknen sind oder die Zeit einfach nicht so sehr drängt. Der Nachteil ist nämlich, dass dieses Verfahren drei bis sechs Wochen dauert. Die Energiekosten liegen bei 0€, dafür braucht ihr jedoch Nadel und Faden, um die Chilis klassisch auf einer Schnur zusammenzubinden. Die Stiele müsst ihr bei diesem Verfahren dran lassen, damit ihr diese als Fixierpunkte nutzen könnt. Mit der Nadel führt ihr dafür den Faden jeweils durch die Stiele der Chilis hindurch. Bei dickeren Chilisorten oder bei Sorten mit sehr dünnem Stiel könnt ihr den Faden auch kurz unterhalb des Stiels durch die Chilis hindurchfädeln.

Piments d’Espelettes zu verkaufen in Espelette (französisches Baskenland)

Die Chilis müssen an einem trockenen regengeschützten Standort aufgehängt werden. Geeignet sind beispielsweise der Dachboden oder ein Carport. Manche Leute hängen sie auch unter ihrem Vordach an die Außenfassade.

Chilis trocknen an der Fassade eines baskischen Hauses

Die Fassade eines Baskenhauses in Espelette kurz vor der großen Ernte. Danach würde hier nichts mehr weiß sein, da in Espelette dann alle Häuser komplett voll mit Chilis hängen.

Alternativ könnt ihr die Chilis natürlich auch auf einem trockenen Untergrund wie Holz oder Stein auslegen. So liegen sie jedoch mehr im Weg. Für besonders große Mengen könnt ihr die Chilis auch auf in Holzrahmen gefasste Drahtnetze legen. Der Vorteil wäre, dass diese sich auch gut stapeln lassen. Die Anforderungen an den Standort bleiben natürlich dieselben wie wenn ihr sie aufhängt.

Die Piments d’Espelette (Gorria-Chili mit Herkunft aus dem Anbaugebiet Espelette) bei der Trocknung im ‚Atelier du Piment à Espelette‘ – Wer in der Gegend ist, sollte sich diesen Abstecher gönnen.

Trockene warme Sommer sind für die Lufttrocknung immer ideal. Bei nassfeuchtem Wetter solltet ihr dann aber doch lieber auf euren Ofen oder den Dörrautomaten zurückgreifen, weil die Chilis ansonsten mit der Zeit anfangen werden zu gammeln anstatt zu trocknen. [2]

Quellen

Arbeiten am Chili-Gewächshaus

Wer sich gefragt hat, wieso hier länger kein Beitrag mehr von mir kam, der bekommt heute die Antwort. Meine freien Stunden, die ich sonst zum Schreiben hätte aufwenden können, habe ich intensiv in die Gartenarbeit gesteckt. Zudem sind die Wochenenden in den Sommermonaten auch fast nie komplett frei. Das kennt ihr wahrscheinlich auch von euch selbst.

Wie ich bereits früher schon angedeutet habe, hat mein Bruder ein Gewächshaus im Garten. Das Gewächshaus war allerdings voll mit Sand und hatte keine eigene Bewässerung. Bis auf das Gewächshaus selbst war also noch nichts da, was für den Chilianbau geeignet ist. Falls ihr also mit dem Gedanken spielt, euch selbst ein Chili-Gewächshaus im Garten anzulegen, könntet ihr euch vielleicht auch hier inspirieren lassen, wie ich das gemacht habe.

Der Anblick, wie das Gewächshaus vor den Arbeiten aussah, ist relativ ernüchternd. Motiviert habe ich mich, indem ich mir das Ziel vor Augen geführt habe: Ein Gewächshaus – 2 mal 3 Meter groß nur für meine kleine Chilifarm mit automatischer Bewässerung.

Zustand des Gewächshauses vor den Arbeiten. Der Rosmarin hat leider nicht überlebt †

Das Gewächshaus ist bis ca. 30 cm unterhalb des Sandbodens einbetoniert. Ungefähr bis auf diese Tiefe habe ich den Sand mit einer Breite von 55-60 cm mit einem Spaten zunächst L-förmig entlang den Begrenzungen aus dem Bestand ausgehoben. Die alte Begrenzung habe ich entfernt. In diesem Graben habe ich dann Unkrautvlies auf dem Boden und den Seiten ausgelegt, damit der Sand sich später nicht allzu sehr mit der Erde vermischen kann.

Überall zu erkennen die Beetabgrenzungssteine ‚Beetfix‘, rechts zu erkennen das Unkrautvlies, das die aufgeschüttete Erde vom Sand trennen soll

Dann konnte es endlich losgehen, worauf mein Bruder schon so lange gewartet hat: Die Säcke mit der Gemüseerde, die bereits längere Zeit auf einer Palette auf der Einfahrt gestapelt waren, konnten nach und nach in den hinteren Bereich des Gartens geschleppt und in die vorbereiteten Gräben ausgeschüttet werden.

der schiefe Turm von Schöneiche

Die neuen Beetbegrenzungssteine, die ich besorgt habe, habe ich nicht extra betoniert, sondern etwa 15 cm tief im Sand eingegraben und auf der Seite des Beets bis zur Höhe des Überstands des Unkrautvlieses. Die Beetbegrenzung steht also ein bisschen im Abstand zur Abrisskante, damit die Steine auch genügend Halt finden. An der Oberfläche ist das Beet somit etwa 5 cm breiter als in der Tiefe. Die Steine sind die aus Beton gegossenen „Beetfix“-Steine von Hornbach. Insgesamt sind sie 25 cm hoch; bei mir ragen sie also nur noch ca. 10 cm auf beiden Seiten heraus.

Genauso habe ich es dann auf der letzten Seite gemacht. Erst aufgebuddelt, dann Unkrautvlies verlegt und wieder mit Erde aufgeschüttet, Steine positioniert und dann alles bis oben hin mit Erde aufgefüllt.

Gewächshaus bevor die Chilis eingepflanzt und die Bewässerung innen verlegt wurde

Die kleine Eingangstreppe hat eine Breite von 78 cm. Die Steine sind 6 cm breit und setzen an den äußeren Rändern der Treppe an. Unterm Strich ist somit der zu betretende Bereich etwa 65 cm breit, was aber völlig ausreichend ist. Außerdem ist die Beetseite ja auch betretbar, aber sollte natürlich nicht als Hauptverkehrsfläche dienen 🙂

Die Gesamttiefe des Beets beträgt nun in etwa 45 cm. Bedenkt man dabei, dass ich auf eine Gesamtlänge von 4,20 m bei einer Breite von ca. 55 cm das Beet mit 50 Säcken à 40 l Erde befüllt habe, kann ich feststellen, dass die Erde auf ca. die Hälfte des Volumens zusammenfällt. Diese Erkenntnis werde ich mir wohl nun für künftige Projekte merken.

Zum Glück hatte ich aus Kostenersparnisgründen eh direkt eine ganze Palette mit 2,4 m³ Erde gekauft. Es war nicht nur preis-/leistungsmäßig, sondern auch absolut günstiger als 1,4 m³, die ich ursprünglich eigentlich nur bestellen wollte, weil ich dachte, dass das reichen würde. Falls sich hier jemand wundert: 10 Säcke wurden anderweitig verwendet, somit hatte ich für dieses Projekt nicht alles selbst verbraucht.

Bewässerung

Mein erster Spatenstich fand nicht IM Gewächshaus statt, sondern DAVOR. Wie vorhin bereits erwähnt, ist das Gewächshaus bis zu einer bestimmten Tiefe einbetoniert. Da eine Treppe im Gewächshaus nach unten führt, entsprechen die 30 cm Tiefe unter dem Sandboden innen etwa einer Tiefe von 80 cm unter dem Boden von außen. Ich habe also im Bereich zwischen 80 und 100 cm tief etwa 4 m weit gegraben, um den Außenwasserhahn mit dem Gewächshaus zu verbinden. So konnte ich einen Schlauch (Gardena Pipeline) von unten ins Gewächshaus führen, ohne eine Kernbohrung o.ä. zu benötigen und außerdem ist dieser Tiefenbereich mindestens erforderlich, um das System frostfrei halten zu können, was der Langlebigkeit zugute kommen wird.

Bei der Pipeline handelt es sich um ein Kunststoffrohr (PE-Rohr), das an einem Stück verlegt werden kann, wenn keine übermäßig hohe Krümmung erforderlich ist. In der Tiefe habe ich also nicht ein weiteres Element neben dem Schlauch selbst installieren müssen, was die Fehlersuche bei eventuellen Störungen auf den oberflächennahen Teil beschränkt. Ich muss also nicht noch ein weiteres Mal alles wieder aufbuddeln.

Von hier aus wird das Gewächshaus mit Wasser versorgt. Der Schlauch liegt auf dem Bild bereits im Graben auf dem Boden.

der Abschnitt, der von außen zum Gewächshaus führt

Vorne rechts ist zu erkennen, wie der Schlauch von außen ins Gewächshaus geführt wurde.

Innerhalb des Gewächshauses habe ich das Microdrip-System von Gardena installiert. Der Schlauch hat einen Innendurchmesser von 3/16 Zoll und kann entsprechend den Abständen der Chilis in beliebig viele Teilstücke zerschnitten werden. Zwischen den Schlauchabschnitten habe ich Wasserauslässe, die die Stelle mit 2 Liter pro Stunde tröpfchenweise gießen. Da sie nur tropfen, ist es wichtig, diese Komponenten möglichst dicht an den Stämmen der Chilipflanzen zu platzieren, damit das Wasser auch richtig ankommt. Am Ende kommt ein Stopfen in den Schlauch, damit das Wasser ausschließlich kontrolliert an den Pflanzen ankommt und nicht mehr Wasser als nötig am Ende des Schlauchs austritt.

 Einige Pflanzen lassen zunächst noch ihre Blätter hängen, aber das ist die endgültige Besetzung für dieses Jahr – links die Naga Vipers, hinten die Fataliis, rechts hinten Cayenne und rechts vorne die roten Habaneros. Der Bewässerungsschlauch, der entlang der Pflanzen verlegt ist, ist ebenfalls zu sehen.

Keine Sorge, den Habaneros geht es mittlerweile auch schon wieder besser

Die Cayennes blühen fröhlich vor sich hin, aber tragen auch schon fleißig richtige Früchte.

Die 5 Naga Vipers sind nach wie vor blütenlos

Am Außenwasserhahn habe ich einen displaylosen, aber bluetooth- und WLAN-fähigen Bewässerungscomputer montiert. Von der displaylosen Ausführungsvariante erwarte ich eine höhere Robustheit des Geräts.

Displayloser Bewässerungscomputer von Comistack

Der Dünger wird bei diesem System noch nicht automatisiert hinzugegeben, da muss ich mir noch etwas überlegen. Auch dafür gibt es theoretisch Komponenten, aber zunächst reicht gegebenenfalls noch der Nährstoffgehalt aus der frischen Tomaten- und Gemüseerde aus.

Ein Update nach längerer Zeit zu den Pflanzen

Der ganze Beitrag ist rückblickend zu betrachten. Leider war ich noch nicht wieder vor Ort, aber habe noch die Bilder von Anfang August. Genauer gesagt von dem Tag, an dem ich die Bewässerungsanlage fertiggestellt habe. Wenn ich wieder etwas Aktuelleres habe, werde ich es direkt mit euch teilen. Von meinen ursprünglich ausgesäten Chilis sind nur noch 6 Naga Viper, 6 rote Habaneros, 10 Cayenne und eine Giant Rocoto im Rennen. Darüber hinaus haben wir noch unsere Fatalii-Pflanzen aus dem letzten Jahr, die uns auch bereits Früchte gebracht haben. Unter anderem kam sie bei uns im Linsen-Dal zum Einsatz.

Reife Fatalii an einer meiner Pflanzen

Im Gewächshaus wachsen 3 Fataliis, 5 Naga Viper, 4 Cayennes und 3 rote Habaneros. Auf meinem Balkon wächst der einzige übergebliebene Giant Rocoto zusammen mit 3 weiteren Cayennes, einer Fatalii und 2 roten Habaneros. Die restlichen Chilis sind bei meinen Eltern untergebracht.

Die Überführung erfolgte übrigens klassisch für Berliner ohne Auto mithilfe eines Bollerwagens, was in der S-Bahn für viel Gesprächsstoff gesorgt hat. Einige weniger botanisch bewanderte hielten die Chilis für Hanfpflanzen, während eine fachkundige Mutter ihrem Kind erklärt hat, woran man erkennt, dass das Paprikagewächse sind.

Bollerwagen voller Chilis in der S-Bahn. Auch ein paar weiße Gurken sind dabei, aber für diesen Blog irrelevant, da sowieso ebenfalls schon tot (wie der Rosmarin) †

Früchte tragen bisher nur die Fataliis und die Cayennes. Das ist meines Erachtens nach wie vor auf den zweimonatigen Verzug zurückzuführen, in der die Chilis im Frühling aufgrund von Nährstoffmangel in der Aussaaterde nicht weiter gewachsen sind. Die Pflanzen haben alle nicht ihre eigentlich mögliche Größe erreicht, was auch bei den Cayennes zu einer geringeren Ernte führen wird. Viele Blüten werden auch nicht mehr bestäubt, weil die Bienen sich irgendwie mehr für andere Pflanzen bei anderen Menschen interessieren. Hier werde ich nächstes Jahr auf jeden Fall dafür sorgen, Lavendel auf meinen Balkon zu holen, um sie besser anzulocken.

Im Gewächshaus fielen auch schon die ersten Schädlinge über die Pflanzen her, wobei sich die Schäden bisher in Grenzen halten. Ich werde das aber weiter beobachten. Erwischt hat es die Naga Vipers.

Blattfraß an zwei Naga Vipers

Dampfdruckdefizit

In einem meiner vergangenen Beiträge habe ich bereits angekündigt, dass ich mich mit dem Dampfdruckdefizit noch einmal intensiver beschäftigen werde. Bei meiner Recherche ist mir aufgefallen, dass dieses Thema insbesondere in Hanfanbaukreisen viel diskutiert wird. Das ist verständlich, da hier ja auch sehr anspruchsvolle Pflanzen von der Polizei versteckt in Innenräumen aufgezogen werden. Um den Hanfpflanzen die optimalen Bedingungen bieten zu können, greift man auf die Daten zum Dampfdruckdefizit zurück.

In komplett nach außen abgedunkelten Räumen mit künstlicher Beleuchtung ist es auch am einfachsten umzusetzen, da die Luftfeuchtigkeit ohne schwankende Lichtverhältnisse gut konstant gehalten werden kann. Im Chilianbau müssen wir uns nicht vor der Polizei verstecken, weswegen wir lieber kostengünstig auf Fensterbänken und im Garten anbauen wollen – mit weit weniger oder, wenn es geht, ganz ohne künstlichem Licht.

Was ist mit dem Dampfdruckdefizit gemeint?

Das Dampfdruckdefizit, auch VPD (vapor pressure deficit) bezeichnet die Druckdifferenz zwischen dem vorherrschenden Dampfdruck und dem Dampfdruck, der bei 100% Luftfeuchtigkeit bei gleicher Temperatur erreicht wird. Die Werte werden meistens in Hekto- oder Kilopascal angegeben. Die Temperatur, die entscheidend ist, ist die des Blattes. Man kann sie mit einer Infrarotmessung ermitteln. Das Blatt sollte eins aus der obersten Blattreihe sein.

Was hat das Dampdruckdefizit nun in der Praxis mit Pflanzen zu tun?

Jede Pflanze, die Photosynthese betreibt, braucht dazu ihre Blätter. In den Blättern befinden sich Spaltöffnungen, auch Stomata genannt. Darüber nehmen sie das nötige CO2 auf. Ist jedoch der VPD-Wert zu hoch, heißt das, dass mehr Wasser aus den Blättern verdunsten würde als die Luft im Gegenzug an die Blätter zurückgibt. Um dem vorzubeugen schließen die Blätter ihre Stomata, um das Wasser nicht zu verlieren. Im Umkehrschluss bedeutet das jedoch, dass die Photosyntheseleistung zurückgeht und das Pflanzenwachstum dadurch gebremst wird.

Wenn der Wert über 3,5 kPa liegt, schließen die Stomata komplett ab und die Pflanze kann kein Wasser mehr verdunsten und keine Photosynthese mehr betreiben. Bei Werten unter 0,5 kPa ist die Luftfeuchtigkeit der Umgebung so hoch, dass das Blatt dadurch auch kein Wasser mehr durch Verdunstung abgeben kann, was unterm Strich auf dasselbe Ergebnis wie bei einem zu hohen VPD-Wert hinausläuft. Pilzbefall ist eine der daraus resultierenden Folgen.

Ideal für das Pflanzenwachstum sind Werte zwischen 0,8 und 1,2 kPa. Ein immer noch passabler Bereich ist zwischen 0,7 und 2,5 kPa. Im Wachstumsstadium sollte der Wert eher unter 1, in der vegetativen Phase um 1 herum und ab der Blütezeit über 1 liegen. [1] Bei kleineren Werten ist die Luftfeuchtigkeit geringer, was zwar gut für Keimbildung ist, jedoch keimen auch Sporen und andere Schädlinge besser, was unsere Pflanzen krankheitsanfälliger macht. Daher ist es besser, wenn die Umgebungsluft, wenn die Pflanze kräftiger wird eher Feuchtigkeit entzieht als abgibt, da unsere Pflanzen dann immer noch sehr gut zurecht kommen, aber ein heranwachsen für Schädlinge auf diese Weise erschwert wird. [2] [3]

Wie ich eingangs beschrieben habe, stammen die meisten VPD-Tabellen, die ihr im Internet finden könnt, aus dem Cannabisanbau, jedoch ist die Physik hinter der Berechnung unabhängig von der Pflanze. Daher könnt ihr davon ausgehen, dass ihr die in den Tabellen markierten Idealwerte nicht nur auf Hanfpflanzen, sondern genauso gut auf Chilis und jede andere Pflanze anwenden könnt.

VPD-Chart – der rote Bereich ist ist zu vermeiden, optimal ist der blaue Bereich. Quelle: DimLuxLighting.com

Obwohl die Zusammenhänge von Vegetation und dem VPD bereits lange bekannt sind, wird erst jetzt begonnen, verstärkt Technik und computergesteuerte VPD-Überwachung von Gewächshäusern einzusetzen. Euch kann ich das eher nicht empfehlen, da die notwendige Technik sehr teuer ist und es auch dann noch schwierig ist, die optimalen Werte zu erreichen. Allein in dunklen Indoor-Plantagen können die Werte gut relativ konstant gehalten werden, da äußere Einflüsse wie die Sonneneinstrahlung nur sehr verzögert Einfluss auf die Temperatur in diesen Bereichen hat und die Technik dadurch schnell genug reagieren kann.

Gerade die teure Technik sollte sich am Ende gegenüber dem Ernteertrag auch einigermaßen rechnen. Da für Cannabis auf der Straße vergleichsweise sehr hohe Preise gezahlt werden, wissen wir, warum das Dampfdruckdefizit ausgerechnet in der Cannabiswelt so bekannt ist. In der Botanik ist es eher ein Thema für wissenschaftliche Arbeiten, wobei sich auch die Verfasser von Klimastudien zur globalen Vegetationsentwicklung bereits auf die Aussagekraft des VPD stützen. [4]

Quellen