Eigenes Chiliöl herstellen

Chiliöl ist das i-Tüpfelchen auf jeder Pizza, eignet sich aber auch immer gut für Salate oder gemeinsam mit Salz und Pfeffer zum Aufsaugen mit Ciabattascheiben. Auch zum Anbraten könnt ihr es verwenden und es gibt noch zahlreiche weitere Einsatzmöglichkeiten.

Umso wichtiger ist es, dass ihr beim Ansetzen dieser edlen Tropfen keine Fehler macht. Im Internet wimmelt es von Rezepten, aber nicht alle solltet ihr so nachmachen. Das Stichwort, das ich hier nennen will, lautet „Botulismus“.

Wissenswertes über Botulismus

Botulismus ist eine tödliche Krankheit, die vorwiegend dadurch ausgelöst wird, dass Fehler beim Selbsteinlegen von Lebensmittelkonserven gemacht werden. Sie ist zwar extrem selten (0-24 gemeldete Fälle pro Jahr von 2001 bis 2018 [1], von 2008-2013 insgesamt 36 Fälle), trotzdem handelt es sich hierbei um eine potentiell tödliche Krankheit, die ihr ernstnehmen und vorbeugen solltet.

Zunächst zeigt die Statistik, dass vorrangig Öle, die auf Basis von Knoblauch angesetzt werden, problematisch sind. Das liegt auch daran, dass die verantwortlichen Bakterien vorwiegend unter der Erde angesiedelt sind, wo auch die Knoblauchknollen ausgebildet werden, wohingegen Chilis an einer Pflanze hängend in der Luft wachsen.

Aber auch bei Chilis seid ihr nie 100%ig sicher. Um aber möglichst nahe an die 100% Sicherheit zu kommen, solltet ihr euer Öl niemals mit unbehandelten, frischen Chilis ansetzen. Für sich genommen sind diese Bakterien unbedenklich und fast überall – auch in unserem Magen-Darm-Trakt – zu finden. Das Gift entsteht im sauerstoffarmen Milieu. Da bildet es nämlich anstatt der Sporen hochgiftige Toxine, die diese Krankheit auslösen können.

Botulinumneurotoxine (BoNT) gehören zu den stärksten natürlichen Giften der Welt. Sie können bei Temperaturen oberhalb von 80°C abgetötet werden.[2] Die Sporen der Bakterien sterben allerdings erst bei Temperaturen über 100 Grad ab. In der Lebensmittelindustrie hat sich die Richtgröße durchgesetzt, dass eingekochte oder eingelegte Speisen drei Minuten lang bei 121,1°C abgetötet werden sollen. Die Zahl 121,1 kommt dadurch zustande, dass das umgerechnet 250 Grad Fahrenheit sind. Bei 250 Grad Fahrenheit bzw. 121,1°C zehntelt sich die Sporenpopulation alle 6 bis 12 Sekunden. Konservativ gerechnet (mit dem Wert von 12 Sekunden) auf drei Minuten bedeutet das eine Verringerung der Population auf einen Millionstel von einem Milliardstel, was im privaten Anwendungsfall weit über die nötige Sicherheit hinaus geht.

Wenn ihr diese Temperaturen erreichen wollt, müsst ihr entweder unter erhöhtem Druck arbeiten, z. B. die Chilis in einem Druckkochtopf abkochen oder ihr erhitzt das Öl gemeinsam mit den Chilis in einem Topf und messt mit einem Thermometer parallel die Temperatur. Dabei dürfen keine 140°C erreicht werden, weil da die Maillard-Reaktion einsetzt, die im Ofen und in der Pfanne für die braune oder schwarze Farbe und die damit verbundenen Röstaromen verantwortlich ist.[3]

Mit dem Druckkochtopf werdet ihr die 121°C auch nicht erreichen können, aber selbst bei 111°C könnt ihr denselben Effekt erzielen wie bei 121°C. Es dauert bei dieser Temperatur dann nur ca. 10x länger. Auch 30 Minuten sind eine überschaubare Zeit. Mit 10 K Temperaturabweichung nach unten zehntelt sich der Effekt, was eine Verzehnfachung der nötigen Zeit für dasselbe Ergebnis verlangt. Nach oben verhält es sich entsprechend umgekehrt.[4]

Bei Temperaturen um 100°C herum lassen sich die Sporen nicht mehr sicher abtöten. Aus dem Selbsterhaltungstrieb der Bakterien heraus kann es dann sogar in diesem Temperaturbereich zu einer verstärkten Sporenbildung kommen.[5]

Chiliöl herstellen

Die Keime können sich besser verbreiten, wenn Feuchtigkeit vorhanden ist. Deshalb raten viele Leute dazu, die Chilis vorher zu trocknen. Allerdings basieren viele Anleitungen im Internet auf der Annahme, dass bereits mit dem Trocknen von Chilis alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen sind und die Erhitzung überfällig ist. Belege dafür konnte ich allerdings nirgendwo im Netz finden. Die C.-botulinum-Bakterien können bereits vor der Trocknung existieren und sterben bei den üblichen Temperaturen im Trocknungsprozess nicht ab. Das Neurotoxin kann sich nach meinem Verständnis nach dem Einlegen in Öl trotzdem bilden. Korrigiert mich bitte, wenn ich hier falsch liege.

Wenn ihr wirklich komplett sicher sein wollt, empfehle ich euch eine Kombination aus Trocknen der Chilis und anschließender Erhitzung gemeinsam mit dem Öl auf 121 Grad für 3 Minuten. Dabei ist der Vorteil, dass durch das Erhitzen des Chilis im Öl auch die Aromen und das Capsaicin schnell durch das Öl aufgenommen werden können. Mindestens einmal solltet ihr jede Frucht längs aufgeschnitten haben, damit auch ein Austausch mit dem aromatischen Inneren der Chilis erfolgen kann. Nach der Abkühlung ist es praktisch schon für den Verzehr geeignet. Ihr könnt es aber natürlich auch noch länger stehen lassen. Chiliöl wird in den ersten Wochen und Monaten mit der Zeit nur besser.

Ausreichend und meines Erachtens der beste Kompromiss zwischen Sicherheit und Geschmack wäre die längere Erhitzung eines frischen Chilis im Druckkochtopf mit Temperaturen von über 110°C und anschließendem Einlegen in Öl. So verändert oder verliert der Chili zwar trotzdem Teile seiner Geschmacksaromen, aber das Öl muss nicht mit erhitzt werden. Hier macht es nämlich auch einen geschmacklichen Unterschied, ob ihr kaltgepresstes Olivenöl erstmal erhitzt und wieder abkühlen lasst oder ob es bei Zimmertemperatur belassen wird. Ihr müsst es einige Wochen bis Monate ziehen lassen bis ihr das Ergebnis erzielt, das ihr euch vorgestellt habt, da die Aromen deutlich langsamer in das Öl übergehen als bei der vorherigen Variante.

In der letzten Variante, die ich euch vorstellen möchte, nehmt ihr Chiliflocken oder Chilipulver, erhitzt diese mit dem Öl auf die besagten 121 bis maximal 140 °C und siebt anschließend das Öl durch ein Sieb, falls ihr Chiliflocken benutzt habt. So habt ihr als Ergebnis nach wenigen Minuten ein fertiges scharfes Chiliöl, da Pulver und Flocken eine vielfach größere Oberfläche haben als halbe oder viertel Chilis und dadurch umso schneller Aromastoffe ausgetauscht werden können. Optisch macht die Flasche dann natürlich deutlich weniger her, auf der anderen Seite könnt ihr so dem ein oder anderen Gast einen Streich spielen, wenn er sich nichtsahnend daran bedient.

Ihr könnt Chilis in jedem Öl ansetzen, das ihr wollt. Olivenöl oder Kürbiskernöl bietet sich an bei Salaten. Rapsöl hat einen weniger dominanten Eigengeschmack, wodurch hier der Eigengeschmack der Chilis besser zur Geltung kommt. Wenn ihr mit eurem Öl am Ende eh nur Sachen anbraten wollt, könnt ihr sogar alle Sicherheitsbedenken ignorieren und das Öl so herstellen, wie ihr wollt, da die Neurotoxine eh bei Temperaturen ab 80°C innerhalb von 5 Minuten unschädlich gemacht werden.

Auch bei der Chiliauswahl könnt ihr nehmen, was euch gefällt. Hier gibt es keine Vorgaben, was besser funktioniert und was schlechter. Weniger intensive Chilis müsst ihr verstärkt an das Öl geben, bei intensiveren reicht evtl. weniger. Vielleicht wollt ihr auch das schärfste Öl aller Zeiten herstellen. Dann führt natürlich kein Weg an den Superhot Chilis vorbei. Empfohlen wird durchschnittlich ein Richtwert von 35g frische Chilis auf 250 ml Öl. Für getrocknete Chilis ergibt das ein Gewicht von 3 bis 4 g. Ihr könnt aber wie gesagt frei nach oben oder nach unten variieren wie es euch gefällt.

Auch wenn dieser Beitrag von viel negativem Inhalt beeinflusst ist, möchte ich euch nicht entmutigen, am Chiliöl zu experimentieren. Ich will bloß über die Gefahren aufklären und ihr könnt es gerne für euch so machen, wie es für euch passt. Nur solltet ihr gerade beim Verschenken von Chiliöl darauf achten, dass ihr hier die Sicherheitsvorkehrungen irgendwie versucht, einzuhalten, um euch da keine Vorwürfe machen zu müssen, wenn doch mal was passieren sollte. Die Fallzahlen sind gering, aber solange sie größer als 0 sind, muss man aber leider mit allem rechnen. Wenn ihr das Wichtigste beachtet, kann nichts schiefgehen.

Wenn ihr noch praktische Ölflaschen zum selbst Befüllen sucht, die sich gut verschließen lassen und mit denen ihr gut dosieren könnt, kann ich euch das Essig- und Öl Spender-Set Madeira ans Herz legen.

Noch eine kleine Ergänzung zum Schluss: Saucen auf Chilibasis enthalten im Gegensatz zu Chiliöl einen vergleichbar hohen Anteil an Essig. Dadurch werden die potentiellen C.-botulinum-Bakterien dort in saurerem Milieu gelagert. Bei pH-Werten unterhalb von 4,5 wird kein BoNT produziert, wodurch ihr hier keine Gefahr zu erwarten habt. [6]

Quellen

Chiliflocken, Chilipulver und Chilifäden herstellen

Überall begegnen wir Chiligewürzen in den verschiedensten Formen. Dass aus einer Chilifrucht Flocken, Pulver und Fäden erzeugt werden können, ist auf der einen Seite faszinierend, andererseits mit Blick auf die Gewürzregale in den Supermärkten auch allseits bekannt. Wie wir aus unserer privaten Chiliernte dieselben Erzeugnisse herstellen können, darauf werde ich heute eingehen.

Für alle drei Varianten müssen die Chilis getrocknet werden. Die gemahlenen und die Flocken vorher und die die Fäden nachdem sie in ihre Form gebracht wurden. Wie ihr eure Chilis richtig trocknet, dazu habe ich hier bereits einen Beitrag für euch verfasst.

Chilis zu Flocken verarbeiten

Chiliflocken sind grob gemahlene getrocknete Chilis. Dazu könnt ihr sie mörsern oder in einem Zerkleinerer zerkleinern. Im Zerkleinerer geht das auf jeden Fall besser. Was auch geht ist, sie in einen Beutel zu legen und darin zu zerklopfen. Am frischsten sind die Chiliflocken, wenn ihr die getrockneten Chilis in eine Gewürzmühle füllt und sie damit direkt in der nötigen Menge mahlt. [1]

Getrocknete rote Chilis, längs in Viertel geteilt – Plazenta und Kerne sind drangeblieben für die Chiliflocken

Chilis pulverisieren

Chilipulver entspricht fein gemahlenen getrockneten Chilis. Die Herstellung erfolgt mit denselben Utensilien, mit denen ihr auch die Flocken herstellen könnt. Ihr müsst es nur länger zerkleinern und ggf. am Schluss noch einmal durchsieben, wenn euch das Endergebnis immer noch zu grob ist. Den Rückstand könnt ihr dann als Chiliflocken verwenden. Mit dem Zerkleinerer allein ist kein Pulver herstellbar, da er dafür zu grob ist. Ihr könnt aber möglichst kleine Flocken mit ihm herstellen, um sie dann anschließend mit anderen Mitteln wie dem Mörser zu pulverisieren.

Getrocknete halbe entkernte rote Chilis im Zerkleinerer

Eine andere Methode, auf die ich gestoßen bin, um Chilipulver herzustellen, ist die, eine Kaffeemühle auf feinster Stufe zu verwenden. [2] Das zu testen hat mir jedoch meine Freundin untersagt. Da bin ich also nun gespannt auf eure Kommentare, wie eure Erfahrungen damit sind 🙂

Ich würde euch auf jeden Fall empfehlen, für die Herstellung von Chilipulver die Chilis vor dem Trocknen bereits zu entkernen (die Plazenta könnt ihr aber gerne für mehr Schärfe drin lassen), damit ihr sie am Ende besser fein mahlen könnt.

Links oben seht ihr die Chiliflocken der roten Chilis, auf der rechten Seite das Pulver und unten das Pulver des gelben Chilis (Ergebnis einer einzigen Frucht ähnlicher Größe wie die roten), der auf keinem der vorherigen Bilder zu sehen ist. Das Pulver passt durch mein feinstes Sieb, aber für richtig feines staubiges Pulver muss ich mir vielleicht doch noch eine alte Kaffeemühle vom Flohmarkt organisieren…

Chilifäden herstellen

Fäden erfordern ein wenig Geduld bei der Vorbereitung. Wenn ihr Chilifäden herstellen wollt, müsst ihr die Chilis zunächst längs halbieren, entkernen und von der Plazenta befreien. Entsprechend sind die Chilifäden im Endergebnis weniger scharf. Die Chilihälften müsst ihr anschließend auf einem Schneidebrett plattdrücken – ggf. unter Zuhilfenahme eines Nudelholzes. So könnt ihr nun hauchdünne Streifen der Länge nach abschneiden. Besonders gut eignen sich dafür scharfe biegsame Messer, da ihr damit besser entlang einer gekrümmten Linie schneiden könnt. Je dünner eure Streifen werden, desto besser das Endergebnis. Ihr wollt ja am Schluss sowas wie Fäden haben. Am besten gelingt das, wenn ihr die Außenhaut der Chilis nach unten legt.

Die Streifen alle mit kleinen Abständen zueinander auf einem Backblech auslegen und 2 bis 4 Stunden bei 50°C Umluft und einem kleinen offenen Spalt im Backofen dörren. Alternativ geht das natürlich auch in einem Dörrautomaten. Auch hier gilt wie beim Trocknen von halben Chilis, dass sie am Ende sehr brüchig sein müssen. Ansonsten sind sie noch nicht richtig trocken und müssen noch weiter getrocknet werden. [3]

Mit den drei Cayennes lassen sich gut Chilifäden herstellen

Diesen drei Cayennes geht es in den folgenden Bildern an den Kragen…

…mit Kragen ist in diesem Fall der Stiel mit Kelch (oben rechts im Bild) gemeint. Anschließend werden sie längs aufgeschlitzt.

Das Massaker nimmt seinen Lauf. Die Chilis links, deren Eingeweide rechts 🙂

Solche Stellen wie an der Spitze der zweiten Cayennehälfte von unten müssen vor der Verarbeitung entfernt werden. Danach werden sie mit dem Nudelholz plattgerollt.

Sehr fein geschnitten (ca. 1mm Dicke) ist das Ergebnis nach anderthalb Stunden dieses.

Diesmal wird im Backofen mit Dörrprogramm gedörrt, beim nächsten Mal geht’s in den richtigen Dörrautomaten.

Die Chilifäden aus eigener Herstellung sollten am Schluss in etwa so aussehen.

Quellen

Wie Blattläuse Chilis schaden und was ihr dagegen tun könnt

Wenn unsere Chilipflanzen von Blattläusen befallen werden, fällt das meistens erst auf, wenn wir die Blätter von unten begutachten. Dort tummeln sich diese Insekten nämlich, während sich selten eine Laus auf die Oberseite verirrt. Auch wenn das passieren sollte, sind die Tiere so klein, dass wir sie nur bei genauerem Hinsehen registrieren würden. Wenn die Kolonisierung weiter fortgeschritten ist, tummeln sie sich aber auch zunehmend an den Stängeln und den Blattoberseiten. Spätestens dann werdet ihr sie auch ohne genauere Überprüfung der Pflanze sehen können.

Im Folgenden möchte ich euch erläutern, wie die Blattläuse leben und auf welche Weise Blattläuse Chilis Schaden zufügen und anschließend nenne ich einige Maßnahmen, wie ihr sie loswerden könnt, ohne dass ihr dafür gleich die Chemiekeule schwingen müsst.

Lebensweise der Blattläuse

Die Größe einer Blattlaus beträgt 1 bis 7 Millimeter, wobei sie selten größer als 3 Millimeter groß sind. Weltweit gibt es ca. 5000 verschiedene Arten, von denen ca. 800 in Mitteleuropa beheimatet sind.

Meistens ist es die grüne Pfirsichblattlaus, die sich an unseren Chilipflanzen zu schaffen macht. Diese werden zwischen 1,8 und 2,5 mm groß. Sie befallen Chilis in der Regel in der Zeit von Mitte Mai bis September. Im Winter besiedeln sie lieber Bocksdorn, Pfirsich-, Aprikosen-, Schlehen- oder auch Apfelbäume.

Wenn Blattläuse Chilis befallen: grüne Pfirsichblattläuse an den Blattunterseiten einer Cayenne-Pflanze

Wenn Blattläuse Chilis befallen: grüne Pfirsichblattläuse an den Blattunterseiten einer Cayenne-Pflanze

Das Umsiedeln erfolgt über das Konzept, dass Blattläuse in der Lage sind, sowohl unbeflügelte, als auch beflügelte Nachkommen zu zeugen. Die unbeflügelten verlassen die Pflanze nicht, während die beflügelten in der Lage sind, davonzufliegen und auf anderen Pflanzen wiederum unbeflügelte Nachkommen hervorzubringen.

Die natürlichen Feinde der Blattläuse sind in erster Linie Marienkäfer, Raubwanzen, Ohrwürmer, Blattlausschlupfwespen und die Larven von Flor- und Schwebfliegen.

Ameisen hingegen machen sich die Blattläuse selbst zunutze. Die Ausscheidungen der Blattläuse – der sogenannte Honigtau (auch Meltau, nicht zu verwechseln mit Mehltau) – ist sehr zuckerhaltig und dadurch bei den Ameisen sehr begehrt. Sie ernähren sich davon und verhindern dadurch gleichzeitig, dass sich die Blattläuse selbst den Hintern verkleben oder sogar gar nicht mehr vom Fleck kommen. Gleichzeitig gewähren sie den Blattläusen im Gegenzug Schutz vor Fressfeinden. Damit die Läuse schön die Wirtsplanze für die Ameisen weiter „beweiden“, sondern sie einen Botenstoff ab, der die Blattläuse verlangsamt und gelegentlich beißen sie den beflügelten Läusen auch mal die Flügel ab, damit sie bloß nicht abhauen.

Wie greifen die Blattläuse Chilis an?

Der Honigtau entsteht dadurch, dass die Blattläuse mit ihrem Saugrüssel die Siebröhren des Blattes anstechen. Siebröhren sind unvollständig ausgebildete Zellen, in denen der gespeicherte Saft unter hohem Druck steht. Deswegen pumpt die Pflanze den Blattläusen den Saft eher in den Saugrüssel rein anstatt dass die Laus wirklich saugen müsste. Darüber hinaus gibt die Blattlaus noch mit ihrem Speichel Proteine ab, die einen schnellen Wundverschluss der Pflanze verhindern. [1]

Dadurch dass der Saft nicht sehr proteinhaltig ist, aber die Blattläuse auf ihre Proteine kommen müssen, bleibt eine große Menge Honigtau zurück. Den Zucker können die Blattläuse nämlich nicht verwerten, obwohl sie ihn mit aufgenommen haben. Er fehlt also unserem Chiligewächs und die Ameisen freuen sich. [2]

Der Honigtau ist sehr klebrig und kann auch unsere Möbel verkleben, sollte er einmal anfangen, von den Pflanzen zu tropfen. Außerdem bildet er Nährboden für diverse Pilze, die die Chilis befallen könnten. [3] Darüber hinaus sind die Blattläuse selbst auch bekannt als Überträger von Pflanzenviren. Wenn die Blattläuse also einmal weg sind, kann es sein, dass es unseren Chilis dann immer noch nicht wieder gut geht und sie noch ein ganz anderes Problem haben.

Daher steht nun die Frage im Raum, wie ihr sie beseitigen könnt, wenn sie sich einmal niedergelassen und verbreitet haben.

Blattläuse ökologisch bekämpfen

Bevorzugen solltet ihr alle zunächst einmal die ökologischen Methoden, da ihr ja eure Chilis möglichst bedenkenlos essen können wollt.

Als eine der effektivsten Methoden hat sich eine Mischung aus Wasser, Milch und Öl herausgestellt.  Dabei sorgt das Lecithin aus der Milch abtötend, in dem es sich in einer Dünnen Schicht über die Blattläuse legt und sie dadurch nicht mehr atmen können.[4] Das Öl wirkt auf ähnliche Weise. Der Effekt wird durch die Zugabe von Öl einfach nochmal verstärkt. Für die Behandlung der befallenen Pflanze(n) braucht ihr eine Sprühflasche und mischt darin 2 Teile Wasser auf einen Teil Milch. Am Schluss gebt ihr noch einen Schwups Öl hinzu und schüttelt die Flasche vor der Anwendung.

Für die Behandlung müsst ihr die Blätter von oben und von unten besprühen. Am besten macht ihr das morgens, damit sie den Tag über trocknen können. Dabei müsst ihr natürlich auch sicherstellen, dass die Chilis während der Behandlung nicht im vollen Sonnenlicht stehen, da sie sonst an den nassen Stellen verbrennen können. Bei starkem Befall solltet ihr den Vorgang alle zwei Tage durchführen bis sie alle weg sind.[5]

Außer dieser Mischung gibt es auch vegane Varianten wie zum Beispiel den Einsatz von Brennessel- oder Ackerschachtelhalmsud. Diese Mittel werden im Internet gerne hoch gepriesen, aber unterm Strich können sie einen Blattlausbefall maximal eindämmen. [6] Die in diesen Kräutern enthaltene Kieselsäure sorgt für eine Stärkung der Zellwände an den Pflanzen. Es wird also schwieriger für die Läuse, die Siebröhren anzustechen. Wie bereits erwähnt kann die Pflanze ihre Wunden nicht mehr so gut heilen, wenn die Läuse gesaugt haben. Daher ist bei starkem Befall auch dieses Mittel nicht mehr so erfolgsversprechend.

Vorbeugend könnt ihr es aber super zweimal die Woche einsetzen. Darüber hinaus wirkt es auch als Dünger. Ihr müsst den Sud in einem Eimer in einem Mischverhältnis von 1:5 mit Wasser vermengen. Wichtig ist dabei, dass ihr diese Mischung nicht mehr als 2 Tage ziehen lasst, weil es einen Zeitpunkt gibt, ab dem die Konzentration an Kieselsäure so hoch ist, dass eure Pflanzen Schaden davon nehmen können, wenn ihr sie damit besprüht. Den Sud müsst ihr vor der Verwendung noch einmal durch ein Sieb geben, sodass ihr eure Sprühflasche problemlos mit der Brühe befüllen könnt.[7]

Die natürlichste Methode, wenn ihr die Zeit dazu habt, ist, dass ihr Fressfeinden Nistplätze gewährt. Zum Beispiel könnt ihr einen Blumentopf mit Holzwolle füllen und dann verkehrt herum in der Nähe der Blattläuse aufhängen. Hierin fühlen sich die Ohrwürmer besonders wohl. Wenn sie einmal eingezogen sind und nisten, haben die Blattläuse nachts keinen Spaß mehr. Werden euch die Ohrenkneifer irgendwann zu lästig nachdem sie ihren Job erledigt haben, könnt ihr sie mitsamt dem Topf einfach wieder umsiedeln. [8]

Florfliegen könnt ihr mit Katzenminze anlocken [9], Schwebfliegen und Marienkäfer mit Blütenpflanzen, da sie sich von den Blütenpollen ernähren. [10]

Zugegebenermaßen würde ich die Ohrwürmer und Florfliegen nur in einem Garten anlocken, weil auf einem Balkon der Weg in die Wohnung nicht weit ist. Da wollt ihr nämlich auch keine Ohrwürmer beherbergen.

Die Blütenpflanzen hingegen helfen ja auch, genau die richtigen Tiere für die Bestäubung der Chiliblüten anzulocken. Von daher solltet ihr diese sowieso in der Nähe stehen haben.

 

Quellen

Chiliboom im neuen Gewächshaus

Als ich am vergangenen Wochenende nach längerer Zeit mal wieder an mein Gewächshaus kam, wollte ich meinen Augen kaum trauen. Die Pflanzen sind seit dem letzten Mal, als ich die Bewässerung programmiert habe, regelrecht explodiert. Die Fataliis haben eine Höhe von 120 cm erreicht. In meinem Chiliprofil zur Fatalii habe ich die Beschreibung bzgl. der Wuchshöhe direkt von 80 cm auf 120 cm nach oben korrigiert. Auf die Daten aus dem Internet ist, wie ich immer wieder feststellen muss, einfach kein vollständiger Verlass.

 
Links das Gewächshaus am 29.08.2022, rechts der Stand vom 04.08.2022. In dreieinhalb Wochen kann sehr viel passieren.

Die Naga Vipers bilden mittlerweile so etwas wie eine Hecke.


Hinten rechts steht die neu zugeordnete Carolina Reaper – im letzten Beitrag habe ich sie noch fälschlicherweise als Fatalii bezeichnet.


Diese Seite verspricht den Großteil der diesjährigen Erträge.

Das betrifft, wie ich leider zugeben muss, auch meine eigenen Angaben. Bin ich von Anfang an davon ausgegangen, dass ich 3 Fataliis überwintern konnte und die Carolina Reapers aus dem letzten Jahr eingegangen sind, konnte ich zu meiner vollsten Zufriedenheit feststellen, dass es doch nur 2 Fataliis und eine Reaper waren, die den Winter überstanden haben. Es war einfach nicht mehr ganz eindeutig, da der Ertrag im letzten Jahr ausschließlich aus Fataliis bestand und die Reapers nichts getragen hatten. Nun konnte ich aber an der einen vermeintlichen Fataliipflanze zwei schrumpelig aussehende orangene Früchte sehen – die charakteristische Form der Carolina Reaper. Leider hat die Pflanze schon seit einiger Zeit dunkelgrüne Blätter, die sie nicht mehr sehr gesund aussehen lassen.


Carolina Reaper in Action. Sie muss jetzt nur noch rot werden.

Auch meine Cayenne-long-slim-Pflanzen haben aufgeholt und sind dieses Jahr sehr ertragreich. Nur sind die Cayennes unter ihrem Gewicht zur Seite auf die Habaneros gefallen. Ich habe sie wieder aufgerichtet und unter den drei großen Cayennepflanzen eine kleine gefunden, die in ihrer Größe und dem Ertrag unserer Balkonpflanze entspricht. Dadurch, dass sie weniger Licht bekam als die anderen Pflanzen quer über ihr drüber hingen, hat sie auch nicht ganz so große Früchte wie die anderen ausgebildet. Dafür waren hier bereits zwei Stück reif und alle anderen sind noch hellgrün. Einen weiteren roten Cayenne haben wir von zu Hause mitgebracht und ihn zusammen mit den anderen beiden zu Chilifäden verarbeitet. Wie das geht, werde ich euch demnächst in einem weiteren Beitrag näher erläutern.


Von den Cayennes dürfen sich die anderen Pflanzen gerne mal eine Scheibe abschneiden und ähnliche Erträge liefern.

Außer den Cayennes konnte ich auch wieder fünf Fataliis ernten. Den Pflanzen geht es gut, aber sehr ertragreich sind sie nicht. Das könnte natürlich ebenso wie beim Carolina Reaper daran liegen, dass sie bereits in das zweite Jahr bestreiten und Chilis in der Regel im ersten Jahr am ergiebigsten sind. Dafür haben sie dieses Jahr aber im Gewächshaus auch deutlich bessere Wachstumsbedingungen als letztes Jahr bei uns in der Wohnung/auf dem Balkon, wo sie ja zugegebenermaßen auch noch weniger getragen haben.

Die Habaneros bekommen nun auch endlich jede Menge Früchte. Eine davon ist riesig, die anderen wachsen noch. Alle haben gemeinsam, dass sie noch hellgrün sind und noch eine Weile brauchen bis sie erntereif sind. Noch ist aber Sommer und ich bin guter Dinge, dass das noch was werden wird dieses Jahr mit einer guten Habaneroernte.


Die wohl dickste Frucht in diesem Jahr: Habanero red

Etwas skeptischer sehe ich das bei den Naga Vipers. Bei denen bilden sich jetzt erst die ersten Blüten aus. Die Größe der Pflanzen ist mittlerweile genau wie im gesamten Gewächshaus mehr als ausreichend für eine gute Ausgangsbasis zum Früchtetragen. Leider hängt nach wie vor nicht eine Frucht an einer der Naga Vipers.


Die ersten Naga-Viper-Blüten sind da.

Dasselbe Problem habe ich mit meinem Giant Rocoto. Dabei hatte ich mich schon auf Rocoto Rellono dieses Jahr gefreut. Mit einem Rezept hierzu auf meiner Seite müsst ihr euch dann leider noch gedulden. Der Giant Rocoto auf unserem Balkon hat es noch nicht einmal zur ersten Blüte geschafft. Dadurch, dass Rocoto-Chilis als sehr rubust und langlebig zählen, wird er aber auf jeden Fall bei uns überwintern und die Ernte werden wir uns schon früher oder später noch abgreifen.

Chilis trocknen – 3 Varianten einfach erklärt

Die Erntezeit ist gekommen. Noch sind die Chilis frisch und lecker, aber wehe sie fangen an zu gammeln. Um dem vorzubeugen gibt es unterschiedlichste Methoden. Die einfachste ist, sie einfach tiefzukühlen. Aber heute soll es darum gehen, wie ihr die Chilis trocknen könnt. Insbesondere eignen sich hierfür Chilis mit dünnem Fruchtfleisch. 

Bei mir ist eine der bekanntesten Chilisorten reif geworden – der Cayenne. Allerdings in längerer und dünnerer Fruchtform verglichen mit dem handelsüblichen Cayenne. Den Großteil der Cayenneernte werde ich trocknen. Hierfür gibt es zwei Varianten: entweder im Ofen oder an der Luft.

1. Chilis trocknen im Ofen

Diese Variante ist oft mit modernen Öfen gar nicht mehr so einfach umzusetzen. Dadurch, dass beim Trocknungsprozess Wasser aus den Chilis verdampft wird, welches irgendwo hin entweichen muss, muss der Ofen bei diesem Prozess einen Spalt weit geöffnet sein. Mein privater Ofen spielt da aber leider nicht mit und verweigert mir bei geöffneter Klappe seinen Dienst.

Prinzipiell muss zum Trocknen im Ofen eine niedrige Temperatur von ca. 50°C Umluft eingestellt werden, da wir ja beim Trocknen keine Röstaromen erzeugen wollen. Entsprechend dauert der ganze Vorgang auch je nach Sorte ca. 8 Stunden.

Bevor ihr loslegt, solltet ihr die Chilis mit warmem Wasser abwaschen und abtrocknen und dann den Stiel samt Kelch entfernen. Anschließend schneidet ihr die Chilis in zwei Hälften. Spätestens an dieser Stelle müsst ihr euch überlegen, was ihr mit den getrockneten Chilis anfangen wollt.

Wollt ihr sie zu Pulver mahlen, solltet ihr die Kerne vorher entfernen. Denkt dabei daran, dass das meiste Capsaicin in der Plazenta sitzt. Wenn ihr sie bei der Entfernung der Kerne verschont, ist das Ergebnis deutlich schärfer als wenn ihr sie mit rausnehmt. Bei Chiliflocken sind die Kerne für gewöhnlich eh mit dabei, da braucht ihr nichts weiter zu unternehmen. Je kleiner ihr die Chilis schneidet, desto schneller trocknen sie. Wenn ihr am Ende Pulver oder Flocken aus den getrockneten Chilis machen wollt, ist es sinnvoll, sie noch kleiner zu schneiden als nur in Hälften. Das spart dann Zeit und Energie.

Wenn alles soweit vorbereitet ist, legt ihr alles nebeneinander mit der offenen Seite nach oben auf einem Backblech aus und schiebt das Blech in den vorgeheizten Backofen. Während des Backens empfiehlt es sich, die Küche gut zu durchlüften, da beißende Dämpfe durch den offenen Spalt entweichen.

Die Chilis sind trocken, wenn sie beginnen, im Backofen eine dunklere Tönung zu erhalten. Sie lassen sich zudem nun leicht zerbröseln.

2. Chilis trocknen im Dörrautomat

Die Profis unter euch haben bereits einen Dörrautomaten. Wenn nicht, könnt ihr auch problemlos einen ab 30€ bekommen. Gegebenenfalls stellt sich hier die Platzfrage und wie oft ihr ihn am Ende tatsächlich benutzen werdet. Da das Volumen jedoch deutlich kleiner ist als das der meisten Backöfen, könnte sich die Anschaffung lohnen, da deutlich weniger Energie nötig ist, um eine Temperatur von 50°C über mehrere Stunden zu halten. Ein Dörrautomat ist auch geeignet für den Fall, dass ihr auch gerne mal dickwandige Chilis trocknen wollt. [1] Ansonsten gilt für die Vorbereitung der Chilischoten dasselbe wie beim Backofen.

4 Cayennes, 5 Fataliis und eine Carolina Reaper nach dem Entfernen der Stiele und vor dem Anschnitt und der Trocknung

Damit der Dörrautomat trotz der bisher recht überschaubaren Chiliernte nicht nur für die paar Chilis läuft, kommt noch ein bisschen was dazu, damit er voll wird

3. Chilis trocknen an der Luft

An der frischen Luft bietet sich die Trocknung von Chilis an, wenn besonders große Mengen zu trocknen sind oder die Zeit einfach nicht so sehr drängt. Der Nachteil ist nämlich, dass dieses Verfahren drei bis sechs Wochen dauert. Die Energiekosten liegen bei 0€, dafür braucht ihr jedoch Nadel und Faden, um die Chilis klassisch auf einer Schnur zusammenzubinden. Die Stiele müsst ihr bei diesem Verfahren dran lassen, damit ihr diese als Fixierpunkte nutzen könnt. Mit der Nadel führt ihr dafür den Faden jeweils durch die Stiele der Chilis hindurch. Bei dickeren Chilisorten oder bei Sorten mit sehr dünnem Stiel könnt ihr den Faden auch kurz unterhalb des Stiels durch die Chilis hindurchfädeln.

Piments d’Espelettes zu verkaufen in Espelette (französisches Baskenland)

Die Chilis müssen an einem trockenen regengeschützten Standort aufgehängt werden. Geeignet sind beispielsweise der Dachboden oder ein Carport. Manche Leute hängen sie auch unter ihrem Vordach an die Außenfassade.

Chilis trocknen an der Fassade eines baskischen Hauses

Die Fassade eines Baskenhauses in Espelette kurz vor der großen Ernte. Danach würde hier nichts mehr weiß sein, da in Espelette dann alle Häuser komplett voll mit Chilis hängen.

Alternativ könnt ihr die Chilis natürlich auch auf einem trockenen Untergrund wie Holz oder Stein auslegen. So liegen sie jedoch mehr im Weg. Für besonders große Mengen könnt ihr die Chilis auch auf in Holzrahmen gefasste Drahtnetze legen. Der Vorteil wäre, dass diese sich auch gut stapeln lassen. Die Anforderungen an den Standort bleiben natürlich dieselben wie wenn ihr sie aufhängt.

Die Piments d’Espelette (Gorria-Chili mit Herkunft aus dem Anbaugebiet Espelette) bei der Trocknung im ‚Atelier du Piment à Espelette‘ – Wer in der Gegend ist, sollte sich diesen Abstecher gönnen.

Trockene warme Sommer sind für die Lufttrocknung immer ideal. Bei nassfeuchtem Wetter solltet ihr dann aber doch lieber auf euren Ofen oder den Dörrautomaten zurückgreifen, weil die Chilis ansonsten mit der Zeit anfangen werden zu gammeln anstatt zu trocknen. [2]

Quellen

Arbeiten am Chili-Gewächshaus

Wer sich gefragt hat, wieso hier länger kein Beitrag mehr von mir kam, der bekommt heute die Antwort. Meine freien Stunden, die ich sonst zum Schreiben hätte aufwenden können, habe ich intensiv in die Gartenarbeit gesteckt. Zudem sind die Wochenenden in den Sommermonaten auch fast nie komplett frei. Das kennt ihr wahrscheinlich auch von euch selbst.

Wie ich bereits früher schon angedeutet habe, hat mein Bruder ein Gewächshaus im Garten. Das Gewächshaus war allerdings voll mit Sand und hatte keine eigene Bewässerung. Bis auf das Gewächshaus selbst war also noch nichts da, was für den Chilianbau geeignet ist. Falls ihr also mit dem Gedanken spielt, euch selbst ein Chili-Gewächshaus im Garten anzulegen, könntet ihr euch vielleicht auch hier inspirieren lassen, wie ich das gemacht habe.

Der Anblick, wie das Gewächshaus vor den Arbeiten aussah, ist relativ ernüchternd. Motiviert habe ich mich, indem ich mir das Ziel vor Augen geführt habe: Ein Gewächshaus – 2 mal 3 Meter groß nur für meine kleine Chilifarm mit automatischer Bewässerung.

Zustand des Gewächshauses vor den Arbeiten. Der Rosmarin hat leider nicht überlebt †

Das Gewächshaus ist bis ca. 30 cm unterhalb des Sandbodens einbetoniert. Ungefähr bis auf diese Tiefe habe ich den Sand mit einer Breite von 55-60 cm mit einem Spaten zunächst L-förmig entlang den Begrenzungen aus dem Bestand ausgehoben. Die alte Begrenzung habe ich entfernt. In diesem Graben habe ich dann Unkrautvlies auf dem Boden und den Seiten ausgelegt, damit der Sand sich später nicht allzu sehr mit der Erde vermischen kann.

Überall zu erkennen die Beetabgrenzungssteine ‚Beetfix‘, rechts zu erkennen das Unkrautvlies, das die aufgeschüttete Erde vom Sand trennen soll

Dann konnte es endlich losgehen, worauf mein Bruder schon so lange gewartet hat: Die Säcke mit der Gemüseerde, die bereits längere Zeit auf einer Palette auf der Einfahrt gestapelt waren, konnten nach und nach in den hinteren Bereich des Gartens geschleppt und in die vorbereiteten Gräben ausgeschüttet werden.

der schiefe Turm von Schöneiche

Die neuen Beetbegrenzungssteine, die ich besorgt habe, habe ich nicht extra betoniert, sondern etwa 15 cm tief im Sand eingegraben und auf der Seite des Beets bis zur Höhe des Überstands des Unkrautvlieses. Die Beetbegrenzung steht also ein bisschen im Abstand zur Abrisskante, damit die Steine auch genügend Halt finden. An der Oberfläche ist das Beet somit etwa 5 cm breiter als in der Tiefe. Die Steine sind die aus Beton gegossenen „Beetfix“-Steine von Hornbach. Insgesamt sind sie 25 cm hoch; bei mir ragen sie also nur noch ca. 10 cm auf beiden Seiten heraus.

Genauso habe ich es dann auf der letzten Seite gemacht. Erst aufgebuddelt, dann Unkrautvlies verlegt und wieder mit Erde aufgeschüttet, Steine positioniert und dann alles bis oben hin mit Erde aufgefüllt.

Gewächshaus bevor die Chilis eingepflanzt und die Bewässerung innen verlegt wurde

Die kleine Eingangstreppe hat eine Breite von 78 cm. Die Steine sind 6 cm breit und setzen an den äußeren Rändern der Treppe an. Unterm Strich ist somit der zu betretende Bereich etwa 65 cm breit, was aber völlig ausreichend ist. Außerdem ist die Beetseite ja auch betretbar, aber sollte natürlich nicht als Hauptverkehrsfläche dienen 🙂

Die Gesamttiefe des Beets beträgt nun in etwa 45 cm. Bedenkt man dabei, dass ich auf eine Gesamtlänge von 4,20 m bei einer Breite von ca. 55 cm das Beet mit 50 Säcken à 40 l Erde befüllt habe, kann ich feststellen, dass die Erde auf ca. die Hälfte des Volumens zusammenfällt. Diese Erkenntnis werde ich mir wohl nun für künftige Projekte merken.

Zum Glück hatte ich aus Kostenersparnisgründen eh direkt eine ganze Palette mit 2,4 m³ Erde gekauft. Es war nicht nur preis-/leistungsmäßig, sondern auch absolut günstiger als 1,4 m³, die ich ursprünglich eigentlich nur bestellen wollte, weil ich dachte, dass das reichen würde. Falls sich hier jemand wundert: 10 Säcke wurden anderweitig verwendet, somit hatte ich für dieses Projekt nicht alles selbst verbraucht.

Bewässerung

Mein erster Spatenstich fand nicht IM Gewächshaus statt, sondern DAVOR. Wie vorhin bereits erwähnt, ist das Gewächshaus bis zu einer bestimmten Tiefe einbetoniert. Da eine Treppe im Gewächshaus nach unten führt, entsprechen die 30 cm Tiefe unter dem Sandboden innen etwa einer Tiefe von 80 cm unter dem Boden von außen. Ich habe also im Bereich zwischen 80 und 100 cm tief etwa 4 m weit gegraben, um den Außenwasserhahn mit dem Gewächshaus zu verbinden. So konnte ich einen Schlauch (Gardena Pipeline) von unten ins Gewächshaus führen, ohne eine Kernbohrung o.ä. zu benötigen und außerdem ist dieser Tiefenbereich mindestens erforderlich, um das System frostfrei halten zu können, was der Langlebigkeit zugute kommen wird.

Bei der Pipeline handelt es sich um ein Kunststoffrohr (PE-Rohr), das an einem Stück verlegt werden kann, wenn keine übermäßig hohe Krümmung erforderlich ist. In der Tiefe habe ich also nicht ein weiteres Element neben dem Schlauch selbst installieren müssen, was die Fehlersuche bei eventuellen Störungen auf den oberflächennahen Teil beschränkt. Ich muss also nicht noch ein weiteres Mal alles wieder aufbuddeln.

Von hier aus wird das Gewächshaus mit Wasser versorgt. Der Schlauch liegt auf dem Bild bereits im Graben auf dem Boden.

der Abschnitt, der von außen zum Gewächshaus führt

Vorne rechts ist zu erkennen, wie der Schlauch von außen ins Gewächshaus geführt wurde.

Innerhalb des Gewächshauses habe ich das Microdrip-System von Gardena installiert. Der Schlauch hat einen Innendurchmesser von 3/16 Zoll und kann entsprechend den Abständen der Chilis in beliebig viele Teilstücke zerschnitten werden. Zwischen den Schlauchabschnitten habe ich Wasserauslässe, die die Stelle mit 2 Liter pro Stunde tröpfchenweise gießen. Da sie nur tropfen, ist es wichtig, diese Komponenten möglichst dicht an den Stämmen der Chilipflanzen zu platzieren, damit das Wasser auch richtig ankommt. Am Ende kommt ein Stopfen in den Schlauch, damit das Wasser ausschließlich kontrolliert an den Pflanzen ankommt und nicht mehr Wasser als nötig am Ende des Schlauchs austritt.

 Einige Pflanzen lassen zunächst noch ihre Blätter hängen, aber das ist die endgültige Besetzung für dieses Jahr – links die Naga Vipers, hinten die Fataliis, rechts hinten Cayenne und rechts vorne die roten Habaneros. Der Bewässerungsschlauch, der entlang der Pflanzen verlegt ist, ist ebenfalls zu sehen.

Keine Sorge, den Habaneros geht es mittlerweile auch schon wieder besser

Die Cayennes blühen fröhlich vor sich hin, aber tragen auch schon fleißig richtige Früchte.

Die 5 Naga Vipers sind nach wie vor blütenlos

Am Außenwasserhahn habe ich einen displaylosen, aber bluetooth- und WLAN-fähigen Bewässerungscomputer montiert. Von der displaylosen Ausführungsvariante erwarte ich eine höhere Robustheit des Geräts.

Displayloser Bewässerungscomputer von Comistack

Der Dünger wird bei diesem System noch nicht automatisiert hinzugegeben, da muss ich mir noch etwas überlegen. Auch dafür gibt es theoretisch Komponenten, aber zunächst reicht gegebenenfalls noch der Nährstoffgehalt aus der frischen Tomaten- und Gemüseerde aus.

Ein Update nach längerer Zeit zu den Pflanzen

Der ganze Beitrag ist rückblickend zu betrachten. Leider war ich noch nicht wieder vor Ort, aber habe noch die Bilder von Anfang August. Genauer gesagt von dem Tag, an dem ich die Bewässerungsanlage fertiggestellt habe. Wenn ich wieder etwas Aktuelleres habe, werde ich es direkt mit euch teilen. Von meinen ursprünglich ausgesäten Chilis sind nur noch 6 Naga Viper, 6 rote Habaneros, 10 Cayenne und eine Giant Rocoto im Rennen. Darüber hinaus haben wir noch unsere Fatalii-Pflanzen aus dem letzten Jahr, die uns auch bereits Früchte gebracht haben. Unter anderem kam sie bei uns im Linsen-Dal zum Einsatz.

Reife Fatalii an einer meiner Pflanzen

Im Gewächshaus wachsen 3 Fataliis, 5 Naga Viper, 4 Cayennes und 3 rote Habaneros. Auf meinem Balkon wächst der einzige übergebliebene Giant Rocoto zusammen mit 3 weiteren Cayennes, einer Fatalii und 2 roten Habaneros. Die restlichen Chilis sind bei meinen Eltern untergebracht.

Die Überführung erfolgte übrigens klassisch für Berliner ohne Auto mithilfe eines Bollerwagens, was in der S-Bahn für viel Gesprächsstoff gesorgt hat. Einige weniger botanisch bewanderte hielten die Chilis für Hanfpflanzen, während eine fachkundige Mutter ihrem Kind erklärt hat, woran man erkennt, dass das Paprikagewächse sind.

Bollerwagen voller Chilis in der S-Bahn. Auch ein paar weiße Gurken sind dabei, aber für diesen Blog irrelevant, da sowieso ebenfalls schon tot (wie der Rosmarin) †

Früchte tragen bisher nur die Fataliis und die Cayennes. Das ist meines Erachtens nach wie vor auf den zweimonatigen Verzug zurückzuführen, in der die Chilis im Frühling aufgrund von Nährstoffmangel in der Aussaaterde nicht weiter gewachsen sind. Die Pflanzen haben alle nicht ihre eigentlich mögliche Größe erreicht, was auch bei den Cayennes zu einer geringeren Ernte führen wird. Viele Blüten werden auch nicht mehr bestäubt, weil die Bienen sich irgendwie mehr für andere Pflanzen bei anderen Menschen interessieren. Hier werde ich nächstes Jahr auf jeden Fall dafür sorgen, Lavendel auf meinen Balkon zu holen, um sie besser anzulocken.

Im Gewächshaus fielen auch schon die ersten Schädlinge über die Pflanzen her, wobei sich die Schäden bisher in Grenzen halten. Ich werde das aber weiter beobachten. Erwischt hat es die Naga Vipers.

Blattfraß an zwei Naga Vipers

Dampfdruckdefizit

In einem meiner vergangenen Beiträge habe ich bereits angekündigt, dass ich mich mit dem Dampfdruckdefizit noch einmal intensiver beschäftigen werde. Bei meiner Recherche ist mir aufgefallen, dass dieses Thema insbesondere in Hanfanbaukreisen viel diskutiert wird. Das ist verständlich, da hier ja auch sehr anspruchsvolle Pflanzen von der Polizei versteckt in Innenräumen aufgezogen werden. Um den Hanfpflanzen die optimalen Bedingungen bieten zu können, greift man auf die Daten zum Dampfdruckdefizit zurück.

In komplett nach außen abgedunkelten Räumen mit künstlicher Beleuchtung ist es auch am einfachsten umzusetzen, da die Luftfeuchtigkeit ohne schwankende Lichtverhältnisse gut konstant gehalten werden kann. Im Chilianbau müssen wir uns nicht vor der Polizei verstecken, weswegen wir lieber kostengünstig auf Fensterbänken und im Garten anbauen wollen – mit weit weniger oder, wenn es geht, ganz ohne künstlichem Licht.

Was ist mit dem Dampfdruckdefizit gemeint?

Das Dampfdruckdefizit, auch VPD (vapor pressure deficit) bezeichnet die Druckdifferenz zwischen dem vorherrschenden Dampfdruck und dem Dampfdruck, der bei 100% Luftfeuchtigkeit bei gleicher Temperatur erreicht wird. Die Werte werden meistens in Hekto- oder Kilopascal angegeben. Die Temperatur, die entscheidend ist, ist die des Blattes. Man kann sie mit einer Infrarotmessung ermitteln. Das Blatt sollte eins aus der obersten Blattreihe sein.

Was hat das Dampdruckdefizit nun in der Praxis mit Pflanzen zu tun?

Jede Pflanze, die Photosynthese betreibt, braucht dazu ihre Blätter. In den Blättern befinden sich Spaltöffnungen, auch Stomata genannt. Darüber nehmen sie das nötige CO2 auf. Ist jedoch der VPD-Wert zu hoch, heißt das, dass mehr Wasser aus den Blättern verdunsten würde als die Luft im Gegenzug an die Blätter zurückgibt. Um dem vorzubeugen schließen die Blätter ihre Stomata, um das Wasser nicht zu verlieren. Im Umkehrschluss bedeutet das jedoch, dass die Photosyntheseleistung zurückgeht und das Pflanzenwachstum dadurch gebremst wird.

Wenn der Wert über 3,5 kPa liegt, schließen die Stomata komplett ab und die Pflanze kann kein Wasser mehr verdunsten und keine Photosynthese mehr betreiben. Bei Werten unter 0,5 kPa ist die Luftfeuchtigkeit der Umgebung so hoch, dass das Blatt dadurch auch kein Wasser mehr durch Verdunstung abgeben kann, was unterm Strich auf dasselbe Ergebnis wie bei einem zu hohen VPD-Wert hinausläuft. Pilzbefall ist eine der daraus resultierenden Folgen.

Ideal für das Pflanzenwachstum sind Werte zwischen 0,8 und 1,2 kPa. Ein immer noch passabler Bereich ist zwischen 0,7 und 2,5 kPa. Im Wachstumsstadium sollte der Wert eher unter 1, in der vegetativen Phase um 1 herum und ab der Blütezeit über 1 liegen. [1] Bei kleineren Werten ist die Luftfeuchtigkeit geringer, was zwar gut für Keimbildung ist, jedoch keimen auch Sporen und andere Schädlinge besser, was unsere Pflanzen krankheitsanfälliger macht. Daher ist es besser, wenn die Umgebungsluft, wenn die Pflanze kräftiger wird eher Feuchtigkeit entzieht als abgibt, da unsere Pflanzen dann immer noch sehr gut zurecht kommen, aber ein heranwachsen für Schädlinge auf diese Weise erschwert wird. [2] [3]

Wie ich eingangs beschrieben habe, stammen die meisten VPD-Tabellen, die ihr im Internet finden könnt, aus dem Cannabisanbau, jedoch ist die Physik hinter der Berechnung unabhängig von der Pflanze. Daher könnt ihr davon ausgehen, dass ihr die in den Tabellen markierten Idealwerte nicht nur auf Hanfpflanzen, sondern genauso gut auf Chilis und jede andere Pflanze anwenden könnt.

VPD-Chart – der rote Bereich ist ist zu vermeiden, optimal ist der blaue Bereich. Quelle: DimLuxLighting.com

Obwohl die Zusammenhänge von Vegetation und dem VPD bereits lange bekannt sind, wird erst jetzt begonnen, verstärkt Technik und computergesteuerte VPD-Überwachung von Gewächshäusern einzusetzen. Euch kann ich das eher nicht empfehlen, da die notwendige Technik sehr teuer ist und es auch dann noch schwierig ist, die optimalen Werte zu erreichen. Allein in dunklen Indoor-Plantagen können die Werte gut relativ konstant gehalten werden, da äußere Einflüsse wie die Sonneneinstrahlung nur sehr verzögert Einfluss auf die Temperatur in diesen Bereichen hat und die Technik dadurch schnell genug reagieren kann.

Gerade die teure Technik sollte sich am Ende gegenüber dem Ernteertrag auch einigermaßen rechnen. Da für Cannabis auf der Straße vergleichsweise sehr hohe Preise gezahlt werden, wissen wir, warum das Dampfdruckdefizit ausgerechnet in der Cannabiswelt so bekannt ist. In der Botanik ist es eher ein Thema für wissenschaftliche Arbeiten, wobei sich auch die Verfasser von Klimastudien zur globalen Vegetationsentwicklung bereits auf die Aussagekraft des VPD stützen. [4]

Quellen

Schutz der Chilis vor Fressfeinden

In einem meiner letzten Beiträge habe ich darüber berichtet, wie Chilis uns schützen können – diesmal wird der Spieß einmal umgedreht und wir schauen, was ihr tun könnt, um eure Chilis zu schützen.

Die erste Frage, die sich uns stellt: Wer sind überhaupt die Fressfeinde?

Zugegebenermaßen sind nicht alle die Fressfeinde der Pflanzen, sondern teilweise auch einfach nur unsere Konkurrenz. Die Pflanzen wollen ja, dass ihre Früchte gegessen werden. Damit wir aber selbst auch reichlich davon abbekommen, müssen wir diese Tiere also auf Abstand halten. Die Tiere, die wir dabei im Blick haben müssen, sind die Schnecken, die Raupen und die Vögel. Bei den Schnecken und Raupen sind uns die Pflanzen aber für jeden Schutz dankbar, da sich diese sowohl die Früchte, als auch die Blätter gerne schmecken lassen.

Eine spanische Wegschnecke auf dem Weg zur nächsten Chilipflanze. Quelle: Wikipedia

Schnecken können Chilis auf über bis zu 50 Meter Entfernung weit riechen und machen sich zielgerichtet auf den Weg. In einer Nacht können sie 25 Meter zurücklegen, was zwar einem Schneckentempo entspricht, dieses aber weitere vorbeugende Maßnahmen erforderlich macht. Ein reines Absuchen des umliegenden Bereichs verbunden mit einer Umsiedlung der gefundenen Schnecken dürfte also viel zu mühselig sein, zumal das regelmäßig durchgeführt werden müsste und der Bereich viel zu groß ist. Bei den meisten deutschen Gärten müssten auch die Nachbargrundstücke überwacht werden…

Es gibt zum Glück auch andere Maßnahmen, die den Pflanzen die Schnecken vom Leib halten können. Dazu ist auch gut zu wissen, dass 90% aller Fressschäden an Pflanzen auf die spanische Wegschnecke zurückzuführen sind, wodurch manche Maßnahmen sich weniger eignen, auch wenn sie gegen alle anderen Schneckenarten helfen. Die spanische Wegschnecke ist nämlich eine sehr schleimige Nackschneckenart, die selbst den Hauptfressfeinden der Schnecken – den Laufenten und Igeln zu schleimig sind.[1] Daher führt die Suche nach Unterstützung durch eben diese Tiere nur bedingt zum Erfolg.

Blumentöpfe und Beetumrandungen können mit einem Schutzanstrich angestrichen werden, welcher die Oberfläche für die Schnecken zu glatt macht. Sie finden dann deutlich schlechteren Halt. Selbstklebende Kupferfolie bringt den gleichen Effekt.

Um die Chilis herum wächst am besten kein hohes Gras, sodass die Schnecken sich nicht darin verstecken können. Gleichzeitig empfiehlt sich der Einsatz von Hemmschwellen wie Sägespäne, Wolle, Kalk oder andere Barrieren, die von Schnecken nur schwer überwunden werden können.[2]

Ein möglichst sonniger Platz ist sowieso für die meisten Chilis wünschenswert. Wenn das gegeben ist, ist dieser Bereich für Schnecken umso weniger behaglich, da sie sich lieber in einem kühlen, dunklen und feuchten Umfeld aufhalten. Es ist also gut, wenn ihr statt abends morgens gießt, damit die Erde gerade dann, wenn es dunkel ist, auch am trockensten ist.[3]

Nicht zu verwechseln mit einer Eule – die Gemüseeule… Quelle: Wikipedia

Ein Kind der Gemüseeule – die Erdraupe der Gemüseeule. Quelle: Wikipedia

Raupen sind ebenfalls bekannt dafür, dass sie sich gerne durch Früchte durchfressen. Insbesondere die Raupen der Gemüseeule – einer in Europa weit verbreiteten Falterart – erfreuen sich ebenso wie wir besonders am Geschmack von Chilis. Damit die Raupen nicht auf unseren Pflanzen schlüpfen, kann es bereits helfen, mit Insektennetzen zu arbeiten. Denn diese Netze sind kein Ort für die Falter, auf denen sie ihre Eier ablegen würden. Auf diese Weise können sie zumindest für den Anfang erst einmal fern gehalten werden.

Eine weitere ökologische Möglichkeit, die Raupen von Chilis fernzuhalten, ist das gezielte Umsetzen der Raupen von den Chilipflanzen auf andere Futterpflanzen wie z.B. Brennnesseln. Auch der Boden um die Chilipflanzen herum sollte dabei gründlich abgesucht werden.

Am Ende müsst ihr alle selbst wissen, inwieweit der Aufwand der Maßnahmen tatsächlich im Verhältnis zum Grad des Schädlingsbefalls steht. Wenn ihr eine Raupe gefunden habt, müsst ihr noch nicht direkt alles umgraben. Wenn allerdings gar nichts mehr hilft und die Invasion ein Maß angenommen hat, das ihr nicht mehr kontrollieren könnt, so führt kein Weg an Pheromonfallen zur Verhinderung einer Paarung durch die Nachteulen oder dem Aufspritzen von Bacillus-thuringiensis-Präparaten gegen den massiven Raupenbefall als allerletztes Mittel vorbei. Ein Ökosiegel würdet ihr in diesem Fall aber nicht mehr für eure Chilis erhalten.[4][5]

Sieht einer Eule schon ähnlicher als die Gemüseeule, aber ist in diesem Fall ein Spatz. Er hat wie die anderen heimischen Vögel kein nennenswertes Interesse an unseren Chilis mit einigen Ausnahmen. Quelle: Wikipedia

Jeder, der sich bereits etwas näher mit dem Thema Chilis auseinandergesetzt hat, weiß bereits, dass die Natur vorsieht, dass die Vögel die Chilis essen sollen, um sie dann zu verbreiten. Tatsächlich ist dieser Effekt in Deutschland allerdings bei unseren heimischen Vogelarten kaum zu beobachten. Ich für meinen Teil hatte noch nie den Fall, dass ein Vogel sich an meinen Chilis zu schaffen gemacht hat und auch wenn ich die deutschen Foren nach diesem Thema durchforste, ergibt sich die Erkenntnis, dass eher die Zuchtvögel wie Hühner oder Papageien als unsere Wildvögel interessiert an diesen Beeren sind. Das kann daher kommen, dass Chilis in Deutschland selbst nur Zuchtpflanzen sind und daher unseren wildlebenden Vögeln fremd sind. Einzig die ganz kleinen Chilisorten und die nach oben wachsenden Chilis scheinen für unsere Vögel interessant zu sein.

In diesem Fall helfen natürlich auch wieder Netze bestens, aber auch die Aufzucht der Chilipflanzen in einem Gewächshaus hält die Vögel reichlich auf Abstand. In den meisten Fällen braucht ihr euch aber keine Sorgen wegen der Vögel zu machen. Die haben andere Vorlieben wie Insekten, Würmer und Körner. Bleibt nur zu hoffen, dass sie uns noch genügend Bienen übrig lassen.

Quellen

Osterupdate

Frohe Ostern euch allen!

Bei Instagram konnte ich bereits viele beeindruckende Bilder von Chilipflanzen sehen, die bereits eine stattliche Größe erreicht haben. Glückwunsch an alle, die im Zeitplan liegen oder ihm sogar voraus sind mit der Zucht!

Bei mir lief es dieses Jahr allerdings leider alles andere als gut. Ich bin daher aktuell dabei, meine Fehler zu analysieren, um es nächstes Jahr besser zu machen. Daran möchte ich euch gerne teilhaben lassen, denn aus Fehlern kann man ja bekannterweise lernen.

Was ist überhaupt passiert?

Seit dem letzten Update leider tatsächlich nicht viel, was das weitere Wachstum betrifft. Dafür sind mir allerdings jede Menge Chilipflanzen aus meinem Kokossubstrat vertrocknet als wir ein Wochenende lang unterwegs waren. Ich habe bis dahin fast täglich gegossen, aber dafür immer nicht so viel. Vor dem Wochenende habe ich den Pflanzen extra etwas mehr Wasser verabreicht, aber vermutlich habe ich dabei die Speicherkapazität des Kokossubstrats überschätzt.

Als wir Anfang März über vier Tage weg waren, habe ich überall extraviel gegossen, wodurch es allen Pflanzen gutging als wir zurückkamen. Damals war auch die Abdeckhaube oben drauf. Diesmal war es so, dass wir einen Tag weniger unterwegs waren und ich zum einen nicht ganz so viel gegossen habe, aber auch die Abdeckung fehlte. Ich denke also, ich hätte dieses Massensterben verhindern können, wäre ich mit dem Kokossubstrat bereits vertrauter gewesen. Ich habe diesen Nachteil des Kokossubstrats, dass es sehr wenig Wasser speichern kann, auch in meinem Beitrag zur Aussaaterde beschrieben und obwohl ich diese Info vorab kannte, ist es mir trotzdem ausgetrocknet. 

Tatsächlich ist dieses Jahr das erste Mal, dass ich alle Chilis in anderer Aussaaterde als bisher angezogen habe. Was am Anfang wie gewohnt lief mit relativ schneller Keimung, auch wenn mit niedrigerer Keimrate als die Jahre zuvor, entwickelte sich nach etwa vier Wochen abweichend zu dem, was ich bisher kannte. Das Wachstum kam bei den meisten Pflanzen nach Bildung des ersten Blattpaares zum Stillstand.

Zuerst dachte ich, dass die Pflanzen ihr Wurzelsystem in der Zeit weiter ausbauen würden. Ende April habe ich dann mithilfe von Internetrecherche festgestellt, dass die Aussaaterde und das Kokossubstrat, das ich verwendet habe, deutlich weniger vorgedüngt waren als die Aussaaterde, die ich über die letzten 5 Jahre immer verwendet habe. Diesen Aspekt hätte ich also im Voraus abchecken müssen, was ich nicht getan habe. Daher hinke ich nun ziemlich hinterher mit meinen Chilis.

Meine erste Maßnahme, dort gegenanzusteuern, war der Einsatz von Chilidünger. Möglicherweise hätte ich etwas intensiver düngen können, aber ich wollte auch nicht zu viel düngen, weil ich nicht wusste, ob ich am Ende den Wurzeln schaden würde. Leider hat das Düngen nicht den gewünschten Effekt gehabt, sodass ich mich nun dazu entschieden habe, einfach sämtliche Sprösslinge in richtige Blumenerde – genauer gesagt Tomaten- und Gemüseerde – umzutopfen. Auch wenn die Pflanzen noch weit vor der Bildung des zweiten Blattpaares stehen, sehe ich doch noch eine Chance für viele dieser Pflanzen, endlich wieder einen Wachstumsschub hinzulegen.

das ist die Erde, in der von nun an alle meine Chilis gedeihen bzw. gedeihen SOLLEN

Beim Umtopfen konnte ich feststellen, dass viele dieser Chilis, die nur ein bis zwei ganz kleine Blätter haben, zumindest einigermaßen gut Wurzeln ausbilden konnten. So hoffe ich jetzt einfach, dass die neue Erde nun zu einem ordentlichen Wachstumsschub beitragen kann. Die roten Habaneros, die schon zu Beginn extrem in die Länge gewachsen sind, habe ich nun alle tiefer gesetzt.

die kleinsten Exemplare haben gerademal damit begonnen, das erste echte Blattpaar auszubilden. Seit 5 Wochen ist hier jedoch Stillstand…

gleiche Situation wie oben, nur immer noch mit Keimblättern…

die Naga Viper haben bisher die größten Blätter ausgebildet, sind aber immer noch meilenweit entfernt von der Sollgröße für diesen Monat…

Auch das ist ein Naga Viper. Obwohl er mein größter Zögling ist, ist er leider trotzdem (noch) kein Vorzeigemodell.

neben den hier abgebildeten Pflanzen stehen noch weitere auf meiner Fensterbank. Es sind also immer noch mehr als genug Pflanzen für den Platz, den wir haben – unter der Annahme, dass sie alle so groß und stark werden wie die Fataliipflanzen links im Bild. Nicht wundern: rechts unten ist ein stark beschnittener Fatalii zu sehen, also leider auch keine größere Jungpflanze.

Welchen Einfluss hatte der Schaden auf die Chilivielfalt?

besonders bitter ist leider, dass es nicht nur viele Pflanzen erwischt hat, sondern dass dabei auch zwei weitere Sorten für diese Saison aus dem Rennen sind. Die gelben Habaneros und Chiltepin sind Sorten, die ich nächstes Jahr in einem neuen Anlauf noch einmal anbauen muss. Übrig sind nur noch Cayenne long slim – wohlgemerkt die Sorte, die am besten mit den Rahmenbedingungen bisher klarkam (ist ja auch die einzige der Art Capsicum annuum) – Giant Rocoto (der einzige Capsicum pubescens), Naga Viper und Habanero red.

Was ist mit den überwinterten Fatalii?

Meine Fatalii freuen sich über die helleren Tage und blühen bereits. Wenn ich Glück habe, gibt es dann schon im Frühsommer die erste Ernte. Da es aber noch sehr kalt draußen ist, kann ich die Chilis nicht rausstellen und muss die Blüten von Hand bestäuben. Dafür verwende ich einen feinen Kosmetikpinsel von meiner Freundin. Bisher bilden die Blüten allerdings alle noch keine Früchte aus, von daher werde ich den Vorgang noch ein paarmal wiederholen dürfen.

zwei Fataliiblüten, die darauf warten, bestäubt zu werden

Abschließend kann ich also sagen, dass viel passiert ist, aber ich bin guter Dinge, dass sich das nun alles langsam einrenken wird und unsere große Ernte dieses Jahr nicht ausfallen muss, auch wenn sie vielleicht dann erst später im Jahr erfolgen kann. Vorher kann ich mich aber an meinen blühenden Fatalii erfreuen, die mir wiederum eine frühzeitige Zwischenernte ermöglichen könnten.


Einsatz von Chilis zur Selbstverteidigung

Chilis geben unseren Speisen das gewisse Etwas. In so gut wie jeder Küche finden wir sie in Pulverform, getrocknet oder in einer Sauce wieder. Heute soll es einmal um die Bedeutung von Chilis in einem ganz anderen Bereich gehen – der eigenen Sicherheit.

Pfefferspray

Beginnen wir mit dem Pfefferspray, dem wohl bekanntesten Beispiel. Einige von euch werden es sogar selbst zu Hause haben. Die Funktionsweise ist dabei ziemlich selbsterklärend. Wenn ein Angreifer uns attackiert, können wir uns damit behelfen, ihm Pfefferspray ins Gesicht zu sprühen. Wer sich schon einmal aus Versehen mit den Händen, mit denen kurz zuvor noch scharfe Chilis geschnitten wurden, an den Augen gerieben hat, kann in etwa erahnen, welcher Schmerz damit verbunden ist, wenn eine größere Menge Capsaicin direkt auf unsere Augen trifft.

Eine vorübergehende ggf. stundenlange Erblindung und Langzeitschäden an der Hornhaut können die Folge sein. Darüber hinaus gelangt auch Capsaicin in die Nase und greift die Atemwege an. Für Asthmatiker, Herzpatienten und Leute, die unter Einfluss von Kokain stehen, kann die Situation, wenn der Wirkstoff in die Lunge gelangt, tödlich enden.[1] Aber auch sonst kann der Angreifer Atemnot und Herzrasen erleiden.

Daher lautet meine Empfehlung für die potentiellen Angreifer, auf keinen Fall Leute zu überfallen; erst recht nicht dann, wenn ihr Asthmatiker oder Herzpatienten seid oder unter Einfluss von Kokain steht.

Das ursprüngliche Einsatzziel von Pfefferspray sollte die Selbstverteidigung gegen Tiere sein.[2] In den USA und Kanada wird es beispielsweise zur Selbstverteidigung gegen Bären empfohlen. Es soll wesentlich wirksamer als der Einsatz von Schusswaffen sein.[3]

Verteidigung gegen Elefanten

Die Verteidigung gegen Tiere ist auch in ferneren Kulturen sicherheitsrelevant für gesamte Dörfer. In Indien und Afrika stellen Elefantenüberfälle eine ernstzunehmende Bedrohung dar. Es gibt zwei gängige Methoden, um Dörfer gegen Elefanten abzusichern. Die erste Methode ist der Bau von Chilifackeln, die zweite Methode ist das Chiliseil. Umliegende Felder werden von Leuten bewacht, die mit Chilikanonen bewaffnet sind.

Chilifackeln sind im Prinzip Strohfackeln, nur dass dem Stroh noch sehr scharfe Chilis wie z.B. Bhut Jolokia, beigelegt werden. Werden diese Fackeln angezündet, entsteht ein beißender Geruch, der Elefanten abschreckt und fernhält. Ebenso funktioniert das auch mit anderen Methoden, wie z.B. zerriebenen Chilis, die mit Elefantenkot und Wasser vermengt werden und zu Haufen mit einer Mulde geformt werden. In die Mulde wird ein glühendes Stück Kohle gelegt, wodurch ebenso ein beißender Geruch in der Umgebung verteilt wird.[4]

Für das Chiliseil wird ein Seil in einem Gemisch aus gemahlenen Chilis und Schmierfett getränkt und dann um das Dorf herum wie ein Stromzaun aufgespannt. Obwohl es sich hierbei lediglich um ein Seil handelt, das aus rein statischer Betrachtung nicht einmal einen Babyelefanten aufhalten könnte, reicht der Geruch aus, um die Elefanten zur Umkehr zu bewegen, ohne dass sie das Seil berühren.[5]

Können die Dörfer noch mit relativ überschaubarem Aufwand regelmäßig mit neuen Fackeln und Seilen nach außen hin abgesichert werden, gestaltet sich dies auf großen Feldern deutlich schwieriger. Die Grenzlinien sind wesentlich länger, was einen erhöhten Material- und Personalaufwand bedeuten würde, wenn hier dieselben Methoden wie zur Dorfabsicherung zum Einsatz kämen. Deshalb werden die Felder stattdessen von patrouillierendem Personal bewacht, das mit Chilikanonen ausgestattet ist. Chilikanonen sind Handfeuerwaffen mit einer Reichweite von ca. 30 Meter. Sie schießen Kugeln ab, die mit Chiliölextrakt gefüllt sind und beim Aufprall zerplatzen. Wird ein Elefant getroffen, schlägt es ihn in die Flucht.[6]

Wie ihr seht, gibt es Wege, sich vor Gefahren durch Tiere zu schützen, ohne sie dabei umbringen oder ihnen bleibende Schäden zufügen zu müssen. Chilis tragen somit einen wichtigen Beitrag dazu bei, die eigene Sicherheit unter Berücksichtigung des Artenschutzes bewahren zu können.

Quellen